„Nachhaltigen Pelz gibt es nicht!“ – Werberat rügt Pelzindustrie

Malcolm Klimowicz

PETA France legt Beschwerde gegen die Pelzindustrie ein – und gewinnt

PETA France ist gegen eine Anzeigenkampagne der International Fur Federation (IFF) vorgegangen, die in einer Printausgabe der Vogue Paris erschien. Mit seiner Imagekampagne versucht der IFF, über die grausame Herkunft von Pelzen hinwegzutäuschen und das Tierqualprodukt als „umweltfreundlich“ und „ethisch“ darzustellen. PETAs Partnerorganisation reichte beim französischen Werberat (JDP) Belege ein, die das genaue Gegenteil aufzeigen. Dieser stimmte der Argumentation von PETA France zu und rügte die IFF nun:

Die vermeintliche Umweltfreundlichkeit von Pelz sei nicht begründet, und die International Fur Federation verstoße damit gegen die „Grundsätze der Fairness und Wahrhaftigkeit“, die im Werbekodex der Internationalen Handelskammer festgelegt sind.

Pelze belasten die Umwelt massiv

Für die Produktion von Pelzen werden jedes Jahr über 100 Millionen Tiere in winzige Käfige eingesperrt und per analem Elektroschock oder Vergasung getötet bzw. erschlagen. Die Zucht von Tieren gehört generell zu den größten Klimakillern unserer Zeit – von der Produktion von Futtermitteln bis hin zu den nitrathaltigen Ausscheidungen der Tiere auf Pelzfarmen. Zudem müssen alle Felle unter hohem Chemikalieneinsatz haltbar gemacht werden. Nicht ohne Grund haben zahlreiche Luxuslabel wie Burberry oder das Kaufhaus Breuninger in den vergangenen Monaten das Ende ihres Pelzverkaufs angekündet und dabei auch Gründe der Nachhaltigkeit aufgeführt.

Irreführende Pelz-Werbung schon in der Vergangenheit gerügt

Ähnliche Werbekampagnen der Pelzindustrie wurden bereits 2011 in Belgien verboten. Damals wurde in einer Pelz-Werbekampagne der Begriff „eco-friendly” (umweltfreundlich) verwendet. Auch in Großbritannien wurde der dortige Werberat aktiv und stufte die Aussage einer Pelzwerbung, dass Pelze biologisch abbaubar und einfach zu recyceln seien, 2012 als irreführend ein.

So schmutzig sind Pelze

Pelz ist ein Stück getötetes Tier – die Haut unter dem Fell würde verwesen, wenn
sie nicht haltbar gemacht würde. Hierzu werden die toten Häute zuerst unter hohem Energieaufwand gekühlt oder mit umweltschädlichen Mengen an Salzen konserviert. Für die sogenannte Zurichtung (vergleichbar mit der Gerbung von Leder) werden anschließend zahlreiche – zum Teil krebserregende – Chemikalien wie Formaldehyd eingesetzt. Auch die weitere Verarbeitung, wie das Färben vieler Felle, ist weder natürlich noch nachhaltig, noch ist das Endprodukt biologisch abbaubar. Untersuchungen von Pelzkleidung konnten immer wieder zeigen, dass in den Produkten zahlreiche gefährliche Stoffe zu finden sind.

Pelzprodukte sind keine Alternativen zu Mikroplastik

Um Menschen zum Pelzkauf zu verleiten, greift die Pelzindustrie ironischerweise immer öfter das Thema Mikroplastik auf. Dabei enthalten viele Pelzprodukte selbst Mikroplastik, denn unzählige Pelzjacken und -mäntel werden mit Polyesterstoffen vernäht, zum Beispiel als Futter oder Außenstoff. Wer die Umwelt wirklich schützen möchte, sollte nicht auf die Marketinglügen der Pelzindustrie hören, sondern zu pflanzenbasierten Materialien wie Bio-Baumwolle, Tencel, Hanf oder Leinen greifen. Zum Schutz unserer Gewässer vor Mikroplastik kann man zudem einen speziellen Waschsack verwenden.

Was Sie tun können

Bitte unterstützen Sie niemals, dass Tiere ihres Felles wegen in Käfige gesteckt bzw. gejagt und erschossen werden. Greifen Sie stattdessen zu veganer Mode – denn die ist nicht nur tierleidfrei, sondern oftmals umweltfreundlicher als tierische Produkte. Unterschreiben Sie bitte zudem unsere Petition und fordern Sie Canada Goose auf, Pelz aus seinem Sortiment zu verbannen.


 

Unsere Autoren

Johanna Fuoß

Hanna ist Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie. Dass sie sich heute für tierfreie Kleidung einsetzt, ist ihren pelztragenden Katzen zu verdanken.