Pelzfarmen – Brutstätten für Krankheiten wie COVID-19?

Aktuelles Update

Mittlerweile sind in den Niederlanden Nerze und Arbeiter auf Pelzfarmen nachweislich an Covid-19 erkrankt. [4] Die Niederländische Agrarministerin warnt zudem, dass der Übertragungsweg vermutlich nicht nur vom Menschen auf das Tier möglich ist, sondern auch umgekehrt. Mindestens ein Arbeiter wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem infizierten Tier angesteckt. [5] Dadurch wird deutlicher denn je, wie gefährlich Pelzfarmen für die öffentliche Gesundheit sind. 2015 wurde in den Niederlanden ein Verbot verabschiedet, welches die Produktion von Nerzfellen bis 2024 verbietet. Hoffentlich trägt die aktuelle Situation dazu bei, dieses Ziel zu beschleunigen. Dadurch würde tausenden Nerzen ein eintöniges Leben in winzigen Drahtgitterkäfigen und ein grausamer Tod durch Vergasung erspart bleiben.

Originalartikel:

Die Entstehung von Zoonosen wie Covid-19, SARS oder Schweinegrippe ist eng damit verbunden, dass wir Tiere für die Produktion von Fleisch, Milch oder Eiern auf engstem Raum und unter unhygienischen Bedingungen zusammen einsperren. Diese Tatsache ist mittlerweile ins Bewusstsein vieler Menschen gedrungen. Doch Tiere werden in der sogenannten Massentierhaltung nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch für die Textilindustrie gezüchtet, vor allem für Pelz. Der Virologe Christian Drosten warnte 2020 in einem Interview:

„Massentierhaltung – das ist im arabischen Raum auch das Kamel und in China der Marderhund für das Fell an der Kapuze. 2003 wurde eine Studie publiziert, die besagt, dass auf Märkten nicht nur in Schleichkatzen SARS gefunden wurde, sondern auch in Marderhunden. Ich vermute seit einiger Zeit, dass da ein Problem schlummert. Marderhunde werden massenhaft gezüchtet, daran hängt eine große Textilindustrie.“ [1

Auch bei uns tragen viele Menschen das Leid der Marderhunde als Bommelmütze oder Pelzkragen zur Schau.

Marderhunde auf chinesischen Märkten gestapelt und lebend gehäutet

Auch Wildtier-Experte Peter Knights von der Organisation Wild Aid ist sich sicher, dass Stress, Dehydrierung, Mangelernährung, unhygienische Bedingungen sowie die Vermischung wild lebender und domestizierter Tierarten der perfekte Cocktail ist, um eine neue tödliche Krankheit zu schaffen. [2]

Derartige Zustände sind Standard in der Pelzindustrie. Zahlreiche Undercover-Aufnahmen zeigen Marderhunde, die auf chinesischen Märkten in winzigen Kisten gestapelt werden. Die Tiere werden oftmals lebend zur Schau gestellt und vor Ort getötet, indem die Arbeiter mit herumliegenden Gegenständen auf die Tiere einschlagen, bis sie sich nicht mehr regen. Da diese Form der Tötung äußerst ineffektiv ist, sind viele Tiere noch bei Bewusstsein, wenn ihnen die Haut vom Körper geschnitten wird. Die gehäuteten Körper der Tiere werden auf den Märkten meist achtlos auf einen Haufen geworfen. Darunter befinden sich auch Tiere, die noch am Leben sind und deren gehäutete Körper sich langsam heben und senken, während sie sich schwer keuchend in ihren Qualen winden.

Verbreitung gefährlicher Viren durch Pelzfarmen?

In seiner Einschätzung bezieht sich Drosten auf eine Studie aus dem Jahr 2003. Schon damals warnten Wissenschaftler davor, dass Märkte. auf denen Tiere wie Marderhunde lebend gehandelt werden, SARS-ähnliche Viren verbreiten und auf neue Wirte wie den Menschen übertragen könnten. Von den Märkten gehe eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit aus. [3] Auch auf dem Wet Market in Wuhan, auf dem der Ursprung der aktuellen COVID-19-Krise vermutet wird, werden Marderhunde gehandelt.

Zwar gibt es noch keine ausführlichen Studien darüber, ob Marderhunde Viruserkrankungen auf den Menschen übertragen können. Doch man muss kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass es in einem Unglück endet, wenn Millionen Wildtiere dicht an dicht in winzige, völlig verdreckte Käfige gesperrt und gestapelt werden. Wer Pelz trägt, fügt nicht nur Tieren Leid zu, sondern gefährdet womöglich die Gesundheit aller Menschen.

Was Sie tun können

Bitte kaufen Sie niemals Pelz oder Pelzprodukte. Damit retten Sie nicht nur zahlreiche Tierleben, sondern tragen höchstwahrscheinlich dazu bei, die Entstehung und Ausbreitung gefährlicher Viren zu verhindern. Schützen Sie die Tiere und sich selbst vor der qualvollen Pelzindustrie. Klären Sie pelztragende Menschen über die Risiken und Folgen der Pelznutzung für Mensch und Tier auf.

Sie wollen noch mehr tun? Kontaktieren sie Unternehmen wie Escada, die noch immer Pelze verkaufen, und fordern Sie die Unternehmen dazu auf, den Handel mit den gefährlichen Pelzen sofort zu beenden.



[1] Geisler, Anika/ Schneider, Mathias (2020): Virologe Christian Drosten: „Wir haben in Deutschland einige Vorteile gegenüber anderen Ländern“. Stern. Online unter: https://www.stern.de/gesundheit/virologe-christian-drosten---wir-haben-in-deutschland-einige-vorteile-gegenueber-anderen-laendern--9190450.html (zuletzt abgerufen am 06.04.2020)
[2] Denyer, Simon (2020): Coronavirus outbreak underscores potential health risks in China’s wild animal trade. Washington Post. Online: https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/coronavirus-outbreak-underscores-potential-health-risks-in-chinas-wild-animal-trade/2020/01/25/5f5353be-3f6f-11ea-971f-4ce4f94494b4_story.html (zuletzt abgerufen am 06.04.2020)
[3] Guan, Y et. Al (2003): Isolation and Characterization of Viruses Related to the SARS Coronavirus from Animals in Southern China. ISSN 1095-9203. Science. American Association for the Advancement of Science. Online: https://science.sciencemag.org/content/sci/early/2003/09/04/science.1087139.full.pdf (zuletzt abgerufen am 06.04.2020)
[4] Tidey Alice (2020): Coronavirus: Minks tets positive for COVID-19 at two Dutch farms. Euronews. Online: https://www.euronews.com/2020/04/26/coronavirus-minks-test-positive-for-covid-19-at-two-dutch-farms (zuletzt abgerufen am 30.04.2020)
(5) Reuters (2020): Dutch farm worker contracted coronavirus from mink - agriculture minister. Reuters. Online: https://uk.reuters.com/article/uk-health-coronavirus-netherlands-mink/dutch-farm-worker-contracted-coronavirus-from-mink-agriculture-minister-idUKKBN22V3AS (zuletzt abgerufen am 22.05.2020)


 

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