Warum Sie niemals einen Australian Shepherd kaufen sollten

Sie denken darüber nach, einen Australian Shepherd zu kaufen? Dann sollten Sie vorher einige Dinge über diese Hunderasse wissen. Erfahren Sie hier, wie viel Beschäftigung ein sogenannter Aussie braucht, was es mit der Merle-Farbe auf sich hat und wieso Sie am besten niemals einen Australian Shepherd kaufen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Wie viel kostet ein Australian Shepherd?

Züchter:innen verdienen mit Australian Shepherd Welpen zwischen 1.300 und 2.500 Euro pro Tier. Während die Tierheime voller Hunde sind, die auf ein neues Zuhause hoffen, „produzieren“ Züchter:innen jedoch immer weiter Tiere nach. Aufgrund der hohen Nachfrage und auch weil sich mit der Zucht von Hunden viel Geld machen lässt, verkaufen zudem dubiose Händler:innen Welpen häufig mit gefälschten Heimtierausweisen und Papieren. Die Hunde stammen meist aus Osteuropa und werden illegal über das Internet verkauft.

Da auf Tierportalen jeder Händler anonym agieren kann, ist oft nicht erkennbar, woher die Welpen stammen. Die meisten Welpen sind viel zu jung, nicht geimpft oder gechipt und oft krank. Viele von ihnen sterben bereits kurz nach der Ankunft in ihrem neuen Zuhause. Andere leiden ihr Leben lang an Verhaltensstörungen. Auch bei vermeintlich seriösen „Züchtern von nebenan“ werden immer wieder grauenvolle Zustände und enormes Tierleid aufgedeckt. Schon häufig mussten völlig verwahrloste Hunde aus kleinen Käfigen voller Kot und Urin gerettet werden, während die Züchter:innen selbst mit „liebevoller Haltung“ warben.

Hund im Zwinger
Im April 2020 erreichten uns Aufnahmen wie diese von einer Hundezüchterin, die sich im Internet als „liebevolle Züchterin von nebenan“ präsentierte.
A.S.N.

Da Australian Shepherds mit dem Merle-Faktor oftmals gesundheitliche Probleme entwickeln können, fallen oft später hohe Tierarztkosten an. So sind viele Merle-Hunde ein- oder beidseitig taub, leiden unter Augenproblemen oder müssen wegen Deformierungen an Knochen, Geschlechtsteil oder Herz behandelt werden. [1, 2]

Wenn Sie einen Australian Shepherd aus dem Tierheim aufnehmen, kostet dies meist wenige Hundert Euro Schutzgebühr, die dem Tierheim zugutekommen.

Für wen eignet sich ein Australian Shepherd?

Wie jeder andere Hund auch sollte ein Australian Shepherd nur von tierfreundlichen Menschen aufgenommen werden, die genügend Zeit haben, um sich mehrere Stunden am Tag mit einem Hund zu beschäftigen. Dazu gehören nicht nur ausgiebige Spaziergänge, sondern auch Spielrunden oder der Besuch einer Hundeschule. Vor der Aufnahme sollte man sich bewusst machen, dass ein Hund je nach Alter einen für viele Jahre begleiten wird. Auch die Kosten für Nahrung, Tierarzt, Steuer, Spiel- und Pflegeprodukte sollten nicht unterschätzt werden. Da Australian Shepherds mit den Farben „Blue Merle“ oder „Red Merle“ oft zuchtbedingt unter schweren gesundheitlichen Problemen leiden, fallen häufig hohe Tierarztkosten an.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Mensch und Hund zueinander passen. Lernen Sie den Vierbeiner daher vor der Aufnahme kennen und verbringen Sie Zeit mit ihm. Besuchen Sie dafür am besten ein örtliches Tierheim oder eine Pflegestelle. Kaufen Sie niemals einen Australian Shepherd oder einen anderen Hund bei Züchter:innen oder im Internet. Da diese Anbieter vorrangig auf Profit aus sind, stammen viele Tiere aus dem illegalen Welpenhandel und sind oft krank. Zudem nutzen viele Züchter:innen Hunde als regelrechte Gebärmaschinen aus und trennen die Welpen zu früh von ihrer Mutter. Fragen Sie daher im Tierheim nach, ob dort ein Australian Shepherd auf ein neues Zuhause wartet oder lernen Sie die vielen anderen Hunde im Tierheim kennen – mit Sicherheit wartet dort bereits Ihr neuer Begleiter auf Sie!

Australian Shepherd
Bevor man einen Hund aufnimmt, sollte sichergestellt werden, dass man den Bedürfnissen des Tieres gerecht wird.

Ist ein Aussie ein Familienhund?

Ob ein Hund zu einer Familie passt oder nicht, ist unabhängig von seiner Rasse. Darüber entscheidet lediglich der Charakter des Hundes und der Menschen in der Familie. Ein Golden Retriever von Züchter:innen kann mit Kindern nicht verträglich sein, während ein Pitbull aus dem Tierheim der netteste Spielgefährte sein kann. Ob ein Australian Shepherd sich mit Kindern oder anderen Familienmitgliedern gut versteht, kann pauschal nicht gesagt werden. Entscheiden Sie daher niemals nach der Rasse, welchen Vierbeiner Sie bei sich aufnehmen, sondern nach seinem Charakter.

Am besten lernen Sie den Hund im Tierheim oder auf einer Pflegestelle bereits kennen und gehen gemeinsam spazieren. Vielleicht darf der Hund sogar auf Probe bei Ihnen einziehen. Dies ermöglichen Züchter:innen meist nicht, weswegen Sie niemals bei einem Händler oder gar übers Internet einen Hund kaufen sollten. Zudem warten in deutschen Tierheimen Tausende Vierbeiner auf die Chance auf ein neues, glückliches Zuhause – viele von ihnen bei einer Familie. Geben Sie diesen Hunden eine Chance!

Hund gibt Pfote
Ob sich ein Hund gut in eine Familie eingliedert, lässt sich pauschal nicht sagen.

Wie viel Beschäftigung braucht ein Australian Shepherd?

Die meisten Hunde brauchen viel Bewegung und Beschäftigung. Leider denken viele Menschen, dass einige gemütliche Spaziergänge am Tag reichen, um Australian Shepherds auszulasten. Doch ebenso wie viele andere Hunde brauchen die sogenannten Aussies mehrere Stunden Bewegung pro Tag und viel Abwechslung. Die Hunde werden seit Jahrhunderten als „Hütehunde“ gezüchtet und haben dementsprechend einen großen Bewegungsdrang und brauchen eine Aufgabe, um glücklich zu sein. Diese Hunde in einer Wohnung zu halten und nur auf kurze Spaziergänge mitzunehmen, kommt Tierquälerei gleich.

Ist ein Hund körperlich und geistig nicht ausgelastet, äußert sich dies oft in unverträglichem bis aggressivem Verhalten. Leider führt dies häufig dazu, dass die Halter:innen den Hund im Tierheim abgeben. Machen Sie sich daher vor der Aufnahme eines Hundes Gedanken darüber, ob Sie dem Tier die Zeit und Energie widmen können, die es benötigt, um zufrieden und entspannt zu sein.

Australian Shepherd mit Stock im Mund
Australian Shepherds sind sehr agil und fordern jede Menge Beschäftigung.

Kann ich meinen Aussie alleine lassen?

Ob und wie lang ein Hund allein bleiben kann, ist unterschiedlich und hängt nicht von der Rasse des Hundes ab. Während einige Hunde problemlos mehrere Stunden entspannt zu Hause bleiben, bedeutet für andere Hunde jede Trennung vom Menschen Stress pur. Grundsätzlich gilt: Lassen Sie Ihren Hund so wenig und so kurz wie möglich allein. Wenn Sie ihren Hund nicht mit zur Arbeit nehmen können, sorgen Sie dafür, dass jemand mit Ihrem Vierbeiner Gassi geht oder bringen Sie ihn in eine Tagespension. Kein Hund sollte acht oder neun Stunden allein gelassen werden.

Damit Sie jedoch auch mal einen Abend ausgehen oder alleine einkaufen gehen können, sollten Sie das Alleinbleiben für wenige Stunden unbedingt mit Ihrem Hund langsam aufbauen und üben! Bei Fragen oder Unsicherheiten sollten Sie unbedingt Hilfe von einem Hundetrainer oder einer Hundetrainerin annehmen, welche mit positiver Bestärkung arbeiten. 

Was bedeutet die Farbe Merle?

Bei Australian Shepherds sind besonders die Farben „Blue Merle“ und „Red Merle“ beliebt. Hunde mit dieser Fellfarbe weisen den Merle-Faktor auf – eine Gen-Mutation, die die Pigmente der Hundehaare stört. Dadurch wird das Fell der Tiere heller und bunt gescheckt. Auch entstehen durch den Gen-Defekt oft sehr helle oder unterschiedliche Augenfarben. Doch mit der Züchtung von Merle-Hunden und dem damit verbundenen Gen-Defekt gehen viele gesundheitliche Risiken einher. So leiden viele Merle-Hunde unter Taubheit oder Gleichgewichtsstörungen, da ihr Innenohr fehlgebildet ist. Zudem haben viele Tiere verkleinerte Augen, entrundete Pupillen und eine Spaltenbildung der Augenhäute. Welpen mit dem Merle-Gen kommen oftmals bereits blind auf die Welt. Auch Geschlechtsorgane, Knochen und Herz der Merle-Hunde können verformt sein. [1, 2]

Besonders Hunde mit reinerbiger Merle-Farbe leiden unter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Sie sind als Welpen bereits weniger lebensfroh als andere Welpen und sterben sogar oft noch vor ihrer Geschlechtsreife. Daher gilt die Verpaarung zweier Merle-Hunde als Qualzucht und ist laut Tierschutzgesetz § 11b verboten. [3] Doch ebenso wie Französische Bulldoggen, Schäferhunde oder Chihuahuas werden auch diese Qualzuchten weiter gezüchtet und das Leid der Tiere für ihr Aussehen in Kauf genommen. [1]

Australian Shepherd mit Merle Effekt
Der Merle-Faktor ist eine bestimmte Farbvariation im Fell der Hunde.

Auch mischerbig veranlagte Merle-Hunde leiden oft ihr ganzes Leben unter körperlichen Einschränkungen. So können 37 Prozent aller mischerbigen Merle-Tiere nur eingeschränkt hören und viele Tiere weisen eine Gleichgewichtsstörung auf. [2] Auch die Lebenserwartung eines Australian Shepherds mit Merle-Faktor ist geringer als die eines Artgenossen ohne die Gen-Mutation. [1]

Kaufen Sie daher niemals einen Australian Shepherd oder einen anderen Hund mit Merle-Faktor, denn damit unterstützen Sie die Merle-Züchtung und damit Tierquälerei.

Was ist ein Mini Australian Shepherd?

Der Mini Australian Shepherd ist eine mit Absicht kleiner gezüchtete Form des Australian Shepherds. Die Hunde sind mindestens 10 Zentimeter kleiner als der „Standard“. Da es keinerlei Kontrollen oder Regeln für die Zucht der Mini Australian Shepherds gibt, gehen mit der Züchtung viele gesundheitlichen Risiken für die Tiere einher. [4]

So ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Hunde unter erblich bedingten Augenkrankheiten oder dem Stoffwechseldefekt MDR1 leiden. Dieser Defekt verursacht Überempfindlichkeiten gegenüber manchen Medikamenten, was eine Behandlung durch einen Tierarzt oder eine Tierärztin oft erschwert. Zudem wird manchen Mini Australian Shepherds ein verkürzter Schwanz angezüchtet, was die Hunde stark in ihrer Kommunikation einschränkt.  

Was sollte man über Australian Shepherds wissen?

  • Australian Shepherds benötigen sehr viel Beschäftigung, Bewegung und geistiges Training.
  • Australian Shepherds mit einer Merle-Farbe sind eine Qualzucht.
  • Viele Merle-Hunde leiden unter Taubheit, Blindheit und anderen gesundheitlichen Problemen.
  • Im Internet werden Australian Shepherds oft von illegalen Welpenhändlern angeboten.
  • Mit dem Kauf bei Züchter:innen fördert man das Leid der Tiere.
  • Besuchen Sie lieber ein Tierheim, denn dort warten zahllose Hunde auf ein neues Zuhause.