Erlebnispark Starkenberg: Tierquälerei im „Elefantenreservat“

Seit Jahren dokumentieren wir von PETA Deutschland die schlimmen Zustände, mit denen der ehemals unter dem Namen „Circus Afrika“ reisende Zirkus immer wieder gegen rechtliche Bestimmungen verstößt: unzulässiges Fixieren der Elefanten während des Tages, mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten, Temperaturen im Stallzelt nahe dem Gefrierpunkt. Die drei Elefanten leiden zudem unter starken Verhaltensstörungen. Seit 2020 geht der berüchtigte Zirkus nicht mehr auf Tournee, sondern hat nun im thüringischen Starkenberg eine Art stationären Zirkus als vermeintliches Elefantenreservat eingerichtet – den Erlebnispark Starkenberg.

Inhaltsverzeichnis

Circus Afrika: Show-Programm mit Tier-Vorführungen

Das Unternehmen der Zirkusfamilie Weisheit trat in den vergangenen Jahrzehnten unter ständig wechselnden Namen auf – darunter „Zirkus Africas Big Circus“ oder „Jambo Afrika“, „Zirkus Monte Carlo“ und „Zirkus Don Carlos“ – und tourte zuletzt als „Circus Afrika“ durch Deutschland. Zahlreiche Tiere gehörten zum festen Showprogramm des Zirkusbetriebs – beispielsweise Pferdeshows, in denen die Pferde und Ponys Choreografien aufführen mussten, zum Teil auch mit Kamelen. Die Elefanten mussten sich beispielsweise auf Podeste setzen, sich auf ihren Hinterbeinen aufrichten und einen Ball durch die Manege werfen.

Missstände im Circus Afrika

Aufgrund der mangelhaften Tierhaltung stand der reisende Zirkus in der Vergangenheit mehrfach in der Kritik und musste sich auch wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz verantworten. Die Liste der teils gravierenden Missstände ist lang:

Verhaltensgestörte Elefanten zum Vergnügen der Besucher:innen ausgebeutet

Zahlreiche Videoaufnahmen aus den vergangenen Jahren zeigen die drei Elefantinnen beim sogenannten „Weben“. Dabei schwingen die Tiere mit Kopf und Körper hin und her. Diese Verhaltensstörung gilt als Anzeichen für schweres seelisches Leiden und tritt bei freilebenden Elefanten nicht auf. 

Aufnahmen von 2019 während des Gastspiels von Circus Afrika in Regensburg zeigen, wie die Elefanten den Rüssel und den Kopf hin und her schwenken, während sie nachts angebunden sind. Das Material wurde uns von PETA Deutschland zugespielt.

Auch ein Sachverständigengutachten hat die Verhaltensstörungen bestätigt und sogar in ein fortgeschrittenes Stadium eingeordnet. [1]

Circus Afrika eilte sein schlechter Ruf voraus

Zudem fiel Circus Afrika immer wieder mit Ausbrüchen und „Spaziergängen“ der Elefanten und weiteren fragwürdigen Aktionen negativ auf. Wegen fahrlässiger Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wurde der Zirkusdirektor bereits vom Amtsgericht Erfurt zu einem Bußgeld verurteilt. Auch wegen Gewalt gegen Menschen machte der Zirkus immer wieder von sich reden, wie Beschimpfungen und Drohungen gegen Bürgermeister:innen und Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung an Gastspielorten. [2] 2018 wurde Zirkus-Direktor Hardy Weisheit sogar wegen Körperverletzung an einer Weimarer Amtsveterinärin rechtskräftig verurteilt. [3] Ein Clown des Zirkusunternehmens verprügelte einen Teenager. [4]

Im Juni 2019 brachen die Elefanten beim Gastspiel in Cham aus und liefen durch den Straßenverkehr. Zu Werbezwecken wurden die Elefanten auch in der Öffentlichkeit „spazieren“ geführt.

Dass dem Zirkus sein schlechter Ruf vorauseilte und es daher zunehmend schwieriger wurde, Genehmigungen für Gastspiele zu erhalten, dürfte zu der Entscheidung beigetragen haben, aufs Reisen zu verzichten – dies geschah nicht zum Wohle der Tiere.

Erlebnispark Starkenberg: Tierquälerei geht im „Elefantenreservat“ weiter

2020 gaben die Verantwortlichen bekannt, nicht mehr ständig auf Tour gehen zu wollen und eröffneten unter dem Namen „Erlebnispark Starkenberg“ einen stationären Zirkus. Kamele, Ziegen, Pferde, Lamas und andere Tiere werden dort weiterhin für die Besucher:innen zur Schau gestellt – der Betrieb steht weiterhin wegen Tierquälerei in der Kritik. [5]

Auch die verhaltensgestörten Elefanten werden nach wie vor im „Erlebnispark“ eingesperrt und zur Unterhaltung von Besucher:innen missbraucht. Sogar direkte Interaktionen mit den Tieren werden nun angeboten: Wer möchte, kann den Elefantinnen Moja, Tonga und Gandhi nicht nur Nahrung geben und sie streicheln, sondern auch Fotoshootings buchen und einen „Elefantenführerschein“ machen. Dabei werden die Elefanten gezwungen, Menschen auf ihrem Rücken zu tragen. Viele Reiseanbieter streichen Angebote wie Elefantenreiten mittlerweile aus Tierschutz- und Sicherheitsgründen aus ihrem Programm – die Verantwortlichen des ehemaligen Circus Afrika hingegen werben unter irreführendem Namen als „Elefantenreservat“ mit dieser tierquälerischen Attraktion.

Anbindehaltung verstößt gegen Zirkusleitlinien

Augenzeugen dokumentierten im März 2021, wie die Elefanten im Erlebnispark Starkenberg in einer Scheune tagsüber an den Beinen fixiert waren – dies ist jedoch nur nachts oder unter bestimmten Voraussetzungen, etwa während Pflegemaßnahmen, zulässig. Wie die Augenzeugen berichten, waren jedoch keine Zirkusmitarbeiter:innen vor Ort anzutreffen. Wegen der Ankettung der Elefanten am Tag wurde bereits in der Vergangenheit ein Bußgeld gegen Circus Afrika verhängt. Die Zirkusverantwortlichen versuchen derweil, den Schein nach außen zu wahren.

Verletzter angeketteter Elefant

Elefanten im Zirkus und Freizeitpark – eine tickende Zeitbombe

Die Dressur von Elefanten ist von Gewalt und Zwang geprägt. Darum sind auch die Gefahren für Zirkus-Besucher:innen nicht zu unterschätzen: Die misshandelten Tiere können unberechenbar sein und zur tickenden Zeitbombe werden. Seit 1980 wurden mindestens 52 Personen von Elefanten in Zirkussen in Europa und Nordamerika getötet. Mindestens 148 Personen wurden teilweise schwer verletzt. Die meisten dieser Vorfälle wurden durch Elefantinnen ausgelöst, obwohl Elefantenbullen generell als aggressiver gelten. [6] In Europa, [7] den USA [8] und in Indien [9] wurden Elefanten, die für Unterhaltungszwecke eingesetzt wurden, zudem positiv auf Tuberkulose getestet. Da die Erreger auf Menschen übertragbar sind, müssen die Behörden dieses Risiko ebenfalls berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund sind „Attraktionen“ wie das Elefantenreiten nicht nur aus Tierschutzsicht kritisch, sondern bergen auch für das Publikum eine erhebliche Gefahr.

Darum bedeuten Zirkusse und ähnliche Attraktionen immer Tierleid

Alle Elefanten in deutschen Zirkussen wurden als Babys ihrer Familie und ihrem natürlichen Lebensumfeld in Afrika und Asien entrissen – das gilt auch für Tonga, Moja und Gandhi des ehemaligen Circus Afrika, die jetzt im Erlebnispark Starkenberg weiter als Publikumsmagnet missbraucht werden. [10] Im Zirkus und ähnlichen Einrichtungen werden die sensiblen Tiere jahrelang gequält, angekettet und eingesperrt.

Ohne Zwang würden Tiere im Zirkus die unnatürlichen und beängstigenden Darbietungen verweigern. Die lebenslangen Misshandlungen und Entbehrungen führen häufig zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und einem frühen Tod. [11]

Tiere sind nicht dazu da, uns zu unterhalten – sie sind fühlende Lebewesen, die ein möglichst selbstbestimmtes und unversehrtes Leben verdient haben. Wir fordern von Zirkussen mit Tieren, die grausame Ausbeutung zu beenden und die Tiere an Auffangstationen zu übergeben.

Wie Sie den Tieren in Zirkus und Co. helfen können

Bitte besuchen Sie weder Zirkusse noch andere Einrichtungen wie Zoos, Tierparks und Freizeitparks, die Tiere zu Unterhaltungszwecken missbrauchen. Bei solchen tierquälerischen Freizeitaktivitäten ist es unmöglich, etwas über das natürliche Verhalten der eingesperrten Tiere zu lernen. Greifen Sie stattdessen auf tierfreundliche Alternativen zurück.