Lebenshöfe – eine zweite Chance im Leben für Tiere

Im Schlamm suhlende Schweine, grasende Kühe mit ihren Kälbern und Hühner, die in der Erde scharren: Das sind die idyllischen Bilder, die uns die Tierwirtschaft gerne von ihren Betrieben vermittelt. Doch solche Haltungsbedingungen haben meist nichts mit der Wahrheit zu tun, denn Tieren in der Nahrungsmittelindustrie werden grundlegende, natürliche Verhaltensweisen verweigert. Sie werden nur aus wirtschaftlichen Zwecken gehalten und früher oder später im Schlachthaus getötet. Gänzlich anders verhält es sich mit Lebenshöfen, auf denen Tieren ein weitestgehend artgerechtes Leben ermöglicht wird. Erfreulicherweise steigen seit einigen Jahren immer mehr Landwirte aus der tierquälerischen Tierwirtschaft aus und stellen ihren Betrieb auf solch einen Lebenshof um – ein Ort, an dem jedes Leben zählt.    

Was ist ein Lebenshof?

Lebenshöfe nehmen Tiere auf, die früher in der Tierwirtschaft ausgebeutet wurden. Sie schenken ihnen eine „zweite Chance“ auf ein unversehrtes Leben, das ihnen bislang vorenthalten wurde und nun zurückgegeben wird.

Der Begriff „Gnadenhof“ ist in diesem Zusammenhang zwar geläufiger, impliziert jedoch, dass die Landwirte gnädig oder großzügig sind und den Tieren, nachdem diese ausgedient haben, noch ein wenig „Ruhe“ gönnen. Wir von PETA bevorzugen daher den Begriff „Lebenshof“, denn ein unversehrtes Leben ist keine Gnade, sondern steht den Tieren von Geburt an zu.

Im Gegensatz zu Lebenshöfen werden bei Veranstaltungen auf Gnadenhöfen teilweise Fleisch und andere tierische Produkte angeboten. Dies spiegelt eine äußerst paradoxe Einstellung wider, die sich darin ausdrückt, dass Gnadenhöfe die einen Tiere vor dem Tod im Schlachthof schützen, während andere serviert werden. Meist wird als Begründung genannt, dass an rein veganen Veranstaltungen weniger Leute teilnehmen und somit weniger Spenden generiert würden.

Anders als ein Tierheim vermittelt ein Lebenshof die Tiere nicht weiter, sondern lässt sie bis ans Ende ihrer Tage ihren natürlichen Verhaltensweisen bestmöglich nachgehen. Außerdem werden auf Lebenshöfen keine Tiere gezüchtet.

Die Tiere auf Lebenshöfen wurden häufig aus der Tierwirtschaft gerettet, weil sie beispielsweise „wirtschaftlich nicht mehr rentabel“ waren. Viele dieser Tiere waren bereits völlig ausgebeutet, produzierten deshalb zu wenig Eier oder Milch und sollten im Schlachthaus getötet werden. Lebenshöfe nehmen auch kranke Tiere auf, denn Landwirte wollen häufig nicht für Tierarztkosten aufkommen. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung darf ein krankes Tier getötet werden, wenn die Behandlung seinen „wirtschaftlichen Wert“ übersteigt.

Auch Tiere aus anderen Bereichen finden auf Lebenshöfen einen sicheren Zufluchtsort – beispielsweise Tiere, die unter Beeinträchtigungen leiden, von ihren ehemaligen Haltern nicht mehr gewollt waren oder in einem Versuchslabor gequält wurden.

Warum steigen Landwirte um?

Gründe für die Verabschiedung aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung sind meist die Liebe zu Tieren und die Einsicht, dass dies mit den ausbeuterischen Praktiken in der Tierwirtschaft nicht einhergeht. Auch der geringe Verdienst mit der Erzeugung tierischer Produkte und der maßgebliche Zusammenhang zwischen Tierproduktion und Umweltzerstörung tragen bei vielen Landwirten zur Entscheidung für den tierfreundlichen Neustart bei.

Wie eine 2021 veröffentlichte Dokumentation aufzeigt, gibt es immer mehr Privatpersonen, Gruppen und bestehende Lebenshöfe, die Landwirte bei der Umstellung ihres Betriebs auf einen Lebenshof unterstützen. [1] Einige Lebenshöfe betreiben zusätzlich veganen Ökolandbau oder stellen ihre Produktion auf beispielsweise Hafermilch um, die im Abonnementservice verkauft wird. [2]

Tiere werden nicht aus Profitgründen gehalten

Anders als in der Tierwirtschaft werden die Tiere auf Lebenshöfen weder gemästet, getötet noch auf irgendeine andere Weise ausgebeutet. Vielmehr erhalten sie Liebe, Fürsorge und bei Bedarf tierärztliche Behandlung.

Sie werden nicht dafür genutzt, Profite zu generieren – weder zur Produktion von Fleisch, Milch noch Eiern. Auch dienen Lebenshöfe nicht als Streichelzoos oder in irgendeiner anderen Weise zur menschlichen Unterhaltung. Sinn und Zweck von Lebenshöfen ist es, geretteten Tieren ein möglichst artgerechtes Leben zu schenken und gleichzeitig ein neues Bewusstsein für das Zusammenleben von Tier und Mensch aufzuzeigen – weg von Tierquälerei und Tierausbeutung.

Lebenshöfe als Botschafter

Speziesismus ist ein diskriminierendes Denkmuster, das die Auffassung vertritt, der Mensch sei anderen Arten überlegen und habe somit das Recht, diese auszubeuten, zu konsumieren und Profite mit ihnen zu generieren. Lebenshöfe hingegen zeigen auf, dass Tiere grundlegende Rechte haben und die in unserer Gesellschaft alltägliche Diskriminierungsform des Speziesismus ein Ende nehmen muss – und kann. Sie verkörpern eine anti-speziesistische Lebensweise, in der Tiere und Menschen eine friedliche Koexistenz führen.

Lebenshöfe tragen nicht nur dazu bei, Tiere vor der Tötung im Schlachthaus zu bewahren, sondern verdeutlichen auch, dass jedes Leben zählt und Tiere keine Nummern oder Objekte für menschliche Zwecke sind. Jedes Lebewesen sollte ein Recht auf ein glückliches und unversehrtes Leben haben. Dieses Prinzip setzen Lebenshöfe um und bewegen Menschen dazu, das System der Tierausbeutung zu hinterfragen.

Mit Vorträgen, Hofführungen und Erzählungen über die Schicksale ihrer tierischen Bewohner betreiben Lebenshöfe Öffentlichkeitsarbeit und vermitteln ein Bewusstsein von Empathie und Respekt gegenüber Tieren – weg von dem Gedanken, dass Tiere für uns Menschen da sind. Wenn Besucher die Tiere hautnah erleben, erkennen sie, dass jedes Tier einzigartig ist und eine Bandbreite an Gefühlen empfinden kann – genau wie wir Menschen. Diese Öffentlichkeitsarbeit verdeutlicht auch, dass jede einzelne Person dazu beitragen kann, eine Welt zu schaffen, in der Tiere nicht ausgebeutet werden.  

Stellvertretend für ausgebeutete Tiere

Tiere auf Lebenshöfen, die aus ausbeuterischer Haltung gerettet wurden, fungieren als Botschafter: für Abertausende Rinder, die unter der sogenannten Anbindehaltung leiden, in der sie sich nicht einmal umdrehen können; für zahllose Kühe und Kälber, die meist kurz nach der Geburt voneinander getrennt werden, damit der Mensch die für die Tierkinder vorgesehene Milch trinken kann; für die unzähligen Schweine, die in Kastenständen eingesperrt sind; und für Abermillionen überzüchtete Hennen in der Eierindustrie, die an Krankheiten und unerträglichen Schmerzen leiden.  

Was Sie tun können

Lebenshöfe nehmen eine äußerst wichtige und zukunftsweisende Funktion für eine Welt ein, in der Tiere nicht mehr ausgebeutet werden. Informieren Sie sich gerne bei Betreibern von Lebenshöfen über Möglichkeiten der Unterstützung – beispielsweise in Form einer Tierpatenschaft oder Mithilfe auf dem Hof.

Entscheiden Sie sich zusätzlich gegen Tierausbeutung, indem Sie auf eine vegane Ernährung umsteigen. Melden Sie sich noch heute bei unserem kostenlosen Veganstart-Programm an und freuen Sie sich auf 30 Tage mit Tipps und Tricks rund um die vegane Lebensweise.