Speziesismus in Redewendungen – 10 tierfreundliche Alternativen

„Mit dem hab ich noch ein Hühnchen zu rupfen!“ Unsere Sprache ist durchzogen mit Redewendungen, Sprichwörtern und Ausdrücken, die Gewalt an Tieren verherrlichen. Oft fällt einem der Speziesismus, also die Diskriminierung aufgrund der Spezieszugehörigkeit,  erst auf, wenn der Satz bereits gesagt ist. Doch wer das System der Tierausbeutung – auch sprachlich – nicht mehr unterstützen möchte, der weiß oft nicht, was man stattdessen sagen könnte. Daher hier unsere Top 10 der tierfeindlichen Redensarten – und mögliche tierfreundliche Alternativen.

1. „Ein Hühnchen rupfen“

Die Redewendung, man habe mit jemandem „ein Hühnchen zu rupfen“, ist vermutlich auf frühere Zeiten zurückzuführen, in denen Menschen selbst Hühner schlachteten und diesen die Federn ausrissen – sie also „rupften“. Da dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nahm, konnten währenddessen allerhand Dinge diskutiert werden, eben auch Streitthemen. Heute werden Hühnern in der kommerziellen Fleischproduktion die Federn entfernt, indem man die Tiere in ein kochend heißes Brühbad taucht. Hühner, bei denen der Kehlschnitt im vorhergehenden Schritt nicht richtig funktioniert hat, sind dabei teilweise noch am Leben.

Alternativen:

Klassisch: Mit jemandem eine Rechnung offen haben
Kreativ: Mit jemandem Weinblätter zu rollen haben – das dauert bekanntlich auch lange und bietet viel Zeit für Gespräche

2. „Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“

Wer seine Aufgaben besonders effektiv erledigt hat, hat sprichwörtlich „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“. Doch warum sollte es eine gute Nachricht sein, zwei Lebewesen zu erschlagen – so sehr sie sich von uns Menschen auch unterscheiden? Fliegen sind Profikletterer, die dank Widerhaken oder eigens produziertem Klebstoff auch auf den glattesten Oberflächen laufen können. Außerdem haben sie einen herausragenden Geruchssinn und finden damit stets die besten Plätze für ihre Eiablage.

Alternative:

Zwei Erbsen auf eine Gabel laden

3. „Den Stier bei den Hörnern packen“

Wenn man jemandem rät, „den Stier bei den Hörnern zu packen“, dann empfiehlt man, eine Aufgabe offensiv anzugehen und nicht davor zurückzuschrecken. Den gewaltsamen Umgang mit Tieren so lapidar in unsere Alltagssprache einzubauen, ist ethisch allerdings nicht vertretbar.

Alternative:

Stattdessen könnte man eine Aufgabe „so furchtlos wie eine Kuhmutter“ angehen. Denn Kuhmütter sind dafür bekannt, ihre Kinder – zu denen sie eine innige Beziehung haben – furchtlos zu beschützen.

4. „Wie ein Fisch auf dem Trockenen“

Wer sich sprichwörtlich „wie ein Fisch auf dem Trockenen“ fühlt, der fühlt sich in seinem aktuellen Umfeld nicht wohl. Der Vergleich hinkt allerdings maßlos. Denn wird ein echter Fisch aus dem Wasser heraus und an Land gezogen, dann fühlt er sich nicht einfach nur unwohl. Da Fische im Wasser über ihre Kiemen atmen, ersticken sie außerhalb des Wassers qualvoll.

Alternative:

Sich unwohl fühlen oder hilflos sein

5. „Die Katze aus dem Sack lassen“

Ähnlich unpassend und gewaltverherrlichend sind Redensarten wie „die Katze aus dem Sack lassen“ oder „die Katze im Sack kaufen“. Sofort spinnt sich in unserem Kopf das Bild einer wehrlosen Katze in einem Sack. Wo solche Phrasen in unserem Alltag gedankenlos verwendet werden, normalisieren sich Formen der Tierquälerei.

Alternative:

Warum nicht andere Situationen bemühen, in denen man überrascht wird, z. B. „die vegane Calzone aufschneiden“? Und anstatt davor zu warnen, die Katze im Sack zu kaufen, könnte man mahnen, nicht „die Suppe in der Terrine zu kaufen“.

6. „Krokodilstränen vergießen“

Wenn jemand der Redensart nach „Krokodilstränen vergießt“, heuchelt die Person ihre Traurigkeit oder Betroffenheit nur vor. Eine solche Aussage ist das perfekte Beispiel dafür, wie missverstanden viele Tiere vom Menschen werden. Wenn Krokodile essen, wird gleichzeitig ein Tränensekret abgesondert. Das hat vermutlich mit dem Druck auf die Tränendrüsen beim weiten Öffnen des Mundes zu tun. Früher warf man den Tieren aufgrund der Tränen vor, ihre Beute zu beweinen, obwohl sie diese doch kurz zuvor angegriffen hatten. Krokodile galten deshalb fälschlicherweise als heuchlerisch und bösartig. Tatsächlich sind Krokodile faszinierende, empfindsame Lebewesen, die teilweise aufwendige Brutpflege betreiben. Trotzdem werden sie beispielsweise von der Modeindustrie in düstere Gruben gepfercht und bei vollem Bewusstsein abgeschlachtet.

Alternative:

Wer tatsächlich heuchlerische Tränen vergießt, ist häufig der Mensch. Hund und Katze werden liebevoll umsorgt, Schweine und Hühner gewaltsam getötet und gegessen. Und während das Schnitzel auf dem eigenen Teller kaum Traurigkeit aufkommen lässt, werden Vorwürfe laut, wenn Hunde in anderen Ländern ebenso qualvoll zu Tode kommen. Anstelle von „Krokodilstränen“ sollte man also vielmehr von „Menschentränen“ oder „speziesistischen Tränen“ sprechen.

7. „Schwein gehabt“

In Redensarten kommen Schweine häufig gut davon. Im Gegensatz zur Beschimpfung „dumme Sau“ – die Schweine beleidigt und noch dazu falsch ist, sind Schweine doch sehr klug – kennen wir alle auch den Ausdruck „Schwein gehabt“. Und auch wer „die Sau rauslässt“, verbindet das mit Spaß und einer guten Zeit. Echte Schweine haben jedoch leider alles andere als „Schwein gehabt“. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 55 Millionen Schweine wegen ihres Fleisches in Schlachtfabriken getötet. Zuvor leiden sie in Zucht- oder Mastanlagen meist unter qualvoller Enge und unbehandelten Verletzungen. Artgerechtes Verhalten ist hier nicht möglich. „Die Sau rauslassen“ – also aus den landwirtschaftlichen Tieranlagen – ist etwas, das erst an dem Tag geschieht, an dem die Tiere auf Tiertransporter gepfercht und im Schlachthof auf grausame Weise getötet werden.

Alternative:

Glück gehabt bzw. einen draufmachen

8. „Weder Fisch noch Fleisch“

Wenn jemand bemängelt, etwas sei „weder Fisch noch Fleisch“, soll damit angedeutet werden, etwas sei uneindeutig oder eine halbe Sache. Nur Fisch oder Fleisch sei im Umkehrschluss etwas Gutes, Konsequentes. Da der Konsum von Fleisch und Fisch jedoch stets mit Tierleid verbunden ist, wäre höchstens eine umgekehrte Nutzung der Phrase mit Tierrechten vereinbar. Tierfreunde wissen, wovon wir sprechen – denn sie freuen sich, wenn über eine Mahlzeit gesagt wird, sie sei „weder Fisch noch Fleisch“.

Unser Vorschlag:

„Weder Fisch noch Fleisch“ könnte ab sofort einfach bedeuten, eine Sache sei gut oder akzeptabel.

9. „Da steppt der Bär“

Wenn uns jemand über einen Ort erzählt, „da steppt der Bär“, soll das Vorfreude auslösen. An diesem Ort, so die Redewendung, passiert etwas Tolles oder Unterhaltsames. Unterhaltsam fanden es die Bären, von denen der Ausdruck herrührt, sicher nicht. Wurden die Tiere doch früher auf Jahrmärkten und anderen Veranstaltungen zur Belustigung der Besuchermassen vorgeführt. Um die Bären zu kontrollieren, wurden sie von klein auf unterdrückt, und man stieß ihnen einen Ring durch die Nase, um sie daran zu führen. Dass die Tiere nur mit Gewalt zu dummen, unnatürlichen Tricks gezwungen werden können, zeigen Recherchen auch heute noch.

Alternative:

Wir schlagen vor, eine Situation zu beschreiben, an der Tiere – im Gegensatz zum steppenden Bären – tatsächlich Freude haben. Denn auch Tiere spielen gern: So könnte man etwa über einen Ort sagen, da wedelt der Hund mit seiner Rute.

10. „Sich zum Affen machen“

Affen sind hochintelligente Tiere. Warum also jemand, der „sich zum Affen macht“, dumm oder lächerlich handelt, ergibt wenig Sinn. Gerade ihre herausragende Intelligenz und ihre entwicklungsgeschichtliche Nähe zum Menschen wird Affen leider immer wieder zum Verhängnis: Tausende Affen werden allein in Deutschland jedes Jahr in grausamen Tierversuchen missbraucht. Dabei leiden sie sowohl unter absolut artwidrigen Haltungsbedingungen als auch in den eigentlichen Versuchen, bei denen ihnen beispielsweise Elektroden ins Gehirn eingeführt und die Tiere für Tests fixiert werden. Viele Affen werden teilweise alleine in triste Stahlkäfige gesperrt.

Alternative:

Sich zum fleischessenden Umweltschützer machen.

Was Sie tun können

Wir alle kennen viele Sprichwörter und Redensarten, in denen Gewalt an Tieren verherrlicht oder Tiere degradiert werden. Wenn wir gegen den Speziesismus in unserer Gesellschaft vorgehen wollen, gehört es auch dazu, unsere Sprache zu überdenken. Beleidigende und gewaltsame Ausdrücke haben in einem diskriminierungsfreien Austausch nichts zu suchen.

  • Klären Sie Ihr Umfeld über die Diskriminierungsform des Speziesismus auf.
  • Protestieren Sie direkt auf der Straße mit unserem kostenlosen Demopaket Speziesismus.