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Geflügel und Eier – Erzeugnisse des industriellen Missbrauchs von Hühnern


Stand: Februar 2014

Es gibt Menschen, die sich als Vegetarier bezeichnen, aber trotzdem Geflügel essen. Hühner, Puten Gänse und Enten sind aber kein Gemüse – es sind Tiere. Leider wird ihr Leben als so unbedeutend erachtet, dass einschlägige Statistiken häufig nicht einmal die Zahl der getöteten Tiere angeben, sondern nur das Gesamtschlachtgewicht – und das beläuft sich allein in Deutschland auf über 1 Million Tonnen.
Im Jahr 2012 wurden in Deutschland knapp 700 Millionen Hühner geschlachtet. Diese Zahl umfasst Hühner, die in der Fleischindustrie gezüchtet werden, sowie sogenannte Legehennen, die in der Eierwirtschaft nicht mehr profitabel sind und deshalb nach etwa einem Jahr geschlachtet werden (1).
Für 2012 wurde der Pro-Kopf-Jahresverbrauch an Eiern auf 217 Stück geschätzt. Immer mehr dieser Eier stammen inzwischen aus dem Ausland. 2009 wurden 7 Milliarden Eier importiert; somit kommt bereits jedes dritte Ei aus dem Ausland (2).

Käfige trotz Käfighaltungsverbot
Seit dem 1. Januar 2010 gilt das Verbot der Käfighaltung bei Hennen. Doch auch die neue sogenannte Kleingruppenhaltung ist eine Käfighaltungsform. Verbote wie das der Käfighaltung führen dazu, dass die Tiere unter dem Deckmantel einer neuen Bezeichnung weiterhin unter tierquälerischen Bedingungen und nicht artgerecht gehalten werden. Am 2. Dezember 2010 hat das Bundesverfassungsgericht die Gesetzgebungsabläufe im Bereich der Kleingruppenhaltung von sogenannten „Legehennen“ als verfassungswidrig erklärt. Dabei urteilte das Gericht zum einen gegen die staatliche Förderung der Geflügelwirtschaft und zum anderen gegen die in der Praxis seit Anfang 2010 in Deutschland neu zugelassene Kleingruppenhaltung von „Legehennen“. Beides verstoße gegen die demokratischen und verfassungsrechtlichen Abläufe der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb fordert PETA schon lange das sofortige Ende der Kleingruppenhaltungen. Denn auch in der Kleingruppenhaltung können Hühner ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Sandbaden oder Picken in der Erde, nicht ausleben.

Männliche Küken sind für die Eierindustrie überflüssig
Männliche Küken können keine Eier legen. Zudem ist es nicht wirtschaftlich sie zu mästen und es werden aus ihnen keine „Suppen“-Hühner oder „Grill“-Hähnchen, weil sie nicht dahingehend gezüchtet wurden, viel Muskelfleisch anzusetzen. Daher werden pro Jahr rund 50 Millionen männliche Küken „entsorgt“ – durch Vergasen, Ersticken oder Zerhäckseln.

Das Hauptinteresse der modernen Hühner-Intensivtierhaltung besteht darin, profitable Hühner zu züchten. Dies führt dazu, dass die sogenannten Masthühner an zahlreichen gesundheitlichen Problemen leiden – unter anderem auch an Erkrankungen der Knochen und Beine, weil die Tiere so schwer und „fleischig“ sind. Hennen, die als „Super-Legehennen“ gezüchtet werden, stehen unter extrem hohem Stress. Ihre extensive Legedauer beträgt daher nur ein oder höchstens zwei Jahre, während die normale Lebenserwartung einer Henne, die ihre Eier rein zur Fortpflanzung legt, bei über 10 Jahren liegen kann. In der Intensivtierhaltung legen Hennen heute bis zu 300 Eier pro Tier und Jahr – ihre ausgemergelten Körper bezahlen den Preis dafür.

Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit von Bioland erklärt:
„Für die Hähnchenmast und die Legehennenhaltung gibt es jeweils spezielle Zuchtlinien (Hennen, die genügend Eier legen, und Masthühner, die genug Fleisch ansetzen). Das bedeutet, dass männliche Tiere aus der Legehennenzüchtung aus wirtschaftlichen Gründen nicht zur Mast geeignet sind und in den Brütereien tatsächlich getötet werden. Über die Art der Tötung entscheidet der Brüterei-Betrieb selber.“

„Suppen“-Hühner und „Grill“-Hähnchen
Hühner, die für die Fleischindustrie aufgezogen werden, werden gewöhnlich in großen Hallen mit mehr als 25.000 Tieren gehalten (3). Dass die Verantwortlichen die Hühner in keinster Weise als Lebewesen betrachten, wird deutlich, wenn in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) davon gesprochen wird, dass „die Masthühnerbesatzdichte zu keinem Zeitpunkt 39 kg/m²“ überschreiten soll (4). Hühner kommen in Gruppen von etwa 90 Tieren gut zurecht – eine Zahl, die es jedem einzelnen Tier erlaubt, seinen Platz in der Hackordnung zu finden. In einer Gruppe von Tausenden von Tieren hingegen ist eine soziale Rangordnung nicht möglich. In ihrer Verzweiflung picken sich die Vögel daher gegenseitig so heftig, dass sie bluten und sich manchmal sogar gegenseitig töten.

Aber nicht nur die immense Dichte macht das Leben der Vögel zur Qual. Zumeist haben die Tiere auch keinen Zugang zu Frischluft, denn die von überwältigendem Ammoniakgestank durchzogenen Hallen werden vollautomatisch be- und entlüftet. Fällt das Belüftungssystem aus oder erweist es sich bei extremen Temperaturen als unzureichend, können Tausende von Hühnern binnen weniger Stunden ersticken.
Aufgrund der schlechten Haltungsbedingungen ist die Sterblichkeitsrate bei Hühnern besonders hoch. Tierärztliche Hilfe gibt es nur unzureichend oder überhaupt nicht. Arbeiter säubern die Hallen täglich von toten Tieren. Damit sich die Hühner möglichst wenig bewegen, werden sie überwiegend bei Dämmerlicht gehalten. Ein weiterer Versuch zur Senkung der hohen Sterblichkeitsrate als Folge der katastrophalen Haltungsform ist der extensive Einsatz von Antibiotika.

„Lege“-Hennen
Bei den „Legehennen“ gibt es gesetzliche Vorschriften; ihre Belange wurden sogar vor dem höchsten deutschen Gericht behandelt.
Laut dem seit 1. Januar 2010 geltenden Verbot der konventionellen Käfighaltung dürfen „Legehennen“ alternativ in der zur Käfighaltung zählenden Kleingruppenhaltung aufgestallt werden. Insgesamt verfügen die Betriebe über eine Kapazität von rund 41,6 Millionen Haltungsplätzen. (1)

Trotz dieser Vorschriften ist das Leben der Tiere in der industriellen Lebensmittelproduktion noch immer alles andere als tier- oder artgerecht. Die Eierindustrie ist fast vollständig automatisiert. Fütterung, Beleuchtung, Temperaturregelung und selbst die Mauser werden von Maschinen gesteuert. Nichts wird mehr der Natur überlassen. Die Eier rollen auf ein Fließband, das sie aus der Halle heraus transportiert. Per Fließband werden auch Nahrung und Wasser in die in mehreren Reihen übereinander gestapelten Käfige geliefert.

Die Käfigböden bestehen aus Maschendraht, so dass der Kot der Tiere zum Teil in den darunter liegenden Käfig und auf die darin befindlichen Hennen fällt. Der Platz für eine Henne ist im sogenannten ausgestalteten Käfig auf 800 cm² festgelegt. Das ist wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt pro Huhn, wobei allein die Flügelweite eines Tieres 80 cm beträgt. Der Käfigboden fällt in Richtung der Futter- und Wasserrinnen schräg ab, sodass schwächere Hennen oft zu Boden gedrückt werden. Der ständige Kontakt mit dem Maschendraht scheuert die Federn der Tiere ab.

Zur Steigerung der Legeleistung erhalten die Hennen eine Spezialfuttermischung. Mais wird mit Vitamin A und D angereichert, um den natürlichen Bedarf an Sonnenlicht zu ersetzen. Das Trinkwasser ist oft mit Antibiotika versetzt, um Infektionen zu bekämpfen, die durch den Schmutz in der extrem engen Haltung verursacht werden.

Zwar gibt es keine einheitlichen Studien über die Mortalität von „Legehennen“ in der Käfighaltung, jedoch kann man von ca. 10 Prozent ausgehen (5). Verdeckte Ermittlungen von PETA über das „Leben und Sterben in der Eierindustrie“ brachten entsetzliche Aufnahmen ans Licht, die beispielsweise zeigen, wie sich zwei lebende Hühner den Käfig mit zwei toten und verwesenden Artgenossen teilen müssen (6). Kranke Tiere werden weder tierärztlich behandelt oder noch eingeschläfert – das ist der Industrie zu teuer. Im besten Fall wird ihnen das Genick gebrochen, im schlimmsten Fall müssen sie qualvoll sterben. Der Sterbeprozess kann Tage dauern.

Fällt die Eierausbeute unter ein gewisses, nicht mehr als profitabel angesehenes Limit, werden die Hennen ins Schlachthaus transportiert, wo ihre ausgemergelten, geschundenen Körper zu „Haustier“-Nahrung, Hühnersuppe, Nahrung für Tiere auf Pelztierfarmen und anderen Produkten verarbeitet werden. Anschließend wird die Halle für das nächste Bataillon unglückseliger Hennen vorbereitet, gereinigt und desinfiziert.

Ein Punkt, der meistens nicht beachtet wird: Hennen legen Eier, um sich fortzupflanzen – wir haben nicht das Recht, ihnen das Grundbedürfnis des Brütens zu verwehren.

Das ungesunde Resultat
Aus Angst vor hohen Fett- und Cholesterinanteilen in Rind- oder anderem „roten“ Fleisch essen viele Menschen vermehrt Hühnerfleisch, denn die Geflügelindustrie suggeriert ihnen, Geflügel sei eine gesunde Alternative. Doch das stimmt nicht. Hühnerfleisch hat fast den gleichen Cholesteringehalt wie Schweinefleisch, nämlich 60 mg pro 100 g; der Cholesteringehalt von Hühnerleber übertrifft sogar den von Rinderleber. Und auch Eier können gesundheitsschädlich sein – der durchschnittliche Cholesteringehalt eines Hühnereies Klasse M wird derzeit mit 314 mg angegeben. Ein Eigelb enthält dabei mehr Cholesterin als die empfohlene Tageshöchstmenge eines Erwachsenen (7).

Eier können zudem Lebensmittelvergiftungen verursachen, insbesondere bei Salmonellenbefall. Sie tragen zu Fettleibigkeit, Herzerkrankungen sowie anderen ernsten Gesundheitsproblemen bei. Da die Symptome einer Salmonellenvergiftung denen einer Grippe ähneln, haben viele Menschen eine Vergiftung, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Der Konsum von Hühnerfleisch ist nicht gesünder oder aus „moralischer“ Sicht besser als der Verzehr jeder anderen Art von Fleisch. Auch der Verzehr von Eiern ist aus Tierschutzgründen nicht vertretbar. Diese Produkte gefährden die menschliche Gesundheit und sind für eine ausgewogene Ernährung nicht erforderlich. Angesichts der Fülle an veganen, also rein pflanzlichen, Lebensmittelmitteln ist es heute spielend leicht, sich tierleidfrei und gesund zu ernähren.


Quellen:
(1) Statistisches Bundesamt zur Geflügelerzeugung
(2) Destatis 30.03.2010
(3) Landtag Baden-Württemberg, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum, Tierschutzgerechte Haltung von Masthühnern: 2007
(4) TierSchNutztV Fassung 2007 geändert durch Art. 1 V v. 1.10.2009 I 3223
(5) Internationale Gesellschaft zur Nutztierhaltung 2006
(6) www.peta-tv.de
(7) Lebensmittellexikon 2007; BKK 2007; Deutsches Ernährungsberatungs-und Informationsnetz 2007