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Tierhaltung in Deutschland – der mechanisierte Wahnsinn

Stand: Januar 2014

Das Leben auf „Old McDonald’s Farm“ ist nicht mehr das, was es einmal war. Grüne Weiden und idyllische Szenen, wie sie gerne in Kinderbüchern porträtiert werden, sind fensterlosen Metallhallen, Drahtkäfigen und anderen Vorrichtungen gewichen, mit denen Tiere in der Fleisch-, Milch- und Eierproduktion auf engstem Raum eingepfercht werden. Trotz der Tatsache, dass es weitaus gesündere pflanzliche Alternativen gibt, werden alleine in Deutschland jedes Jahr rund 1 Milliarde Landlebewesen für die Ernährungsindustrie getötet.
 

 

Entbehrung und Krankheit
Mit der Intensivtierhaltung strebt die moderne Landwirtschaft danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und preisgünstig wie möglich zu produzieren – und das bei minimaler Platzanforderung. Kühe, Kälber, Schweine, Hühner, Truthähne, Enten, Gänse, Kaninchen und andere Tiere werden in kleinen Käfigen oder Ställen gehalten – oft so beengt, dass sie sich nicht einmal umdrehen können. Man beraubt sie bewusst jeglicher Bewegungsmöglichkeit, damit ihre ganze Körperenergie in das Fleisch geht, das der Mensch später verzehren soll.

Da die drangvolle Enge der Tierhaltung einen fruchtbaren Nährboden für Erkrankungen bildet, werden Tiere in der Intensivtierhaltung mit enormen Mengen von Antibiotika behandelt. Schweinen werden zusätzlich Hormone verabreicht, damit sie noch mehr Ferkel auf die Welt bringen. Die Rückstände dieser Medikamente sammeln sich in den Körpern der Tiere an und gehen über den Konsum der tierischen Produkte schließlich auf den Menschen über, wo sie zu ernsthaften Gesundheitsrisiken führen können.
Hühner werden grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilt: „Legehennen“ und „Brathähnchen“

„Legehennen“
Der Platz für eine „Legehenne“ ist beim sogenannten ausgestalteten Käfig auf 800 cm² festgelegt. Das ist wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt pro Huhn, obgleich alleine die Flügelweite jedes Tieres 80 cm beträgt (1).
Aufgrund der extremen Enge, in der die Hennen leben müssen, werden die Tiere im Halbdunkel gehalten. Zusätzlich wird ihnen die Schnabelspitze (ohne Betäubung) abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig die Federn auspicken können, was unter anderem auch zum Kannibalismus führen kann.
Wenn die Eierproduktion von Hennen im Alter von ein bis zwei Jahren nachlässt, werden die Tiere für den Landwirt unwirtschaftlich und folglich schon sehr früh getötet. Die natürliche Lebenserwartung einer Henne hingegen beträgt 15-20 Jahre. Von den rund 37 Millionen Legehennen in Deutschland (Stand 2012) leben circa 64 % in der Bodenhaltung und über 13 % in der Käfighaltung, die heutzutage beschönigend als „Kleingruppenhaltung“ bezeichnet wird (2).

„Brathähnchen“
Allein in Emsland gibt es rund 30 Millionen Haltungsplätze für „Brathähnchen“. Weltweit werden mehr als 50 Milliarden Vögel für die Geflügelmast „produziert“ (3).
Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2010 für die Geflügelfleischerzeugung 591 Millionen Jungmasthühner geschlachtet. Die Schlachtbandgeschwindigkeit wird mit bis zu 1.000 Tieren pro Stunde angegeben (4).

Qualzucht und mangelnde Hygiene verursachen Leiden
Bei sogenannten Broilern – also Hühnern, die gemästet werden – kann man durchaus von Qualzucht sprechen, denn Herz, Lunge und Skelett der Tiere kommen nicht mit der überdurchschnittlich schnell wachsenden Körperfülle zurecht. Außerdem werden die Tiere dahingehend gezüchtet, dass sie ohne Unterlass Futter zu sich nehmen, bis sie in konventionellen Betrieben nach maximal 40 Tagen ihr Schlachtgewicht von 1,6 Kilo erreicht haben und getötet werden. Verdeckte Ermittlungen von PETA zeigen, wie sehr die Tiere unter der Mast leiden. Viele können ihren viel zu schweren Körper nicht mehr zu den Futter- oder Wasserstellen bewegen. Sie verdursten elend oder leiden unter Knochenbrüchen und -verformungen, was zweifellos mit ständigen Schmerzen verbunden ist.

Wie der Fleischuntersuchungsbericht des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2009 aufzeigte, wurden rund 3.000 kg Fleisch der untersuchten sogenannten „Suppenhühner“ als genussuntauglich bewertet. Darüber hinaus wurden bei Hühnern 474 kg genussuntaugliche Organe und Körperteile festgestellt, die auf Exzesse, Entzündungen, Ödeme oder Gelenkerkrankungen zurückzuführen waren. Bei diesen Angaben in Kilogramm ist zu berücksichtigen, dass es sich um entfernte „Teilstücke“ eines Tieres handelt und es daher Millionen von Tieren geben muss, die unter den beschriebenen Erkrankungen leiden (5). Obwohl Antibiotika als Wachstumsförderer in Europa seit 2006 verboten sind, werden die Pharmawirkstoffe den Tieren aufgrund der unsäglichen Haltungsbedingungen, der drangvollen Enge und des damit verbundenen hohen Infektionsrisikos dennoch verabreicht, damit sie nicht bereits in den Ställen verenden. Laut Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wurden noch vor zehn Jahren pro Mastdurchgang durchschnittlich 1,7 Behandlungen mit Antibiotika durchgeführt. Im Jahr 2010 waren es bereits um die 2,3 Behandlungen pro Mastdurchgang (6). Das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW gibt an, dass während einer Mastperiode bei über 90 % der Hühner Antibiotika eingesetzt werden (7).
Mit den Erregern der Salmonellose und Campylobacteriose, die häufig in Geflügelfleisch vorkommen, verursacht Geflügel außerdem den größten wirtschaftlichen Schaden durch ernährungsabhängige Krankheiten. Campylobacteriose führt jährlich bei mehr als 600.000 Menschen zu Erkrankungen und verursacht pro Jahr einen fleischkonsumbedingten wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar. Das fand J. Glenn Morris, Direktor des Emerging Pathogens Institute und Mitautor einer Studie, die an der Universität von Florida durchgeführt wurde, heraus (8). Frisches Hähnchen ist laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu 47 % mit Campylobacter verseucht (9).

Rind als Fleischlieferant und Milchmaschine
Rinder werden mit einer für sie unnatürlichen Diät aus Soja, Getreide und anderem sogenanntem Kraftfutter gefüttert, damit sie zum einen viel Milch geben und zum anderen schnell viel Fleisch ansetzen. Sie werden zumeist ohne Betäubung kastriert und enthornt. Auf Transportern leiden sie unter Angst, Verletzungen, extremen Temperaturen, unzureichender Futter- und Wasserzufuhr und mangelnder tierärztlicher Versorgung. Die männlichen Kälber der Milchkühe erwartet ein besonders schlimmes Schicksal: Sie werden zur „Produktion“ von Kalbfleisch aufgezogen und ihren Müttern hierzu gleich oder nur wenige Tage nach der Geburt entrissen und meist in kleine Boxen, sogenannten Kälberiglus, gesperrt. Die Milch der Mutter, die von der Natur für das Kälbchen gedacht ist, wird ihnen geraubt, damit der Mensch sie trinken kann. Im Alter von lediglich 22 Wochen werden die Kälbchen geschlachtet.
In Statistiken werden geschlachtete Tiere oftmals nur in Tonnen angegeben – ein weiterer Hinweis darauf, dass das einzelne Tier in der Intensivtierhaltung zum Produktionsgut geworden ist.

Gesetze und Haltungsformen
Wenn man bedenkt, dass Landwirte nur in Fleischmasse pro Quadratmeter rechnen, so ist es naheliegend, dass vor allem konventionell gehaltene Schweine ihr Leben lang unter beengten Verhältnissen gehalten werden (10). Säue werden ständig besamt und während der Säugezeit in enge Metallställe gesperrt, in denen sie außerstande sind, sich umzudrehen. Obwohl Schweine von Natur aus äußerst friedfertige und soziale Tiere sind, werden sie durch die Qualhaltung in drangvoller Enge zu schwänzebeissenden Kannibalen, die ein völlig neurotisches Verhalten entwickeln, wenn sie isoliert und eingepfercht werden.

Die Massentierhaltung ist eine extrem grausame Art der Tieraufzucht. Da sie aber profitabel ist, wird sie vermutlich noch lange weitergeführt und unter Umständen sogar noch schlimmer werden. Eine Möglichkeit, den Missbrauch an Tieren zu beenden, besteht darin, eine Gesetzgebung zu unterstützen, welche die Käfighaltung, Kälberboxen und jedes andere System, in dem Tiere in engsten Verhältnissen gehalten werden, unterbindet. Der beste Weg jedoch, Tiere vor den Grausamkeiten der Massentierhaltung zu bewahren, ist der, kein Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte zu kaufen und zu konsumieren. Eine vegane, also eine rein pflanzliche Ernährung bietet eine Fülle an köstlichen und gesunden Lebensmitteln, für deren Produktion kein einziges Tier leiden muss.

Quellen:
  1. Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
  2. Statistisches Bundesamt 2012
  3. Der Spiegel 7/2011
  4. Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, L. Ellerbroek: „Erfordernisse und Möglichkeiten in der Schlachtgeflügel- und Geflügelfleischuntersuchung“
  5. Statistisches Bundesamt 2009, Fachblatt 3 Reihe 4.3
  6. NDR-Info 2010
  7. Landesamt für Natur-, Umwelt- Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: „Evaluierung des Antibiotikaeinsatzes in der Hähnchenhaltung“ 2012.
  8. http://www.washingtonpost.com/politics/study-ranks-food-pathogens-by-cost-to-society/2011/04/27/AFPLWK2E_story.html abgerufen am 26.Mai 2011
  9. FAZ 26.05.2011, S31
  10. Stern 43/2007
  11. Factory Farming, United Animal Defernders, Inc., p. 3