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Katzen im Visier der Jäger

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Der Abschuss freilaufender Hauskatzen ist unbegründet und grausam

Stand Juni 2014
Jedes Jahr werden in Deutschland schätzungsweise 350.000 Katzen von Jägern erschossen. Genaue Zahlen zu den Abschüssen gibt es nicht, weil in den meisten Bundesländern keine Meldepflicht besteht. Um die massenhaften Tötungen zu rechtfertigen, hängt die Jägerschaft der Hauskatze kurzerhand das Image eines Vogelkillers an, der angeblich ganze Vogelpopulationen auslöscht. Seriöse Beweise oder belastbare Studien aus der Wissenschaft fehlen für diese Behauptung jedoch.
 
Geliebtes Familienmitglied – getötet und in der Mülltonne entsorgt. Bild: © abschaffung-der-jagd.de

Katzen sind keine Bedrohung für die Artenvielfalt

Katzen stellen keine Bedrohung für die Artenvielfalt in unserer Vogelwelt dar. Laut einer Studie der „Gesellschaft für Säugetiere“ bestand die Beute der untersuchten 986 Katzen zu 68,6 Prozent aus Säugetieren, darunter hauptsächlich Nager. (1) Dass freilaufende Katzen gelegentlich auch Vögel erbeuten, ist nicht abzustreiten. Hierbei handelt es sich allerdings hauptsächlich um weit verbreitete Arten, wie Amsel, Rotkehlchen, Haussperling, Meisen und Finken. (1) (2) Dem vom Bundesamt für Naturschutz, vom Dachverband Deutscher Avifaunisten und von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegeben Expertenbericht „Vögel in Deutschland“ (2008) zufolge sind Buchfink, Haussperling, Amsel und Kohlmeise die vier häufigsten Brutvögel Deutschlands. (3) In einem Bericht von 2012 weisen die Experten zudem darauf hin, dass gegenwärtige Populationsrückgänge, wie die des Haussperlings, überwiegend auf Nahrungsmangel und verringerte Brutmöglichkeiten zurückzuführen sind. Populationen der meisten Garten- und Siedlungsvögel hingegen sind weitgehend stabil. (4) Bei einer näheren Untersuchung der Populationsentwicklung einer Vogelart in Gebieten mit hoher Katzendichte konnte kein nennenswerter Einfluss festgestellt werden. (5) Auch die renommierte Zoologin Sarah Niemann von der britischen Königlichen Gesellschaft für Vogelschutz (RSPB) unterstreicht, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass Katzen eine ernsthafte Bedrohung für Gartenvogelpopulationen darstellen. (2)
 
Doch es gibt tatsächlich Populationsrückgänge bei bestimmten Vogelarten. Davon sind aber hauptsächlich jene Arten betroffen, die Agrarlandschaften bewohnen. Experten sehen das Problem vor allem in der Zerstörung von Lebensräumen durch die anhaltende Intensivierung der Landwirtschaft und dem vermehrten Einsatz von Pestiziden. (4) Diese Bestandsrückgänge den Hauskatzen anzulasten, ist absurd, insbesondere weil sich Hauskatzen überwiegend in Siedlungsbereichen aufhalten und die gefährdeten Vogelarten nicht zu ihrem Beutespektrum gehören.
 
Schusswunde einer getöteten und anschließend im Müll entsorgten Katze. Bild: © abschaffung-der-jagd.de

Kastrationspflicht statt grausamer Tod durch Abschuss und Fallen

Eine Katze gilt als „wildernd“, wenn sie sich 200 bis 500 Meter (je nach Bundesland) vom nächstgelegenen Haus entfernt. So werden die geliebten Familienmitglieder ohne jeglichen ersichtlichen Beweis für „Wilderei“ getötet oder schwer verletzt – eine Meldepflicht besteht in den meisten Bundesländern nicht. Bei den betroffenen Tierhaltern löst der Verlust stets große Trauer aus. Da das Töten von Katzen durch Jäger in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stößt, werden die Vierbeiner nach dem Abschuss meist vergraben, am Straßenrand „entsorgt“ oder sogar zusätzlich überfahren, um einen Unfalltod vorzutäuschen.
 
Unter anderem auch aus Tierschutzgründen spitzt sich die Diskussion um die stetig ansteigende Katzenpopulation zu. Die Tierheime sind überbelegt, und unzählige streunende Katzen sterben aus Mangel an menschlicher Fürsorge frühzeitig und oftmals qualvoll. Unkastrierte Katzen mit Freigang verschärfen die Problematik zunehmend. Dennoch ist der tierquälerische und wahllose Abschuss der Tiere keine Lösung, da die Ursache in der unkontrollierten und rasanten Vermehrung der Katzen liegt. Zahlreiche Städte und Gemeinden haben bereits die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen eingeführt und sich damit für eine dauerhafte und tierfreundliche Regelung entschieden. Ein weiterer Anstieg der Katzenpopulation und damit verbunden auch das Leid zahlreicher heimatloser Tiere kann ausschließlich durch die Kastrationspflicht dauerhaft verhindert werden.

LINK: Auch der WDR berichtete in "Tiere suchen ein Zuhause" über dieses Thema.
 

Was Sie tun können:

  • Unterstützen Sie unsere Forderung nach dem Heimtierschutzgesetz und der darin festgelegten Kastrationspflicht für freilaufende Katzen.
  • Bitten Sie den Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises, sich gegen die Jagd auf Katzen einzusetzen.
  • Schreiben Sie Leserbriefe an Redaktionen, wenn Sie Artikel lesen, die auf mangelnden Fakten beruhen und für den Abschuss von Katzen argumentieren.
  • Wenn Sie Jägern im Wald begegnen, konfrontieren Sie sie höflich mit den Fakten und fordern Sie sie auf, die Jagd auf Haustiere zu unterlassen.




Quellen:
(1) Woods M., Mc Donald R. & Harris S. (2003) Predation of wildlife by domestic cats Felis catus in Great Britain. Mammal Rev. 2003. Volume 33 No. 2. S. 174-188.
(2) Niemann S. (2010) Katzen und Vögel. Der Falke 57.
(3) DDA, BfN & LAG VSW (2008) Vögel in Deutschland – 2008. DDA, BfN, LAG VSW, Münster.
(4) Sudfeldt, C., F. Bairlein, R. Dröschmeister, C. König, T. Langgemach & J. Wahl (2012) Vögel in Deutschland – 2012. DDA, BfN, LAG VSW, Münster.
(5) Weggler & Leu (2001) Eine Überschuss produzierende Population des Hausrotschwanzes (Phoenicurus ochruros) in Ortschaften mit hoher Hauskatzendichte (Felis catus). Journal für Ornithologie. July 2001 Volume 142 Issue 3. S. 273-283.