»  »  »  »  » PETA Deutschland erstattet Strafanzeige gegen Reiter und Halter des berühmten Pferds Totilas

„Wunderpferd“ Totilas wird mit der tierquälerischen „Rollkur“ trainiert. PETA erstattet Strafanzeige.

So qualvoll ist der Dressursport für Pferde.

Stand November 2013
Totilas ist eines der berühmtesten Pferde weltweit. Doch sein Ruhm hängt mit den Siegen zusammen, die der 12-jährige Hengst bei Dressurturnieren erzielt. Gerade im Dressursport zählen allein die Erfolge. Die Pferde sind teure „Sportgeräte“, also müssen die Tiere „funktionieren“.

 

Update Mai 2013: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/M. hat das Ermittlungsverfahren gegen Rath / Schockemöhle jetzt eingestellt. Grundlage der Entscheidung ist das Ergebnis einer über dreistündigen Untersuchung des Pferdes durch eine Gutachterkommission unter Leitung der hessischen Tierschutzbeauftragten im Dezember 2012. Es konnten keine unmittelbaren Schäden, Schmerzen und Leiden aus der Rollkur-Dressur im April des vergangenen Jahres nachgewiesen werden.
PETA weist jedoch darauf hin, dass die Gutachter-Kommission und auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt deutlich betonen, dass die „Rollkur“ als Trainingsmethode abzulehnen ist. Im Gutachten heißt es: „Deshalb ist sie (die Rollkur bzw. Hyperflexion, Anm. von PETA) aus Gründen des Tierschutzes abzulehnen.“ (Gutachten der Landesbeauftragten für Angelegenheiten des Tierschutzes Hessen v. 21.12.2012). Die Staatsanwaltschaft selbst übt in ihrem ausführlichen Bescheid heftige Kritik an den Verbandsrichtlinien der deutschen und internationalen Reiterlichen Vereinigungen. Diese liefern – so Zitat aus dem Bescheid der Staatsanwaltschaft – „ein ‚Einfallstor‘ für die missbräuchliche Anwendung der Hyperflexion“. Die Staatsanwaltschaft bestätigt zudem, dass berechtigte Kritik an der weiten Verbreitung der Rollkur zulässig ist.

„Das Totilas-Verfahren hat dazu geführt, dass die Sensibilität zum Thema Rollkur in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung gestiegen ist“, fasst PETA-Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn die Entwicklung zusammen. „Es sei daran erinnert, dass sich Rath öffentlich darüber beklagt hatte, dass die Verbände ihm kaum Rückendeckung in diesem Verfahren gegeben hätten – zu Recht, wie nun bestätigt wurde.“

Auch wenn das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde, so ist die Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft und die Gutachter ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um die „Rollkur“ als Trainingsmethode von den Turnierplätzen zu verbannen. PETA kämpft auch in Zukunft für die Rechte der Pferde – auch im sogenannten „Rennsport“. (Staatsanwaltschaft Frankfurt/M, Az.: 8940 Js 246257/12 U)

 


2010 wurde Totilas im Rahmen eines zweistelligen Millionendeals an die Pferdezüchter Paul Schockemöhle und Ann Kathrin Linsenhoff verkauft. Geritten wird er seitdem von Linsenhoffs Stiefsohn Matthias Alexander Rath. Doch die erhofften Erfolge blieben überwiegend aus. Um die einkalkulierten Siege zukünftig zu erzielen, wird Totilas nach Angaben von Rath vor allem seit dem Frühjahr 2012 mit der tierquälerischen „Rollkur“ trainiert! Auf einigen Turnieren konnte bereits die Anwendung der „Rollkur“ bei Totilas beobachtet werden.

Wegen des Verdachts der Tierquälerei erstattete PETA nach monatelangen Recherchen Strafanzeige – einerseits aufgrund der Rollkur, andererseits aufgrund der Tatsache, dass Totilas kein freier Weidegang zur Verfügung steht. PETA ist der Meinung, dass Pferde unbedingt Kontakt zu Artgenossen benötigen, um ihre sozialen Kontakte ausleben zu können. Darüber hinaus ist es für die Gesundheit der Tiere überaus wichtig, dass sie sich frei bewegen dürfen. So sehen es auch die Leitlinien des Landwirtschaftsministeriums zur Pferdehaltung vor. Zudem fordern wir ein Verbot solcher tierwidrigen Trainingsmethoden wie die der Rollkur und stärkere Kontrollen auf Turnieren.

© Hiddmann/Youtube.com
Wegen „Leistungsabfall“ gequält
Die Erwartungen an das „Wunderpferd“ Totilas waren – gerade in Hinblick auf die Olympischen Spiele – im Frühjahr 2012 extrem hoch. Bei den Wettkämpfen waren Pferd und Reiter jedoch nicht immer so erfolgreich wie geplant – und Totilas „will“ nicht immer so, wie sein Reiter. Der Presse zufolge erlaube sich das Pferd „Frechheiten“.

Um den Hengst gefügig zu machen und ihm zu zeigen, wer der „Herr im Hause“ ist, entschieden sich die Verantwortlichen für die Anwendung der „Rollkur“. Diesen Schritt begründeten Rath und sein Trainer damit, dass Totilas diese Trainingsmethode bereits aus den Niederlanden kenne und der Reiter zudem mehr Kontrolle über das Pferd benötige.

© Hiddmann/Youtube.com
Die „Rollkur“
Anders als der positiv besetzte Begriff Kur vermuten lässt, ist diese „Trainingsmethode“ für Pferde äußerst schmerzhaft! Um ein Maximum an Kontrolle über das Pferd zu haben, zieht der Reiter den Kopf des Tieres stark nach unten auf die Brust. Das Pferd hat in dieser „aufgerollten“ Haltung keine Chance mehr, sich gegen den Reiter zu wehren. Das Blickfeld des Pferdes wird dabei stark eingeschränkt und die Tiere haben Probleme, ihr Gleichgewicht zu halten. Gerade für das Pferd als Fluchttier bedeutet das puren Stress. Meistens resignieren Pferde, da jeder Versuch, sich zu wehren, sinnlos ist.

In dieser unnatürlichen Haltung werden die Pferde im Reitsport zu Höchstleistungen gezwungen. Das ist nicht nur äußerst unangenehm und schmerzhaft, sondern kann unter Umständen sogar zu irreparablen körperlichen Schäden des Pferdes führen. Verschiedene Wissenschaftler warnen vor den schlimmen Folgen der „Rollkur“.

Die „Rollkur“ ist nur eine der furchtbaren Trainingsmethoden im Dressursport. PETA hat Strafanzeige erstattet.

 

Was Sie tun können

Jeder Mensch kann helfen, das Leid der Pferde zu beenden, indem er auf die Bedürfnisse des Pferdes Rücksicht nimmt und dieses nicht als „Sportgerät“ behandelt.
  • Sollten Sie beobachten, wie ein Pferd mit der Rollkur trainiert wird, weisen Sie Reiter bzw. Halter darauf hin, wie qualvoll es für das Pferd ist und welche gesundheitlichen Schäden auftreten können.
  • Sollte dies erfolglos bleiben und besteht der Verdacht, dass ein Pferd im Training gequält wird, können Sie sich mit Ihren Beobachtungen an die zuständigen Behörden oder an PETA wenden.

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