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Zoophilie, Sodomie oder der sexuelle Missbrauch von Tieren

Stand Juli 2014
Zoophilie, umgangssprachlich besser unter dem Begriff „Sodomie“ bekannt, bezeichnet den sexuellen Umgang mit Tieren, wobei offen bleibt, ob es immer zur Penetration, also quasi zum Geschlechtsverkehr zwischen Mensch und Tier kommt, oder ob Mensch oder Tier zum Orgasmus kommen. Offiziell wird Zoophilie den Paraphilien zugeordnet.

Für den sexuellen Umgang mit Tieren werden Hunde, Pferde, Ziegen und Rinder missbraucht, grundsätzlich keine Katzen (außer Großkatzen im Bereich Zoo-Sadismus). Rund 85 Prozent der zoophilen Kontakte entfallen auf Pferde und Hunde.
Im asiatischen Raum werden auch Hühner, Fische, Mäuse und kleine Schlangen missbraucht, von denen einige teilweise noch beim Sexualakt getötet werden, um die orgastische Stimulation durch die Todeszuckungen noch zu intensivieren.

Überlieferungen zufolge wurden Gottheiten im antiken Griechenland unter anderem auch durch gewaltsamen Geschlechtsverkehr mit Tieren verehrt, die die Gottheit symbolisierten. Im Alten Rom gab es Bordelle, die die Namen der Tierarten trugen, die dort für den Menschen zur Verfügung gestellt wurden.
 
Der Sozialwissenschaftler Michael Fischer umschreibt Zoophilie zusammenfassend wie folgt:
„Sexualität muss nicht notwendig Missbrauch sein, aber bei der Sexualität mit Tieren sind dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.“ „Dass dabei, gerade im Zustand sexuellen Begehrens, die Macht niemals in Zwang umgesetzt wird, ist höchst unwahrscheinlich. Auch wenn sich einige ‚freundliche Zoophile‘ die Gleichberechtigung des tierlichen ‚Partners‘ auf die Fahnen geschrieben haben und sich manche ihrer Schriften so läsen, als dächten sie noch während des Sexualakts an kaum etwas anderes – für die Praxis ist eine (mindestens milde) Nötigung des Tiers als ein häufiger Fall anzunehmen. Und die Idee der Gleichberechtigung von Mensch und Tier scheint sich regelmäßig auf das ‚eigene‘ bzw. sexuell benutzte Tier, auf die Legitimation der eigenen sexuellen Praxis und auf die Imagination von Partnerschaftlichkeit zu beschränken.“ (1)

Und die renommierte Wissenschaftlerin Frau Prof. Feddersen-Petersen beschreibt Zoophilie wie folgt:
„Wenn Menschen sexuelle Handlungen an Hunden vornehmen, haben die Tiere durch ihre Lebensbedingungen schlicht keinerlei Wahlmöglichkeiten. (…) Was als Wohlbefinden und Lustausdruck fehlinterpretiert wird, ist nicht selten das Verhalten eines Tieres, das einer extremen Belastungssituation ausgeliefert, also ihr gegenüber völlig hilflos ist.“ (2)

Für PETA steht außer Frage, dass Zoophilie bzw. Sodomie Tierquälerei ist. Daher setzt sich die Tierrechtsorganisation für ein gesetzliches Verbot der Sodomie und eine aktive Strafverfolgung in den Fällen von Sodomie ein.
 

Rechtslage in Deutschland

In Deutschland herrschte über 40 Jahre lang ein gesetzgeberisches Vakuum. 1969 wurde die Sodomie durch Löschung im § 175b Strafgesetzbuch (StGB) straflos gestellt. Sodomitische Handlungen, die möglicherweise noch nicht die Grenze der Erheblichkeit nach § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG) überschreiten, bleiben damit straflos, während die Verbreitung von Videos mit solchen Praktiken nach § 184/184a StGB bestraft wird. Dies ist ein erheblicher rechtspolitischer Widerspruch. Zoophilie und sodomitische Handlungen können nach den Anforderungen des Tierschutzgesetzes kaum nachgewiesen werden, so dass in den vergangenen über vier Jahrzehnten in Deutschland auch kaum Anklagen oder Verurteilungen erfolgten.

Während es in Ländern wie der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Österreich zumeist strafrechtlich sanktionierte Verbote gibt, ist Zoophilie in anderen Ländern nicht verboten. (3)

Im Rahmen der Novellierung des deutschen Tierschutzgesetzes war die Bundesregierung zunächst nicht bereit, einen wie auch immer gearteten Verbotsanspruch in die Novelle aufzunehmen. Erst durch massiven Druck der Tierrechts- und Tierschutzorganisationen und letztlich über den Bundesrat (BT Drs 1710088) wurde Zoophilie als Ordnungswidrigkeit in das seit Mitte 2013 gültige deutsche Tierschutzgesetz aufgenommen.
§ 3 Nr. 13 des deutschen Tierschutzgesetzes lautet:
Es ist verboten, ein Tier für eigene sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen und dadurch zu artwidrigem Verhalten zu zwingen. Über § 18 Nr. 4 des Tierschutzgesetzes ist ein Verstoß mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro sanktioniert.
 
 

Zoophile Umtriebe in Deutschland

Bereits Jahre vor der seit 2013 geltenden Rechtsetzung gegen Zoophilie und Sodomie begannen zoophile Gruppierungen Bemühungen, ihre Neigungen „gesellschaftsfähig“ zu machen. In mehreren Anläufen scheiterte die Gruppe „ZETA – Zoophiles Engagement für Toleranz und Aufklärung“ rechtskräftig an der Eintragung als Verein (e.V.), unter anderem im Vereinsregister des Amtsgerichts Charlottenburg. Obwohl Zoophilie und Sodomie zum Zeitpunkt der gerichtlichen Auseinandersetzungen noch nicht verboten waren, urteilte unter anderem das Kammergericht Berlin, letztlich bestätigt durch Zurückweisung der Verfassungsbeschwerde durch den Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, gegen die Eintragung in das Vereinsregister. Die Urteilsbegründungen sind eindeutig:
 „Nach § 17 Nr. 2b TierSchG macht sich strafbar, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. Das ist durch die Satzung nicht ausgeschlossen. (…) Das Tier kann jedoch seinen Willen als Sexualpartner nicht objektiv erkennbar äußern und sich nicht gegen ihm zugefügte Schmerzen oder Leiden adäquat schützen oder zur Wehr setzen. Hier denkbare Penetrationen von Wirbeltieren oder das (auch unbeabsichtigte) Quälen von Tieren zur Befriedigung des Sexualtriebs stellen subjektiv und objektiv tatbestandlich die Zufügung sich wiederholender erheblicher Leiden der Tiere gemäß § 17 TierSchG dar.“ (Kammergericht Berlin v. 19.10.2011, Az.: 25 W 73/11) (5)
 „Die guten Sitten bilden dabei einen unbestimmten Rechtsbegriff. Bei dessen Auslegung hat die Rechtsprechung den Umwelt- und Tierschutzauftrag des Art. 20a GG zu berücksichtigen. Allein dies führt zur Satzungsunwirksamkeit.“ (Kammergericht Berlin v. 3.12.2012, Az.: 12 W 69/12). Die hiergegen gerichtete Verfassungsbeschwerde wies der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin mit Beschluss v. 28.2.2012 (Az.: VerfGH 156/11) (6)

Und auch ein anderes Obergericht urteilte eindeutig gegen die Eintragung in ein Vereinsregister in Nordrhein-Westfalen:
 „Die Satzung ist unwirksam, da sie mit der Rechtsordnung nicht vereinbar ist. Dies gilt schon deshalb, weil der genannte Satzungszweck mit dem in Art. 20a des Grundgesetzes als Staatsaufgabe normierten Schutz der Tiere nicht vereinbar ist. (...) Der beschriebene Vereinszweck ist zudem mit § 138 Abs. 1 BGB unvereinbar, da er nach Auffassung des Senats … gegen die guten Sitten verstößt. Dieser Zweck verstößt gegen die von der Bevölkerung allgemein anerkannte, in der (auch heutigen) Rechts- und Sozialmoral fest verankerte und mit der Rechtsordnung übereinstimmenden Sittenordnung (vgl. namentlich Art. 20a GG, § 184 a StGB), welche sexuelle Handlungen des Menschen an oder mit Tieren ablehnt und als unanständig verurteilt.“ (Oberlandesgericht Hamm v. 6.11.2012, Az.: I-27 W 83/12). (7)

Dass Akteure dieser ZETA-Gruppierung auch Geschlechtsverkehr mit ihren Tieren haben, wird nicht bestritten, sondern offen eingeräumt:
„Ich habe mich zunächst mit ein paar anderen Zoophilen getroffen, um diese kennenzulernen. Einer erlaubte mir dann explizit, mit seinem Rüden erste Erfahrungen zu machen, wenn der Hund das auch möchte. Nachts lagen wir zwei dann zusammen, und ich habe ihn dann oral befriedigt.“ (8)
 

Tierbordelle

So wie in Deutschland noch immer gesetzlich strikt verbotene Hundekämpfe stattfinden, so muss auch von der Existenz von Tierbordellen, wie sie z. B. in Skandinavien und auch in den USA verbreitet sind, ausgegangen werden. Der Gesetzgeber hat deshalb in der Verbotsnorm des § 3, Nr. 13 auch den Passus „oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder zur Verfügung zu stellen“ aufgenommen. Damit sind nicht nur „eigene“ sexuelle Handlungen mit dem und den „eigenen“ Tieren verboten, sondern eben auch das Abrichten und das Zur-Verfügung-Stellen dieser „eigenen“ Tiere für Fremde. Es gibt einen gerichtlich nachgewiesenen Fall der „Überlassung“ eigener Tiere an Dritte, um an ihnen sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das Verwaltungsgericht Stade bestätigte in einem rechtskräftigen Urteil v. 21.11.2012, Az. 6 A 1737/12 die Untersagung der Tierhaltung und -betreuung auf der Grundlage des Tierschutzgesetzes durch eine Landkreisbehörde gegenüber einem Hundehalter. Das Gericht konnte sich auf einen umfangreichen Chatverkehr zur Anbahnung und Bestätigung von sodomitischen Handlungen durch andere Personen mit seinen eigenen Hunden beziehen, der diesem Hundehalter trotz Pseudonyms nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus gestand der Kläger selbst solche Aktivitäten, und Zeugen bestätigten, dass er Sexpartys veranstalte, um anderen Personen sodomitische Handlungen an seinen Hunden zu ermöglichen. (9)
Es spielt keine Rolle, ob solche verbotenen Handlungen gewerblich oder „privat“ vorgenommen werden.
 
Zoophilie bzw. Sodomie ist auch in der deutschen Gesellschaft ein nicht zu unterschätzendes Problem. Auch wenn das Tierschutzgesetz Zoophilie bzw. Sodomie seit 2013 verbietet und mit Geldbußen bedroht, finden diese grundsätzlich immer tierquälerischen Handlungen an Tieren statt.
 

Quellen:
1) Michael Fischer: Zoosexualität: Zwischen Gleichheit und Missbrauch in: B. Schröder (Hg.): Verschwiegenes Tierleid – Sexueller Missbrauch an Tieren, Bonn 2006
2) Martina Kuhtz-Böhnke: Sexueller Missbrauch von Tieren – hilft das Tierschutzgesetz? In: B. Schröder (Hg.): Verschwiegenes Tierleid – Sexueller Missbrauch an Tieren, Bonn 2006
3) Jost-Dietrich Ort: Zur Sanktionierung zoophiler Handlungen, DJGT 1.9.2012
4) Tierschutzgesetz Deutschland, BGBl. I S. 3154
5) Entscheidung des Kammergerichts Berlin v. 19.10.2011, Az.: 25 W 73/11
6) Entscheidung des Kammergerichts Berlin v. 3.12.2012, Az.: 12 W 69/12; Beschluss des Verfassungsgerichtshofes Berlin v. 28.2.2012, Az.: VerfGH 156/11
7) Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm
8) Steffi Unsleber: „Man nennt das Liebeskummer“ in. Taz v. 2./3. Februar 2013
9) Urteil des Verwaltungsgerichts Stade v. 21.11.2012, Az.: 6 A 1737/12
 
Für weitergehende Informationen wird folgende Buchpublikation empfohlen:
B. Schröder (Hg.): Verschwiegenes Tierleid – Sexueller Missbrauch an Tieren, Bonn 2006