Der vegane Profikoch Sebastian Copien hat die vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik gegründet. Dort bringt er Profis sowie Hobbyköch:innen bei, pflanzliche Gerichte zu kochen und andere für die vegane Küche zu begeistern. Im Interview mit uns von PETA Deutschland spricht er über seinen Weg zur veganen Ernährung, was ihn antreibt und die Kooperation mit PETA.
Pflanzenpower mit Perspektive – im Gespräch mit Sebastian Copien zur neuen vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik
PETA: Sebastian, du bist seit vielen Jahren einer der bekanntesten pflanzlichen Köche und Aktivisten im deutschsprachigen Raum. Was treibt dich an – beruflich wie persönlich?
Sebastian Copien: Möglichst viele Menschen fürs Kochen zu begeistern und meine eigene Leidenschaft für gute pflanzliche Küche weiterzugeben. Dabei ist es mir wichtig, nicht nur Rezepte zu zeigen, sondern ein echtes Verständnis für Geschmack, Technik und Aromen zu vermitteln. Denn was viele für Verzicht halten, ist in Wahrheit eine Bereicherung: Die pflanzliche Küche ist vielfältig, aromatisch und voller kreativer Spielräume.
Besonders spannend finde ich die Herausforderung, vertraute Geschmäcker und Konsistenzen pflanzlich zu reproduzieren. Das braucht Wissen, Erfahrung und eine ordentliche Portion Kreativität. Aber wer sich damit beschäftigt, merkt, wie viel Freude darin steckt. Es wird zu einem kreativen Prozess, der mehr bringt als nur gutes Essen: Es verbindet, bringt Ruhe und Lebensfreude – ein mächtiges Tool, gerade wenn die Zeiten etwas wilder sind.
PETA: Wie hat sich dein eigener Weg zur pflanzlichen Ernährung entwickelt? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Sebastian Copien: Seit etwa 2011 koche ich vegan. Letztendlich war es ein längerer Prozess – ich habe vorher ganz klassisch und professionell omnivor gekocht. Die Entscheidung, mich pflanzlich zu ernähren, war also nicht nur privat, sondern hatte direkte Auswirkungen auf meinen Beruf. Es ging darum, mein gesamtes kulinarisches Handwerk zu hinterfragen und neu zu denken – und das war nicht einfach. Auch auf finanzieller und unternehmerischer Ebene, denn da sind mir viele Kunden weggebrochen.
Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich mir mit der pflanzlichen Küche wieder eine solide Existenz aufbauen konnte. Aber mein Ziel war immer klar: Ich wollte zeigen, dass pflanzliche Küche nicht nur gesund ist, sondern auch unglaublich vielfältig, kreativ und lecker.

Die vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik
PETA: Was ist die Vision der vefa Fernschule? Was erwartet die Teilnehmer:innen konkret in der Ausbildung?
Sebastian Copien: Seit über 15 Jahren gebe ich sowohl live als auch online Kochkurse und Fortbildungen – mit dem Ziel, mehr Menschen für die pflanzliche Küche zu begeistern.
Unser Ziel mit der vefa Fernschule ist es nun, pflanzliche Küche auf professionellem Niveau möglichst vielen Menschen einfach zugänglich zu machen – vom ambitionierten Hobbykoch über erfahrene Küchenprofis bis hin zu Unternehmen und anderen Fachpersonen, die ihr Angebot um vegane Gerichte erweitern möchten.
Der Fernlehrgang zum Plant-Based Pro begleitet die Teilnehmenden dabei in 24 Modulen mit über 350 multimedialen Lektionen durch alle relevanten Themenbereiche – von den Grundlagen des Kochhandwerks und der Geschmackslehre bis hin zu komplexeren Inhalten wie der Zubereitung pflanzlicher Alternativen zu klassischen tierischen Produkten und Gerichten.


PETA: Wodurch unterscheidet sich euer Ansatz von klassischen Kochkursen oder anderen Ausbildungen im Bereich pflanzlicher Ernährung?
Sebastian Copien: Nichts anderes im Bereich der pflanzlichen Kulinarik bietet eine vergleichbare inhaltliche Tiefe, Informationsfülle und eine so klar strukturierte, didaktisch durchdachte Wissensvermittlung wie dieser Fernlehrgang. Hinzu kommt die zeitliche und räumliche Flexibilität eines Fernlehrgangs.
Während in klassischen Kochkursen meist das Nachkochen vorgegebener Rezepte im Vordergrund steht, vermittelt unsere Weiterbildung ein umfassendes Hintergrundwissen, mit dem Teilnehmende anschließend eigene pflanzliche Gerichte auf professionellem Niveau entwickeln können. In praxisnahen Lektionen lernen sie grundlegende Techniken sowie den Umgang mit typischen pflanzlichen Zutaten. Sie wenden das Gelernte in zahlreichen Beispielrezepten an und werden dazu angeregt, kreativ zu werden und im Rahmen von anwendungsorientierten Einsendeaufgaben eigene Rezepte zu entwickeln. Bei uns stehen das Fachwissen und die praxisorientierte Anwendung im Vordergrund, nicht das vorgegebene Rezept.
PETA: Wie ist das Team der vefa aufgestellt? Welche Kompetenzen fließen zusammen?
Sebastian Copien: Zum Team gehören professionelle Köche mit langjähriger Erfahrung in der pflanzlichen Küche, von denen einige zusätzlich pädagogische Kompetenzen und/oder einen ernährungswissenschaftlichen Hintergrund mitbringen. Hinzu kommt unsere umfassende Erfahrung in der Videoproduktion und der Online-Wissensvermittlung – durch unsere Online-Plattform Vegan Masterclass.
Unsere Teilnehmenden werden dabei während des Fernlehrgangs durch unser Trainerteam begleitet. Sie können dem Team Fragen im speziellen Forum oder per E-Mail stellen und erhalten auf ihre Einsendeaufgaben, in denen eigene Rezepte entwickelt werden, professionelles und individuelles Feedback – für fachlichen Austausch, andere Perspektiven und die eigene Weiterentwicklung.

Die Kooperation zwischen vefa und PETA Deutschland
PETA: Wie ist die Zusammenarbeit mit PETA entstanden und warum passt sie aus deiner Sicht so gut zu vefa?
Sebastian Copien: Mit vefa möchten wir möglichst viele Menschen erreichen und sie für die pflanzliche Küche begeistern. Auf der Suche nach starken Partnern, die diese Vision unterstützen, war PETA schnell ganz vorne mit dabei – wir schätzen ihre Arbeit seit Jahren. Also haben wir den Kontakt gesucht und daraus ist die Idee entstanden, gemeinsam ein Stipendienprogramm auf die Beine zu stellen. Damit wollen wir gezielt Menschen fördern, die sich aktiv für eine pflanzenbasierte Zukunft einsetzen. Das erste Stipendium wird bereits im Herbst verlost. Wir können uns auch sehr gut vorstellen, daraus langfristig ein dauerhaftes Förderprogramm zu entwickeln.
PETA: Welche gemeinsamen Werte verbinden euch mit PETA?
Sebastian Copien: Uns verbindet vor allem die Überzeugung, dass pflanzliche Ernährung einen echten Unterschied machen kann – für die Tiere, für die Umwelt und für uns alle. Mit vefa und der Vegan Masterclass zeigen wir, wie viel Freude, Genuss und Kreativität in der pflanzlichen Küche stecken. Und genau diese positive Auswirkung aufs Tierwohl steht auch bei PETA im Mittelpunkt. Das passt einfach richtig gut zusammen.
PETA: Gibt es ein konkretes PETA-Projekt oder Thema, das dir persönlich besonders am Herzen liegt?
Sebastian Copien: Ich surfe seit meiner Jugend und bin jedes Jahr am Atlantik. Die Wellen und das Meer sind für mich wie ein zweites Zuhause. Surfen hat viel mit Achtsamkeit zu tun: im Moment sein, sich den Wellen hingeben, die Natur einfach bewusst wahrnehmen. Das Meer ist ein wertvoller Lebensraum für Tiere, Pflanzen und am Ende auch für uns Menschen. Genau deshalb finde ich es großartig, dass PETA sich auch für den Schutz der Meere einsetzt. Denn wer über pflanzliche Ernährung spricht, spricht für mich automatisch auch über Verantwortung – und dazu gehört ganz klar, solche Lebensräume zu bewahren.
Ein Blick in die Zukunft von Sebastian Copien und der vefa Fernschule für pflanzliche Kulinarik
PETA: Was wünschst du dir für die Zukunft der pflanzlichen Kulinarik in Deutschland – privat, gesellschaftlich und politisch?
Sebastian Copien: Ich wünsche mir, dass pflanzliche Kulinarik in Deutschland auf allen Ebenen ernst genommen und weiter professionalisiert wird – mit mehr Ausbildung, Qualität und Kreativität. Wir brauchen mehr Restaurants, die nicht nur vegan kochen, sondern mit Leidenschaft und gutem Handwerk pflanzlich genussvoll begeistern. Politisch sollte pflanzliche Ernährung stärker gefördert werden – von Subventionen bis hin zur Ausbildung. Mit unserer berufsbegleitenden Fortbildung zum Plant-Based Pro bei vefa gehen wir hier z. B. den ersten Schritt in die richtige Richtung, denn dieses Fortbildungskonzept könnte man auch von öffentlicher Seite her wundervoll in die bestehenden Kochausbildungskonzepte integrieren. Wenn wir zeigen, was mit hochwertigen pflanzlichen Zutaten alles möglich ist, wird klar: Das ist kein Verzicht, das ist Zukunft. Und Geschmack ist hier einfach der Schlüssel.
PETA: Was würdest du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die heute in die pflanzliche Gastronomie oder Ernährung einsteigen wollen?
Sebastian Copien: Geht mit Neugier und echter Leidenschaft rein – pflanzliche Küche ist ein riesiges Spielfeld, auf dem ihr kreativ richtig Gas geben könnt. Lernt das Handwerk und die Techniken, versteht Zutaten und setzt euch mit Aromen auseinander – das macht den Unterschied. Menschen begeistern wir nicht mit Moral, sondern mit Geschmack, Textur und herzlichem Gastgebertum. Und vergesst nie: Ihr gestaltet gerade die Zukunft der Gastronomie – wie genial ist das bitte?!
PETA: Und zum Schluss: Was ist dein absolutes Lieblingsgericht – und worauf kommt es bei der Zubereitung an?
Sebastian Copien: Ganz klar Bolognese. Als Kind stand ich sofort neben dem Herd meiner Mutter, wenn dieser besondere Duft stundenlang gekochter Bolognese in der Luft lag. Selber koche ich dieses Ragout, seit ich zwölf bin – und die letzten 15 Jahre habe ich an meiner veganen Variante gefeilt. Sicher das Gericht, in das ich am meisten Zeit investiert habe, um es zu perfektionieren. Vor ein paar Wochen hab ich das Rezept auf YouTube geteilt – mit all meinem Wissen, praktischen Tipps und Tricks für die perfekte Zubereitung. Also unbedingt mal rüberschauen.
Das Interview führte Tobias Schalyo (Corporate Engagement Manager für Ernährung, Tourismus und Unterhaltung bei PETA Deutschland) im Namen von PETA Deutschland e.V.
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