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Bodendegradation: Landwirtschaftliche Tierhaltung zerstört den Boden

ausgedörrter, vertrockneter Boden durch Bodendegradation
Jahr für Jahr werden viele Hektar fruchtbarer Boden zerstört oder unbrauchbar gemacht. Was genau sind die Ursachen dieser Bodendegradation – und was können wir tun, um unseren Boden zu retten?

Boden: Unverzichtbar für unseren Planeten

Der Boden spielt eine zentrale Rolle in unserem Ökosystem: Ein Leben ohne guten, fruchtbaren Boden ist undenkbar. Seine mineralischen und organischen Bestandteile sowie die wichtigen Lufträume dazwischen sind die Lebensgrundlage für Pflanzen und somit auch für Mensch und Tier. Die Versorgung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung mit ausreichend Nahrung hängt entscheidend von der Beschaffenheit des Bodens ab.
 
Als Lebensraum für Milliarden Organismen steckt in einer Handvoll Boden mehr Leben, als es Menschen auf unserem Planeten gibt: Zwei Drittel aller Arten leben unter der Erdoberfläche. [1] Der Zustand des Bodens wirkt sich direkt und indirekt auf die Artenvielfalt aus.

Außerdem bedingt der Boden auch andere Umweltschutzziele, etwa den Klimawandel. So sind Böden extrem wichtig, um CO2 zu speichern: Sie binden drei Mal mehr Kohlenstoffdioxid als die gesamte lebende Biomasse, einschließlich Bäume, Sträucher und Gräser. [2]

Bodendegradation: Warum der Boden so bedroht ist

Durch den stetigen Einsatz von Chemie und Technik zur Erhaltung der Erntemengen in der intensiven Landwirtschaft verschlechtern sich die Böden. Die intensivere landwirtschaftliche Nutzung mit engeren Fruchtfolgen, Monokulturen und Düngung führen dazu, dass allein in Deutschland jedes Jahr 60 Hektar Boden verloren gehen. [3] Genau bedeutet das, dass die Bodenstruktur zerfällt, da der Humusgehalt abnimmt. Dadurch sterben die Organismen, die den Boden auflockern, und der Boden kann seine wichtigen Lebensraum-, Regelungs- und Produktionsfunktionen nicht mehr erfüllen. Je intensiver die Bewirtschaftung ist, desto negativer sind die ökologischen Folgen.
 
traktor spritzt guelle auf ein Feld
Das große Problem: Der Boden kann sich in menschlichen Zeiträumen nicht regenerieren oder neu entstehen. Hierfür sind bei einer zehn Zentimeter dünnen Schicht Oberboden 2.000 Jahre nötig – doch diese Schicht kann bereits durch einen einzigen starken Regen weggeschwemmt oder durch schwere Maschinen verdichtet werden. Darüber hinaus können Pestizide und Mineraldünger das enthaltene Leben verringern und den Boden so degradieren.

Tierische Produkte schaden dem Boden

Die weltweite Tierwirtschaft nimmt 83 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für sich ein. [4] Laut der FAO werden rund 30 Prozent der gesamten Erdoberfläche für die Tierhaltung genutzt. [5] Dies beinhaltet Ackerflächen für die Erzeugung von Futtermitteln wie Soja-Monokulturen und Weideflächen. In der EU landen 60 Prozent des angebauten Getreides in den Trögen der sogenannten Nutztiere – obgleich dies eine äußerst ineffiziente Nutzung der wertvollen Lebensmittel darstellt.  Würden alle Menschen vegan leben, gäbe es genügend Nahrung für 4 Milliarden zusätzliche Menschen auf der Erde, da die Feldfrüchte der Ernährung der Menschen unmittelbar zugutekommen würden. [6, 7]

Drei Viertel des weltweit angebauten Sojas, nämlich über 75 Prozent, landen in der Tierhaltung. [8] Würden wir das für die „Nutztiere“ benötigte Soja hierzulande anpflanzen, dann müsste Rheinland-Pfalz komplett mit Sojaplantagen übersät werden. [9] Gerade dieser Sojaanbau ist ein Hauptgrund für die Abholzung des Regenwaldes in Südamerika und feuert den Klimawandel weiter an. Doch nicht nur die Umnutzung des dortigen Landes führt zu einer Verschärfung der Klimakrise: Jede Rodung und jeder Umbruch, die angesichts des steigenden Bedarfs an tierischen Produkten weiter zunehmen, setzen CO2 frei. Hinzu kommen Methan- und Lachgasemissionen durch Kühe, Gülle sowie Dünger. [10]
 
Obwohl Pflanzen Stickstoff, Nitrate und Phosphate benötigen, schaden diese Stoffe dem Boden, da große Mengen Dünger oder Gülle von einer begrenzten Bodenfläche nicht problemlos aufgenommen werden können. Daher gelangen die Stoffe in den Wasserkreislauf – mit schädlichen Auswirkungen für Trinkwasser und Meere. Die stärkere Bewässerung intensiv genutzter Flächen führt obendrein zu einer Versalzung des Bodens. Zudem hat der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden, die ein Verkrauten des Bodens verhindern und hohe Erträge sichern sollen, erschreckende Nebeneffekte: Alles, was nicht resistent ist, ganz gleich ob Tier oder Pflanze, stirbt – und das Oberflächen- und Grundwasser wird belastet.

Was Sie tun können

Land und Boden sind und bleiben eine begrenzte Ressource. Irgendwann kann kein Wald mehr gerodet, kein Weideland mehr umgenutzt werden – und bestehende Böden sind ausgelaugt. Was also tun? Ein „Weiter wie bisher“ geht nicht, wir alle müssen uns Gedanken über unseren Konsum machen und unsere Verhaltensweisen ändern.

Insbesondere mit der Ernährung kann jeder Einzelne einen großen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten. Eine Studie zeigte, dass der globale Anteil an landwirtschaftlicher Fläche ohne den Konsum von Fleisch und Milch um rund 75 Prozent reduziert werden könnte. [4] Stellen Sie deshalb Ihren Speiseplan um und leben Sie vegan – für die eigene Gesundheit, die Tiere und die Umwelt! Tipps, Informationen und Rezepte, die den Umstieg erleichtern, erhalten Sie bei unserem kostenlosen Veganstart-Programm.


[1] TZ (25.02.2015): So steht es um unseren Boden, https://www.tz.de/leben/tiere/fakten-bodenatlas-4764255.html (eingesehen am 06.07.2020).
[2] Welt Wissen (17.02.2015): Böden reagieren auf Klimawandel anders als gedacht, https://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article137561635/Boeden-reagieren-auf-Klimawandel-anders-als-gedacht.html (eingesehen am 01.07.2020).
[3] Zeit (30.01.2019): Wie geht es dem Boden?, https://www.zeit.de/2019/06/erdboden-erdkruste-oekosystem-bodenfruchtbarkeit-landwirtschaft (eingesehen am 01.07.2020).
[4] Poore, J.; Nemecek, T. (01.06.2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987 (eingesehen am 01.07.2020).
[5] WWF (2015): Das große Fressen, https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Magazin-0215-Leseprobe-Das-grosse-Fressen.pdf (eingesehen am 06.07.2020).
[6] Planet Wissen: Was kann der Einzelne tun?, https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/kampf_um_nahrungsmittel/pwiewaskanndereinzelnetun100.html (eingesehen am 06.07.2020).
[7] Heinrich Böll Stiftung (08.01.2015): Futtermittel: Viel Land für viel Vieh, https://www.boell.de/de/2015/01/08/futtermittel-viel-land-fuer-viel-vieh (eingesehen am 06.07.2020).
[8] Albert Schweizer Stiftung (01.06.2018): Warum Sojawurst nicht dem Regenwald schadet, https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/warum-sojawurst-nicht-dem-regenwald-schadet (eingesehen am 01.07.2020).
[9] Mighty Earth (24.05.2017): Germany’s Mystery Meat: Despite Grown in Germany marketing, investigation shows large companies selling meat connected to the destruction of Amazon rainforest, http://www.mightyearth.org/germanys-mystery-meat-despite-grown-in-germany-marketing-investigation-shows-large-companies-selling-meat-connected-to-the-destruction-of-amazon-rainforest/ (eingesehen am 01.07.2020).
[10] BR (02.12.2019): So viel Treibhausgase verursacht die Landwirtschaft, https://www.br.de/nachrichten/wissen/so-viele-treibhausgase-verursacht-die-landwirtschaft,RjOJ2Pm (eingesehen am 01.07.2020).