Tierversuche für Botox: Das Sterben der Mäuse für unsere Schönheit

Botox Tierversuche

Was ist Botox?

Ewige Jugend und Schönheit – mit Botulinumtoxin scheint der Traum wahr zu werden. Die Faltenglättung mit dem Nervengift, das fälschlicherweise oft einfach als „Botox“ bezeichnet wird, ist weltweit sehr gefragt. Inzwischen ist die Wunderspritze längst kein Geheimtipp mehr für die Reichen und Schönen in Los Angeles – auch der deutsche Durchschnittsbürger mit dem Wunsch nach Faltenglättung greift gern zu Botulinumtoxin. Doch kaum jemand weiß, welch immenses Tierleid dahintersteckt.

Botulinumtoxin ist ein Bakteriengift, das die Signalübertragung von den Nerven zu den Muskeln hemmt. Die Injektion führt zur Erschlaffung der Gesichtsmuskeln, die Haut sieht glatter aus. Nach spätestens einem halben Jahr hat der Körper die gelähmten Nervenendigungen jedoch nachgebildet, die Antifalten-Wirkung lässt nach, und die Behandlung muss wiederholt werden. Die meisten Kunden lassen sich mehrmals im Jahr spritzen – bei einem Preis von 200 bis 600 Euro pro Injektion ein sehr lukratives Geschäft für die Mediziner. Den höchsten Preis für den Wunsch nach jugendlichem Aussehen zahlen jedoch die Tiere für Botox.

Der Todeskampf der Mäuse im Labor

Die Qualen, denen die kleinen Nagetiere ausgeliefert sind, sind entsetzlich. Für jede (!) neue Charge Botulinumtoxin, die verkauft wird, muss die Menge des Gifts aufs Neue ermittelt werden. Wie genau das passiert, ist grausamer, als man sich vorstellen mag:

Den kleinen Nagern wird das Nervengift in den Bauch gespritzt – die Tiere erleiden Muskellähmungen, Sehstörungen und Atemnot; sie ersticken bei vollem Bewusstsein. Das wird so oft wiederholt, bis die Dosis ermittelt wurde, an der genau 50 Prozent der Mäuse ersticken. Meist dauert es drei Tage, bis die Atemmuskulatur der liebenswürdigen und intelligenten Tiere so stark gelähmt ist, dass sie sterben. [1]


Drei Tage Atemnot, drei Tage Angst und Panik, drei Tage Todeskampf.

Botox Tierversuche

Es gibt Alternativen ohne Tierleid

Es gibt glücklicherweise tierfreundliche Alternativen zu den barbarischen LD50-Tests* an Mäusen. Drei Hersteller von Botulinumtoxin-Produkten arbeiten bereits mit anerkannten Alternativtests – dennoch kommen auch hier Tiere zu Schaden: Für einige der angewandten Verfahren werden Antikörper benötigt, für deren Herstellung Tiere leiden und sterben. [2] Aufgrund von bürokratischen Hürden ist der LD50-Test auch bei diesen Herstellern noch nicht völlig verbannt – auch wenn sie das Tierleid deutlich reduziert haben. Bislang ist leider kein Botulinumtoxin-Hersteller bekannt, der vollständig ohne die Nutzung von Tieren auskommt.
 
Das Hauptproblem liegt darin, dass die Behörden auch Forschern, die Testmethoden ohne Tierleid entwickeln, Steine in den Weg legen. 2015 wurde ein Fall bekannt, bei dem der Förderantrag für ein vielversprechendes neues, tierfreies Testverfahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung abgelehnt wurde. [3]
* Bei LD50-Tests wird die Dosis ermittelt, bei der genau 50 Prozent der Tiere sterben

Wie ist die Rechtslage?

Obwohl Botulinumtoxin-Präparate auch kosmetischen Zwecken dienen, sind die Produkte als Medikamente zugelassen, u. a. gegen Krämpfe, Schiefhals oder Zähneknirschen. Das Europäische Arzneibuch regelt daher die Herstellung, Bezeichnung, Prüfung und Lagerung von pharmazeutischen Produkten auf internationaler Ebene. Bestimmte gesetzliche Vorschriften führen dazu, dass der tödliche LD50-Test an Mäusen noch nicht vollständig abgeschafft ist – auch Hersteller, die Alternativmethoden nutzen, müssen momentan noch ein Minimum an Tierversuchen vorweisen. [4, 5] 

Was Sie tun können

  • Lassen Sie keine ästhetischen Behandlungen mit dem Nervengift durchführen – den Tieren zuliebe! Je mehr Botulinumtoxin verwendet wird, desto mehr Tiere müssen leiden. Solange kein vollständig tierfreies Testverfahren behördlich akzeptiert ist, kann nur eine Abkehr von ästhetischen Behandlungen die Tierqual verringern.
  • Informieren Sie Freunde und Verwandte über das unfassbare Tierleid, das mit der Antifaltenspritze verbunden ist.
  • Für uns als Konsumenten ist der einfachste und direkteste Weg, den Tieren zu helfen, die tierfreundliche Kaufentscheidung: PETAs Kosmetikliste bietet Ihnen eine umfangreiche und ständig aktualisierte Übersicht über Kosmetikhersteller, die keine Tierversuche durchführen oder in Auftrag geben. Wer ausschließlich tierleidfreie Produkte kauft, setzt seine Stimme effektiv für die Rechte der Tiere ein.


[1] WDR (22.09.2015): Tierversuche - die quälende Frage; Internetquelle abrufbar unter: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-tierversuche---die-quaelende-frage-102.html (ab Minute 11:00), zuletzt abgerufen am 21.05.2019

[2] Pressemitteilung Universität Potsdam: Aktivitätsprüfung von Botulinumtoxin: Ersatzmethode für Tierversuche entwickelt (04.11.2016), in: Analytik News; Internetquelle abrufbar unter: https://www.analytik-news.de/Presse/2016/655.html, zuletzt abgerufen am 21.05.2019

[3] WDR (22.09.2015): Tierversuche - die quälende Frage; Internetquelle abrufbar unter: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-tierversuche---die-quaelende-frage-102.html (ab Minute 14:30), zuletzt abgerufen am 21.05.2019

[4] Menschen für Tierrechte: 22. Juni 2018: Botox-Aktionswoche: Neue Botox-Tests müssen Tierversuche komplett ersetzen; Internetquelle abrufbar unter: https://www.tierrechte.de/2018/06/22/22-juni-2018-botox-aktionswoche-neue-botox-tests-muessen-tierversuche-komplett-ersetzen/, zuletzt abgerufen am 21.05.2019

[5] Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz in der Medizin: Botox (März 2018), Internetquelle abrufbar unter: https://www.aerztefuertierschutz.ch/Botox.33.html, zuletzt abgerufen am 21.05.2019