Angler-Irrglaube widerlegt: Fische spüren Schmerzen

Da wir Fische nicht schreien hören können, wenn sie Schmerzen spüren, fällt es vielen Menschen schwer, genauso viel Mitgefühl für sie zu empfinden, wie für einen Hund oder eine Katze. Besonders unter Anglern redet man sich gerne ein, Fische hätten kein Schmerzempfinden. Dabei zeigen zahlreiche internationale Studien, dass Fische ein komplexes Nervensystem haben und durchaus Schmerzen empfinden können – ganz ähnlich wie wir Menschen. Sie spüren es ganz deutlich, wenn sie einen Angelhaken durch die Lippe gestochen bekommen, in Netzen zerquetscht werden oder an die Luft gezogen werden, wo sie nicht mehr atmen können.

Studien zeigen deutlich: Fische reagieren auf Schmerz

Die Biologin Lynne Sneddon von der Universität Liverpool veröffentlichte 2019 eine Untersuchung, in der sie 98 wissenschaftliche Forschungen zur Schmerzempfindlichkeit von Fischen analysierte. [1] Das Ergebnis war eindeutig: Fische können Schmerz empfinden. Das zeigte sich vor allem daran, dass sie ihr Verhalten ändern, wenn sie möglicherweise schmerzhaften Ereignissen ausgesetzt sind. Beispielsweise verzichteten die Fische in einem Aquarium tagelang auf Nahrung, da es diese nur in einem Bereich gab, in dem sie Stromschlägen ausgesetzt wurden.
 
Bereits 2003 beschrieb Sneddon in einer Studie, dass Fische, denen Essigsäure oder Bienengift in den Mund gespritzt wurde, Schmerzverhalten zeigten. [2] Die Tiere machten ruckartige Bewegungen auf dem Bodengrund und rieben ihren Mund an der Beckenwand und am Kies. Sie nahmen kein Futter zu sich und wiesen eine deutlich höhere Atemfrequenz auf als die unbehandelten Fische in der Kontrollgruppe. Die Gabe von Schmerzmitteln führte zu einer deutlichen Reduzierung dieser Verhaltensweisen. Ein weiterer Versuch von Sneddon zeigte, dass Fische sogar bereit sind, ein „Opfer“ zu bringen, um ihre Schmerzen loszuwerden. [3] Zebrabärblinge, denen Essigsäure in die Lippen gespritzt worden war, bevorzugten den sonst ungeliebten Aufenthalt im kahlen Bereich des Beckens, wenn dort Schmerzmittel im Wasser gelöst waren.

Fische besitzen ein Schmerzzentrum

„Die Behauptung, Fische spüren keinen Schmerz, weil sie nicht die ausreichenden neuroanatomischen Strukturen haben, ist wie die Behauptung, Luftballons können nicht fliegen, weil sie keine Flügel haben“ US-Hirnforscherin Lori Marino [4]

Beim Menschen steuert die Großhirnrinde, auch Neocortex genannt, das Schmerzempfinden. Dass Fische keinen Neoncortex besitzen, bedeutet jedoch keineswegs, dass sie keine Schmerzen spüren können. Ihr Schmerzzentrum ist genau wie bei Vögeln in anderen Körperregionen angesiedelt. Zu dieser Erkenntnis kam unter anderem Victoria Braithwaite, die als eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Schmerzforschung bei Fischen gilt. [5] Lynne Sneddon fand in einer Studie heraus, dass Knochenfische über Nozizeptoren im Kopfbereich verfügen, die negative Reize wie Druck, Hitze oder chemische Stoffe wahrnehmen. [6]

2013 wurde zudem das Friedrich- Loeffler-Institut von der Bundesregierung um eine Stellungnahme zum Schmerzempfinden von Fischen gebeten und kam zu dem Schluss, dass „entgegen den Folgerungen von Rose et al. (2002, 2012) und Arlinghaus und Cyrus (2013)“ davon auszugehen ist, dass Fische auch ohne Neocortex „zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten.“ [7]

Schmerzempfinden setzt Bewusstsein voraus

Viele Angler behaupten, Fische würden nur rein mechanisch auf unangenehme Reize wie Hitze oder Druck reagieren, ohne dabei einen bewussten Schmerz zu fühlen. In der Tat ist ein Bewusstsein nötig, um Schmerz zu spüren. Fähigkeiten von Fischen, wie Lernen, Gedächtnis, Unterscheidung von Individuen, Spielen, Werkzeuggebrauch, Planen, Kooperation, Solidarität und vieles mehr, wären ohne Bewusstsein gar nicht möglich.
   

Wir brauchen keine Studien, um zu erkennen, dass Fische Schmerzen spüren

Fisch
Wir müssen und sollten Fische nicht quälen, aufschneiden, einsperren und grausame Versuche mit ihnen durchführen, um nachzuweisen, dass sie Schmerzen spüren. Es reicht, sie zu beobachten. Jeder Fisch ist ein Individuum, was jeder erkennen kann, der Fische in der Natur oder in Dokumentarfilmen beobachtet. Manche Fische lassen sich gerne streicheln, andere haben Angst vor Menschen.

Fische sind wie wir: Sie spüren Freude, Angst und Schmerz. Sie schließen Freundschaften, beschützen ihre Jungen. Sie spielen, singen und sind solidarisch. Sie erkennen einander, rivalisieren und verteidigen ihr Revier. Fische wollen leben und kämpfen um ihr Leben. Lassen wir sie in Ruhe. Wir brauchen keine Beweise. Wir sehen und spüren, wer Fische sind: Freunde – keine Maschinen.

Was Sie tun können

  • Bitte angeln Sie niemals und sprechen Sie mit Familie, Freunden und Bekannten darüber, wie sehr die Tiere unter diesem „Hobby“ leiden.
  • Streichen Sie Fischfleisch von Ihrem Teller und ernähren Sie sich tierfreundlich. Es gibt inzwischen unzählige Fischalternativen.
  • Unterschreiben Sie unsere Petition für das Einrichten von Meeresschutzgebieten ohne Fischfang.

 

[1] Sneddon, Lynne U. (2019): Evolution of nociception and pain: evidence from fish models. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B. London: The Royal Society
[2] Sneddon, Lynne U. (2003): The Evidence for Pain in Fish: The Use ofMorphine as an Analgesic. Applied Animal Behaviour Science, 83(2),153-162.
[3] Sneddon, Lynne U. (2012): Clinical anesthesia and analgesia in fish. Journal of Exotic Pet Medicine, 21(1), 32-43.
[4] Balcombe, Jonathan (2016): What a Fish Knows: The Inner Lives of Our Underwater Cousins. New York: Scientific American / Farrar, Straus and Giroux
[5] Braithwaite, Victoria A. (2006): Cognitive Ability in Fish. Behavior and Physiology of Fish. San Diego: Elsevier Academic Press
[6] Sneddon, Lynne U.; Braithwaite, Victoria A., Gentle, Michael J. (2003): Do fishes have nociceptors? Evidence for the evolution of a vertebrate sensory system. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B. London: The Royal Society
[7] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

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