Sollte man Igel füttern oder lieber nicht? Und falls ja – was essen Igel eigentlich? Wann brauchen Igel unsere Hilfe und wie können wir sie unterstützen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Beitrag.
Disclaimer: Beim Thema Wildtierversorgung gibt es nicht selten Meinungen, die sehr weit auseinandergehen. Wir halten uns in diesem Beitrag an Empfehlungen von Pro Igel e.V.
Inhalte im Überblick |
Wann soll man Igel füttern?
Igel sollten in keinem Fall unbedacht gefüttert werden. Denn nicht jeder Igel, den man im Garten herumstreunen sieht, ist automatisch hilfebedürftig. Außerdem können Nahrungsangebote wie Kuhmilch beispielsweise den Tieren sogar schaden.
Es ist jedoch tatsächlich traurige Realität, dass Igel allgemein und in vielen Gärten zu wenig Nahrung finden. Statt jedoch minderwertiges „Igelfutter“ zu kaufen oder den Tieren andere Nahrung hinzustellen, macht es Sinn, den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten – denn das kommt allen zugute.
Was essen Igel?
Igel sind Insektenesser und ernähren sich von nachtaktiven Insekten wie Käfern, Larven, Schnecken, Regenwürmern, Tausendfüßern, Spinnen und vielen weiteren Kleintieren.
Von Pro Igel e.V. wird deshalb empfohlen, eine Art „Insektenkeller“ für Igel anzulegen:
- Eine etwa 1 Quadratmeter große und 30 Zentimeter tiefe Fläche Erde in einem halbschattigen Bereich ausheben.
- Das Erdloch mit heimischen Holzabschnitten und Gartenschnitt füllen.
- Mit großen Rindenstücken etwas hügelig abdecken.
- Dickere Stammabschnitte für die Abgrenzung oder Umrandung vorsehen.
- Um die Fläche herum heimische Pflanzen für halbschattige Standorte setzen (z. B. Fingerhut).
In diesem „Keller“ können sich mit etwas Zeit Käfer und Larven entwickeln, die den Igeln eine artgerechte Nahrungsquelle liefern.
Wichtige Hinweise und Tipps:
- Sammeln Sie kein Totholz im Wald, dort erfüllt es seinen Zweck im Ökosystem.
- Baumrinde und kleine Hölzer können Sie auch in Wäldern sammeln, z. B. wo Bäume gerodet und entrindet wurden.
Verschiedene Käferarten benötigen unterschiedliche Holzarten (z. B. der selten gewordene Hirschkäfer Eichenholz), achten Sie auf Vielfalt.

Was darf man Igeln nicht füttern?
Obst und Gemüse wie Äpfel oder Nüsse können sie nicht essen, da ihr Magen-Darm-Trakt diese kaum verdauen kann.
Wer einen Igel füttern will, darf dies jedoch auf keinen Fall mit Schnecken oder Regenwürmern tun, da diese Tiere häufig Innenparasiten übertragen, welche den Igel krank machen können.
Informieren Sie sich umfassend über die richtige Ernährung Ihres Igel-Pfleglings. Weitere Informationen zur Ernährung, Aufnahme und Pflege von Igeln finden Sie unter anderem bei pro-igel.de.
Warum darf man Igel nicht füttern?
Prinzipiell dürfen Igel gefüttert werden. Das sollte jedoch nicht ohne professionellen Rat getan werden, denn folgende Probleme können beim Zufüttern von Igeln auftreten:
- Der Zyklus des Igels kann durch das Füttern gestört werden, sodass er nicht in den Winterschlaf geht. In der Natur begibt sich der Igel nämlich dann in den Winterschlaf, wenn die Nahrung im Herbst knapp wird und er kaum noch etwas zu essen findet.
- Igelfutterstellen werden gern von anderen Tieren aufgesucht, die in der Nähe menschlicher Siedlungen leider oft verfolgt und getötet werden, beispielsweise Ratten oder Waschbären.
- Wird ein Igel falsch ernährt, kann das schwere Folgen für seine Gesundheit haben. Sogar Fehlbildungen können durch Mangelernährung entstehen.
- Igel sind Einzelgänger. An Futterstellen können sich Kämpfe mit Bissverletzungen ergeben, wenn sie auf Artgenossen treffen. Diese können tödlich enden.
- Jungtiere müssen die Nahrungssuche erlernen, damit sie langfristig eine Überlebenschance haben. Wird ihnen jeden Tag Nahrung angeboten, kann es passieren, dass sie die Insektensuche nicht richtig erlernen.
- Nahrungsstellen können Krankheiten übertragen, wenn sie von verschiedenen Igeln benutzt und nicht richtig gereinigt werden.
- Igel sind laktoseintolerant und können von einem Schälchen Milch starken Durchfall bekommen, der im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.
Was kann ich einem Igel zu trinken geben?
Eine flache Schale mit sauberem Wasser ist immer sinnvoll, denn genau wie Nahrung finden Igel oftmals keine geeignete Trinkstelle. Kuhmilch sollte jedoch auf keinen Fall angeboten werden – das schadet sowohl den Igeln in Form von Durchfallerkrankungen als auch den Kühen, die für ihre Milch ausgebeutet werden.

Wie erkenne ich, ob ein Igel Hilfe braucht?
Igel beginnen gegen Anfang November mit dem Winterschlaf, je nach Witterung aber auch schon Anfang Oktober. Zu dieser Zeit sollte man darauf achten, wie groß die Igel sind, denen man begegnet. In der Regel sollten Alttiere 1.000 Gramm und Jungtiere 500 – 700 wiegen. Da man dies nicht ohne Weiteres erkennen kann, achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Einbuchtung hinter dem Kopf
- Birnenförmige Statur
- Eingefallene Augen
- Sucht tagsüber nach Futter
Sollten diese Punkte zutreffen, braucht der Igel Hilfe durch eine medizinische Versorgung und/oder Nahrung. Auch wenn ein Igel im Spätwinter zu früh aus dem Winterschlaf erwacht und aufgrund des zugefrorenen Bodens keine Nahrung findet, sollten Sie dem Tier durch geeignete Nahrung helfen. Wichtig: Bitte kontaktieren Sie diesbezüglich die Igelhilfe! Nutzen Sie hierfür beispielsweise die Hotline von Pro-Igel.
Weitere Ausnahmesituationen, in denen Sie eingreifen sollten:
- Verletzter Igel mit Wunden oder offensichtlichen Krankheiten (torkelt, rollt sich nicht ein, extremer Fliegen- oder Madenbefall, hustet oder röchelt, Apathie)
- Verwaiste Igelbabys (tagsüber außerhalb des Nestes, geschlossene Augen)
- Wache Igel, die Sie tagsüber bei Temperaturen dauerhaft unter 5 Grad finden (ca. Ende Oktober-März)
- Igel an einem gefährlichen Ort (z. B. Straße)
- Auch in extremen Dürrejahren kann eine Igelfütterung notwendig sein. Informieren Sie sich hierfür am besten bei einer professionellen Igel-Auffangstationen oder Pro-Igel.
In all diesen Fällen genügt es nicht, Nahrung für die Igel rauszustellen. So sollte beispielsweise ein unterkühlter Igel vor der Nahrungsaufnahme unbedingt langsam aufgewärmt werden, damit es nicht zum Kreislaufzusammenbruch kommt; Außenparasiten wie Fliegeneier oder Maden müssen unverzüglich entfernt werden. Wichtig ist vor allem, den Fund bei der örtlichen Igelstation oder Igelberatungsstelle zu melden; je nach Fall kann das Tier auch dort aufgenommen und medizinisch versorgt werden. Diese Einrichtungen geben Ihnen auch gerne weitere Tipps, sollten Sie sich entscheiden, den Igel selbst aufzupäppeln oder medizinische Hilfe benötigen.
Was kann man Igeln im Herbst Gutes tun?
Zudem können Sie Igeln helfen, indem Sie einen Unterschlupf anbieten, entweder in Form eines großen, geschützten Laubhaufens im Garten oder mit einem geeigneten Igelhaus an einer sicheren Stelle.
Sorgen Sie auch dafür, dass Ihr Garten für die Tiere gut zugänglich und naturbelassen ist – Motorsensen und Mähroboter können den Tieren gefährlich werden.