Sollte man Igel füttern oder lieber nicht? Und falls ja – was essen Igel eigentlich? Wann brauchen Igel unsere Hilfe und wie können wir sie unterstützen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Beitrag.
Disclaimer: Beim Thema Wildtierversorgung gibt es nicht selten Meinungen, die sehr weit auseinandergehen. Wir halten uns in diesem Beitrag an Empfehlungen von Pro Igel e.V.
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Soll man Igel füttern oder nicht?
Gesunde und gut genährte Igel benötigen keine zusätzliche Nahrung. Sie finden in der Natur ausreichend Essen und sollten in ihrer Lebensweise möglichst wenig beeinflusst werden.
Deshalb sollten Igel nur in folgenden zwei Fällen versorgt werden:
- bei gesundheitlichen Problemen (verletzt, krank, stark geschwächt)
- wenn sie saisonbedingt nicht genug Nahrung finden
In beiden Fällen sollte ein Igel nur in Absprache mit einer Igelhilfe artgerecht ernährt und bei gesundheitlichen Problemen zusätzlich häuslich versorgt werden. [1]
Im Zweifel gilt: Lassen Sie den Gesundheitszustand des Igels zunächst von einer Igelhilfe beurteilen, bevor Sie eingreifen.
Wann soll man Igel füttern?
Einen Igel mit Nahrung zu versorgen, ist nur in nahrungsarmen Zeiten sinnvoll. [1] Diese können sich je nach Region und Umfeld des Igels unterscheiden. Es ist jedoch tatsächlich traurige Realität, dass Igel allgemein und in vielen Gärten zu wenig Essen finden. Statt jedoch minderwertiges „Igelfutter“ zu kaufen oder den Tieren andere Nahrung hinzustellen, ist es sinnvoll, den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten – denn das kommt allen zugute. [2]
Igel sollten, wenn die Gabe von Nahrung notwendig ist, in keinem Fall unbedacht gefüttert werden. Denn nicht jeder Igel, den Sie im Garten herumstreunen sehen, ist automatisch hilfsbedürftig. Außerdem können Nahrungsangebote wie beispielsweise Kuhmilch den Tieren sogar schaden. [3]
Wichtig: Bitte kontaktieren Sie deshalb vor der Fütterung eines Igels eine Igelhilfe!

Was essen Igel?
Igel sind Insektenesser und ernähren sich von nachtaktiven Insekten wie Käfern, Larven oder Regenwürmern. Möchten Sie einem hilfsbedürftigen Igel Nahrung anbieten, sollte sie vielseitig, eiweißreich und artgerecht sein. [4]
Sollte ein Igel auf zusätzliche Nahrung angewiesen sein, informieren Sie sich über eine ausgewogene Ernährung – bestenfalls in Absprache mit Fachleuten von Tierschutzorganisationen, die auf Igel spezialisiert sind.
Insektenkeller als natürliche Nahrungsquelle für Igel im Garten
Gesunde, gutgenährte Igel sollten nicht gefüttert werden. Damit Igel in Ihrem Garten jedoch eigenständig genug Nahrung finden, empfiehlt Pro Igel e.V., eine Art „Käferkeller“ für die Tiere anzulegen: [5]
- An einem halbschattigen, feuchten Standort eine etwa ein Quadratmeter große und 40 bis 80 Zentimeter tiefe Fläche ausheben.
- Das Erdloch mit heimischem Totholz füllen.
- Dünnere Stämme und Äste vertikal in das Loch stellen.
- Dickere Stammabschnitte für die Abgrenzung oder Umrandung vorsehen.
- Um die Fläche herum heimische Pflanzen setzen (z. B. Schafgarbe oder Wilde Möhre), da manche Käfer Pollen sammeln.
In diesem „Keller“ können sich mit etwas Zeit Käfer und Larven entwickeln, die den Igeln eine artgerechte Nahrungsquelle liefern. [6]
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Wichtige Hinweise und Tipps für den „Käferkeller“:
- Sammeln Sie kein Totholz im Wald, dort erfüllt es seinen Zweck im Ökosystem. [7]
- Baumrinde und kleine Hölzer können Sie auch in Wäldern sammeln, z. B. wo Bäume gerodet und entrindet wurden.
- Verschiedene Käferarten benötigen unterschiedliche Holzarten (z. B. der selten gewordene Hirschkäfer Eichenholz), achten Sie auf Vielfalt. [8]
Was darf man Igeln nicht füttern?
Igel haben spezielle Ernährungsbedürfnisse. Daher sind viele Lebensmittel, die für Menschen oder tierische Mitbewohner unbedenklich sind, für die Tiere ungeeignet. Geben Sie Igeln beispielsweise keine Speisereste, Nüsse, keine süßen oder gewürzten Nahrungsmittel.
Auch Obst oder Gemüse sind keine geeignete Nahrung für Igel, da ihr Magen-Darm-Trakt diese nicht verdauen kann. Zudem vertragen sie keinen Käse, Quark und Joghurt, weshalb diese auch nicht auf den Speiseplan eines Igels gehören. Sie sollten Igel außerdem nicht mit Schnecken oder Regenwürmern füttern. Diese können Innenparasiten übertragen, die den Igel krank machen können. [3]
Informieren Sie sich umfassend über die richtige Ernährung Ihres Igel-Pfleglings. Weitere Informationen zur Ernährung, Aufnahme und Pflege von Igeln finden Sie unter anderem bei pro-igel.de.
Gründe gegen eine Fütterung: Warum darf man Igel nicht füttern?
Auch wenn es gut gemeint ist: Igel zu füttern, kann unerwünschte Folgen haben und sollte nur bei hilfsbedürftigen Tieren nach fachlicher Beratung erfolgen. Mögliche Probleme sind:
- Regelmäßiges Füttern kann den natürlichen Jahresrhythmus stören und den Winterschlaf verzögern.
- Nahrungsstellen locken auch andere Wildtiere wie Ratten oder Waschbären an, welche dann oftmals von Anwohnenden verjagt oder getötet werden.
- Falsche Ernährung kann die Gesundheit schädigen und zu Mangelerscheinungen oder Fehlbildungen führen.
- An Nahrungsstellen kann es zu Kämpfen zwischen Igeln und damit zu Verletzungen kommen.
- Jungtiere müssen lernen, selbstständig nach Essen zu suchen, damit sie langfristig eine Überlebenschance haben.
- Nahrungsstellen können Krankheiten und Parasiten auf weitere Igel übertragen.
- Igel sind laktoseintolerant und können durch Milch starken Durchfall bekommen. [9]
Was kann ich einem Igel zu trinken geben?
Eine flache Schale mit sauberem Wasser ist immer sinnvoll, denn genau wie Nahrung finden Igel oftmals keine geeignete Trinkstelle. Kuhmilch sollte jedoch auf keinen Fall angeboten werden. Das schadet sowohl den Igeln in Form von Durchfallerkrankungen als auch den Kühen, die für ihre Milch ausgebeutet werden. [3]
Besonders im Sommer, wenn Pfützen und andere Wasserstellen austrocknen, sind Wasserschalen für Igel wichtig:
Vor allem Tiere wie Igel, die einen kleineren Bewegungsradius haben, sind auf Wasserstellen in der Umgebung angewiesen, denn sie können keine so großen Strecken zurücklegen. […] Ohne viel Aufwand lässt sich für die Tiere so ein großer Unterschied machen.
Peter Höffken, Wildtierexperte bei PETA Deutschland

Wie erkenne ich, ob ein Igel Hilfe braucht?
Igel beginnen gegen Anfang November mit dem Winterschlaf, je nach Witterung aber auch schon Anfang Oktober. [10] Zu dieser Zeit sollten Sie darauf achten, wie groß die Igel sind, denen Sie begegnen. In der Regel sollten Alttiere 1.000 Gramm und Jungtiere 500 bis 700 Gramm wiegen. Da sich dies nicht ohne Weiteres erkennen lässt, achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Einbuchtung hinter dem Kopf
- Wurstförmige Statur
- Eingefallene Augen
- Sucht tagsüber nach Futter [11]
Sollten diese Punkte zutreffen, braucht der Igel Hilfe in Form von medizinischer Versorgung und/oder Nahrung. Bitte kontaktieren Sie in diesem Fall eine Igelhilfe oder das örtliche Tierheim.
Weitere Ausnahmesituationen, in denen Sie eingreifen sollten:
- Verletzter Igel mit Wunden oder offensichtlichen Krankheiten (torkelt, rollt sich nicht ein, extremer Fliegen- oder Madenbefall, hustet oder röchelt, Apathie)
- Verwaiste Igelbabys
- Wache Igel bei Frosttemperaturen [11, 12]
In diesen Fällen reicht es nicht aus, die Igel lediglich zu füttern. Ein unterkühltes Tier muss vor der Nahrungsaufnahme zunächst langsam aufgewärmt werden. Außerdem sollten Außenparasiten wie Fliegeneier oder Maden umgehend entfernt werden. [11] Wichtig ist vor allem, den Fund bei der örtlichen Igelstation oder Igelberatungsstelle zu melden; je nach Fall kann das Tier auch dort aufgenommen und medizinisch versorgt werden. Diese Einrichtungen geben Ihnen auch gerne weitere Tipps, sollten Sie sich entscheiden, den Igel selbst gesund zu pflegen oder medizinische Hilfe benötigen.
Igeln im Herbst mit Unterschlupf und naturnahem Garten helfen
Am besten helfen Sie Igeln, indem Sie ihnen einen geschützten Unterschlupf anbieten. Dafür eignen sich ein großer Laubhaufen im Garten oder ein Igelhaus an einem sicheren Standort. [13]
Zusätzlich sollte der Garten möglichst naturbelassen und tierfreundlich gestaltet werden, damit Igel Nahrung finden. [14] Größere Gartenarbeiten sollten zudem erst im Frühjahr erfolgen, damit Laub und Reisig als Winterquartier erhalten bleiben. [13] Bei der Gartenpflege ist jedoch Vorsicht geboten, da Motorsensen und Mähroboter für die Tiere gefährlich werden können. [14]
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Quellen
[1] Igel Bulletin Sonderband 20 Jahre Igel-Bulletin: Ausgewählte Beiträge aus den Jahren 1999–2009, https://www.pro-igel.de/template/images/files/bulletin_sonderband_20-Jahre_2009.pdf (eingesehen am 05.08.2026)
[2] Naturschutzbund: Ein Paradies fürs Stacheltier: Den Garten igelfreundlich gestalten, https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/saeugetiere/22364.html (eingesehen am 25.08.2026)
[3] Pro Igel e.V.: 1×1 der Igelpflege, https://www.pro-igel.de/kurative-igelhilfe/1-x-1-der-igelpflege/ (eingesehen am 05.08.2026)
[4] Pro Igel e.V.: Ernährung hilfsbedürftiger Igel, https://www.pro-igel.de/template/images/prototyp/pdf/ernaehrung.pdf (eingesehen am 05.08.2026)
[5] Pro Igel e.V.: 10-Schritte-Programm Igelschutz, https://www.pro-igel.de/igel-lebensraum-garten/10-schritte-programm-igelschutz/ (eingesehen am 05.08.2026)
[6] GEO (10.04.2026): So schaffen Sie mit einem Käferkeller wertvollen Lebensraum, https://www.geo.de/natur/tierwelt/so-legen-sie-einen-kaeferkeller-im-garten-an-37290344.html (eingesehen am 05.08.2026)
[7] BUND Naturschutz Traunstein: Totholz ist voller Leben!, https://traunstein.bund-naturschutz.de/artenschutz/totholz (eingesehen am 06.08.2026)
[8] Bundesforschungszentrum für Wald: Totholz bewohnende Käfer – Spezialisten für alle Fälle, https://www.bfw.gv.at/wp-content/uploads/ARTENSTECKBRIEF_KAEFER_2501122_FINAL_INTERAKTIV_indd2025.pdf (eingesehen am 06.08.2026)
[9] Igelzentrum Zürich: Fütterung, https://www.igelzentrum.ch/pflegebeduerftigergesunderigel/fuetterung (eingesehen am 06.08.2026)
[10] Pro Igel e.V. (2025): Igel in der Tierpraxis, https://www.pro-igel.de/template/elemente/396/original/IWk1_Igel-in-TA-Praxis_Leseprobe.pdf (eingesehen am 06.08.2026)
[11] Pro Igel e.V.: Checkliste Fundigel, https://www.pro-igel.de/kurative-igelhilfe/checkliste-fundigel/ (eingesehen am 06.08.2026)
[12] Pro Igel e.V.: Kriterien der Hilfsbedürftigkeit, https://www.pro-igel.de/kurative-igelhilfe/kriterien-der-hilfsbeduerftigkeit/ (eingesehen am 06.08.2026)
[13] NABU Bochum (09.11.2015): Richtige Igelhilfe im Herbst, https://nabu-bochum.de/2015/11/09/richtige-igelhilfe-im-herbst/ (eingesehen am 07.08.2026)
[14] Umweltbundesamt (10.06.2026): Mit Nützlingen gärtnern, https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/nuetzlingen-gaertnern (eingesehen am 07.08.2026)