Kükentöten geht weiter – Geflügelbranche will Tötungen lediglich halbieren

Kücken

Weil männliche Küken keine Eier legen können und sich nicht zum Mästen und Schlachten eignen, werden sie in Brütereien kurz nach der Geburt lebendig geschreddert oder vergast. Mitte 2019 stufte das Bundesverwaltungsgericht im sogenannten „Küken-Urteil“ die grausame Praxis der Vergasung endlich als tierschutzwidrig ein – und ein Ende der Vorgehensweise schien in Sicht.
Doch nun teilte der Geflügelverband mit, dass Brütereien die Zahl der getöteten Küken bis 2022 lediglich halbieren werden. [1] Derzeit werden jährlich 50 Millionen männliche Küken in Deutschland routinemäßig vergast. [2] Laut dem Statement des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft werden ab 2022 also noch mindestens 25 Millionen Küken im Jahr kurz nach dem Schlüpfen qualvoll mit Kohlendioxid erstickt. Damit nutzt die Geflügelindustrie zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil aus, dass das Bundesverfassungsgericht keine konkrete Übergangsfrist für das Ende des Kükentötens vorgegeben hat. 

„Rechtstreue kennt der agrarindustrielle Komplex nicht. Nun verhöhnen Bundesregierung und Geflügelwirtschaft sogar das Bundesverwaltungsgericht, welches das derzeit aus rein ökonomischen Gründen praktizierte Töten verbieten will.“  – Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA

Die Politik missachtet das Tierschutzgesetz

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihre Vorgänger versprechen bereits seit Jahren, dass das grausame und tierschutzwidrige Kükentöten beendet werden soll – doch ein endgültiges Verbot dieser Praxis gibt es noch immer nicht. Erst eine neue Technologie, die das Geschlecht des Kükens bereits im Ei unter praxisnahen Akkordbedingungen erkennt, soll das Vergasen der Tierbabys beenden. Bis dahin werden das Gesetz und die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland weiterhin missachtet und der Agrarindustrie wird aus wirtschaftlichen Gründen nach wie vor in die Karten gespielt – obwohl das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil betonte, dass der Tierschutz im Grundgesetz mehr wiegt als die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien.

Hühner leiden in der Eierindustrie

Ein Verbot des Kükentötens wäre ein erster Schritt, um das Leid der Hühner in der Eierindustrie zu verringern. Millionen überzüchtete Hennen fristen in deutschen Ställen in Käfigen oder Hallen mit tausenden Artgenossen inmitten ihrer eigenen Exkremente ein trauriges Dasein. Die Tiere leiden unter schweren Krankheiten und Wunden und reißen sich vor Stress gegenseitig die Federn aus. Bereits im Alter von anderthalb Jahren legen die Hennen nicht mehr genügend Eier und werden für die Industrie nutzlos. Dann werden ihnen im Schlachthof die Kehlen aufgeschlitzt und neue weibliche Küken nehmen ihren Platz ein.

Was Sie tun können

  • Helfen Sie den Hühnern in der Eierindustrie, indem Sie keine Eier oder Produkte essen, in denen Ei enthalten ist. Es gibt zahlreiche vegane Ei-Alternativen, für die kein Tier leiden musste.
  • Informieren Sie sich, wieso Bio-Eier keine Alternative darstellen.
  • Lesen Sie, warum Tiere Grundrechte in Deutschland brauchen:


[1] Taz (14.11.2019): Kükentöten ohne Ende, https://taz.de/Ziel-der-Gefluegelwirtschaft/!5638366/, zuletzt eingesehen am 07.01.2020
[2] Statistisches Bundesamt: Betriebe mit Legehennenhaltung und Eiererzeugung im Jahr 2018 nach Haltungsformen“, https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Tiere-Tierische-Erzeugung/Tabellen/betriebe-hennen-eier-haltungsform-2018.html, zuletzt eingesehen am 07.01.2020

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Unsere Blogbeiträge zu den Themenbereichen Tierrechte und Veganes Leben werden von Mitarbeitern von PETA Deutschland und externen Co-Autoren verfasst.