Zahlreiche Tierschützende gingen vor der Nationalen Behörde für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit (ANSVSA) in Bukarest auf die Straße. Anlass war die Entscheidung der Behörde, die zuvor geschlossene und durch ein Unternehmen geführte Tötungsstation „Vetmedan“ von Tierarzt Lazaar in Suraia wieder für den Betrieb zuzulassen. Die Einrichtung war zuvor durch erschütternde Bilder und Berichte über die Zustände dort in die Schlagzeilen geraten. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Hunde auf grausamste Weise illegal getötet und massiv misshandelt wurden. Die Demonstrierenden forderten deshalb Konsequenzen für die Verantwortlichen und einen grundlegenden Kurswechsel im Umgang mit heimatlosen Hunden in Rumänien.
Gemeinsam mit der Nationalen Föderation für Tierschutz (FNPA) kritisieren wir von PETA Deutschland die Wiedereröffnung der Einrichtung scharf. Wir sehen darin ein weiteres Beispiel für ein System, das seit Jahren versagt und unzähligen Hunden schlimmstes und unwiederbringliches Leid zufügt.
Der Fall Vetmedan: Ein Symbol für ein größeres Problem
Die Zustände im „Tierheim“ Vetmedan sorgten in Rumänien für große Empörung. Versteckte Aufnahmen zeigen mangelnde Versorgung der dort untergebrachten Hunde, schlechte Haltungsbedingungen und massives Tierleid, auch bei der Tötung. Diese Bilder lösten in der Öffentlichkeit eine Welle der Kritik aus. Für viele Tierfreund:innen ist die Entscheidung zur Wiedereröffnung der Einrichtung deshalb nicht nachvollziehbar.
Doch der Fall Vetmedan ist nach Ansicht von PETA und der FNPA weit mehr als ein Einzelfall. Er macht auf ein strukturelles Problem aufmerksam, das Rumänien seit Jahrzehnten begleitet: den Umgang mit heimatlosen Hunden und das korrupte System dahinter.
Über eine Milliarde Euro ausgegeben – und das „Problem“ besteht weiterhin
Eine von FNPA und PETA ausgewertete Analyse für den Zeitraum von 2001 bis 2025 zeichnet ein alarmierendes Bild: In diesen 25 Jahren wurden schätzungsweise 2,76 Millionen Hunde eingefangen. Rund 1,28 Millionen Tiere starben in Einrichtungen oder wurden getötet. Gleichzeitig flossen etwa 1,01 Milliarden Euro öffentlicher Gelder in das bestehende System.
Trotz dieser enormen Ausgaben gibt es weiterhin Hunderttausende heimatlose Hunde in Rumänien. Ein klares Zeichen, dass der bisherige Ansatz des Fangens und Töten nicht nur tierquälerisch, sondern auch vollumfänglich gescheitert ist.

Statt die Ursachen nachhaltig durch tierschutzgerechte Mittel, wie der Kastration anzugehen, wird ein Kreislauf aufrechterhalten, der Jahr für Jahr neue Leben hervorbringt und neues, massives Leid verursacht.
Wenn Tierleid zum Geschäftsmodell wird
Im Mittelpunkt der aktuellen Problematik mit heimatlosen Hunden in Rumänien stehen kommerzielle „Tierheime“.
Viele Unternehmen unterhalten diese sogenannten Tierheime und erhalten öffentliche Gelder für das Einfangen, Unterbringen und Verwalten von Hunden. Dadurch entsteht ein offensichtlicher Interessenkonflikt: Solange weiterhin Hunde auf der Straße leben, fließen auch weiterhin öffentliche Mittel – im großen Stil.
Das Einfangen und Töten von Hunden ist mittlerweile landesweit zu einem lukrativen Geschäft geworden, welches aus Steuergeldern finanziert wird. Solange ein wirtschaftlicher Anreiz besteht, wird sich auch das „Problem“ der heimatlosen Hunde nicht verändern.
Aus Sicht des Tierschutzes muss endlich jeder eingesetzte Euro dazu beitragen, die Zahl der heimatlosen Hunde nachhaltig und human dauerhaft durch Kastrationen zu reduzieren. Langfristig spart dies viele öffentliche Gelder ein – und das Leid der Hunde wird auf nahezu Null reduziert. Denn innerhalb von zehn Jahren gäbe es nahezu keine heimatlosen Hunde mehr, wenn in Kastrationen statt in Einfangen und Töten investiert werden würden.
Heimatlose Hunde entstehen nicht von allein
Immer wieder wird so getan, als seien Straßenhunde ein eigenes „Phänomen“. Tatsächlich ist der Grund für ihr Leid jedoch immer menschengemacht.
Unkastrierte Hunde mit und ohne Halter:in vermehren sich dauerhaft unkontrolliert. Welpen werden einfach auf den Straßen entsorgt und ausgesetzt, ohne dass eine langfristige und tierschutzgerechte Lösung gefunden wird. Solange diese Ursachen nicht bekämpft werden, gelangen immer neue Hunde auf die Straßen.
Aus diesem Grund ist es dringend an der Zeit endlich zu handeln: weg von Fang- und Tötungsstrategien, hin zu wirksamer Prävention.
Die Lösung liegt in Kastration, Kennzeichnung und Aufklärung
Rumänien verfügt bereits über gesetzliche Regelungen zur Kastration bestimmter Hunde. Es müssen alle Hunde kastriert werden, auch die bei Menschen lebenden. Ausgenommen sind nur Hunde, die zur Zucht registriert sind. Bis heute wird dieses Gesetz nicht ausreichend umgesetzt.
Viele Menschen, insbesondere in ländlichen Regionen, haben keinen Zugang zu kostengünstigen oder kostenlosen Kastrationsangeboten. Zudem wissen viele nicht, dass das Gesetz besteht. Genau hier muss die Politik ansetzen.
Aus diesem Grund fordern wir von PETA und der FNPA:
- landesweite kostenlose Kastrationsprogramme,
- eine konsequente Kennzeichnung und Registrierung von Hunden,
- stärkere Maßnahmen und Strafen gegen das Aussetzen von Tieren,
- umfassende Aufklärung der Bevölkerung,
- die Förderung von Adoptionen,
- eine stärkere Unterstützung seriöser Tierschutzorganisationen.
Studien und internationale Erfahrungen zeigen seit Jahren, dass nachhaltige Kastrationsprogramme die Zahl herrenloser Tiere langfristig deutlich wirksamer reduzieren können als reine Fangmaßnahmen. [1]
Tiere brauchen Schutz statt Verwahrung
Der Fall Vetmedan zeigt, welche Konsequenzen entstehen, wenn Kontrolle, Transparenz und Tierschutz nicht konsequent durchgesetzt werden und Korruption im Land weiterhin herrscht.
Aus diesem Grund fordern wir, gemeinsam mit der FNPA, dringend unabhängige Untersuchungen der Einrichtung sowie eine Überprüfung vergleichbarer Tötungsstationen. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie mit den Tieren umgegangen wird und wofür öffentliche Gelder eingesetzt werden.
Vor allem aber muss sich die politische Debatte verändern, wobei nicht die Frage, wie heimatlose Hunde möglichst schnell von den Straßen verschwinden, hierbei im Mittelpunkt stehen darf. Entscheidend ist vielmehr, wie verhindert werden kann, dass sie überhaupt dort landen und was wir langfristig für sie tun können.
Ein Neuanfang für Rumäniens Hunde
Der Protest vor der ANSVSA steht stellvertretend für den Wunsch vieler Menschen nach einem grundlegenden Wandel. Nach mehr als 25 Jahren, über einer Milliarde Euro öffentlicher Ausgaben und mehr als einer Million verstorbener Hunde ist klar: Das bisherige System ist weder tierfreundlich noch erfolgreich.
Eine moderne und mitfühlende Gesellschaft misst ihren Fortschritt nicht daran, wie viele Tiere sie einsammelt oder tötet. Sie zeigt ihn dadurch, dass sie Leid verhindert, Verantwortung übernimmt und nachhaltige Lösungen schafft.
Genau dafür setzen sich wir uns vor Ort ein: Für ein Rumänien, in dem Hunde nicht länger Opfer eines gescheiterten Systems werden, sondern endlich den Schutz erhalten, den sie verdienen.
Helfen Sie Tieren in Rumänien
PETA HELPS ROMANIA hilft mehr als 12.000 Tieren im Jahr. Wir kastrieren, registrieren und versorgen diese mit medizinischer Hilfe und lebensnotwendigen Sachspenden. Unsere politische Arbeit und die Bildungskampagne treiben wir mit viel Engagement stetig voran.
Bitte unterstützen Sie uns dabei, den Tieren in Rumänien mit unserem nachhaltigen Projekt zu helfen! Jede Spende rettet Leben. Auf unserer Spendenseite finden Sie verschiedene Hilfspakete und Patenschaften für Tiere in Not.
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Quellen
[1] Smith LM, Hartmann S, Munteanu AM, Dalla Villa P, Quinnell RJ, Collins LM. (2019): The Effectiveness of Dog Population Management: A Systematic Review, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31766746/ (eingesehen am 04.11.2026)