Esel auf Santorin als Taxis missbraucht: Helfen Sie jetzt!

Ein von PETA Deutschland veröffentlichter Augenzeugenbericht zeigt die täglichen Zustände, denen Esel und Maultiere auf der griechischen Urlaubsinsel Santorin ausgesetzt sind. Schwere Lasten, größtenteils kein Schutz vor der heißen Mittelmeersonne, kein Zugang zu Wasser und immer wieder Wunden und Abschürfungen von dem schlecht sitzenden Sattelzeug prägen das Leben der etwa hundert geschundenen Esel von Santorin. 

Kein Wasser, kein Schatten für die Esel auf Santorin

Die Esel und Maultiere werden als „Esel-Taxis“ missbraucht, um Touristen die gut 500 Stufen bis zu der Altstadt der Hafenstadt Firá zu transportieren. Eigentlich wäre das gar nicht nötig, denn nicht weit entfernt verkehrt schon seit Jahrzehnten eine Seilbahn. Doch noch immer halten die Halter und Behörden aus kommerziellen Gründen an der vermeintlichen „Tradition“ fest. Und das trotz eindeutiger Verstöße gegen griechisches Recht.
 
Tiere stehen oft stundenlang angebunden ohne Zugang zu Wasser.
Tiere suchen verzweifelt nach einem Stück Schatten.
Laut einer der griechischen Tierschutz-Verordnungen [1] muss Tieren ständiger Zugang zu Wasser und Schutz vor dem Wetter gewährt werden. Doch viele der Tiere stehen oft stundenlang angebunden, während die heiße Sommersonne auf sie scheint. Jeglicher Zugang zu Wasser bleibt ihnen verwehrt. Einige Tiere versuchen verzweifelt, zumindest für kurze Zeit Schutz in den wenigen Schattenflächen zu finden. Diese Zustände sind illegal, doch sie werden von den Behörden anscheinend billigend in Kauf genommen.

Schwerste Arbeit – 7 Tage die Woche

Die Tiere müssen oft vier- bis fünfmal täglich die Stufen nach oben und wieder hinunter bewältigen. Die Halter sind nicht wählerisch bei ihrer Kundschaft, denn jeder Tourist bedeutet für sie bares Geld. Eigentlich sollten die Tiere laut Tierschutzempfehlungen nicht mehr als 20 Prozent ihres eigenen Gewichtes tragen. Bei Eseln wären das ungefähr 50 Kilogramm, . Doch je schwerer der Reiter, desto höher die Belastung für Rücken und Gelenke der Tiere. Das hat gravierende Folgen. Denn sind die Esel zu schwach und können ihre „Arbeit“ nicht mehr ausreichend verrichten, werden sie oftmals ausgesetzt und sich selbst überlassen.
 
Je schwerer der Reiter, desto größer die Belastung für Rücken und Gelenke der Tiere.
Esel als „Müllabfuhr“ missbraucht
Viele der Touristen sitzen augenscheinlich zum ersten Mal im Sattel und sind mit der Situation deutlich überfordert. Einige rammen wahllos ihre Hacken in die Flanken der Tiere, andere bleiben einfach hilflos auf den Stufen auf dem Tier sitzen. Oft werden die Tiere von den Haltern mit Stock- oder Peitschenhieben getrieben. In einer Situation wurde beobachtet, wie einer der Treiber den Esel zunächst mit Gewalt am Zügel zog und dann brutal mit dem Stock auf ihn einprügelte, um ihn zum Weitergehen zu bringen.

Schmerzhafte Wunden

Das schlecht sitzende Sattelzeug verursacht bei vielen Tieren schmerzhafte Wunden und Abschürfungen. Im Bereich des Sattelgurts ist dies oft der Fall. Die tiefen Wunden können durch unzureichende Luftzufuhr nicht verheilen, was zu lange andauernden Leiden der Esel führt. Auch unbehandelte und mit Fliegen besetzte Wunden im Kopfbereich wurden von den Augenzeugen dokumentiert. Die Tiere müssen aber trotzdem weiterarbeiten, statt behandelt und zumindest bis zur Heilung der Wunden aus dem Verkehr genommen zu werden. Das spricht im Hinblick auf das Verhältnis der Halter zu den Tieren Bände.
 
Mit Fliegen übersäte Wunde
Oft haben Tiere Wunden im Bauchbereich.
Und auch nachts haben die Esel auf Santorin keine Ruhe: Einige werden dazu gezwungen, schwere Müllsäcke aus dem Hafen und der Altstadt zu großen Müllcontainern zu transportieren. Oft scheinen die Tiere bis an ihre Grenzen beladen zu sein – ein Zustand, der von den Behörden immer wieder als Einzelfall abgestempelt wird.
Esel und andere Tiere sollten nicht als „Arbeitstiere“ missbraucht werden, da dies immer zu Leid führt.

Ingolf Bender, europaweit renommierter Hippologe und Sachbuchautor (neuestes KOSMOS-Sachbuch Praxishandbuch Pferdekrankheiten), hat zur Tierschutzproblematik auf der griechischen Insel Santorin die folgende „Tierschutzfachliche Stellungnahme“ für PETA Deutschland verfasst:

Die als Touristen-Tragtiere verwendeten Equiden sind durchweg erkennbar mangelhaft ausgerüstet, wodurch vermeidbare Verletzungen entstehen (wie teils als Beweis im Bild belegt). Insofern ist bereits die Ausrüstung tierschutzwidrig. Konsequenz ist, dass Equiden mit dieser mangelhaften Ausrüstung umgehend aus dem Betrieb zu nehmen sind. […] Wenn die Nutz-Equiden auf Santorin mehrere Stunden ohne Pause und ohne Nahrungs- und Lösungsmittelaufnahme (= Gras/Heu/Kraftfutter + Wasser) eingesetzt werden, dann ist dies krass tierschutzwidrig. […] Ohne Änderungen der Ausrüstung und Versorgung: Sofortiges Betriebsverbot!
 

Was Sie tun können

  • Unterschreiben Sie unseren Appell an die griechische Ministerin für Tourismus und den Bürgermeister von Firá.
  • An vielen Urlaubsorten werden Tiere zu Touristenzwecken misshandelt und benutzt. Tierfreunde sollten dringend von „Urlaubsattraktionen“ wie Elefantenreiten, Tiershows, Fotoshootings mit Wildtieren oder dem Reiten auf Kamelen und Eseln absehen.
  • Sollten Ihnen im Urlaub vermeintliche „Attraktionen“ mit Tieren angeboten werden, sagen Sie dem Veranstalter, dass Sie diese aus Tierschutzgründen ablehnen.
  • Bitten Sie Ihren Reiseveranstalter/Ihr Reisebüro in Deutschland, Elefanten-, Kamel- und Eselreiten sowie Delfinarien- und Zoobesuche aus Tierschutzgründen grundsätzlich nicht mehr anzubieten.
Quellen:
[1] https://digihome.eu/law-number-40392012-government-gazette-a-15-for-home-pets-and-stray-pets-and-to-protect-animals-from-exploitation-or-use-for-profit/