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Zertifizierte Daunen: Dieses Tierleid steckt hinter den Gütesiegeln

Weltweit verbringen Millionen Enten und Gänse ihr gesamtes Leben in verdreckten Hallen, in denen sie ihren natürlichen Verhaltensweisen in der Regel in keiner Weise nachgehen können. Nach einem Leben voller Schmerzen und Entbehrungen werden sie getötet. Ihre Federn werden als wärmedämmendes Material in Jacken, Schlafsäcken oder Bettwaren verarbeitet.

Gemeinsam mit unseren internationalen Partnerorganisationen und anderen Tierschutzorganisationen kritisieren wir von PETA Deutschland seit langem die tierquälerischen Haltungsbedingungen der Tiere, deren Daunen verarbeitet werden. Um das Gewissen von Händler:innen und Verbraucher:innen zu beruhigen, hat die Industrie deshalb mit zahlreichen Zertifikaten reagiert. Erfahren Sie hier, welches Tierleid die Daunen-Siegel und -Zertifizierungen ermöglichen.

Inhaltsverzeichnis

Responsible Down Standard und Co.: Wie viel Tierschutz steckt wirklich dahinter?

Zertifizierungen für Daunen werben insbesondere damit, die Verwendung von Vögeln auszuschließen, die für die Stopfleberproduktion zwangsernährt oder vor ihrem Tod lebend gerupft werden. Außerdem vermitteln sie den Anschein, vermeintlich bessere Tierschutz- und Haltungsbedingungen umzusetzen.

gerupfte Gänse
Auch für zertifizierte Daunenprodukte leiden Tiere.

Doch vage Formulierungen, mangelhafte Kontrollen und unzureichende Tierschutzanforderungen sorgen dafür, dass die Bedürfnisse der Tiere auch weiterhin vielfach ignoriert werden können.

  • Die Zertifikate schreiben keine Mindestflächen vor, die jedem einzelnen Tier zur Verfügung stehen müssen, und erlauben die Haltung von mehreren Tausend Tieren in einem Betrieb.
  • Es gibt keine verbindlichen Vorschriften, die gewährleisten, dass die Wasservögel schwimmen, fliegen oder mit Artgenossen spielen können.
  • Da Kontrollen viel zu selten stattfinden oder teilweise sogar vorangekündigt werden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um beispielsweise das Lebendrupfverbot der Zertifikate zu umgehen.
  • Auch zertifizierte Daunen stammen von Tieren, die im Schlachthof getötet wurden und dabei Angst, Stress und Leid erfahren haben.

Nachfolgend werden die Daunenzertifikate Traumpass, Downpass, Responsible Down Standard und Global Tracable Down Standard aus Tierschutzsicht analysiert:

  • Traumpass

    Das Traumpass-Zertifikat wird von Traumpass e.V. ausgestellt und auf Schlafsäcken, Bettwaren und Bekleidung angewendet. Um diese Zertifizierung zu erhalten, müssen Unternehmen lediglich beurkunden, dass die Federn nicht von lebenden Tieren stammen. Die zu erfüllenden Tierschutzanforderungen gehen dabei nicht über EU-Tierschutzgesetze hinaus. [1]

    Zudem setzt das Traumpass-Zertifikat auf den EDFA Traceability Standard [2] – ein rein dokumentarisches Rückverfolgungssystem, das vom Verband der Europäischen Bettfedern- und Bettwarenindustrie e.V. ausgearbeitet wurde [3] und Federn und Daunen von Vögeln akzeptiert, die entweder zuvor getötet oder während der Mauser lebendig gerupft wurden. [4] Vor-Ort-Kontrollen der Farmbetriebe, in denen die Tiere leben, deckt das Traumpass-Zertifikat nicht ab. Ob die Tierschutzanforderungen eingehalten wurden, wird lediglich durch die Überprüfung von Dokumenten und Selbstauskünften durch die Unternehmen überprüft. [2]

    Gans wird lebendgerupf
    Symbolbild. Lebendrupf einer Gans.

    Fazit: Bei diesem Zertifikat handelt es sich um ein Siegel, das den Fokus auf die Daunen- und Federqualität selbst legt und beim Tierschutz versagt. Katastrophale Haltungsbedingungen, Verstümmelungen der Tiere durch Standardpraktiken, Lebendrupf oder Stopfmast können somit nicht ausgeschlossen werden. Aus Tierschutzsicht ist das Zertifikat wirkungslos.

  • Downpass

    Das Downpass-Zertifikat wird für Bettwaren und Bekleidung vergeben. Das von Traumpass e.V. ausgestellte Zertifikat soll versichern, dass die Verwendung von Daunen und Federn ausgeschlossen ist, die von Tieren stammen, die lebendig gerupft oder für die Stopfleberproduktion zwangsernährt wurden. Auch die Aufzucht der Tiere soll überwacht werden. [5]

    Die dabei zu erfüllenden Tierschutzvorgaben sind jedoch meist vage und unkonkret formuliert: Die Tiere müssen mit einer „angemessenen und ausreichenden“ Nahrungsmenge versorgt werden, in Ställen gehalten werden, die „ausreichend groß“ sind, oder vor „unnötigem Leid, Verletzungen und Krankheiten“ geschützt werden. Auch das schmerzhafte Kupieren der Schnäbel verbietet der Standard nicht ausdrücklich.

    Gerupfte Gaense in Kaefigen
    Symbolbild. Gänse werden wegen ihrer Daunen gezüchtet und getötet.

    Da die vorgeschriebenen Kontrollen nur stichprobenartig stattfinden, gibt es viel Spielraum für Verstöße gegen die Tierschutzbestimmungen. Selbst in Regionen, in denen das Risiko hoch ist, dass Vögel gestopft oder lebendig gerupft werden, werden die zertifizierten Betriebe nur einmal innerhalb von zwei Jahren mittels einer vorangekündigten Kontrolle überprüft. Zusätzlich erfolgen jährliche „unangekündigte“ Kontrollen in einem im Voraus bekannten dreimonatigen Zeitraum. Da die Federn von lebendig gerupften Gänsen innerhalb von sechs Wochen wieder nachwachsen können, ist das Label beispielsweise nicht in der Lage, Lebendrupf zu 100 Prozent auszuschließen. Das Zertifikat sieht zudem keine verpflichtenden Kontrollen von Elterntierfarmen vor, obwohl gerade in diesen Betrieben häufig Lebendrupf praktiziert wird. [6, 7, 8]

    Fazit: Die Tierschutzvorgaben des Labels ermöglichen sehr viel Spielraum und Interpretationsmöglichkeiten, da sie meist sehr vage formuliert sind. Selbst das schmerzhafte Kupieren der Schnäbel ist möglich. Da die Kontrollen stichprobenartig, in ihrer Anzahl viel zu gering sind und zudem ihr Durchführungszeitpunkt oftmals im Voraus bekannt ist, ist es aus PETAs Sicht unmöglich den Ausschluss von Lebendrupf oder Stopfmast zu gewährleisten.

  • Responsible Down Standard (RDS)

    Das Label Responsible Down Standard (RDS) wird von Textile Exchange ausgestellt. Die Organisation stellt zahlreiche Zertifikate im Bereich Tierwolle aus, die Schafe, Ziegen und Alpakas jedoch nicht vor tierquälerischer Behandlung schützen und daher von PETA aus Tierschutzsicht als mangelhaft bewertet wurden.

    Die Tierschutzanforderungen des RDS sind in die vier Relevanzebenen „kritisch“, „wichtig“, „gering“ und „empfohlen“ unterteilt, die bei Verstößen unterschiedliche Konsequenzen und Fristen vorsehen. Dadurch ist es möglich, dass tierquälerische Praktiken auf RDS-zertifizierten Farmen stattfinden können, ohne dass den Farmen sofort die Zertifizierung entzogen wird. Tierquälerische Praktiken wie Schnabel- oder Krallenkürzen, Tiertransporte von mehr als acht Stunden und das betäubungslose Töten der Tiere werden nicht als „kritisch“ eingestuft. Somit haben Betriebe nach einer Beanstandung 30 Tage Zeit, derartige Praktiken zu beenden. Währenddessen können die Federn weiterhin als „verantwortungsvoll“ verkauft werden. [9]

    Noch schwächer bewertet der RDS den Schutz vor Extremwetter oder das Einsperren in Käfigen. Diese werden vom RDS als „geringe“ Tierschutzanforderung eingestuft, weshalb Verstöße innerhalb von 60 Tagen beseitigt werden müssen. Auch in dieser Zeit können die Daunen weiterhin als „verantwortungsvoll“ verkauft werden. [9]Andere grundlegende Bedürfnisse der Wasservögel wie die Bereitstellung von Schwimmgelegenheiten schreibt der RDS gar nicht erst verpflichtend vor. Zudem ermöglicht der Standard es, den Tieren länger als acht Stunden den Zugang zu Wasser oder Nahrung zu verwehren. [9]

    Zwar sind Lebendrupf und Zwangsmast als „kritische“ Tierschutzanforderungen eingestuft, [9] wodurch ein Verstoß zum sofortigen Entzug der RDS-Zertifizierung führt. Jedoch können derartige Praktiken in den Betrieben niemals zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, da die Kontrollen, wie nachfolgend verdeutlicht, aus PETAs Sicht mangelhaft sind.

    Die aktuelle Version des RDS setzt primär auf angekündigte Kontrollen, die einmal im Jahr stattfinden. Daneben gibt es auch halb angekündigte Prüfungen, die bis zu 72 Stunden vorher bekannt gegeben werden oder innerhalb einer ebenfalls bekannten zweimonatigen Zeitspanne stattfinden. Dadurch haben Farmbetreiber die Chance, potentielle Verstöße gegen die RDS-Vorgaben und tierquälerische Praktiken zu beseitigen. [10]

    Daneben gibt es 30-minütige „Bestätigungsbesuche“, bei denen Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen mittels Sichtkontrolle geprüft werden. Obwohl diese Form der Überprüfung über das Potenzial verfügt, die Einhaltung der RDS-Tierschutzanforderungen effektiv zu kontrollieren, wird sie viel zu selten eingesetzt. So wird sie nur bei 5 Prozent der Farmen mit geringem Risiko und bei 30 Prozent der Farmen mit hohem Risiko für tierquälerische Praktiken durchgeführt. [10] Viele Verstöße können daher unentdeckt bleiben.

    Elterntierfarmen müssen laut RDS nicht zertifiziert werden. [11] Die Zertifizierung ist optional. Sollte ein Verstoß gegen das Lebendrupfverbot bei einer freiwilligen Zertifizierung von Elterntierfarmen aufgedeckt werden, führt dies jedoch nicht zu einem Verlust der RDS-Zertifizierung. Sind Gänsefarmen Teil einer industriellen Lieferkette ist eine Überprüfung der Elterntierfarmen vorgeschrieben. [9] Trotzdem werden bei lediglich 50 Prozent der Elterntierfarmen, die in Hochrisikogebieten liegen, „Bestätigungsbesuche“ durchgeführt. [10]

    Fazit: Der RDS beinhaltet als einziger Standard konkrete Tierschutzbestimmungen und verbietet beispielsweise tierquälerische Praktiken wie das Schnabel- oder Krallenkürzen. Ein Verstoß gegen diese und viele andere Tierschutzbestimmungen führt jedoch oftmals nicht zur sofortigen Entziehung des Zertifikats. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern könnte auch Verbraucher:innen täuschen, die von diesem Zertifikat konsequenten Tierschutz erwarten. Zudem ändert auch dieser Standard nichts an den grundlegenden Problemen der industriellen Tierhaltung, weshalb den Wasservögeln auch unter dem RDS viele grundlegenden Bedürfnisse wie das Schwimmen verwehrt werden können und am Ende des Produktionszyklus der grausame Tod im Schlachthof auf die Tiere wartet.

  • Global Tracable Down Standard

    Der Global Traceable Down Standard (Global TDS) wird von NSF International ausgestellt und seinem Ruf als der strengste Tierschutzstandard für Daunen in keiner Weise gerecht. Grund sind zum einen mangelhafte Kontrollen, zum anderen lasche Tierschutzbestimmungen.

    Abgesehen vom Lebendrupf- und Stopfmastverbot sind die Tierschutzbestimmungen des Global TDS als sehr schwach zu bewerten. Dies liegt vor allem daran, dass er so gut wie keine eigenen Tierschutzbestimmungen beinhaltet. Der Standard verweist lediglich auf nationale Tierschutzgesetze und auf die sehr vage formulierten Tierschutzbestimmungen der Internationalen Finanz-Corporation (IFC), die beide in der Praxis nicht dazu geeignet sind, Tierleid zu verhindern. Somit erlaubt auch dieser Standard, dass Tausende Tiere in verdreckte Hallen gesperrt werden und ihre grundlegendsten Bedürfnisse wie Schwimmen, Rennen oder Fliegen nicht ausleben können.

    Gaense auf der Wiese
    Gänse und Enten sind fühlende Lebewesen, die ein glückliches Leben verdient haben.

    Um die Global-TDS-Zertifizierung zu erhalten, sieht der Global TDS je nach Farmtyp verschiedene Kontrollen vor. Beispielsweise können industriell produzierende Farmbetriebe für die Erstzertifizierung einer vorangekündigten Kontrolle unterzogen werden, die abhängig von der Risikoeinschätzung 75 bis 100 Prozent der Farmbetriebe innerhalb der Lieferkette betreffen. Anschließend werden stichprobenartig zwei unangekündigte Kontrollen pro Jahr durchgeführt. In Ländern, in denen aufgrund gesetzlicher Hygienebestimmungen keine unangekündigten Kontrollen stattfinden dürfen, werden diese bis zu 48 Stunden im Voraus angekündigt, wodurch jede sinnvolle Inspektion unmöglich wird. Obwohl innerhalb von sieben Jahren alle Farmbetriebe mindestens zwei Mal kontrolliert werden müssen, ist es theoretisch möglich, dass Betriebe jahrelang gar nicht kontrolliert werden. [12, 13]

    Fazit: Weil der Standard kaum eigene Tierschutzbestimmungen beinhaltet und stattdessen beispielsweise auf nationale Gesetze verweist, die die Tiere oftmals nicht ausreichend vor Leid schützen können, fällt der Standard in Sachen Tierschutz durch.

Daunen können aus der Stopfmast oder dem Lebendrupf stammen

Ein Großteil der Daunen stammt aus Polen, Ungarn und asiatischen Ländern, in denen es kaum greifende Tierschutzgesetze gibt. Zudem wird in diesen Ländern oftmals der unvorstellbar schmerzhafte Lebendrupf praktiziert. Dabei werden den Tieren die Federn bei vollem Bewusstsein ausgerissen und später an nichtsahnende Verbraucher:innen verkauft. Zudem kann es vorkommen, dass auch Federn aus der Stopfleberindustrie verarbeitet werden.

Enten und Gänse werden häufig zu Tausenden in dunkle, verdreckte Hallen, Gehege oder sogar Gitterkäfige gesperrt. Die Tiere wurden züchterisch dahingehend manipuliert, in kurzer Zeit erheblich an Gewicht zuzulegen. Das führt jedoch häufig zu Gelenkentzündungen, Beinbrüchen und Herzkrankheiten. Grausame Standardpraktiken wie das Kürzen von Schnabel oder Krallen sind gängige Praxis in der Enten- und Gänsezucht. Sobald die Tiere das sogenannte Schlachtgewicht erreicht haben, werden sie zum Schlachthof transportiert und dort kopfüber an ein Fließband gehängt, an dem ihre Kehle mit einem Messer durchtrennt wird.

Gemeinsam mit anderen Tierschützer:innen üben wir seit langem Kritik an den grausamen Bedingungen, unter denen die Tiere leben und getötet werden. Doch statt verstärkt auf qualitativ hochwertige vegane Daunenalternativen umzusteigen, die heute in großer Zahl verfügbar sind, versucht die Industrie, dem schlechten Ruf von Daunen mithilfe von sogenannten Daunenzertifikaten entgegenzuwirken. Diese Nachweise sollen Verbraucher:innen Tierschutz für Produkte suggerieren, die in Wahrheit aber Leid und Tod für Millionen Tiere verursachen.

Beenden Sie das Tierleid: Tragen Sie vegane Mode

Heutzutage müssen wir Menschen keine Federn von Tieren tragen, denn der Handel bietet eine Fülle an ausgezeichneten, tierleidfreien Alternativen zu Daunen an. Stoffe wie Baumwolle, Hanf, die „Pflanzendaune“ Kapok oder synthetische Materialien wie PrimaLoft, 3M Thinsulate oder Thermal R sind nur eine kleine Auswahl des breiten Angebots.

Prüfen Sie in Modegeschäften die Etiketten gezielt nach diesen tierfreundlichen Materialien und fragen Sie regelmäßig aktiv bei Herstellern und Händlern nach solchen Produkten.