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 »  »  »  »  » Wissenschaftler: Exotenbörsen Gefahr für Mensch, Tier und Natur

Bericht belegt: Reptilienbörsen Gefahr für Mensch und Tier

Forscher belegen Tierleid und warnen vor gefährlichen Krankheitserregern

Stand November 2013
Eine aktuelle Arbeit eines internationalen Wissenschafts-Teams aus dem Bereich der Biologie und Verhaltensforschung belegt ganz klar, was Tierschützer seit Jahren anprangern: Sogenannte Terraristikbörsen werden in keinster Weise dem Tierschutz gerecht und stellen zudem eine Gefahr für Mensch und Natur dar!

 

Viele Behälter bieten keinerlei Rückzugsmöglichkeiten
Die Forscher Phillip C Arena, Catrina Steedman und Clifford Warwick haben sich drei Börsen angesehen und darüber einen wissenschaftlichen Bericht mit dem Titel „Amphibien- und Reptilienmärkte in der EU – Untersuchung und Bewertung“ verfasst. Es handelte sich um die IHS-Show in Großbritannien, die Expoterraria in Spanien und die – nach eigenen Angaben weltweit größte Börse ihrer Art – Terraristika in Hamm, Westfalen.

In dem Bericht wird deutlich, wie gefährlich die Durchführung einer Exotenbörse auch für die menschliche Bevölkerung sein kann: Reptilien sind dafür bekannt, zahlreiche Krankheitserreger, wie z.B. Salmonellen, in sich zu tragen. Die Forscher bestätigen, dass das Verhalten von Händlern und Besuchern auf Exotenbörsen schnell zu einer Verbreitung von Erregern führen kann: Händler haben Kontakt zu ihren Tieren, können die Keime auf Tisch, Tierbehälter und andere Gegenstände weiterverteilen. Der Besucher nimmt sie dort auf, überträgt sie auf seine Kleidung, Gegenstände in der Messehalle oder andere Besucher. Die Verfasser weisen darauf hin, dass viele Veranstaltungshallen auch für andere Zwecke genutzt werden und sich einige Erreger tage-, wochen- oder sogar monatelang halten können. Teils bereitgestellte Desinfektionsmittel bieten keinen ausreichenden Schutz gegen die Keime.

 

Reptilien tragen häufig Salmonellen in sich
Im Bereich des Tierschutzes haben die Forscher gravierende Mängel feststellen können: Ein Großteil der Tiere leidet klar unter Stress, was sich in einer Reihe von unterschiedlichen Verhaltensmustern zeigt. Die unmittelbare Nähe von „Räuber“ und „Beutetier“ setzt die Tiere enorm unter Druck. Außerdem bestätigte sich, dass die Behälter absolut unzureichend in ihrer Größe und Struktur sind – die Forscher schreiben, dass keiner der auf den drei Börsen vorgefundenen Behälter zur Ausstellung von Tieren groß genug war, um einen vollständigen Temperaturgradienten möglich zu machen. Dies ist allerdings dringend notwendig: Ektotherme Tiere reagieren auf Stress häufig, indem sie ihre Körpertemperatur durch das Aufsuchen einer Hitzequelle erhöhen (vergleichbar mit dem Fieber bei Säugetieren). Dass ihnen dies unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, kann – selbst bei nur wenigen Stunden – zu kurz- oder mittelfristigen gesundheitlichen Einschränkungen führen. Schon der Transport zur Messe (der oft sogar aus dem Ausland erfolgt) setzt die Tiere enorm unter Stress; darauf folgt der Messetag, dann der Abtransport – oft wieder über lange Strecken.

Der Bericht legt nahe, dass viele Händler offensichtlich nicht ausreichend über das Verhalten der von ihnen verkauften Tiere informiert sind, weshalb sie immer wieder behaupten, die Tiere seien nicht gestresst, oder deutlich auffälliges Verhalten fehlinterpretieren. Ebenso verhält es sich teils mit beaufsichtigenden Veterinären, welche naturgemäß nicht zwangsläufig auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Wildtiere spezialisiert sind und so Verhalten fehldeuten können.

 

Exotenbörsen sind purer Stress für empfindliche Wildtiere
Auch seltene und in ihrem Bestand gefährdete Tiere fanden die Forscher auf den Börsen vor, so z.B. die McCords Schlangenhalsschildkröte, Chelodina mccordi, auf der Terraristika. Als Fazit schreiben die Wissenschaftler, dass die Mehrheit aller beobachteten Tiere Bedingungen und einer Behandlung ausgesetzt waren, die mit Tierquälerei gleichzusetzen sind.

Der dritte von den Forschern angesprochene Bereich ist die potenzielle Einführung von Neobiota – also von Arten, die durch menschliche Einflussnahme in einem Gebiet ansiedeln, in dem sie nicht heimisch sind; zu ihnen gehören auch die Neozoen, also Tierarten, die sich gebietsfremd ansiedeln. Neben Klimawandel, Umweltverschmutzung und der Zerstörung natürlicher Lebensräume stellen Neobiota eine der größten Bedrohungen für die natürliche Biodiversität in Europa dar. Der Europäischen Kommission zufolge verursachen Neobiota in Europa einen jährlichen Schaden von ca. 12,5 Milliarden Euro. Die eingeschleppten Tierarten können beispielsweise heimische Tiere verdrängen oder fremde Krankheitserreger verbreiten. Bislang konnten sich geschätzte 50 Spezies von Reptilien und Amphibien in Europa verbreiten. Die Forscher berichten, dass ca. 28% aller auf den von ihnen besuchten Börsen vorgefundenen Tierarten bereits als Neozoen aufgetreten sind. Viele der im Handel mit exotischen Wildtieren verkauften Spezies sind gerade deshalb so präsent, weil sie in einiger Hinsicht relativ „flexibel“ sind – so z.B. was die angenommene Nahrung angeht. Dies macht eine potenzielle Verbreitung noch wahrscheinlicher. Selbst wenn die Ansiedlung von Tierarten aus völlig anderen Klimazonen auf den ersten Blick unwahrscheinlich erscheint, spielen einige Faktoren eine wichtige Rolle; so können die Klimaerwärmung, das Aufsuchen eines geschützten Mikroklimas oder auch genetische Veränderungen der Tierarten durch bestimmte Zuchtziele dazu führen, dass sich diese Tierarten auch in Deutschland ansiedeln könnten. Ein hohes Risiko der Verbreitung schreiben die Experten so z.B. der Schnappschildkröte, dem Tokee oder auch der Kornnatter zu. Vor einem wirtschaftlichen Hintergrund muss ganz klar gesagt werden, dass die Vorbeugung in diesem Fall wesentlich kostengünstiger ausfällt als die Behandlung der Problematik nur einer einzigen Neozoon nach ihrer Einführung.

 

Was Sie tun können

Bitte helfen Sie uns, gegen Tierbörsen vorzugehen!
Nehmen Sie an unserem Aktionsaufruf an die Stadt Hamm teil und bitten Sie Ihre Freunde, niemals eine solche Börse zu besuchen oder ein exotisches „Haustier“ zu kaufen.
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