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Vegane Kinder: Gesund und Glücklich

Stand Oktober 2012
Kinder, die vegan aufwachsen, also keine tierischen Produkte wie Fleisch, Eier und Milchprodukte zu sich nehmen, können bei einer bewussten, ausgewogenen Ernährung alle Nährstoffe, die für ein optimales Wachstum essentiell sind, aus pflanzlichen Nahrungsquellen beziehen. Die einzige Ausnahme hierbei ist Vitamin B12, doch immer mehr Lebensmittel und Säfte sind heute mit Vitamin B12 angereichert. Präventiv ist auch die Einnahme von Vitamin B12-Präparaten sinnvoll. Wie bei fleischessenden Kindern sollten auch bei vegan aufwachsenden Kindern regelmäßig Blutbildunter­suchungen durchgeführt werden. Eine pflanzliche Ernährung bietet gegenüber einer Ernährung mit Fleisch zahlreiche gesundheitliche Vorteile.
 
Tierische Fette, Cholesterin und Herzerkrankungen
Viele Kinder ernähren sich heute überwiegend von Fastfood-Produkten wie Chicken Nuggets, Hot Dogs oder Pizza, die mit Cholesterin und ungesunden, gesättigten Fetten überladen sind. Im Erwachsenenalter zeigen diese Menschen häufig Symptome einer Herzerkrankung, der Todesursache Nr. 1. Wie die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) ergab, sind 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig. Bei rund 6,3 Prozent liegt sogar eine Adipositas (Fettleibigkeit) vor. Der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen ist im Vergleich zu den Referenzdaten aus den Jahren 1985-1999 um 50 Prozent gestiegen. (1) Kinderärzte berichten von einem alarmierenden Anstieg der Zahl an Kindern, die an Diabetes Typ II leiden – einer Erkrankung, die eigentlich nur für Erwachsene typisch ist. In 85 Prozent dieser Fälle handelt es sich um übergewichtige Kinder. (2) Der jüngste Patient mit Diabetes Typ II lebt in Deutschland und ist fünf Jahre alt. (3) Wie der bereits verstorbene Kinderarzt Dr. Benjamin Spock in der letzten Ausgabe seines Buches „Dr. Spock’s Baby and Child Care“ erläutert, „[sind] Kinder, die eher mit einer pflanzlichen Ernährung aufwachsen, einem geringeren Risiko ausgesetzt, Probleme mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und bestimmten Krebsarten zu bekommen“. (4)
Jugendliche, die sich vegetarisch ernähren, weisen häufig ein insgesamt gesünderes Ernährungs­muster auf. Sie verzehren beispielsweise die empfohlenen Obst- und Gemüsemengen und profitieren von einer günstigeren Fettzufuhr, insbesondere im Hinblick auf gesättigte Fette. (5)
 
Antibiotika
Obgleich Antibiotika als Wachstumsförderer seit 2006 in der EU nicht mehr zulässig sind, werden weiterhin große Mengen diverser Antibiotika und Zusatzstoffe zu therapeutischen Zwecken in Futtermittel untergemischt. (5) Die Seuchengefahr und Ausbreitung von Krankheiten verwundert nicht, wenn man sich die Bilder der Intensivtierhaltung vor Augen hält. Dicht aneinander gedrängt stehen die Tiere in ihren eigenen Exkrementen oder liegen sich wund. In Nicht-EU-Ländern werden Antibiotika weiterhin als Wachstumsförderer eingesetzt. Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die unfreiwillige Aufnahme von Medikamenten seitens der Fleischesser Bakteriensträngen Vorschub leistet, gegen die Antibiotika im Falle der Erkrankung dieser Fleischesser nicht mehr wirksam sind. (6)
 
Salmonellen
Zu den häufigsten Infektionsquellen für Salmonellen zählen rohes Fleisch, hierbei vor allem Geflügel und Wild, sowie Eier, Fische, Krusten-, Schalen- und Weichtiere. Eine bedeutende Infektionsquelle für Salmonellen sind neben rohem Fleisch, Geflügel, Wild und Fisch auch Eier, die von infizierten Legehennen mit Salmonellen kontaminiert wurden. In ca. 30 Prozent der großen deutschen Legehennenbetriebe kommen Salmonellen vor, so eine Pilotstudie, die im Auftrag der Europäischen Kommission in 25 europäischen Ländern durchgeführt und nun von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausgewertet wurde. (7)
 
Bakterien
Es gibt E. coli-Bakterienarten, die für Kinder tödliche Folgen haben können und pro Jahr mehr als 73.000 Menschen erkranken lassen. Berichten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) zufolge ist vermutlich die Hälfte aller Rinder, die für die Fleischgewinnung geschlachtet werden, mit gefährlichen E. coli-Bakterien infiziert. (8,9)
 
Fisch ist genauso ungesund
Aber auch Fischfleisch ist nicht wirklich gesünder. Polychlorierte Biphenyle (PCB), also Restverbindungen aus der Industrie, die sich immer noch in der Umwelt befinden, haben bei Tieren Krebs verursacht und beim Menschen zu Hautproblemen und Leberschäden geführt. (10) Fischfleisch kann nachgewiesenermaßen Mengen an PCB speichern, die tausendfach höher konzentriert sind als im Wasser, in dem diese Fische leben. (11) In Fischfleisch sammelt sich außerdem Methylquecksilber an; schwangeren Frauen und Kindern wird vom Verzehr von Fisch, der große Mengen dieser toxischen Substanz enthält, daher stark abgeraten. (12)
 
Ungesunde Milchprodukte
Kinder brauchen keine Milchprodukte, um groß und stark zu werden. Der ehemalige Leiter der Pädiatrie an der Johns Hopkins University, Dr. Frank Oski, meint: „Es gibt keinen Grund, Kuhmilch in irgendeinem Lebensalter zu trinken. Kuhmilch ist für Kälbchen gedacht, nicht für Menschen, und wir sollten alle aufhören, sie zu trinken, noch heute Nachmittag.“ (13) Dr. Benjamin Spock war derselben Meinung, denn er sagte: „[Es] gab eine Zeit, da schien Kuhmilch sehr erstrebenswert. Aber die Forschung und mit ihr die klinische Erfahrung haben Ärzte und Ernährungsexperten dazu veranlasst, diese Empfehlung gründlich zu überdenken.“(14)
12 Millionen Bundesbürger leiden an Laktoseintoleranz. (15) Bevölkerungsgruppen aus Afrika, Ostasien und den Pazifikländern sind zu über 90 % laktoseintolerant. (16)
Bereits im Alter von etwa zwei Jahren beginnen die meisten Menschen, weniger Laktase zu produzieren, das Enzym, das beim Verdauen der Muttermilch hilft. Diese Verringerung kann zur Laktoseintoleranz führen. (17) Aber auch Mütter, die ihre Kinder stillen, sollten Kuhmilch vom Speiseplan streichen, da die Proteine auf die Säuglinge übergehen und bei Babys Magen-Darm-Probleme verursachen können.(18)
 
Milch steht außerdem im Verdacht, juvenile Diabetes auszulösen – eine Erkrankung, die Erblindung und andere schwere Nebenwirkungen zur Folge haben kann. (19) Der Körper mancher Kinder reagiert auf Kuhmilch wie auf eine Fremdsubstanz und produziert große Mengen an Antikörpern, um den „Eindringling“ zu bekämpfen. Diese Antikörper zerstören jedoch gleichermaßen die Zellen, die Insulin in der Bauchspeicheldrüse produzieren, und dies führt zu Diabetes. Studien kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass auch Autismus und Schizophrenie bei Kindern mit der Unfähigkeit des Körpers in Zusammenhang stehen könnten, das Milchprotein Kasein zu verdauen. Bei 80 Prozent der Kinder verringerten sich bzw. verschwanden die Symptome dieser Erkrankungen gänzlich, sobald die Betroffenen zu einer milchfreien Diät wechselten. (20) Andere gängige Krankheiten bei Kindern wie chronische Ohreninfektionen, Asthma und Hauterkrankungen können durch den Verzicht auf Kuhmilch ebenfalls verhindert werden.(21)
 
Nährstoffe in der veganen Ernährung
Ernährungswissenschaftler und Ärzte haben gelernt, dass pflanzliche Nahrungsmittel gute Quellen für Protein, Eisen, Kalzium und Vitamin D darstellen. Sie werden vom Körper leicht aufgenommen, enthalten jedoch keine Arterien verstopfenden Fette. Die Amerikanische Gesellschaft für Diätetik und Ernährung (Academy of Nutrition and Dietetics, A.N.D.) meint: „Eine gut konzipierte vegane … Ernährung ist geeignet für alle Stadien eines Lebenszyklus, also auch während der Schwangerschaft, der Stillzeit, als Kleinkind, während der Kindheit und als Jugendlicher.”(22)
 
Protein
Der Verzehr von zu viel Eiweiß ist ein wesentlich bedeutenderes Thema als ein Eiweißmangel. Ein Eiweißmangel findet sich eigentlich nur in Ländern, in denen Hungersnot herrscht.
Dr. Gill Langley empfiehlt in ihrem Kapitel über vegane Kinderernährung, jungen Menschen Protein und Energie in Form von gekochten und zerdrückten Hülsenfrüchten und Getreide, gemahlenen Samen und Nüssen, oder Aufstriche aus Samen und Nüssen, zerdrückte Bananen und Avocados anzubieten.(23) Weitere Proteinquellen sind Sojaprodukte und Tofu.
 
Eisen
Die besten Eisenquellen sind getrocknete Früchte wie Feigen, Aprikosen, Datteln, Pflaumen, Nüsse und Samen, besonders Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Sesam- und Mandelmus, Linsen und andere Hülsenfrüchte, Tofu, angereicherte Sojadrinks, Kakao und Frühstücksflocken, grünes Gemüse und Vollkornprodukte. (24) Da Vitamin C den Körper bei der Aufnahme von Eisen unterstützt, sind Nahrungsmittel wie grünes Blattgemüse, das reich an beidem ist, besonders wertvoll. (25) Aus diesem Grund sollte viel frisches Obst und Gemüse verzehrt werden. (26)
 
Kalzium
Glücklicherweise kommt Kalzium in Pflanzen reichlich vor. Schließlich beziehen auch Kühe ihr Kalzium aus Pflanzen. Dr. Michael Klaper empfiehlt grünes Gemüse (Wirsing, Kohl, Brokkoli, Senfgemüse etc.), Hülsenfrüchte und Tofu, Sesammus, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Nüsse, Nussmus und Mandelmus. Andere Quellen sind Orangen, Trockenfrüchte, angereicherte Sojadrinks. (27)
 
Vitamin D
Kuhmilch enthält von Natur aus kein Vitamin D; dieses wird erst später zugesetzt. Ein Kind, das täglich nur 10 bis 15 Minuten ohne langärmlige Kleidung draußen in der Sonne spielt, bekommt dadurch genügend Vitamin D, denn das Vitamin wird in der Haut synthetisiert, wenn diese dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. (28) Vitamin D ist zudem in Pilzen enthalten, und so kann ein Teil auch über die Nahrung aufgenommen werden. Besonders im Winter ist dies hilfreich.
 
Vitamin B12
Während andere Primaten die notwendige Menge Vitamin B12 aus den Fäkalien, aus ungechlortem Wasser und aus Insekten beziehen, stellt jedes im Handel erhältliche Multivitamin-Präparat eine angemessene Versorgung des Kindes mit diesem Vitamin sicher. (29) Vitamin B12 findet sich außerdem in vielen Frühstücksflocken und Cornflakes sowie in angereicherten Multivitamin-Säften, Margarine und Sojadrink.
 
Bücher zu diesem Thema
* VivaVegan für Mutter und Kind, Dr. Michael Klapper, Animal peace Verlag
* Vegane Ernährung, Gill Langley, ISBN: 3-926914-33-5
* Ernährung neu Entdecken, Walter Veith, ISBN 3-804714-68-4
* Vegan, Kath Clements, ISBN3-926914-28-9
* Mein VivaVegan Baby, Silke Ruthenberg, Als E-Buch zum Download bei www.Animal-Peace.org
* Rose Elliot, „Vegetarian and Vegan Mother and Baby Guide“, Viva! and the Vegetarian and Vegan Foundation, 2001.
 
 
 
Quellenangaben

1) „Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS)“. Robert-Koch-Institut, 96S.
2) „Pediatric Obesity: Obese Children Increasingly Diagnosed With Life-Shortening Problems“, NewsRx.net, 3 May 2003.
3) Katja Thimm, „Bewegte Kindheit“, Der Spiegel, 40/2004, 27. 9. 2004
4) Benjamn Spock, M.D., and Steven J. Parker, M.D., Dr. Spock’s Baby and Child Care, 1996 (New York: Pocket Books) 333.
5) aho-Redaktion Großtiere: „EU-weites Verbot von antibiotischen Leistungsförderern in Futermitteln“,http://www.animal-health-online.de/gross/2005/12/23/euweites-verbot-von-antibiotischen-leistungsfoerde/7970/, 8.11.2013
6) Jeff Donn, „Contaminated Meat Spurs Concern. Study Finds 1 in 5 Market Samples Contained Drug-Resistant Bacteria“, Associated Press, 18 Oct. 2001.
7) Note related to the Preliminary Report on Analysis of the baseline study on the prevalence of Salmonella in laying hen flocks of Gallus gallus, The EFSA Journal (2006) 81, 1-71.
8) Philip Brasher, „Weekly Farm: Meat Industry Eyes Government Technology to Make Meat Safer“, Associated Press, 26 Oct. 2001.
9) Meat Trade Institute, „Deadly E. Coli Bug May Affect Half of Cattle“, Meat Industry Internet News Service, 15 Nov. 1999.
10) Agency for Toxic Substances and Disease Registry, „ToxFAQs for Polychlorinated Biphenyls (PCBs)“, 16 Sep. 2003.
11) Agency for Toxic Substances and Disease Registry.
12) U.S. Food and Drug Administration, „Important Message for Pregnant Women and Women of Childbearing Age Who May Become Pregnant About the Risks of Mercury in Fish“, Center for Food Safety and Applied Nutrition, Mar. 2001.
13) „Dr. Spock Joins Milk’s Detractors; Nutritional Value, Safety Are Questioned“, The Washington Post, 30 Sep. 1992.
14) Spock and Parker, 331.
(15) Thilo Schleip, „Laktoseintoleranz-Wenn Milchzucker krank macht“, Trias-Verlag.
(16) Brigitte Noeske, „Chemie, Technologie und Ernährungsphysiologie der Lactose“ Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades im Fachbereich Ernährungs- und Haushaltswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen, 1996.
17) National Digestive Diseases Information Clearinghouse, „Lactose Intolerance“, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, Mar. 2003.
18) Spock and Parker, 113.
19) „Study Explores Link Between Cow’s Milk, Juvenile Diabetes“, Kitchener-Waterloo Record, 20 Sep. 2002.
20) „Milk Protein May Play Role in Mental Disorders“, Reuters Health, 1 Apr. 1999.
21) Spock and Parker, 332.
22) American Dietetic Association, „Position of the American Dietetic Association and Dieticians of Canada: Vegetarian Diets“, Journal of the American Dietetic Association, Jun. 2003.
23) Langley, Gill, „Vegane Ernährung“, Echo-Verlag, 1999.
24) Rose Elliot, „Vegetarian and Vegan Mother and Baby Guide“, Viva! and the Vegetarian and Vegan Foundation, 2001.
25) U.S. National Library of Medicine and the National Institutes of Health, „Medical Encyclopedia: Vitamin C“, MedlinePlus Health Information, 18 Jan. 2003.
26) Rose Elliot, „Vegetarian and Vegan Mother and Baby Guide“, Viva! and the Vegetarian and Vegan Foundation, 2001.
27) Michael Klaper, „VivaVegaN für Mutter und Kind“,1997,115S.
28) National Library of Medicine and the National Institutes of Health, „Medical Encyclopedia: Vitamin D“, MedlinePlus Health Information, 18 Jan. 2003.
29) Stephen Walsh, Ph.D., „B12: An Essential Part of a Healthy Plant-Based Diet“, Food for All Our Futures, 35th World Vegetarian Congress, Heriot-Watt University, Edinburgh, Scotland, 8-14 Jul. 2002.