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Zirkusse: Missbrauch in der Manege


Eine farbenfrohe Pracht verschleiert die Tatsache, dass die Tiere im Zirkus Gefangene sind, die dazu gezwungen werden, unnatürliche und oft sogar schmerzvolle Darbietungen zu erbringen, die einige Menschen „Unterhaltung“ nennen. Mittlerweile verliert der Zirkus mit Tieren mehr und mehr an Attraktivität, denn der breiten Öffentlichkeit ist zunehmend bekannt, dass die Tiere rücksichtslos behandelt, in absoluter Beengtheit gehalten und oft bis zum letzten Atemzug ausgenutzt werden.

LINK: Informationen zu verschiedenen Zirkus-Unternehmen
LINK: Informationen zu Tierausbrüchen und -unfällen
LINK: Informationen zu Wildtierverboten
LINK: Informationen zur Dressur von Wildtieren

Forderung nach Wildtierverbot im Zirkus
Der Bundesrat, die Bundestierärztekammer und die Mehrheit der Deutschen sind für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Mit überwältigender Mehrheit hat der Bundesrat 2003 in einem Entschließungsantrag an den Bundestag für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus (insbesondere Affen, Elefanten und Bären) gestimmt und die Bundesregierung beauftragt, ein Verbot zu erarbeiten. Nachdem sich neun Jahre lang nichts getan hat und das Leid der Wildtiere im Zirkus immer größer wurde, hat der Bundesrat im November 2011 erneut einen Entschließungsantrag für ein Wildtierverbot im Zirkus gestellt. Doch das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) führt seine Blockadehaltung fort und überlässt die Elefanten, Bären, Tiger und anderen Wildtiere im Zirkus ihrem Schicksal.

Die Bundestierärztekammer spricht sich mittlerweile ebenso für ein Wildtierverbot im reisenden Zirkus aus wie auch die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Drei repräsentativen Umfragen von 2010 und 2011 zufolge finden rund zwei Drittel der Befragten Wildtiere im Zirkus nicht mehr zeitgemäß.

Verbote in deutschen Städten und international
Viele deutsche Städte haben das Elend der Tiere hinter den Glitzerkulissen der Zirkuswelt erkannt und haben angesichts der Blockadehaltung des zuständigen Ministeriums kommunale Verbote für Wildtiere im Zirkus erlassen. Städte wie Heidelberg, Worms, Potsdam, Speyer und viele andere vergeben keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusbetriebe, die mit bestimmten Wildtierarten anreisen.

18 europäische Länder haben bereits alle oder bestimmte Tierarten in Zirkusbetrieben verboten.


Veterinärämter
Selbst wenn eine Beschlagnahmung von Tieren aus dem Zirkus wegen schlechter Haltung notwendig ist, scheuen viele Veterinärämter meist den Kosten- und Arbeitsaufwand, der mit einer Beschlagnahmung verbunden ist. Das Problem „erledigt“ sich für die Behörde nach einigen Tagen von selbst, wenn der Zirkus aus ihrem Zuständigkeitsbereich weiterzieht. Andere, engagierte Amtsveterinäre, können oft nicht handeln, weil sie nicht wissen, wo sie die beschlagnahmten Tiere unterbringen sollen. Denn nur wenige Zoos sind bereit, beschlagnahmte Tiere aus dem Zirkus aufzunehmen. Zudem gibt es kaum Auffangstationen für Wildtiere. An alten, kranken und oftmals zuchtunfähigen Tieren aus dem Zirkus haben die Zoos ebenso wenig Interesse wie an Raubkatzen, bei denen es sich im Zirkus oft um Inzuchten oder nicht „reinrassige“ Tiere handelt.

Auch in großen Zirkussen geht es den Tieren nicht besser!
Die meisten der ca. 350 Wanderzirkusse in Deutschland leiden an ständigem Geldmangel, der dazu führt, dass die von ihnen gehaltenen Tiere oft unter einer nicht angemessenen Behandlung und Pflege leiden. Viele Wanderzirkusse sind nicht einmal in der Lage, den Tieren ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Sie reisen innerhalb eines Jahres durch etliche Städte, in denen selbst die Frischwasserversorgung nicht überall gewährleistet ist. Unsere Beobachtungen zeigen, dass Trinkwasser häufig rationiert wird und dass das Reinigen der Tiere und der Käfige teilweise ganz unterbleibt. Die Nahrung wird häufig gleichermaßen rationiert. Viele Wanderzirkusse erbetteln u.a. in Supermärkten Nahrung für die Tiere.
Doch auch große Zirkusse benutzen ihre Einnahmen nicht, um den Tieren ein besseres Leben zu bieten. Die Liste von Missständen und Tierquälereien in Deutschlands größtem Zirkus, Circus Krone, ist lang und erschreckend. Zahlreiche amtliche Dokumente geben darüber Auskunft. Die folgenden sind nur einige wenige Beispiele:
Die Staatsanwaltschaft München I schreibt (2010) „dass bei einem Teil der Tiere des Circus Krone tatsächlich deutliche Haltungsmängel sowie Verhaltensstörungen vorlagen, die gutachterlicherseits als erhebliche Leiden im Sinne von § 17 Nr. 2b Tierschutzgesetz eingestuft wurden“.

In einem Schreiben des Kreisveterinäramtes Bad Kreuznach an die Münchner Behörden (2008) heißt es: „Aufgrund der jahrelangen mangelhaften Haltungsbedingungen und den u.E. daraus resultierenden länger anhaltenden erheblichen Leiden der Pferde infolge der dauerhaften Einschränkung der Möglichkeit zu artgemäßer Bewegung ist zu prüfen, ob es sich nicht lediglich um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um einen Straftatbestand nach §17 Tierschutzgesetz handelt.“

Mangelhafte Haltungsbedingungen für die Tiere
Tiere, die zumeist von Natur aus sehr aktiv sind, müssen den überwiegenden Teil ihres Lebens in winzigen Transportkäfigen verbringen; diese dürfen sie oft nur für die wenigen Minuten ihrer Darbietungen in der Manege verlassen. Elefanten werden Tag und Nacht an zwei Beinen angekettet, anstatt wie ihre Artgenossen in der Natur kilometerlange Wanderungen im Kreise ihrer Familie zu unternehmen. Die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ formulieren lediglich Mindestanforderungen, doch selbst diese werden oft mit stillschweigender Billigung der Amtsveterinäre noch unterschritten. In den Käfigen, Transportwagen und Zelten müssen die Tiere auf engstem Raum leben – weit entfernt von einem annähernd artgerechten Leben. Doch selbst diese Mindestanforderungen werden oft nicht erfüllt, da Zirkusse durch das ständige Reisen nur kurz an einem Ort verweilen und so etwaigen amtstierärztlichen Vollzugsmaßnahmen entgehen.

So werden die Tiere ihrer natürlichen Bedürfnisse beraubt, was zu Schmerzen und Leiden führt: Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Weitere Folgen sind eine erhöhte Sterblichkeit bei vielen Tierarten und schwere Verhaltensstörungen. Schon dadurch, dass die Tiere einen Großteil ihres Lebens in Transportwagen verbringen, sind ihre Möglichkeiten, sich artgemäß zu bewegen, stark eingeschränkt. Angeborene Verhaltensweisen wie graben, klettern, schwimmen und sprinten werden permanent unterbunden. Während des Winters, also außerhalb der Saison, verbringen Tiere im Zirkus die meiste Zeit in Transportverschlägen oder in Scheunen; manche Tiere leben dann sogar in LKWs. Diese ununterbrochene Gefangenschaft auf engstem Raum hat schwerwiegende Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand der Tiere. Elefanten beispielsweise erreichen im Zirkus durchschnittlich nur etwa die Hälfte ihrer natürlichen Lebensdauer. Bei den Überlebenden sind schwere Verhaltensstörungen, wie das symptomatische „Weben“ mit dem Kopf und dem Rüssel, weit verbreitet.

Auszug aus dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Hanau vom 16.06.2006 (Az. 1013 Js 9934/04-Kls) im Fall der Verantwortlichen des Zirkus G. Althoff: „Lahmheit ist – wie die Angeklagten wussten – regelmäßig ein Zeichen von Schmerz. […] Durch die sich summierende Vernachlässigung der Körperpflege wurde das Wohlbefinden der fünf indischen Elefanten derart beeinträchtigt, dass ihnen erhebliche Leiden zugefügt wurden, was die Angeklagten auch wussten.“

In Bezug auf die klimatischen Verhältnisse entspricht das Zirkusklima in keiner Weise der natürlichen Umgebung der Tiere. So sind beispielsweise gerade die Sommermonate für Tiere wie Bären extrem schwer zu ertragen, während andere Tiere wie Elefanten oder Affen entsetzlich unter Kälte im Winter leiden. Zudem gibt es nur wenige Tierärzte, die qualifiziert genug wären, sich mit exotischen Tieren auszukennen.

Zwang zu unnatürlichen Darbietungen
Die Dressur von Wildtieren im Zirkus basiert stets auf der Ausübung von Gewalt und Zwang. Körperliche Bestrafung und psychischer Druck sind nach wie vor die gängigen „Trainingsmethoden“ für Tiere im Zirkus. Die Tiere leiden daher ganz erheblich unter Stress während der Trainingseinheiten. Andere Tiere bekommen regelmäßig Medikamente verabreicht, damit sie überhaupt zu handhaben sind. Raubkatzen und anderen Tierarten werden häufig sogar die spitzen Eckzähne entfernt. Die Darbietungen, die die Tiere zwangsweise erbringen müssen – z.B. Bären, die auf Bällen balancieren, Affen, die Motorräder fahren, Elefanten, die auf nur zwei Beinen stehen müssen – sind für die Tiere völlig unnatürlich. Die Peitschen, Stöcke, Elefantenhaken, engen Halsbänder, Maulkörbe oder sogar Elektroschocker sind die widerlichen Folter-Werkzeuge, die immer wieder beweisen, dass die Tiere nur unfreiwillig und unter Zwang agieren.

Kinder im Zirkus mit Tieren
Die oberflächlichen „Darbietungen“ entwürdigen die Tiere und vermitteln den Zuschauern nichts über das natürliche Verhalten von Tieren oder deren Bedürfnisse. Erfahrene Kinderpsychologen sagen, dass Zirkusse Kindern gefährliche Werte vermitteln. Wenn Kinder sehen, wie fühlende Lebewesen mit der Peitsche durch die Manege getrieben, gestoßen oder erniedrigt werden, kann ihre junge und beeinflussbare Psyche leicht abnormale soziale Werte entwickeln. Kinder lernen bei einem Besuch im Zirkus fälschlicherweise, dass es richtig sei, die Gefühle, Bedürfnisse und Rechte anderer Lebewesen zu ignorieren. Daher ist es wichtig, andere mit Respekt zu behandeln – dazu gehören selbstverständlich auch Tiere.

Ein Leben in Einsamkeit
Tiere im Zirkus werden oft bis zum letzten Atemzug durch die Manege getrieben. Falls sie aber für Vorführungszwecke nicht mehr geeignet sind, werden sie entweder permanent in die Winterquartiere der Zirkusse (also oft in enge Käfige) verbannt oder an andere Zirkusse oder private Haltungen verkauft. In manchen Ländern werden sie sogar an Jagdfarmen (um dort zur „Freizeitentspannung“ erschossen oder als exotische Mahlzeit gegessen zu werden) oder gar an Versuchslabore veräußert. Oft gestaltet sich ihr Lebensabend genauso wenig friedlich oder komfortabel wie ihr übriges Leben: eingepfercht, unter Zwang, in Elend.

Was passiert in Deutschland mit den Tieren bei einem Wildtierverbot?
Die Frage bekommen wir oft gestellt. KEIN EINZIGES TIER würde in Deutschland getötet werden, wenn die Bundesregierung das Wildtierverbot endlich beschließt. Denn dies verstößt zum einen gegen das Tierschutzgesetz, zum anderen können die Tiere innerhalb einer Übergangsfrist in Zoos, Tierparks, Wildparks und Auffangstationen überführt werden. Sollte es im Ausnahmefall keinen Platz geben, wäre auch denkbar, dass ein Zirkus ein Tier solange behält, bis ein Platz gefunden ist – das Wichtigste ist zunächst, dass keine neuen Tiere mehr zugekauft oder nachgezüchtet werden dürfen.