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Zirkusse: Missbrauch in der Manege


Wir setzen uns für ein vollumfängliches Verbot von Tieren im Zirkus ein, denn die Glitzerwelt der Zirkusse verschleiert die mangelhaften Bedingungen und die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur. Mittlerweile verliert Zirkus mit Tieren mehr und mehr an Akzeptanz, denn der breiten Öffentlichkeit ist zunehmend bewusst, dass die Tiere rücksichtslos behandelt, in absoluter Beengtheit gehalten und oft bis zum letzten Atemzug ausgenutzt werden.

LINK: Informationen zu verschiedenen Zirkusunternehmen
LINK: Informationen zu Tierausbrüchen und -unfällen
LINK: Informationen zu Wildtierverboten
LINK: Informationen zur Dressur von Wildtieren

Stellen Veterinärbehörden den Tierschutz im Zirkus sicher?
Die Veterinärämter sind für die Überwachung des Tierschutzes in Zirkusbetrieben zuständig. Für alle Zirkusse gelten die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ (BMEL 2001). Doch obwohl diese Mindestanforderungen völlig veraltet und an vielen Stellen absichtlich vage formuliert sind, werden sie – oft mit stillschweigender Billigung der Amtsveterinäre – noch unterschritten. Die meisten Veterinärbehörden sind froh, wenn die Zirkusse den Zuständigkeitsbereich ohne großen Arbeitsaufwand wieder verlassen haben. Wird es einem Zirkus doch einmal zu „heiß“, entzieht er sich nicht selten den amtstierärztlichen Vollzugsmaßnahmen, indem er über Nacht seine Sachen zusammenpackt und verschwindet – notfalls auch ins Ausland.
Doch selbst wenn eine Beschlagnahmung von Tieren aus dem Zirkus wegen schlechter Haltung notwendig ist, scheuen viele Veterinärämter meist den damit verbundenen Kosten- und Arbeitsaufwand. Das Problem „erledigt“ sich für die Behörden nach einigen Tagen von selbst, wenn der Zirkus weiterzieht und den Zuständigkeitsbereich verlässt. Einige engagierte Amtsveterinäre hingegen können oft nicht handeln, da sie nicht wissen, wo sie die beschlagnahmten Tiere kurzfristig unterbringen können – nur wenige Zoos sind bereit, aus dem Zirkus beschlagnahmte Tiere aufzunehmen; an den oftmals verhaltensgestörten und kranken Tieren haben sie wenig Interesse. Bei Tigern und Löwen im Zirkus kommt hinzu, dass es sich oft um Inzuchten handelt oder die Tiere nicht „reinrassig“ sind.

Geht es den Tieren in großen Zirkusbetrieben besser?
Die meisten der ca. 350 Wanderzirkusse in Deutschland leiden an ständigem Geldmangel, der dazu führt, dass die von ihnen gehaltenen Tiere oft unter einer nicht angemessenen Behandlung und Pflege leiden. Viele Zirkusse sind nicht einmal in der Lage, den Tieren ausreichend Wasser zur Verfügung zu stellen. Sie reisen innerhalb eines Jahres durch etliche Städte, in denen die Frischwasserversorgung nicht immer gewährleistet ist. Beobachtungen zeigen, dass Trinkwasser häufig rationiert wird und dass die Reinigung der Tiere und der Käfige teilweise ganz unterbleibt. Einige Wanderzirkusse leiden derart unter Geldmangel, dass sie öffentlich zu Nahrungsspenden für die Tiere aufrufen.
 
Doch auch große Zirkusse benutzen ihre Einnahmen nicht, um den Tieren ein besseres Leben zu bieten. Die Liste von Missständen und Tierquälereien in Deutschlands größtem Zirkus, Circus Krone, ist lang und erschreckend. Sogar beim selbsternannten Vorzeigezirkus Charles Knie wurde der Elefantendompteur 2015 rechtskräftig wegen Tierquälerei zu einer Geldbuße verurteilt.

Behörden bestätigen mangelhafte Haltungsbedingungen
Die meisten Tiere sind von ihrer Veranlagung her sehr aktiv. Im Zirkus müssen sie jedoch den überwiegenden Teil ihres Lebens in winzigen Transportkäfigen, Boxen oder viel zu kleinen Gehegen verbringen. Nur für die wenigen Minuten ihrer Darbietungen in der Manege dürfen sie ihre Gefängnisse verlassen. Elefanten werden üblicherweise jede Nacht und auch tagsüber großteils an zwei Beinen angekettet, anstatt, wie ihre Artgenossen, in der Natur kilometerlange Wanderungen im Kreise ihrer Familie zu unternehmen. Obwohl es sich um Lauftiere handelt, dürfen Pferde die Boxen und die Lkws in vielen Zirkusbetrieben ebenfalls nur selten verlassen.
 
2014 teilte die Bundesregierung mit, dass im zuletzt erfassten Berichtsjahr 2011 insgesamt 895 amtstierärztliche Kontrollen in Zirkusbetrieben durchgeführt wurden. Dabei stellten die Veterinäre 409 Verstöße gegen die Haltungsanforderungen für Tiere fest – also bei fast jeder zweiten Kontrolle. In den Ländern Bayern und Berlin wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls bei rund 50 Prozent aller amtstierärztlichen Kontrollen in Zirkusbetrieben Missstände und Verstöße bei der Tierhaltung festgestellt. Die Tiere werden ihrer natürlichen Bedürfnisse beraubt, was zu Schmerzen und Leiden führt – Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Weitere Folgen sind bei vielen Tierarten eine erhöhte Sterblichkeit sowie schwere Verhaltensstörungen. Elefanten erreichen im Zirkus durchschnittlich nicht einmal die Hälfte ihrer natürlichen Lebensdauer. Bei den Überlebenden sind schwere Verhaltensstörungen wie das symptomatische „Weben“ mit Kopf und Rüssel weit verbreitet. Schon dadurch, dass Tiere im Zirkus einen großen Teil ihres Lebens in Transportwagen verbringen, sind ihre Möglichkeiten, sich artgemäß zu bewegen, stark eingeschränkt. Natürliches Verhalten wie Graben, Klettern, Schwimmen und Sprinten wird permanent unterbunden.

Auch im Hinblick auf die klimatischen Verhältnisse entsprechen die Bedingungen hierzulande in keiner Weise der natürlichen Umgebung der exotischen Tiere. So leiden etwa Elefanten, Flusspferde oder viele Affenarten entsetzlich unter der Kälte im Winter. Es gibt nur wenige Tierärzte, die sich mit exotischen Tieren auskennen – und diese sind für viele Zirkusse kaum bezahlbar.
 
Dressur mit Stock und Peitsche
Die Dressur von Wildtieren im Zirkus basiert stets auf Gewalt und Zwang. Aber auch Pferde, Kamele und sogar Hunde werden meist mit körperlicher Bestrafung und psychischem Druck zu den unnatürlichen Darbietungen gezwungen. Peitschen, Elefantenhaken, Stöcke und Elektroschocker sind nach wie vor die gängigen „Trainingsutensilien“ der Dompteure. Der Einsatz dieser widerlichen Folterwerkzeuge belegt immer wieder, dass Tiere im Zirkus nur unfreiwillig und unter Zwang agieren. Während der Trainingseinheiten leiden die Tiere ganz erheblich unter Stress. Raubkatzen werden häufig sogar die spitzen Eckzähne entfernt oder die Krallen gezogen. Die Darbietungen, die die Tiere zwangsweise erbringen müssen – beispielsweise Bären, die auf Rollern fahren oder Elefanten, die auf dem Kopf stehen müssen – sind für sie völlig unnatürlich und oftmals mit gesundheitlichen Problemen verbunden.
 
Zahlreiche Ausbrüche gefährden Tiere und Menschen
Allein in Deutschland brechen jedes Jahr dutzende Tiere aus den Zirkusbetrieben aus. Der Hauptgrund dafür ist die Unzuverlässigkeit vieler Zirkusmitarbeiter. Die provisorischen Gehege und die häufigen Transporte begünstigen das Entkommen der in kleine Gehege und Käfige eingesperrten Tiere. Regelmäßig werden durch die Ausbrüche Menschen und Tiere verletzt oder sogar getötet – meist im Straßenverkehr. So häufig wie die Ausbrüche sind die darauf folgenden reflexartigen Beschuldigungen der Zirkusverantwortlichen, dass angeblich Tierschützer die Tiere freigelassen hätten. Trotz Dutzender solcher Anschuldigungen wurden bisher in keinem einzigen Fall tatsächlich Tierschützer als Verantwortliche ermittelt. Nicht selten sind die Ausbrüche auch inszeniert, um Medienaufmerksamkeit und somit kostenlose Werbung zu erlangen.
 
Kinder im Zirkus mit Tieren
Die oberflächlichen „Darbietungen“ sind entwürdigend und die Zuschauer lernen nichts über das natürliche Verhalten oder die Bedürfnisse von Tieren. Erfahrenen Kinderpsychologen zufolge vermitteln Zirkusse den Kindern gefährliche Werte. Wenn Kinder sehen, wie fühlende Lebewesen mit der Peitsche durch die Manege getrieben, gestoßen oder erniedrigt werden, kann ihre junge und beeinflussbare Psyche leicht abnormale soziale Züge entwickeln. Ein Besuch im Zirkus suggeriert Kindern fälschlicherweise, dass es richtig sei, die Gefühle, Bedürfnisse und Rechte anderer Lebewesen zu ignorieren. Dabei sollten sie vielmehr lernen, dass es wichtig ist, andere mit Respekt zu behandeln – dazu zählen selbstverständlich auch Tiere.
 
Bis zum letzten Atemzug …
Tiere im Zirkus werden oft bis zum letzten Atemzug durch die Manege getrieben. Wenn sie nicht mehr für Vorführungszwecke geeignet sind, werden sie beispielsweise an mitleidsvolle Tierschützer verkauft, einfach zurückgelassen oder eingeschläfert. Meist gestaltet sich ihr Lebensabend nicht friedlicher als ihr bisheriges Leben.

Das längst überfällige Wildtierverbot im Zirkus
Mehreren repräsentativen Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschen für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus. Auch die Bundestierärztekammer und die Europäische Tierärztevereinigung haben sich für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen. Ebenso hat der Bundesrat 2003, 2011 und 2016 in Entschließungsanträgen für ein Verbot bestimmter Tierarten im Zirkus gestimmt. Die Bundesregierung wurde nunmehr also drei Mal von der Länderkammer aufgefordert, ein Verbot zu erarbeiten. Doch das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) führt seine Blockadehaltung im Auftrag der Bundesregierung fort und überlässt Elefanten, Bären, Tiger und andere Wildtiere ihrem Schicksal.

Viele deutsche Städte haben das Elend der Tiere hinter den Glitzerkulissen der Zirkuswelt erkannt und angesichts der Blockadehaltung der Bundesregierung kommunale Verbote für Zirkusse mit Wildtieren erlassen. Dutzende Städte wie Köln, Düsseldorf, Leipzig, Schwerin, Rostock, Bielefeld, Erfurt, Chemnitz und viele andere vergeben keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusbetriebe, die mit bestimmten Wildtierarten anreisen. 19 europäische Länder – darunter beispielsweise die Niederlande, Österreich, Belgien oder Griechenland – haben aus Tierschutzgründen bereits alle oder bestimmte Tierarten im Zirkus verboten.
 
Was passiert bei einem Wildtierverbot mit den Tieren?
Würde die Bundesregierung das Wildtierverbot im Zirkus endlich beschließen, würde kein einziges Tier in Deutschland getötet. Dies wäre zum einen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, zum anderen könnten die rund 1.000 Wildtiere selbst innerhalb einer kurzen Übergangsfrist problemlos in die über 600 Zoos, Tierparks, Wildparks und Auffangstationen des Landes umgesiedelt werden. Sollte es im Ausnahmefall keinen Platz geben, wäre auch denkbar, dass ein Zirkus ein Tier so lange behält, bis ein geeigneter Platz gefunden ist. Das Wichtigste ist zunächst, dass keine Tiere mehr zugekauft oder nachgezüchtet werden dürfen.