Tierversuchsfreie Wissenschaft gewinnt weltweit an Fahrt. Sowohl in Europa als auch in den USA wurden in den vergangenen Jahren wichtige politische und wissenschaftliche Initiativen angestoßen, um moderne, tierfreie Methoden stärker zu fördern und Tierversuche schrittweise abzulösen. Erfahren Sie hier, welche Fortschritte bereits erzielt wurden und welche Herausforderungen noch bestehen.
Fortschritte bei tierfreier Forschung in Europa
In den letzten Jahren setzt die EU immer mehr Zeichen, sich in die richtige Richtung bewegen zu wollen. Die öffentliche Wahrnehmung, aber auch das Engagement aus der Industrie und Wissenschaft führen dabei zu Neuerungen, die für viele Tiere einen großen Unterschied machen könnten.
Maßnahmen, die aus der Europäischen Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics“ entstanden
2023 wurde von der EU-Kommission angekündigt, einen Ausstiegsplan für Chemikalientestung zu entwickeln – die sogenannte Roadmap. Seitdem gab es mehrere große Diskussionsforen in Form von Workshops und öffentlichen Konsultationen. Die fertige Roadmap wurde am 1. Juni 2026 von der Europäischen Kommission veröffentlicht. Sie enthält 30 konkrete Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, um Tierversuche langfristig abzuschaffen und ein neues System für die Regulierung von Chemikalien zu entwickeln. [1]
Als weitere Initiative für ein Europa ohne Tierversuche wurden 2025 im Rahmen des Europäischen Forschungsraums (European Research Area, ERA) neue Maßnahmen zur Förderung tierversuchsfreier Forschungsmethoden eingeleitet. Ziel der Maßnahmen ist es, die Entwicklung, Anwendung und Validierung neuer, tierversuchsfreier Methoden in der biomedizinischen Forschung sowie Arzneimittel- und Medizinproduktetestung zu beschleunigen. Dazu gehören auch die Aus- und Weiterbildung zu diesen Methoden und die Stärkung des Bewusstseins dieser Bereiche sowohl in der Fachgemeinschaft als auch in der Öffentlichkeit. [2]

Revision der EU-Gesetzgebung für Humanarzneimittel ermöglicht nun auch tierfreie Testung
Nach über 20 Jahren wurde nun als Teil der Pharmastrategie für Europa auch ein Update für Medikamentengesetze in der EU begonnen. 2023 legte die EU-Kommission dazu ihren Entwurf vor, der eine neue Richtlinie sowie eine neue Verordnung enthält. Im Anschluss hatten die Co-Legislatoren, das EU-Parlament und der Rat der EU, im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und Änderungen einzubringen. 2025 erfolgte dann die Eröffnung der sogenannten Trilogverhandlungen, in denen die drei Organe Uneinigkeiten aus dem Weg schafften und Kompromisse fanden. Dieser Prozess wurde im Dezember 2025 beendet. [3]
Die finalen Texte der neuen Gesetze enthalten nun die klare Pflicht, entsprechend der EU-Richtlinie 2010/63 zum Schutz von für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tieren, Tierversuche überall zu ersetzen, wo es wissenschaftlich fundierte, tierversuchsfreie Methoden gibt. Außerdem bekam die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) neue Befugnisse und Aufgaben, die die regulatorische Akzeptanz tier(versuchs)freier Methoden unterstützen sollen.
Der letzte wichtige Schritt bleibt nun die Aktualisierung des Anhangs der neuen Richtlinie, welcher Standards und Protokolle für Tests aufschlüsselt und derzeit noch den Text der alten Gesetze von 2001 enthält. Im Widerspruch zu dem bereits aktualisierten Rest der neuen Gesetzgebung sind hier viele Tierversuche noch als „Goldstandard“ gelistet. Ein wahrhafter Fortschritt kann erst eintreten, wenn dieser Anhang an die neusten behördlichen, wissenschaftlichen und technologischen Möglichkeiten angepasst wird. Vor allem müssen neue Formulierungen sicherstellen, dass in Zukunft tierfreie Methoden schneller und ohne bürokratische Hürden angewendet werden dürfen.
PETA arbeitet seit Beginn der Revision mit gesetzgebenden Institutionen, Behörden und anderen Stakeholdern zusammen, um dies zu gewährleisten und unseren Research Modernisation Deal auch in diesem Bereich umzusetzen. (Beispiel Policy Brief „EU Modernisation Deal“)
Entwicklungen in den USA
Fortschritt kennt keine Ländergrenzen – und die jüngsten Ankündigungen zu veränderten Tierversuchsregelungen in den USA könnten anderen Ländern wertvolle Impulse für eigene Entwicklungen liefern. Mehrere US-Behörden kündigten kürzlich an, sich von Tierversuchen abwenden zu wollen, was ein großer Schritt in die richtige Richtung ist.
US-Umweltschutzbehörde will Verbot von Tierversuchen
Die US-Umweltschutzbehörde EPA verfolgt seit einigen Jahren das Ziel, die Bemühungen zur Reduzierung von Tierversuchen zu priorisieren. Nun hat der neue Administrator Lee Zeldin das Versprechen, Tierversuche für die Chemikalienzulassung bei der Umweltschutzbehörde zu beenden, erneuert. [4] So könnte jährlich Zehntausenden Tieren ein leidvolles Dasein in Laboren erspart werden.
Vermehrt tierfreie Methoden bei Medikamentenentwicklung
Genau wie hierzulande werden auch in den USA neue Medikamente für Menschen immer noch umfangreich an Tieren getestet. Doch der menschliche Organismus unterscheidet sich zu sehr von dem anderer Tiere, da wir beispielsweise Wirkstoffe anders verstoffwechseln. 95 Prozent der neu entwickelten Medikamente kommen niemals auf den Markt, obwohl diese in Tierversuchen zuvor als wirksam und sicher eingestuft wurden. [5] Die mangelnde Übertragbarkeit von einer Spezies auf die andere ist dabei ein entscheidender Punkt.
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA kündigte nun an, Tierversuche für Medikamente beenden zu wollen. [6] Vorangegangen war eine vom PETA-Wissenschaftskonsortium entwickelte Strategie zur tierfreien Sicherheitstestung therapeutischer Antikörper, die von der FDA als angemessen eingestuft wurde. Die FDA plant nun, Tierversuche bei der Entwicklung monoklonaler Antikörper und anderer Medikamente durch effizientere, für den Menschen relevante Methoden zu ersetzen. FDA-Kommissar Dr. Martin A. Makary bezeichnet diese Entwicklung als Gewinn für die öffentliche Gesundheit und Ethik, da „sicherere Behandlungen schneller und zuverlässiger zu den Patienten gelangen und gleichzeitig die Kosten für […] die Arzneimittelpreise gesenkt“ werden können.

Gesundheitsinstitute wollen humanbasierte Forschung priorisieren
Die Nationalen Gesundheitsinstitute der USA (NIH) wollen ebenfalls humanbasierte Forschungsmethoden priorisieren und somit den Missbrauch von Tieren in der Forschung verringern. Hierzu planen die NIH die Einrichtung eines neuen Büros für Forschungsinnovation, das unter anderem die Entwicklung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden koordinieren und deren Finanzierung und Ausbildung ausweiten soll. [7]
Der Einsatz innovativer und tierfreier Technologien kann einzigartige Vorteile bieten, die den Werkzeugkasten für Forschende erweitern können, um biomedizinische Forschungsfragen zu beantworten.
Tierversuchsfreie Forschung auf dem Vormarsch
Diese drei jüngsten Ankündigungen sind großartige Beispiele und wichtige Schritte hin zu einer innovativen und ethischen Wissenschaft. Sie zeigen deutlich, dass tierversuchsfreie Ansätze bald Standard werden können. Diese Entscheidungen können bedeutende Auswirkungen auf die Entwicklung und die Sicherheit von Lebens- und Arzneimitteln und somit auf die öffentliche Gesundheit haben. Zudem können sie jedes Jahr unzähligen Tieren wie Kaninchen, Mäusen und Ratten oder Hunden ein qualvolles Leben in Laboren ersparen.
Helfen Sie mit, Tierversuche zu beenden
Setzen Sie sich gemeinsam mit uns für eine Zukunft ohne Tierversuche ein! Unterstützen Sie unser Strategiepapier, das einen klaren Weg aufzeigt, wie innovative und effektive Forschung ohne Tierleid verwirklicht werden kann. Tierversuche liefern keine verlässlichen Ergebnisse für den Menschen und sind deshalb nicht nur ethisch bedenklich, sondern auch überflüssig. Mit Ihrer Unterschrift stärken Sie die Rechte der Tiere und helfen dabei, dass auch Deutschland endlich mitzieht und eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen entwickelt.
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Quellen
[1] Roadmap towards phasing out animal testing. European Commission. Accessed on June 8, 2026. https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/chemicals/reach/roadmap-towards-phasing-out-animal-testing_en
[2] Council endorses the European research area policy agenda for the next three years. Council of the European Union. May 23, 2025. Accessed on June 4, 2025. https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2025/05/23/council-endorses-the-european-research-area-policy-agenda-for-the-next-three-years/
[3] Revision of the EU pharmaceutical legislation. European Parliament. Accessed on June 8, 2026. https://www.europarl.europa.eu/legislative-train/spotlight-JD%2023-24/file-revision-of-the-pharmaceutical-legislation
[4] Dinan S. Zeldin to pursue new ban on animal testing at EPA. The Washington Times. April 10, 2025. Accessed on April 10, 2025. https://www.washingtontimes.com/news/2025/apr/10/epa-chief-lee-zeldin-eyes-ban-animal-testing/https://ncats.nih.gov/research/research-activities/ntu
[5] National Center for Advancing Translational Sciences (NCATS): New Therapeutic Uses. Updated November 05, 2024. Accessed on May 26, 2025. https://ncats.nih.gov/research/research-activities/ntu
[6] FDA Announces Plan to Phase Out Animal Testing Requirement for Monoclonal Antibodies and Other Drugs. FDA News Release. U.S. Food & Drug Administration. April 10, 2025. Accessed on May 26, 2025. https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-announces-plan-phase-out-animal-testing-requirement-monoclonal-antibodies-and-other-drugs
[7] NIH to prioritize human-based research technologies. National Institutes of Health. April 29, 2025. Accessed on May 26, 2025. https://www.nih.gov/news-events/news-releases/nih-prioritize-human-based-research-technologies