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Parabiose: Uni Bonn will Mäuse aneinandernähen

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Zwei Mäuse, ein Körper: Bei der sogenannten Parabiose werden Tiere chirurgisch miteinander verbunden, damit sich ihr Blutkreislauf austauschen kann. Was in wissenschaftlichen Publikationen nüchtern als „Mausmodell“ beschrieben wird, bedeutet für die betroffenen Tiere einen schweren operativen Eingriff, Schmerzen, Stress und erhebliche gesundheitliche Folgen. 

Zu Recht wurde solch ein Experiment in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr genehmigt – doch eine Gruppe von Forschenden der Exzellenzuniversität Bonn will das ändern. 

Inhalte im Überblick

Parabiose: Ein Tierversuch mit höchstem Leid und Todesfolgen 

Bei einer Parabiose wird unter Narkose die Haut der Mäuse entlang der Körperseiten eingeschnitten. Die Ellenbogen- und Kniegelenke der beiden Tiere werden miteinander vernäht, danach folgen die Hautflächen. Die Mäuse können von nun an nicht mehr unabhängig voneinander leben oder sich bewegen. 

Die Folgen reichen aber noch weiter: Die Tiere leiden nach der Operation unter starken Schmerzen und enormem Stress, Gewichtsverlust, Dehydrierung und Unterkühlung. Teilweise lösen sich die Tiere wieder voneinander, was – wie die Operation selbst – zu schmerzhaften Infektionen führen kann. [1,2,3] Für Mäuse wichtige Verhaltensweisen wie Nestbau, Fellpflege und Bewegung werden erschwert und nur noch vermindert durchgeführt. [4]  

Es ist keine Seltenheit, dass die Tiere nach der Operation sterben. Dehydrierung, Unterernährung, Infektionen und Unterkühlung sind übliche Gründe,[3] aber auch inkompatible Immunsysteme. [2] 

Das Leid, dem die Tiere unter diesem Versuch ausgesetzt werden, ist unvorstellbar und wird durch die Experimentator:innen billigend in Kauf genommen. 

Versuchsantrag abgelehnt: Gericht bestätigt Tierschutzwidrigkeit 

Eine Forscherin der Universität Bonn hält das zu erwartende Leid offenbar für legitim. Für die Immunforschung will sie 64 Tiere dieser Prozedur unterziehen, sodass jeweils zwei Mäuse einen gemeinsamen Blutkreislauf entwickeln. Beobachtet werden soll, wie im Blut enthaltene Bestandteile, z. B. Immunzellen, Wachstumsfaktoren oder andere Moleküle, zwischen den Tieren ausgetauscht werden. 

Nachdem die zuständige Behörde, das nordrhein-westfälische Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung (LAVE), den Versuchsantrag zunächst genehmigt hatte, zog es die Genehmigung zeitnah wieder zurück. Die Gruppe von Forschenden klagte dagegen – und verlor den Prozess durch das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln. Das Gericht begründet die Entscheidung wie folgt: 

„Zu Recht hat das LAVE die Genehmigung der Versuche zurückgenommen, da die Genehmigung offensichtlich rechtswidrig war. Die Durchführung der Versuche ist für die Mäuse nicht mittelgradig, sondern jedenfalls schwer belastend. Bezogen auf eine schwere Belastung hat die Klägerin keine Unterlagen vorgelegt, welche diese Belastungen rechtfertigten. Im Übrigen ist die Genehmigung offensichtlich verfahrensfehlerhaft erteilt worden, da die zuständige Tierschutzkommission nicht beteiligt wurde.“ [5] 

PETA kontaktierte die Universität Bonn wiederholt 

Sollte die Gruppe von Forschenden das Urteil nicht akzeptieren wollen, kann sie einen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen. Damit würde sie weiterhin versuchen, ein Experiment an Tieren zu erzwingen, das aus gutem Grund seit 20 Jahren in Deutschland nicht mehr genehmigt wurde:  

Ein 2005 von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beantragter Versuch wurde im Folgejahr nach Empfehlung eines Expertengremiums abgebrochen. 2007 stellte die MHH einen neuen Antrag, der jedoch abgelehnt wurde. [6] 

Die Universität Bonn trägt den Titel „Exzellenzuniversität“ und gibt sich verantwortungsvoll: Sie sei „sich ihrer Verantwortung gegenüber den Versuchstieren bewusst“, „sorge für deren größtmöglichen Schutz und berücksichtige alle ethischen und tierschutzrechtlichen Bedingungen.“ [7] Auf ihrer Website spricht sie davon, Tierversuche ersetzen, reduzieren und verbessern zu wollen und „das Leiden der Versuchstiere möglichst gering zu halten“. [8] 

Wir von PETA Deutschland haben bereits mehrmals Kontakt mit der Universität aufgenommen – diese hat bisher nicht darauf reagiert. 

Universität Bonn hält auch in der Sepsisforschung an Tierversuchen fest  

In der Sepsisforschung führt die Uni Bonn ebenfalls Tierversuche durch. Sie nutzen dabei eine Methode, bei der längst klar ist, dass sie keine humane Sepsis und noch nicht einmal eine bei Mäusen modelliert. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (NIH) weiß seit über einem Jahrzehnt, dass Sepsis-Versuche an Tieren ebenso nutzlos wie grausam sind, und rät zu tierfreien Forschungsmethoden. Wir wiesen die Uni Bonn darauf hin und bat sie, sich nach den Empfehlungen der NIH auszurichten, doch auch auf wiederholte Nachfrage erhielten wir keine Rückmeldung. 

Wir gingen auch auf die Universität Bonn zu und baten die Verantwortlichen, grundsätzlich über Ansätze zur Reduzierung von Tierversuchen zu sprechen. Mit dem Research Modernisation Deal und einem internationalen Pool an Expert:innen aus der Wissenschaft bietet PETA Forschungseinrichtungen Unterstützung an, um den Paradigmenwechsel von Tierversuchen hin zu einer exzellenten, tierversuchsfreien Wissenschaft konstruktiv voranzutreiben. Doch auch hier zeigte sich die Universität bislang nicht zum Dialog bereit. 

Helfen Sie jetzt Tierversuche abzuschaffen  

Die Zukunft der Forschung liegt nicht in überholten und grausamen Tiermodellen, sondern in humanrelevanten, modernen und vor allem tierfreien Methoden. Helfen Sie jetzt, Tiere vor Missbrauch keine Forschungsinstrumente – und Tierversuche sind keine Wissenschaft.