Tierkinder in Gefahr – grausamer Tod durch Mähmaschinen

Mehrere hunderttausend Wildtiere, darunter Rehkitze, junge Feldhasen, Kleinsäuger, Vögel und deren Gelege sowie Reptilien und Insekten, fallen jedes Jahr den Mähmaschinen der Landwirte zum Opfer. (1) (2) Wer nicht schnell genug vor den scharfen Messern flieht, wird aufgeschlitzt, verstümmelt oder regelrecht zerhackt. Ein grausamer Tod, der oftmals Stunden dauert, wenn die schwer verletzten Tiere qualvoll sterben. Landwirte sind jedoch dazu verpflichtet, den zuständigen Jagdausübungsberechtigten über den Zeitpunkt der Mahd zu informieren und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um den Tod der Tiere zu verhindern. Laut Bundesjagdgesetz und Strafgesetzbuch stellen Unterlassungshandlungen eine Straftat dar. Das Töten von Wildtieren infolgedessen verstößt gegen das Tierschutzgesetz.
 
Durch die scharfen Klingen der Mähmaschine aufgeschlitzt
Durch die scharfen Klingen der Mähmaschine aufgeschlitzt

Tödliche Überlebensstrategie
Um ihr Überleben zu sichern, verlassen sich Wildtiere auf ihre angeborenen Instinkte. So bringen Rehe und Feldhasen ihre Jungen in ein sicheres Versteck inmitten der hoch gewachsenen Wiesen, zu dem sie in regelmäßigen Abständen zurückkehren, um sie zu säugen. Auf diese Weise schützen sie ihre Jungen vor Fressfeinden, die durch die Anwesenheit der Alttiere angelockt werden könnten. Nähert sich Gefahr, so reagieren die Tierkinder mit dem sogenannten „Drückinstinkt“ – das heißt, sie verharren in ihrem Versteck regungslos am Boden. (3)(4) Gegenüber Fressfeinden hat sich diese Methode bewährt. In der heutigen Zeit der intensivierten Landwirtschaft jedoch wird die vermeintlich sichere Kinderstube für die jungen Tiere zur tödlichen Falle.
 
Eines von 5 Rehkitzen, die auf einer einzigen Wiese grausam getötet wurden.
Eines von 5 Rehkitzen, die auf einer einzigen Wiese grausam getötet wurden.

Schutzmaßnahmen retten Leben
  • Vergrämungsmethoden: Flatternde Bänder, Duftzäune oder akustische Signale (Knallapparate, Radios etc.), schrecken die Wildtiere auf und führen dazu, dass sie für sich und ihren Nachwuchs ein neues Versteck suchen.
  • Hunde und Wildretter: Durch den Einsatz von Hunden und sogenannten „Wildrettern“ (moderne Infrarotgeräte) lassen sich Rehkitze, Junghasen und Vogelbruten lokalisieren.
  • Mähtechnik: Das Mähen von innen nach außen bietet den Wildtieren bessere Fluchtmöglichkeiten als herkömmliche Methoden. Je später im Jahr gemäht wird, desto besser sind die Überlebenschancen für die Jungtiere.
  • Schutzblenden: Als Schutzvorrichtung können Blenden rund um das Mähwerk angebracht werden, die vor den scharfen Klingen am Boden entlangschleifen. So werden Wildtiere aufgescheucht und haben die Möglichkeit, rechtzeitig zu fliehen.
  • Randstreifen: Flächen, die nicht gemäht werden, bieten den Wildtieren Zuflucht und Lebensraum. (1) (5)
                                                      
PETA Deutschland e.V. hat in der Vergangenheit wiederholt Strafanzeigen gegen Landwirte erstattet, die keine entsprechenden Schutzmaßnahmen getroffen und damit den grausamen Tod von Wildtieren billigend in Kauf genommen haben. Laut eines rechtskräftigen Urteils des Amtsgerichts Biedenkopf ist dies strafbar. (6)
 

Was Sie tun können

  • Informieren Sie vor der Mahd Ihres Grundstücks den zuständigen Jagdausübungsberechtigten und treffen Sie gemeinsam die notwendigen Vorkehrungsmaßnahmen.
  • Weisen Sie Landwirte in Ihrer Umgebung höflich auf ihre entsprechenden Pflichten hin.
  • Wenden Sie sich bei Missständen umgehend an die Untere Jagdbehörde Ihres Landkreises.


Quellen
(1) Deutsche Wildtierstiftung (ohne Datum) Praxisratgeber Stoppt den Mähtod. www.deutschewildtierstiftung.de.
(2) Wild & Hund (2005) Wenn die Kitze kommen: Suchen, Retten, Markieren. Ausgabe 9/2005. 28-33.
(3) Grzimek B. (1993) Reh / In menschlicher Obhut. Grzimeks Tierleben Säugetiere 4. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München. 207.
(4) Gehle T. (2002) Zur Biologie und Ökologie des Feldhasen. Erstellung einer Literaturübersicht über die Biologie und Ökologie des Feldhasen (Lepus europaeus). Deutsche Wildtierstiftung.
(5) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2012) Wildrettung bei Bewirtschaftung Landwirtschaftlicher Nutzflächen. Merkblatt Nr. 137.
(6) Rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts Biedenkopf v. 17.3.2010, Az.: 40 Ds – 4 Js 8205/09