In den Monaten Juni bis August erhalten wir von PETA Deutschland jedes Jahr viele Meldungen zu Tieren, die nicht ausreichend vor der Hitze geschützt werden. Durch die langanhaltenden und ungewöhnlich hohen Temperaturen war die Anzahl der Meldungen in diesem Jahr auffällig hoch. Besonders häufig wurde uns von sogenannten Weidetieren berichtet, denen es an ausreichendem Schutz vor Hitze oder an genügend Trinkwasser fehlte. Diese Vorfälle haben wir an die zuständigen Veterinärbehörden weitergeleitet und die eingegangenen Meldungen anschließend ausgewertet.
Wie viele „Weidetiere“ betroffen waren und welche Missstände besonders häufig gemeldet wurden, erfahren Sie hier.
Insgesamt über 60 Meldungen zu „Weidetieren“ während der Hitzeperioden
In diesem Jahr erreichten uns insgesamt 62 Meldungen zu „Weidetieren“, die unter den hohen Temperaturen litten. Darunter:
- 32 Meldungen zu Schafen/Ziegen
- 18 Meldungen zu Rindern
- 8 Meldungen zu Pferden
- 2 Meldungen zu Schweinen
- 2 Meldungen zu gefiederten Tieren
Besonders häufig fehlten den Tieren ein baulicher Unterstand oder schattenspendende Bäume. Zudem wurden uns Fälle gemeldet, in denen Tiere ohne Wasser auskommen mussten oder ihnen nur verschmutztes und stark erwärmtes Wasser zur Verfügung stand. Darüber hinaus starben Tiere aufgrund der hohen Temperaturen in Ställen oder auf Transportern.

PETA meldet Vorfälle an zuständige Behörden
Wir meldeten Hinweise auf Tiere in lebensgefährlichen Situationen umgehend an die zuständigen Veterinärbehörden. Diese gingen sehr unterschiedlich mit den offensichtlichen Missständen um: Nicht von allen Veterinärbehörden erhielten wir Rückmeldungen zu den gemeldeten Fällen – immer wieder nicht einmal eine Antwort, die bestätigt, dass die Meldung bearbeitet wird.
In einigen Fällen führte auch eine wiederholte Meldung an die zuständige Behörde zu keiner sichtbaren Veränderung oder Verbesserung der Haltung. Selten wurden sofort Maßnahmen getroffen und Weidezelte aufgestellt – und selbst damit reicht der erzeugte Schatten nicht immer für alle Tiere auf der Weide aus.
Unsere Beobachtungen in diesem Bereich zeigen leider deutlich, dass auf Deutschlands Weiden größtenteils von Behördenversagen auszugehen ist. Es kann und darf nicht sein, dass das Wohlergehen der Tiere von der Sorgfältigkeit der Behörden abhängig ist.
Daher fordern wir die zuständigen Behörden dazu auf, das geltende Tierschutzrecht konsequent durchzusetzen und gemeldeten Missständen konsequent und zeitnah nachzugehen.

Darum leiden Tiere bei Hitze auf der Weide
Fehlt es an ausreichendem Schutz oder einer angemessenen Versorgung und Pflege, können die hohen Temperaturen für Tiere auf der Weide zur Belastung werden. Sie leiden insbesondere unter folgenden Missständen:
Keine ausreichende Wasserversorgung
„Weidetieren“ muss täglich ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung stehen. Bei Hitze steigt der Bedarf deutlich: Schafe benötigen unter normalen Bedingungen etwa zwei bis vier Liter Wasser am Tag, bei großer Hitze und während der Aufzucht ihrer Jungtiere jedoch bis zu zehn Liter. [1] Bei Kühen in der Milchindustrie kann der Wasserbedarf bei Hitze auf bis zu 200 Liter pro Tag steigen. [2]
Die Wasserbehälter müssen zudem an die Größe und Bedürfnisse der Tiere angepasst sein. [3] Leider stellen wir oft fest, dass das nicht der Fall ist. Besonders Jungtiere können aus zu tiefen Behältern nicht trinken. Wir empfehlen daher mehrere geeignete Trinkmöglichkeiten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Herde gerecht werden. Tierhalter:innen sind zudem verpflichtet, die Herde mindestens einmal täglich zu kontrollieren. Dennoch erleben wir immer wieder, dass „Weidetiere“ tagelang sich selbst überlassen werden und dann – mit viel Glück – von besorgten Passant:innen versorgt werden. Auch hier erhielten wir immer wieder die Rückmeldung, dass Augenzeug:innen die Umstände zwar bei der Polizei meldeten, jedoch nicht ernst genommen wurden.
Mangel an Schattenplätzen
Auch ausreichender Schatten ist für „Weidetiere“ bei großer Sommerhitze unerlässlich. Nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung müssen Tiere vor widrigen Witterungseinflüssen geschützt werden.
Jedoch fehlt es auf den Weiden häufig an geeigneten, ausreichenden und dauerhaften Schattenplätzen. Auf manchen Weiden bieten außerhalb stehende Bäume beispielsweise nur tageszeitabhängig und häufig nicht ausreichend Schatten für alle auf der Weide gehaltenen Tiere. Bei solchen Missständen ist es wichtig, nicht wegzusehen, sondern den Vorfall den zuständigen Behörden zu melden und mit Fotos oder Videos zu dokumentieren.

Zu dichte Wolle aufgrund fehlender Schur
Die meisten in Deutschland gehaltenen Schafe können aufgrund gezielter Qualzucht ihre Wolle nicht mehr auf natürliche Weise wechseln und müssen daher mindestens einmal jährlich geschoren werden. Idealerweise erfolgt die Schur bis Juni, damit die Tiere bei hohen Temperaturen nicht durch ihre dichte Wolle zusätzlich belastet werden oder an Hitzschlag sterben. [4, 5] Die Schur bedeutet für die Tiere jedoch Stress und kann zu Verletzungen führen. Nach der Schur brauchen Schafe außerdem ausreichend Schatten, um die nackte Haut vor Sonnenbrand zu schützen. [4, 6]
Wenn Sie im Hochsommer oder bei hohen Temperaturen bis Juni ungeschorene Schafe sehen, melden Sie den Fall bitte dem zuständigen Veterinäramt.
Es ist erschreckend, wie viele Tierhalter:innen sich nicht ausreichend und verantwortungsbewusst um ihre Tiere kümmern. Insbesondere bei hohen Temperaturen benötigen die Tiere ausreichend Wasser und Schutz vor der Sonne. Ohne Wasser und Sonnenschutz kann es für viele Tiere schnell lebensgefährlich werden. Jedes Jahr leiden und sterben unzählige Tiere aufgrund der massiven Auswirkungen von dauerhaft hohen Temperaturen. Es ist Zeit, dass die Behörden dieses jährliche Leiden unterbinden und ihrer Verantwortung, die Tiere vor Leid zu schützen, endlich nachkommen.
Monic Moll, Fachreferentin bei PETA Deutschland
Hohe Sommertemperaturen belasten auch tierische Mitbewohner
Nicht nur sogenannte Weidetiere leiden unter hohen Temperaturen. Ende Juni wurden uns zwei Kaninchen gemeldet, die wohl infolge der hohen Temperaturen starben. Sie waren mehrere Stunden nahezu ungeschützt der Sonne ausgesetzt und ihnen stand lediglich warmes Wasser zur Verfügung.
Tierische Mitbewohner sind auf die Fürsorge und Pflege ihrer Halter:innen angewiesen. Aufgrund ihrer Zucht kommen sie häufig schlechter mit extremen Witterungsverhältnissen zurecht als ihre wildlebenden Artgenossen. Diese können sich bei großer Hitze zudem in kühle Wälder und schattige Bereiche zurückziehen. Tieren auf Weiden, in Ställen oder in Käfigen fehlt diese Möglichkeit, weshalb sie unter den hohen Temperaturen leiden oder sogar an den Folgen der Hitze sterben können.
Schauen Sie nicht weg – melden Sie Tierquälerei
Wenn Tiere in extremer Hitze gehalten, vernachlässigt, misshandelt oder anderweitig schlecht behandelt werden, ist es wichtig, solche Fälle zu dokumentieren und zu melden. Denn nur wenn Tierquälerei bekannt wird, kann dagegen vorgegangen werden.
Schauen Sie also nicht weg: Melden Sie uns Tierquälerei und helfen Sie damit Tieren in Not. Eine Meldung ist auch anonym möglich.
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Quellen
[1] Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (03.2025): Empfehlungen für die Schafhaltung, https://mlr.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mlr/intern/dateien/PDFs/Tierschutz_und_Tiergesundheit/2025_04_09_Empfehlung_Schafhaltung.pdf (eingesehen am 21.08.2026)
[2] BauernZeitung (30.07.2020): Kühe brauchen jetzt viel Wasser – in guter Qualität, https://www.bauernzeitung.ch/artikel/tiere/kuehe-brauchen-jetzt-viel-wasser-in-guter-qualitaet-351734 (eingesehen am 21.08.2026)
[3] Landwirtschaftliches Wochenblatt Hessen (08.2025): Kühen viel frisches Wasser anbieten, https://www.lw-heute.de/kuehen-viel-frisches-wasser-anbieten (eingesehen am 21.08.2026)
[4] Tierschutz Hessen: Schafe und Ziegen: Alles zu kleinen Wiederkäuern, https://tierschutz.hessen.de/nutztiere/schafe-und-ziegen (eingesehen am 21.08.2026)
[5] Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kanton Bern: Hitzestress Nutztiere: Fachinformationen, https://www.weu.be.ch/de/start/themen/veterinaerwesen/tiere-halten/hitzestress-nutztiere/hitzestress-nutztiere-fachinformationen.html (eingesehen am 21.08.2026)
[6] Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (01.09.2023): Tierschutzleitlinie für die Schafhaltung, https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/tierschutz/tierhaltung/schafe_ziegen/tierschutzleitlinie-fur-die-schafhaltung-89476.html (eingesehen am 21.08.2026)