Blog Tierversuche

5.500 Ratten, Kaninchen und Fische sollen für Sonnencreme getötet werden

Die Beschwerdekammer der Europäischen Chemikalienagentur ECHA veröffentlichte kürzlich zwei Entscheidungen zu Tierversuchen für Kosmetik. Darin wird bestimmt, dass Inhaltsstoffe, die ausschließlich für Kosmetika genutzt werden, unter der REACH-Verordnung dennoch an Tieren getestet werden dürfen. Eigentlich sind Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe seit Inkrafttreten der EU-Kosmetikverordnung im Jahr 2013 verboten – und somit stellen die aktuellen Entscheidungen eine absolute Fehlinterpretation des Gesetzes dar, denn sie ermöglichen es Herstellern und Regulierungsbehörden, das Verbot effektiv zu ignorieren. Was bedeutet all das für die Tiere und was können wir dagegen tun?  

Was geschieht mit den Tieren?

Als direktes Resultat der Entscheidungen werden über 5.500 Ratten, Kaninchen und Fische in neuen Versuchen verwendet. Manchen von ihnen wird während der Schwangerschaft ein kosmetischer Inhaltsstoff wiederholt verabreicht. Die Tiere selbst und ihr Nachwuchs werden im Anschluss getötet und seziert.
 
Maus Tierversuche
Außerdem öffnen die Entscheidungen weiteren Tierversuchen Tür und Tor, denn jedes Jahr kommen hunderte neue Kosmetikprodukte auf den Markt, deren Inhaltsstoffe dann gegebenenfalls im Rahmen von REACH auch im Tierversuch getestet werden müssten – auf Kosten zigtausender Tiere.

Um welche Inhaltsstoffe handelt es sich?

Zwei kosmetische Inhaltsstoffe stehen im Zentrum der Beschwerde: Salicylsäure-2-ethylhexylester und Homosalat. Sie kommen in Sonnencremes und anderen Kosmetika zum Einsatz, um die Ultraviolettstrahlung UVB der Sonne zu absorbieren.

Von den aktuellen Entscheidungen der Beschwerdekammer der ECHA könnten zahlreiche Hersteller und Marken betroffen sein. Konsumenten sollten deshalb unbedingt auf Unternehmen und Marken von PETAs Liste tierversuchsfreier Kosmetik zurückgreifen. Dort sind über 500 in Deutschland erhältliche Unternehmen und Marken gelistet, die weltweit weder Tierversuche durchführen, noch in Auftrag geben oder in Kauf nehmen.

Aber müssen diese Inhaltsstoffe wirklich an Tieren getestet werden?

Die ECHA argumentiert, dass die Tests notwendig seien, um die Sicherheit von Arbeitern, die mit den Substanzen Kontakt haben könnten, zu gewährleisten. Doch die kosmetischen Inhaltsstoffe an tausenden Tieren zu testen, trägt nicht zum Schutz von Arbeitern bei – denn die Ergebnisse aus Tierversuchen können aufgrund von biologischen Unterschieden zwischen den Spezies nicht zuverlässig vorhersagen, wie Menschen auf eine Substanz reagieren.
 
Kaninchen Tierversuche

Sind Kosmetikversuche in Europa nicht verboten?

Seit 2013 sind Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe in der EU entsprechend der Kosmetikverordnung verboten. Der Europäische Gerichtshof stellte im Jahr 2016 zudem klar, dass auch der Verkauf kosmetischer Produkte, die sich zur Sicherheitsbewertung auf die Ergebnisse aus neu durchgeführten Tierversuchen stützen, in der EU verboten sind. Trotzdem fehlinterpretieren die ECHA, die EU-Kommission und nun auch die Beschwerdekammer der ECHA das Gesetz und untergraben die Verbote. Für die Tiere bedeutet das weiteres sinnloses Leid in Tierversuchen für Kosmetik.

Die Kosmetikverordnung ist von enormer politischer Bedeutung. Sie reflektiert außerdem den Willen der europäischen Öffentlichkeit und des EU-Parlaments. Den Menschen ist das Leben eines Tieres wichtiger als eine Tube Zahnpasta oder eine Flasche Sonnencreme. Das zeigt sich an den bahnbrechenden EU-Verboten von Tierversuchen für Kosmetik und vom Verkauf von Kosmetika, die auf Ergebnissen aus Tierversuchen basieren.

Tierversuche für in Kosmetika genutzte Inhaltsstoffe unter REACH zuzulassen, ignoriert die Kosmetikverordnung und untergräbt den Sinn und Zweck der Verbote völlig.
 
Tierversuche Kaninchen
Dabei wäre es so einfach: Um ein kosmetisches Produkt auf den Markt zu bringen, sollten ausschließlich tierfreie Methoden zum Einsatz kommen. Ist das in einem Fall nicht möglich, sollte der Inhaltsstoff nicht verwendet werden dürfen.

Was unternimmt PETA?

Seit wir 2014 enthüllen konnten, dass die ECHA und die EU-Kommission Tierversuche für Kosmetik weiterhin zulassen, arbeiten wir unermüdlich daran, diese schrecklichen Experimente zu stoppen. Wir üben Druck auf die EU-Kommission und die ECHA aus und fordern von ihnen, die Kosmetikverordnung und das darin enthaltene Verbot von Tierversuchen zu respektieren.

Das PETA International Science Consortium (Wissenschaftskonsortium) greift häufig in Fälle der Beschwerdekammer der ECHA ein und hilft Unternehmen damit, Tierversuche tatsächlich minimieren zu können. Die Beschwerdekammer hat die vom Wissenschaftskonsortium und von dem betroffenen Unternehmen vorgebrachten Argumente vorerst zurückgewiesen. Doch PETA UK und das Wissenschaftskonsortium prüfen nun alle Optionen, um eine Lösung zu finden.

PETA Deutschland und ihre internationalen Partnerorganisationen appellieren an alle Unternehmen, ihrer Verantwortung Rechenschaft zu tragen und auf humane, tierfreie Testmethoden zu setzen. Zudem können sie die Weiterentwicklung solcher Methoden finanziell unterstützen. Wir halten Firmen außerdem dazu an, Inhaltsstoffe zu nutzen, deren Sicherheit bereits nachgewiesen ist, oder die Rezeptur von Produkten so zu verändern, dass Inhaltsstoffe ausgeschlossen sind, die unter REACH an Tieren getestet werden müssen. Keine Tierversuche durchführen zu lassen, ist für jeden Hersteller eine realistische Option!

Die aktuellen Entscheidungen sind ein enormer Rückschritt. Dennoch sind wir entschlossener denn je, allen Tierversuchen für Kosmetika ein Ende zu setzen.

Was sie tun können

Bitte greifen Sie ausschließlich auf tierversuchsfreie Kosmetik und Haushaltsmittel zurück.

Helfen Sie uns dabei, der EU-Kommission und der ECHA zu zeigen, dass die Öffentlichkeit gegen Tierversuche ist: Fordern Sie sie auf, die Kosmetikverordnung zu respektieren und Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe unter allen Umständen zu untersagen!
 

PETAs Challenge gegen Tierversuche

Aktuell haben Sie eine besondere Chance – denn bis zum 31. Oktober wird Ihre Spende im Rahmen der Challenge „Tierversuche stoppen!“ für PETAs Projekte gegen Tierversuche bis zu einem Gesamtbetrag von 750.000 Euro VERDOPPELT. Ob 15, 25 oder 50 Euro: Dank der Verdopplung Ihrer Spende leisten Sie einen großartigen Beitrag für ein Ende der Folter in Versuchslaboren. Möchten Sie noch heute helfen?
 
 

Unsere Autoren

PETA Team

Unsere Blogbeiträge zu den Themenbereichen Tierrechte und Veganes Leben werden von Mitarbeitern von PETA Deutschland und externen Co-Autoren verfasst.