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Fake-Rescues auf Social Media: Inszeniertes Tierleid für Klicks und Spenden

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Ein verletztes Kätzchen, ein völlig entkräfteter Hund oder ein Affe, der verzweifelt um sein Leben kämpft: Auf Social Media stoßen Nutzer:innen immer wieder auf Videos, die scheinbar eine selbstlose Tierrettung zeigen. Die Aufnahmen lösen Mitgefühl aus, doch manche dieser Rettungen sind inszeniert.

Erfahren Sie in unserem Beitrag, wie Sie Fake-Rescues erkennen und was Sie dagegen tun können.

Inhaltsübersicht

Was sind „Fake-Rescues“?

Bei sogenannten „Fake-Rescues“ werden Tiere gezielt in gefährliche Situationen gebracht und Leid ausgesetzt, um sie anschließend vor laufender Kamera zu „retten“. Tiere werden beispielsweise in Löcher gesteckt, an Bahngleisen festgebunden, in Gewässer geworfen oder Angriffen anderer Tiere ausgesetzt. Umso gefährlicher, umso mehr Menschen liken, kommentieren und teilen die Videos – und desto größer können Reichweite und Einnahmen sein. [1]

Auf Social Media finden sich zahlreiche gefälschte Tierrettungsvideos

Wie groß das Problem inzwischen ist, zeigt eine Untersuchung der Social Media Animal Cruelty Coalition (SMACC). Das internationale Bündnis aus Tierschutzorganisationen untersuchte über einen längeren Zeitraum Inhalte auf Facebook, Instagram, YouTube, TikTok und X.

Das Ergebnis ist erschreckend. Die Organisationen dokumentierten 1.022 Links zu mutmaßlichen Fake-Rescue-Inhalten, die zusammen mehr als 572 Millionen Aufrufe erzielt hatten. Rund 52 % der gefundenen Inhalte stammten von Facebook und Instagram. Auch YouTube und TikTok spielten eine erhebliche Rolle. Bei 21 % der untersuchten Videos wurden die Zuschauer:innen direkt um Spenden gebeten.

Man sieht zwei Hände, welche unterschiedlichen Personen gehören, welche eine Hand einen Vogel hält und die Andere filmt.

Tiere werden für die perfekte Rettung in Gefahr gebracht

Die gefälschten Tierrettungsvideos folgen dabei häufig einem ähnlichen Muster: Ein Tier befindet sich scheinbar zufällig in einer lebensbedrohlichen Situation. Kurz darauf taucht ein „Retter“ auf und befreit das Tier. Gerade die dramatische Inszenierung soll Zuschauer:innen emotional an das Video binden und Mitleid auslösen.

Doch die vermeintliche Rettung ist häufig nur der zweite Teil der Geschichte: Das Tier wurde möglicherweise überhaupt erst in die Notlage gebracht, damit die Aufnahme entstehen konnte. Hunde und Katzen sind dabei meist die unfreiwilligen Stars der Fake-Rescues. Aber auch Affen, Reptilien, Vögel und andere Tiere werden für die dramatischen Aufnahmen missbraucht. [1]

Eine echte Tierrettung braucht keine Inszenierung. Tiere dürfen nicht verletzt, verängstigt oder in lebensbedrohliche Situationen gebracht werden, nur damit Menschen anschließend als Held:innen vor der Kamera auftreten können. Denn hinter einem emotionalen Happy End kann sich massives Tierleid verbergen.

Mitgefühl wird für Reichweite und Spenden ausgenutzt

Nutzer:innen sehen sich das Video länger an, schauen bis zur vermeintlichen Rettung, kommentieren, teilen es mit Freund:innen oder spenden. Genau diese Reaktionen können wiederum die Reichweite erhöhen. Damit wird Tierleid bei gefälschten Tierrettungsvideos zum Geschäftsmodell.

Eine wissenschaftliche Untersuchung von 241 mutmaßlich inszenierten Fake-Rescue-Videos zeigte, dass einzelne Videos mehr als 100 Millionen Aufrufe erreichten. Gleichzeitig konnten viele Zuschauer:innen offenbar nicht erkennen oder waren nicht ausreichend besorgt darüber, dass die Tiere in den Videos möglicherweise misshandelt wurden. Die Forschenden stellen deshalb infrage, ob die Verantwortung für die Eindämmung gefälschter Tierrettungsvideos allein den Nutzer:innen überlassen werden sollte. [2]

Woran lassen sich Fake-Rescues erkennen?

Nicht jedes dramatische Rettungsvideo ist automatisch gefälscht. Doch es gibt Warnsignale, bei denen Nutzer:innen besonders kritisch hinschauen sollten.

Verdächtig können unter anderem folgende Punkte sein:

  • Eine seriöse Tierschutzorganisation ist nicht erkennbar beteiligtE
  • Die gezeigte Situation wirkt ungewöhnlich oder unrealistisch
  • Das Profil verfügt über mehrere ähnliche „Rettungsvideos“
  • Es bleibt unklar, wie das Tier überhaupt in diese Situation geraten ist und wie es ihm nach der Rettung geht
  • Derselbe „Retter“ taucht in zahlreichen Videos auf
  • Dasselbe Tier ist in mehreren vermeintlichen Rettungen zu sehen
  • Die Kamera filmt das leidende Tier ungewöhnlich lange, obwohl eine unmittelbare Rettung möglich wäre
  • Es werden unmittelbar Spenden oder Geldzahlungen gefordert [1]

Was Sie tun können: Nicht liken, nicht teilen, nicht kommentieren

Wenn es um Fake-Rescues geht, ist es am besten, nicht mit ihnen zu interagieren. Kein Like, kein Kommentar und kein Teilen. Denn auch negative Kommentare können die Reichweite eines Videos erhöhen. Wer einen Verdacht auf eine inszenierte Tierrettung hat, sollte den Inhalt stattdessen der jeweiligen Plattform melden.

Doch nicht nur Tierquälerei im Internet sollte gemeldet werden. Wenn Sie im Alltag beobachten, dass Tiere misshandelt, vernachlässigt oder in Gefahr gebracht werden, ist es wichtig, nicht wegzusehen. Dokumentieren Sie den Vorfall nach Möglichkeit und melden Sie ihn über das Whistleblower-Formular von PETA Deutschland.