Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus: Zirkus-Aus nach 146 Jahren Tierausbeutung

Der Ringling Brothers Circus wurde 1884 in den USA als familiengeführter Zirkus gegründet. 1909 kauften die sieben Brüder einen weiteren Zirkus und fusionierten die beiden Unternehmen schließlich zum Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus. [1] Das Zirkusunternehmen Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus galt lange als der größte US-amerikanische Zirkus. Immer wieder stand das Unternehmen wegen Tierquälerei im Fokus der Öffentlichkeit – unter anderem legte ein ehemaliger Elefantendompteur Missstände offen. Anfang 2016 gab das Zirkusunternehmen bekannt, die Elefantendressur ab Mai desselben Jahres einstellen zu wollen. Im Mai 2017 gab der Zirkus schließlich den Betrieb gänzlich auf. [1]

Immer wieder Tierquälerei im wohl bekanntesten Zirkus der USA

Der Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus ist wohl der berühmteste der US-amerikanischen Zirkusgeschichte: So diente der Barnum & Bailey Circus beispielsweise als Vorlage für den Musicalfilm „The Greatest Showman“, in dem die Hintergründe allerdings verharmlost werden. Der Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus konnte nicht einmal die staatlichen US-Mindeststandards für die Haltung und Pflege von Tieren im Zirkus erfüllen, die im amerikanischen Tierschutzgesetz (AWA) festgelegt sind.

Im November 2011 wurde bekannt, dass die Muttergesellschaft von Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus eine Rekordstrafe von 270.000 US-Dollar wegen etlicher mutmaßlicher Verstöße gegen das US-amerikanische Tierschutzgesetz zahlen muss. PETA USA hat über 30 Jahre lang die Missstände bei Ringling Bros. and Barnum & Bailey angeprangert und in dem Rahmen auch Videoaufnahmen veröffentlicht, die zeigen, wie Elefanten von Mitarbeiter:innen des Zirkus geschlagen werden. Die Liste der teils gravierenden Missstände ist lang, immer wieder hat der Zirkus gegen das amerikanische Tierschutzgesetz verstoßen, auch Todesfälle und Ausbrüche von Tieren, die das US-Zirkusunternehmen zu verantworten hatte, waren keine Seltenheit.

Tierleid bei Ringling: Dompteur berichtet von Krankheiten und Tierquälerei

Aufnahmen von 2009 zeigen, wie Zirkustrainer:innen von Ringling Bros. and Barnum & Bailey Babyelefanten zu Tricks zwingen – und zwar nicht durch Belohnungen, wie meist behauptet wird: So wurden bereits sehr junge Elefantenbabys mit Elefantenhaken gezwungen, auf ein Podest zu klettern, während sie an Seilen festgebunden waren – teilweise kam sogar Strom zum Einsatz. Wenn keine Dressur stattfand, wurden die Tierkinder zum Teil gezwungen, etwa 23 Stunden angekettet auf kahlem Betonboden zu verbringen.

ringling brothers elefanten
Angekettet müssen die Elefanten auf kahlen Betonboden verbringen.

In dem US-Zirkus wurden selbst rund 4.000 Kilogramm schwere Elefanten dazu gebracht, sich hinzusetzen oder sogar einen Kopfstand zu machen. Damit die Elefanten diese „Kunststücke“ auf Kommando ausführen, brechen Dompteur:innen den Willen dieser Tiere , wenn sie noch verletzliche Jungtiere sind, die eigentlich bei ihrer Mutter sein sollten.

ringling brothers elefant
Mit Elefantenhaken werden die Elefanten zu „Kunststücken“ gezwungen.

Der ehemalige Elefantendompteur Sam Haddock, der zwischen 1997 und 2005 immer wieder für das Unternehmen gearbeitet hat, erhob schwere Vorwürfe gegen den Zirkus. Er selbst habe Babyelefanten des Zirkus trainiert und diese Entscheidung später schwer bereut. Der Elefantenwärter stellte PETA USA die unveröffentlichten Bilder zur Verfügung, um die Öffentlichkeit über das Leid der Tiere zu informieren und den Elefanten zu helfen.

In den 70er-Jahren begann Sam Haddock seine Zirkuskarriere bei Ringling als Elefantendompteur; 1978 verließ er den Zirkus und einige Wochen später wurde bei ihm aktive Tuberkulose diagnostiziert. Er war der Meinung, dass er sich bei den Elefanten mit der potenziell tödlichen Krankheit angesteckt hatte, da diese wegen Tuberkulose behandelt werden mussten. Selbst über 30 Jahre später steckten sich die Elefanten bei Ringling immer noch mit der Krankheit an und verstarben daran.

Als Haddock PETA USA kontaktierte, beschrieb er die Gewalt und die unvorstellbaren Grausamkeiten, die dort den Babyelefanten angetan wurden. Er sagte, er hätte schockierende Bilder, die all das beweisen würden. Kurz nachdem Haddock die Bilder und eine ausführliche Erklärung über die „Trainingsmethoden“ der Elefanten zur Verfügung gestellt hatte, starb er an den Folgen einer Krebserkrankung.

Todesfälle im Ringling Brothers Circus

Zwischen 1992 und 2016 kam es bei Ringling Bros. and Barnum & Bailey zu zahlreichen Todesfällen: Mehrere Elefanten mussten wegen Arthrose, die durch Fehlbelastungen begünstigt wird, und anderer gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden. Viele weitere Tiere starben, auch aufgrund von Fahrlässigkeit des Zirkuspersonals. Hier nur einige Beispiele:

  • Elefanten: 1998 wurde ein dreijähriger Babyelefant namens Kenny gezwungen, in Shows aufzutreten, obwohl er klare Krankheitsanzeichen aufwies. Dem Tierpflegebuch des Zirkus zufolge hatte Kenny „nichts gegessen und getrunken“ und „blutete aus dem Rektum… hatte Probleme zu stehen, war wackelig auf den Beinen, ging sehr langsam“. Die Aufzeichnung von 23:30 Uhr lautet: „Der Elefant war tot.“ 1999 starb der vierjährige Babyelefant Benjamin, der bereits im Alter von einem Jahr von seiner Mutter getrennt wurde. Benjamin ertrank, weil er versuchte, dem Trainer zu entkommen, der ihn mit einem Elefantenhaken stach. Zwischen 1999 und 2003 wurden außerdem sechs Aiatische Elefanten wegen Arthrose eingeschläfert. Im Sommer 2004 wurde der erst acht Monate alte Elefantenjunge Riccardo getötet, nachdem er schwere und irreparable Brüche an beiden Hinterbeinen erlitten hatte, als er von einem Zirkuspodest gefallen war. Riccardo war bei seiner Geburt im Dezember 2003 vergleichsweise klein. Er war der Sohn von Shirley, einer anderen Elefantin bei Ringling, die Riccardo in einem sehr jungen Alter auf die Welt brachte und nicht in der Lage war, ihr Baby zu stillen. Möglicherweise hatte Riccardo eine durch schlechte Ernährung verursachte Knochenstörung. Im Herbst 2004 wurde die 44-jährige Elefantendame Roma wegen Arthrose eingeschläfert – bei der Autopsie kam zudem heraus, dass sie Tuberkulose hatte.
  • Tiger: Ein Ringling-Trainer schoss 1998 fünfmal auf den Bengalischen Tiger Arnie, während dieser in seinem Käfig eingesperrt war. Der Dompteur tötete das Tier aus Rache, weil es den Bruder des Tiertrainers während eines Fotoshootings angriff. 2000 wurde ein Tiger wegen degenerativer Arthrose eingeschläfert.
  • Löwe: Einer eidesstattlichen Erklärung eines früheren Löwentrainers zufolge starb der zweijährige Löwe Clyde 2004 durch extreme Hitze während der Fahrt durch die Mojave Wüste in einem schlecht belüfteten Transportfahrtzeug. Vermutlich starb das Tier an einem Herzschlag oder an Dehydrierung.
  • Seelöwe: 1998 wurde der 12 Jahre alte, wild gefangene Seelöwe Gypsy tot in seinem Transportbehälter aufgefunden – in freier Wildbahn können Seelöwen bis zu 20 Jahre alt werden.
  • Zebra: 2010 brach das Zebra Lima aus dem Zirkus aus und lief über 40 Minuten durch Atlanta. Das Tier musste aufgrund seiner Verletzungen eingeschläfert werden, die es sich auf der Flucht zuzog.
  • Pferd: Während eines Tiermarschs im Februar 1999 in Norfolk, Virginia, kollabierte und starb ein Pferd. Obwohl den Tieren angeblich 24 Stunden am Tag eine tierärztliche Versorgung zur Verfügung stehen sollte, war niemand im Dienst, als das Pferd dringend medizinische Hilfe gebraucht hätte. Der Autopsie zufolge wusste Ringling über den schlechten Zustand des Tieres Bescheid und nahm es trotzdem mit zu dem Umzug.
  • Verstöße gegen Tierschutzgesetze

    Tuberkulose im Zirkus Ringling

    Der Ringling Brothers Circus hatte ein grundlegendes Tuberkulose-Problem – vor allem bei den Elefanten: Über die Jahre erkrankten zahlreiche Tiere an der hoch infektiösen Krankheit – auch Zirkuspersonal wurde einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Etwa die Hälfte der Elefanten in jeder Show soll an Tuberkulose erkrankt gewesen sein. [2] Immer wieder wurden im Zirkus auch andere Missstände dokumentiert, weshalb sich die Zirkusverantwortlichen wiederholt vor den amerikanischen Behörden rechtfertigen mussten. Regelmäßig wurden verletzte oder kranke Tiere dokumentiert, zum Beispiel 1998 drei lahmende Elefanten und ein Elefant mit Wunden an der Stirn. 1999 fielen bei einer Inspektion sieben Elefanten von Ringling mit zahlreichen Schnittwunden auf. Ein Zooveterinär, der Bilder dieser und anderer Verletzungen sah, schrieb: „Die Mehrheit der Wunden, die auf diesen Bildern zu sehen sind, sind frisch, wässernde Einstichwunden, verursacht durch einen Ankus oder einen Haken.“ 2006 ließen die Verantwortlichen einem Kamel mit zwei blutenden Wunden keine tierärztliche Versorgung zukommen.

    Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten und artwidrige Haltung

    Außerdem stand der Zirkus Ringling mehrfach in der Kritik, weil es an Beschäftigungsmöglichkeiten für Tiere wie Primaten fehlte und die Haltungsform nicht artgerecht war; die Primaten wurden einzeln gehalten und zeigten Anzeichen von Stereotypien (Titel: ) wie monotones Hin- und Herschaukeln, Weben und Zittern. Bereits 1993 wurde von der Behörde USDA kritisiert, dass die Bären im Zirkus zu wenig Platz haben. Gleiches galt für die Hundehaltung: Es wurden beispielsweise 2008 sechs Dackel tierschutzwidrig untergebracht und nicht ausreichend vor anderen Tieren geschützt. Bereits 1994 schrieb ein Inspekteur: „Tiere wurden mit anderen Tierarten untergebracht, die ihrer Gesundheit schaden und Stress auslösen können.“

    Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen

    Mehrfach wurde auch ein fehlender Sicherheitszaun bei gefährlichen Tieren bemängelt (2002, 2008) und dass die Gehege oft nicht richtig instand gehalten wurden: So versäumte Ringling die Instandhaltung des Hauptgeheges der Elefanten und Großkatzen in der Einrichtung des Zirkus in Williston, Florida. Die Einrichtungen befanden sich 2009 Aussagen zufolge nicht in einem Zustand, der Unfälle verhindern könnte. Bereits 1994 lud ein Inspekteur das Zirkusunternehmen vor, weil Elektrokabel in einem Löwenkäfig hingen, was zu Verletzungen oder zum Tod des Tieres hätte führen können.

  • Unfälle, Ausbrüche und gefährliche Situationen
    • Ein Elefant tötete 1993 in Florida einen Dompteur. Das Tier warf den 51-jährigen Trainer zu Boden und trat auf seine Brust.
    • 1995 biss ein Löwe einer Zirkusbesucherin den Zeigefinger ab. Drei Tiger flohen 1998 aus ihren Käfigen auf einem Parkplatz in Chicago. Ein Angestellter von Ringling wurde mit ernsthaften Bisswunden am ganzen Körper in ein Krankenhaus gebracht, als ihn einer der Tiger angriff.
    • Ein Elefantenwärter wurde 2005 während der Fütterung der Elefanten in der Ringling Zuchtstation in Florida umgeworfen und getreten. Er musste per Hubschrauber zu einem medizinischen Versorgungszentrum gebracht werden.
    • 2008 entkamen die Zebras Mali, Giza und Lima aus der Arena in Baltimore und liefen in den Verkehr. Die gleichen drei Zebras waren bereits im Juni 2007 bei einem Gastspiel in Colorado weggelaufen.
    • Im Februar 2010 lief während einer nachmittäglichen Show ein verschreckter Elefant hinter der Bühne in die falsche Richtung und brach durch das Haupttor der Arena aus. Ungefähr 100 Zuschauer:innen sahen den Elefanten durch das Tor auf sich zulaufen und nur wenige Meter von ihnen entfernt durch die Vorführungsarena poltern. Nur wenige Tage später riss sich das Zebra Lima in Atlanta von seinen Trainer:innen los und entkam dann durch eine Öffnung. Das Tier wurde 40 Minuten lang von der Polizei und Zirkuspersonal durch die Stadt gejagt, bevor es eingefangen werden konnte. Das Zebra wurde später aufgrund der Verletzungen von der Flucht euthanasiert.

Das Ende des Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus

2017 kündigte der Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus an, den Betrieb nach 146 Jahren aufzugeben. Als Grund nannte die Betreibergesellschaft unter anderem rückläufige Besucherzahlen und hohe Kosten. PETA USA hatte sich mehr als drei Jahrzehnte lang unerbittlich mit Demonstrationen, Kampagnen, Meldungen bei Behörden, Unterstützung durch Prominente und mehr dafür eingesetzt, um diesen bahnbrechenden Sieg zu erringen. Die Schließung von Ringling ist eine Bestätigung dafür, dass wir mit Entschlossenheit bedeutende Fortschritte für Tiere erzielen können.

Leider bedeutete das Aus des Zirkus nicht für alle Tiere ein Happy End: Der Raubkatzen-Dompteur Alexander Lacey trat seit 2011 bei Ringling Bros. and Barnum & Bailey in den USA auf und wollte 2017, nachdem Ringling den Betrieb einstellte, zurück nach Deutschland wechseln. Hier sollten die Tiere – darunter acht Tiger, sechs Löwen und ein Leopard – bei Zirkus Charles Knie und im Heilbronner Weihnachtscircus auftreten. Im September 2017 entkam beim Transport der Großkatzen innerhalb der USA die sechs Jahre alte Tigerdame Suzy jedoch von einem Lkw und wurde daraufhin erschossen.

Die Tage von Zirkussen mit Elefanten, Großkatzen und anderen Tieren sind gezählt

Im 21. Jahrhundert wollen die Menschen keine gefangenen, gequälten Tiere mehr sehen, die mit Peitschen und Ketten zum Gehorsam gezwungen werden: 2009 konnten wir gemeinsam mit zahlreichen Unterstützer:innen zum Beispiel erreichen, dass der Ringling Zirkus seine Deutschlandtour absagte und nicht wie geplant in Bremen, Leipzig, Frankfurt und Oberhausen auftrat.

Der Einsatz von Tieren zu Unterhaltungszwecken – zum Beispiel im Zirkus, Zoo oder Tierpark – hat keine Zukunft: Tiere sind nicht dazu da, uns zu unterhalten. Kein Tier möchte in Gefangenschaft leben, gewaltsam dressiert und zu Auftritten in der Manege gezwungen werden. In vielen Ländern sind Tiere – meist Wildtiere – im Zirkus bereits verboten. Auch in Deutschland ist ein solches Verbot längst überfällig.

Wie Sie Tieren im Zirkus helfen können

Bitte besuchen Sie keine Zirkusse oder andere Einrichtungen, in denen Tiere zur Unterhaltung von Menschen missbraucht werden. In Gefangenschaft leiden die Tiere unter Platz- und Bewegungsmangel sowie meist unter Einsamkeit und Stress. Viele Tiere sterben in Zirkussen lange vor ihrer natürlichen Lebenserwartung. Nutzen Sie stattdessen tierfreundliche Freizeitangebote.