Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich nie ausstrecken oder die Sonne auf Ihrer Haut spüren. Schlangen in Zoos erleben diese Realität jeden Tag. Sie leiden in kargen Glasterrarien, können sich kaum verstecken und sind enormem Stress hilflos ausgesetzt. Hier erfahren Sie, wie Zoos Schlangen für Profit ausnutzen – und was Sie tun können, um zu helfen.
Reptilienhaltung in Deutschland: Veraltete Haltungsvorgaben
Die Bedingungen für Schlangen und andere Reptilien sind in Deutschland durch die „Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien“ geregelt, die 1997 vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft veröffentlicht wurden. [1] Die Haltungsvorgaben sind also schon über 25 Jahre alt und berücksichtigen nicht die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die komplexen Verhaltensweisen und spezifischen Ansprüche von Reptilien. Dies führt dazu, dass die tatsächlichen Haltungsbedingungen in vielen Einrichtungen hinter den Bedürfnissen der Tiere zurückbleiben und Schlangen häufig unter unvorstellbaren Zuständen leiden müssen.
Schlangen im Zoo: Nicht einmal Platz zum Ausstrecken
Pythons und Boas – die häufigsten Schlangen in Zoos – können über 5 Meter lang werden. In der Natur durchstreifen sie teilweise mehrere Quadratkilometer. In Zoos werden sie jedoch oft in beengten Gehegen gehalten, in denen sie sich nicht einmal vollständig ausstrecken können. Es ist falsch anzunehmen, dass Schlangen keinen Platz zum Ausstrecken oder Erkunden benötigen oder dass sie sesshafte Tiere sind. Die Möglichkeit, sich vollständig auszustrecken, ist vielmehr ein Grundbedürfnis und für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden von elementarer Bedeutung. Auch Schlangen sind aktive Tiere, die Platz benötigen, um ihre natürlichen Verhaltensweisen und ihren Bewegungsdrang auszuleben.
Schlangen in unzureichenden Gehegen zischen oft, zucken schnell mit ihrem Körper, versuchen zu fliehen, indem sie sich gegen die Begrenzungen ihres Geheges drücken und zeigen andere Verhaltensstörungen. Der chronische Stress durch die Gefangenschaft kann ihr Immunsystem schwächen, was zu Krankheiten, Infektionen, Fettleibigkeit und sogar zum Tod führen kann.
Teilweise beherbergen Zoos mehrere große Schlangen in Terrarien, die selbst für eine einzelne Schlange zu klein sind. Das kann Aggressionen sowie Kämpfe um Territorium und Nahrung auslösen und zu Verletzungen oder Unterernährung führen.
Schlangen können den Menschenmengen im Zoo nicht ausweichen
Schlangen sind sensible, meist einzelgängerische Tiere, die in der Natur den Kontakt mit Menschen meiden. In Zoos werden die Schlangen den ganzen Tag über zur Schau gestellt – oft in trostlosen Gehegen, in denen sie sich nicht unter der Erde vergraben oder im Laub tarnen können, um den Besuchenden zu entkommen. Die scheuen Tiere empfinden mit großer Wahrscheinlichkeit Angst und Unruhe, da sie keine Möglichkeit haben, vor wahrgenommenen Bedrohungen wie lauten Menschenmengen und blitzenden Kameras zu fliehen. Schlangen reagieren besonders empfindlich auf Lärm und Vibrationen, sodass diese Umgebungen für sie sehr beunruhigend sein dürften.
Einige Einrichtungen zwingen Schlangen sogar zu unnatürlichen Begegnungen mit Menschen, bei denen es zu direktem Kontakt kommt. Das ist für alle Beteiligten gefährlich. Diese grausamen öffentlichen Interaktionen sind für die Tiere sehr stressig und machen sie anfällig für Krankheiten und Verletzungen. Außerdem übertragen Reptilien mitunter auch Krankheiten auf den Menschen, die für ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Immungeschwächte schnell zu einer bedrohlichen Gefahr werden können.
Karge Gehege ohne Beschäftigungsmöglichkeiten und Wasserbecken
Einige Schlangenarten leben in der Natur in Baumkronen, während andere im Wasser und in der Nähe von Ufern oder Feuchtgebieten zuhause sind. In Freiheit können Schlangen schwimmen, auf Bäume hinaufkriechen oder auf Felsen klettern – was in kargen Gehegen in Zoos oft unmöglich ist. Ohne angemessene Bedingungen leiden diese aktiven Tiere in vielen Fällen unter körperlichen und psychischen Belastungen.
Wasserschlangen wie Anakondas verbringen in der Natur die meiste Zeit im Wasser – aber in zoologischen Einrichtungen haben sie selten ein Wasserbecken, das groß genug ist, um richtig zu schwimmen.
Schlangen benötigen eine feuchte Umgebung, um ihre Haut abzuwerfen. Das Fehlen einer ausreichenden Wasserquelle kann diesen Prozess daher unglaublich schmerzhaft machen und zu Infektionen führen.
Gefährliche Haltungsfehler im Zoo: Artgerecht ist nur die Freiheit
In der Natur wärmen sich Schlangen in der Sonne und graben sich zur Abkühlung unter der Erde ein – mit anderen Worten, sie nutzen ihre Umgebung, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. In Gefangenschaft lebende Schlangen sind jedoch auf künstliche Wärmequellen angewiesen, um warm zu bleiben, und benötigen bestimmte Feuchtigkeitsbereiche, um gesund zu bleiben. Sie brauchen genügend Platz, um sich von der Wärmequelle zu entfernen und sich abzukühlen. Sind diese Bedingungen nicht ausreichend erfüllt, führt das vielfach zu Unterkühlung, Beeinträchtigung des Immunsystems und sogar zum Tod.
Schlangen können unter schmerzhaften Gesundheitsproblemen wie Mundfäule, Infektionen, Parasiten, Verbrennungen und Wunden leiden. Da Schlangen nicht weinen oder auf andere Weise Schmerzen ausdrücken, die Menschen leicht erkennen können, bleibt ihr Leiden oft unbemerkt.
Zoos sind nicht in der Lage, Schlangen eine natürliche und artgerechte Umgebung zu bieten. Nur in der Natur ist es ihnen möglich, ihren arteigenen Bedürfnissen wirklich nachzugehen.
Was Sie tun können, um Schlangen zu helfen
Schlangen sind komplexe Lebewesen, die Schmerz und Angst empfinden – sie wollen ihr Leben nicht in einem Glaskasten verbringen. Bitte besuchen Sie keine Zoos und anderen Einrichtungen, die Tiere ausbeuten. Informieren Sie sich über das Leid der Tiere in Zoos und klären Sie Freund:innen, Familie und Bekannte über die Zustände auf.
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Quellen
[1] Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft (1997): Gutachten der Sachverständigengruppe über die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien, https://www.bmleh.de/DE/themen/tiere/tierschutz/haltung-reptilien.html#:~:text=1.,%22%20bezeichnet)%20aufrecht%20zu%20erhalten (eingesehen am 30.09.2025)