Wenn Kaninchen glücklich sind, schnurren sie. Sind sie aufgeregt, springen sie in die Luft. Doch weltweit werden zahllose dieser Tiere in Tierversuchen gequält – allein in europäischen Laboren Hunderttausende. Der Mensch nutzt die sanfte Natur der Kaninchen aus; für Experimentator:innen sind die Tiere einfach in der Handhabung: Man kann sie ohne große Gegenwehr einsperren, sie züchten und einem Leben voller Schmerz und Angst aussetzen. Dabei sind Tierversuche nicht nur grausam, sondern auch schlechte Wissenschaft. Werden die so gewonnenen Ergebnisse auf den Menschen übertragen, kann das schwerwiegende Folgen haben.
Allein im Jahr 2022 wurden in der EU und Norwegen über 370.000 Kaninchen für Experimente missbraucht.[1] Hier einige Beispiel dafür, wie diese grausamen Versuche aussehen – und was Sie dagegen tun können:
1. Chemikalien in den Magen gepumpt
Im sogenannten Repeat-Dose-Toxicity-Test werden Kaninchen über Wochen oder sogar Monate wiederholt mit Chemikalien vollgepumpt. Experimentator:innen fixieren die Tiere, führen eine Spritze oder einen Schlauch zur Zwangsernährung in Hals und Magen ein und verabreichen den Tieren so eine potenziell toxische Chemikalie direkt in den Magen. Die Chemikalien können
- Schmerzen,
- Schwellungen,
- Blutungen,
- Zittern,
- Organversagen
- und den Tod
auslösen, denn sie schädigen Leber, Nieren, Lunge, Herz, Nervensystem und andere Körperteile der Tiere.

2. Schwangere Tiere mit Chemikalien zwangsernährt und ihre Babys getötet
Ähnlich wie die Repeated-Dose-Toxicity Test, werden auch sogenannte Entwicklungs-Toxizitäts-Tests gemacht. Sie sollen Auswirkungen von Chemikalien auf die Entwicklung von Nachwuchs ermitteln und machen mit über 70 Prozent den größten Teil der gesetzlich vorgeschriebenen Versuche an Kaninchen aus. Allein 2022 wurden in der EU hierfür knapp 30.000 Kaninchen missbraucht.
- Die Experimentator:innen verabreichen männlichen und weiblichen Kaninchen die zu testende Substanz über mehrere Wochen hinweg – häufig mittels Zwangsernährung direkt in den Magen.
- Das Ziel ist es, dass die so vergifteten Tiere Nachkommen zeugen,
- und die schwangeren Tiere dann auch während der Schwangerschaft und Stillzeit weiter mit der Substanz dosiert werden.
- Auch die Nachkommen werden bis ins Erwachsenenalter weiter vergiftet, bis sie selbst Kinder bekommen.
Einige der schwangeren Kaninchen werden dabei vor der Geburt getötet und ihre Babys seziert. Die Chemikalien können Geburtsschäden, Fehlgeburten und unermessliches Leid bei der Mutter und den ungeborenen Kindern verursachen.

3. Reizende Produkte auf Augen aufgetragen
Beim Draize-Test werden Kaninchen Substanzen ins Auge getropft, um zu schauen, ob sie die Augen irritieren oder gar verätzen:
- Die Augen können anschwellen,
- brennen,
- rot werden
- und teils bluten,
- einige Tiere erblinden gar an den Folgen.
Bei einer weiteren Variante dieser Tierquälerei werden Kaninchen rasiert und Substanzen werden auf die Haut aufgetragen, um zu schauen, ob die Substanz potenziell Rötungen bzw. Verätzungen auslösen können. Es können sich Geschwüre, blutige Krusten und Narben bilden und nach dem Abschluss des Versuches werden die Kaninchen oft getötet.
Glücklicherweise gibt es für diese Tests mittlerweile tierfreie Alternativen. Doch für gewisse Medizinprodukte (z.B. Hautimplantate wie Herzschrittmacher oder Augentropfen) werden immer noch Kaninchen missbraucht.

4. Atemprobleme, Organversagen und Injektionen mit Todesfolge
Für den Kaninchen-Pyrogentest fixieren Experimentator:innen Kaninchen, injizieren ihnen eine Testsubstanz und prüfen ihre Körpertemperatur auf Veränderungen. Die Tiere leiden teils unter Fieber, Atemproblemen, Kreislauf- und Organversagen oder erleiden sogar einen tödlichen Schock.
Obwohl es ihn schon seit den 1940er-Jahrem gibt, wurde der Kaninchen-Pyrogentest nie offiziell auf seine Verlässlichkeit überprüft. Dabei gibt es sogar eine Reihe gut dokumentierter wissenschaftlicher Probleme mit diesem Test, z. B. deutliche Unterschiede zwischen der körperlichen Reaktion von Menschen und Kaninchen auf Pyrogene. [2]
Auch für diesen Test gibt es eine Alternative, die schon 1988 entwickelt wurden. Seit 2025 ist der Kaninchen-Pyrogentest auch nicht mehr im Europäischen Arzneimittelbuch gelistet – das heißt, er gilt offiziell nicht mehr als Standard zur Überprüfung auf fieberinduzierende Stoffe. Er wird jedoch noch für Medizinprodukte wie zum Beispiel Dentalschrauben angewandt.
Wir von PETA Deutschland und unsere internationalen Partnerorganisationen arbeiten beständig daran, dass zukünftig gar keine Tiere mehr im Labor leiden müssen, auch nicht für Medizinprodukte.
Der Pyrogentest ist ein besonders gutes Beispiel dafür, dass trotz vorhandener tierversuchsfreier Methoden Tierversuche durchgeführt werden. Bereits 1988 wurde ein auf menschlichen Immunzellen basierender Test entwickelt. 2006 wurde dieser Monozyten-Aktivierungstest (MAT) vom Europäischen Zentrum für die Validierung von Alternativmethoden (ECVAM) und dem Interagency Coordinating Committee on the Validation of Alternative Methodes (ICCVAM) empfohlen. [3] Vier Jahre später wurde der MAT ins Europäische Arzneibuch als Ersatzmethode für den Kaninchen-Pyrogentest aufgeführt. Dennoch wurde der Kaninchen-Pyrogentest 14 weitere Jahre durchgeführt und erst 2024 – also 36 Jahre nach Entwicklung des tierfreien Tests – aus dem Europäischen Arzneibuch gelöscht. [4]

Diese Versuche sind wissenschaftlich nicht haltbar
Tierversuche sind moralisch nicht vertretbar – und wissenschaftlich betrachtet zudem eine Sackgasse. Es ist kaum möglich und absolut unzuverlässig, Testergebnisse von Tieren auf Menschen zu übertragen. Denn zwischen den Spezies bestehen erhebliche biologische, physiologische und metabolische Unterschiede.
Moderne tierfreie Versuche sind bereits verfügbar
Es gibt schlichtweg bessere Optionen als Tierversuche, um neue Medikamente und Behandlungsmethoden für Krankheiten zu entwickeln, etwa auf menschlichem Gewebe basierende Forschungsmethoden, hochmoderne High-Fidelity-Patientensimulatoren, Computermodelle oder epidemiologische Studien. Diese innovativen Methoden sind nicht nur zuverlässiger, sie sind auch präziser und natürlich tierfreundlicher.
Machen Sie sich gegen Tierversuche stark, indem Sie nur tierversuchsfreie Produkte kaufen und unsere Arbeit gegen Tierversuche unterstützen:
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Quellen
[1] Summary Report on the Statistics on the Use of Animals for Scientific Purposes in the Member States of the European Union and Norway in 2022.; Jula 19, 2024. Accessed February 4, 2026. https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-12496-2024-INIT/en/pdf.
[2] Cirefice G, Schütte K, Spreitzer I, et al. The future of pyrogenicity testing: Phasing out the rabbit pyrogen test. A meeting report. Biologicals. 2023;84:101702. doi:10.1016/j.biologicals.2023.101702
[3] Schindler S. Development, validation and applications of the monocyte activation test for pyrogens based on human whole blood. ALTEX. 2009;26(4):265-277. doi:10.14573/altex.2009.4.265
[4] Council of Europe. Ph. Eur. bids adieu to rabbit pyrogen test in its monographs. European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare. https://www.edqm.eu/en/-/ph.-eur.-bids-adieu-to-rabbit-pyrogen-test-in-its-monographs. Published July 19, 2024.
