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In-vitro-Burger – das Fleisch aus dem Labor

 
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Wie Wissenschaftler und neuste Technologien den Tieren helfen können.

Stand Juni 2017
Viele Menschen, denen Tier- und Klimaschutz wichtig sind, erhoffen sich, dass kultiviertes Fleisch einen Ausweg aus der industrialisierten Tierhaltung darstellen könnte. Ein Stück Fleisch ohne das damit verbundene Tierleid zu produzieren, ohne das Schwänzekupieren, Schnäbelkürzen, Einsperren in Käfigen oder auf dreckigen Spaltenböden, ohne das enorme Leiden bei den Transporten und im Schlachthof, ohne die enorme Umweltverschmutzung und Klimabelastung – das wäre wirklich ein riesiger Fortschritt.
 
Aus diesem Grund hatte PETA USA schon 2008 einen Preis in Höhe von 1 Million Dollar für denjenigen ausgeschrieben, der tierleidfreies Hähnchenfleisch auf den Markt bringt. Obwohl letztendlich niemand den Preis gewinnen konnte, hat die Forschung seitdem enorme Fortschritte verzeichnet.

Vom ersten Konzept bis zur Marktreife

Das „Proof of Concept“, also der Machbarkeitsnachweis, für kultiviertes Fleisch wurde der Öffentlichkeit 2013 vorgestellt. Im August dieses Jahres präsentierte Mark Post von der Universität Maastricht während einer per Livestream übertragenen Pressekonferenz den ersten Burger aus der Petrischale. Für diesen Burger waren Stammzellen von einem Rind entnommen und zu Muskelfasern herangezüchtet worden. Der Preis damals: stolze 250.000 Euro pro Burger. Doch schon 2015 gab das Start-up-Unternehmen Mosa Meat, das mit Mark Post kooperiert, bekannt, dass der Preis auf umgerechnet ca. 70 Euro pro Burger gesenkt werden konnte. 2017 liegt er bei nur noch rund 10 Euro.
 
Gemeinsam mit seinem Team arbeitet Post zurzeit an der Verfeinerung des Produktionsprozesses, an der Qualität des Produktes wie auch an der Kosteneffizienz – denn nur, wenn das Fleisch günstig genug sein wird, kann es auch wirklich eine Alternative zu konventionell hergestelltem Fleisch bieten.

In dem Werbespot des amerikanischen Unternehmens Memphis Meats kann man bereits ein sehr „echt“ aussehendes Fleischbällchen sehen. Die dafür vermehrten Muskelzellen stammen vor allem von Schweinen und Rindern und sollen ein Produkt garantieren, dass in Geschmack, Struktur und Eigenschaften nicht von konventionellem Fleisch zu unterscheiden ist. Eine Vorreiterrolle spielt die Firma bei der Entwicklung von Geflügelfleisch: 2017 stellte Memphis Meats erstmals Hähnchen- und Entenfleisch aus Zellkulturen vor.
 
Auch das israelische Startup Supermeat arbeitet zurzeit an der Entwicklung von Fleisch, das Milliarden von Hähnchen das Leben retten könnte. Das Unternehmen hat sogar die Vision, dass Verbraucher das Fleisch für den eigenen Bedarf irgendwann zuhause ganz einfach selbst herstellen können. Damit wäre es möglich, die enorme Lebensmittelverschwendung zumindest teilweise einzudämmen.
 
Sowohl Mosa Meat wie auch Memphis Meats gehen davon aus, dass das erste Fleisch aus „zellularer Landwirtschaft“ Anfang des kommenden Jahrzehnts erhältlich sein wird. Die Produktion für den Markt wird dann übrigens nicht mehr im Labor stattfinden, sondern vielmehr in einer Art Brauerei, in der das Fleisch in großen Behältern hergestellt wird.

Neue Generation von Alternativen auf Pflanzenbasis

Obwohl kultiviertes Fleisch zum Synonym von Alternativen zu konventionell produziertem Fleisch geworden ist, gibt es weit mehr modern produzierte Lebensmittel, die bereits heute erhältlich sind.
 
Der Impossible Burger von Impossible Foods ist von einem Burger aus Fleisch optisch kaum zu unterscheiden. Das ist auch das Ziel des Unternehmens – ein Burger, der selbst überzeugte Fleischesser anspricht. Die Wissenschaftler haben zahlreiche Pflanzen erforscht und sind zu dem Schluss gekommen, dass Häm-Moleküle ausschlaggebend für den Geruch und Geschmack von Fleisch sind. Der Burger basiert auf pflanzlichem Eiweiß, das dieses Molekül enthält, in Verbindung mit genau ausgesuchten Fetten, Vitaminen und Aminosäuren. So entsteht ein Produkt, das laut den Wissenschaftlern auf molekularer Ebene Fleisch sehr ähnlich ist, daher wie Fleisch aussieht und schmeckt. Im Juli 2016 wurde der Impossible Burger erstmals in einem kleinen Restaurant in New York angeboten. Die Beurteilung einer Food-Journalistin: Er schmeckt wie Fleisch und ist „sehr, sehr gut“.
 
Seither hat das Unternehmen sein Angebot deutlich ausgebaut und bietet seine Produkte inzwischen in mehreren US-Städten an. 2017 gab Impossible Foods bekannt, nach Hongkong expandieren zu wollen. Für das gleiche Jahr ist eine erste Produktionsstätte mit einer Kapazität von 1 Millon Pfund Pflanzenfleisch im Monat geplant. Pat Brown, CEO von Impossible Foods, gab bekannt, dass er in 20 Jahren 50 % des Weltbedarfs an Fleisch mit seinen Produkten abdecken möchte.

Auch deutsche Wissenschaftler forschen an Alternativen. 2014 erhielt ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts in Freising den Deutschen Zukunftspreis für ein Verfahren, das erstmalig die Verwendung von Lupinen für die Lebensmittelproduktion möglich macht. Bislang wurde die vielerorts regional angebaute Hülsenfrucht wegen ihres unangenehmen Eigengeschmacks in dem Bereich nicht berücksichtigt. Den Forschern gelang es jedoch, die chemischen Verbindungen, die für das bittere und bohnige Aroma verantwortlich sind, zu erkennen und zu isolieren. Das Ausmaß des Durchbruchs ist im Supermarkt sichtbar: Schon heute sind aus Lupinen hergestellte Drinks, Frischkäse, Jogurts, Eis, Fleischalternativen und Aufstriche problemlos erhältlich.

99 % weniger Platz, 90 % weniger Wasser

In Zukunft werden wir tierische Produkte konsumieren, ohne dass dafür Tiere leiden müssen. Kultiviertes Fleisch ist aber nicht nur eine Riesenchance für Milliarden von Tieren, die dann für den menschlichen Fleisch- und Milchverzehr nicht mehr getötet werden. Vor allem ist es eine Chance für unser Klima, denn eine Abkehr von der Tierhaltung würde den Planeten wieder aufatmen lassen. Die Produktion von kultiviertem Fleisch verbraucht 99 % weniger Land, ca. 90 % weniger Wasser und hat eine bessere Klimabilanz als jegliche Form der Tierhaltung. Diese Produkte werden eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen.
 
Bekannte Visionäre haben diesen Trend frühzeitig erkannt: Google-Gründer Sergey Brin hat Mark Posts Team schon 2013 mit 250.000 Euro unterstützt; Bill Gates, der Gründer von Microsoft, unterstützt sowohl Beyond Meat und Hampton Creek wie auch Impossible Foods. Doch bereits 2016 kaufte Tyson Foods, eines der größten Schlachtunternehmen der Vereinigten Staaten, Anteile an Beyond Meat. Somit wird auch in den USA ein Trend sichtbar, der aus Deutschland und anderen Ländern bekannt ist.
 
Schon heute gibt es in jedem deutschen Supermarkt Alternativen für alle, die sich tierleidfrei ernähren wollen. Eine Zusammenstellung finden Sie hier.

Was Sie tun können

Zwar wird es noch ein wenig dauern, bis nachhaltiges Fleisch auf unseren Tellern landet, aber schon jetzt kann jeder und jede den Tieren helfen. Nehmen Sie an unserem Veganstart-Programm teil und erfahren Sie, wie einfach es ist, tierleidfrei zu leben.