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In-vitro-Burger – das Fleisch aus dem Labor

Wie Wissenschaftler und neuste Technologien den Tieren helfen können.

Stand Oktober 2016
Viele Menschen, denen Tier- und Klimaschutz wichtig sind, erhoffen sich, dass Laborfleisch einen Ausweg aus der industrialisierten Tierhaltung darstellen könnte. Ein Stück Fleisch ohne das dazugehörende Tierleid zu produzieren, ohne das Schwänzekupieren, Schnäbelkürzen, Einsperren in Käfigen oder auf dreckigen Spaltenböden, ohne das enorme Leiden bei den Transporten und im Schlachthof, ohne die Umweltverschmutzung und Klimabelastung – das wäre wirklich ein riesiger Fortschritt.
 
Aus diesem Grund hatte PETA USA schon 2008 einen Preis in Höhe von 1 Million Dollar für denjenigen ausgeschrieben, der tierleidfreies Hähnchenfleisch im Labor produziert. Obwohl letztendlich niemand den Preis gewinnen konnte, hat die In-vitro-Forschung seitdem enorme Fortschritte verzeichnet. Dennoch stehen die Wissenschaftler weiterhin vor großen Herausforderungen.

Das Rennen um den ersten Labor-Burger

Medial kam der endgültige Durchbruch für In-vitro-Fleisch 2013. Im August dieses Jahres präsentierte Mark Post von der Universität Maastricht nämlich während einer per Livestream übertragenen Pressekonferenz den ersten Burger aus der Petrischale. Für den Burger wurden Stammzellen von einem Rind entnommen und zu Muskelfasern herangezüchtet. Der Preis damals: 250.000 Euro pro Burger. Doch schon 2015 gab das Start-up-Unternehmen Mosa Meat, das mit Mark Post kooperiert, bekannt, dass der Preis auf umgerechnet ca. 70 € pro Kilogramm gesenkt werden konnte.
 
Die öffentliche Verkostung des Burgers hat gezeigt: Ganz perfekt war er noch nicht. Die Testpersonen lobten zwar die Textur, aber der Mangel an Fett galt als Kritikpunkt. Deshalb wird intensiv daran geforscht, wie dem Patty im Produktionsprozess Fett zugesetzt werden kann. Das Produkt soll 2020 marktreif sein.
 
Ob das Team um Mark Post aber tatsächlich das erste sein wird, das einen Burger aus dem Labor auf den Markt bringt, ist ungewiss. In den letzten Jahren haben die Wissenschaftler aus Maastricht nämlich mächtig Konkurrenz bekommen.

In dem Werbespot des Start-up-Unternehmens Memphis Meats kann man bereits ein sehr „echt“ aussehendes Fleischbällchen sehen, das in den nächsten Jahren auf den Markt kommen soll. Die dafür vermehrten Muskelzellen stammen vor allem von Schweinen und Rindern und sollen ein Produkt garantieren, dass in Geschmack, Struktur und Eigenschaften nicht von konventionellem Fleisch zu unterscheiden sein soll.
 
Ein anderes Start-up-Unternehmen aus den USA, Modern Meadow, entwickelt dank DNA-Modifikation und In-vitro-Vermehrung Kollagen, das der Hauptbestandteil von Haut ist. Dadurch wird es möglich, Leder – und in Zukunft auch Fleisch – ganz ohne Tierleid zu produzieren.

Cutting-edge-Alternativen auf Pflanzenbasis

Obwohl Laborfleisch zum Synonym für In-vitro-Fleisch geworden ist, werden in Laboren auch vollkommen pflanzliche Alternativprodukte produziert.
 
Der Impossible Burger von der Firma Impossible Foods ist von einem Burger aus Fleisch optisch kaum zu unterscheiden. Das ist auch das Ziel des Unternehmens – einen Burger zu schaffen, der selbst überzeugte Fleischesser anspricht. Die Wissenschaftler haben zahlreiche Pflanzen erforscht und sind zu dem Schluss gekommen, dass Häm-Moleküle ausschlaggebend für den Geruch und Geschmack von Fleisch sind. Der Burger basiert auf pflanzlichem Eiweiß, das dieses Molekül enthält, in Verbindung mit genau ausgesuchten Fetten, Vitaminen und Aminosäuren. So entsteht ein Produkt, das laut den Wissenschaftlern auf molekularer Ebene Fleisch sehr ähnlich ist, daher wie Fleisch aussieht und schmeckt. Im Juli 2016 wurde zum ersten mal der Impossible Burger in einem kleinen Restaurant in New York angeboten. Die Beurteilung einer Food-Journalistin: Er schmeckt wie Fleisch und ist „sehr, sehr gut“.

Doch es wird nicht nur nach Alternativen zu Fleisch geforscht. Das Start-up-Unternehmen Muufri arbeitet gerade an einer Milch, die nicht nur genau wie Kuhmilch schmecken und die gleichen physikalischen Eigenschaften besitzen, sondern auch von der chemischen Zusammensetzung her gleich sein soll. Der Unterschied: Für die Muufri-Milch muss kein Tier leiden – sie entsteht zu 100 % im Labor. In Hefezellen wird eine DNA-Sequenz von Rindern eingefügt, die Kulturen werden hochgezüchtet und nach wenigen Tagen können Milchproteine entnommen werden. Diese werden dann mit pflanzlichen Fetten vermischt, die auf molekularer Ebene so angepasst wurden, dass sie der Fettstruktur in Milch ähnlich sind. Das Ganze wird mit Mineralstoffen wie Calcium oder Kalium sowie Zucker versetzt. Der Vorteil: Da alle Bestandteile streng kontrolliert werden, kann beispielsweise Laktose, gegen die viele Menschen allergisch sind, vermieden werden. Auch die Herstellung von hochwertigen veganen Käseprodukten wird in Zukunft möglich sein.
 
Auch deutsche Wissenschaftler forschen an Alternativen. 2014 erhielt ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts in Freising den Deutschen Zukunftspreis für ein Verfahren, das erstmalig die Verwendung von Lupinen für die Lebensmittelproduktion möglich macht. Bislang wurde die vielerorts regional angebaute Hülsenfrucht wegen ihres unangenehmen Eigengeschmacks in dem Bereich nicht berücksichtigt. Den Forschern gelang es jedoch, die chemischen Verbindungen, die für das bittere und bohnige Aroma verantwortlich sind, zu erkennen und zu isolieren. Das Ausmaß des Durchbruchs ist im Supermarkt sichtbar: Schon heute sind aus Lupinen hergestellte Drinks, Frischkäse, Jogurts, Eis, Fleischalternativen und Aufstriche problemlos erhältlich.

Produkte für die Zukunft

In Zukunft werden wir tierische Produkte konsumieren, ohne dass dafür Tiere leiden müssen. In-vitro-Fleisch ist aber nicht nur eine Riesenchance für Milliarden von Tieren, die dann für den menschlichen Fleisch- und Milchverzehr nicht mehr getötet werden. Vor allem ist es eine Chance für das Klima: Eine Abkehr von der Tierhaltung würde den Planeten wieder aufatmen lassen. Die Produktion von Laborfleisch ist deutlich klimaneutraler als jegliche Form der Tierhaltung – einer der Hauptfaktoren für den Klimawandel. Deshalb wird In-vitro-Fleisch auf jeden Fall Teil eines nachhaltigen und tierfreundlichen Wandels in der Nahrungsmittelproduktion sein.
 
Diesen Trend scheinen auch Visionäre in anderen Bereichen zu erkennen: Google-Gründer Sergey Brin hat Mark Posts Team schon 2013 mit 250.000 Euro unterstützt; Bill Gates, der Gründer von Microsoft, unterstützt sowohl Beyond Meat und Hampton Creek, wie auch Impossible Foods.
 
Es findet ein regelrechter Wettlauf darum statt, wer als erstes seine High-Tech-Produkte aus dem Labor auf den Markt bringen wird. Doch auch bis es soweit ist, muss niemand warten, denn schon heute gibt es unglaubliche Produkte wie Beyond Meat oder die Mayo von Hampton Creek, die tierischen Produkten im Geschmack sehr nahe kommen. Auch auf dem deutschen Markt gibt es bereits in jeden Supermarkt Alternativen für alle, die sich tierleidfrei ernähren wollen. Eine Zusammenstellung finden Sie hier.

Was Sie tun können

Zwar wird es noch ein wenig dauern, bis In-vitro-Fleisch auf unseren Tellern landet, aber schon jetzt kann jeder und jede was für die Tiere tun. Nehmen Sie an unserem Veganstart-Programm teil und erfahren Sie, wie einfach es ist tierleidfrei zu leben.