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Zootierhandlungen: Tierqual zu Dumpingpreisen


Zoohandlungen nutzen die niedliche Wirkung, die von jungen Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde- und Katzenwelpen sowie vielen anderen Tieren ausgeht – ebenso wie die exotische Faszination von Reptilien und Amphibien. Mit diesen Tieren ist ein lukratives Geschäft zu machen, denn der Handel mit sogenannten Heimtieren wächst seit Jahren. 31 Millionen Tiere leben derzeit in deutschen Haushalten – jene in Terrarien oder Aquarien nicht mitgezählt. (1) Der Gesamtumsatz der Heimtierbranche beträgt 3.707 Milliarden Euro pro Jahr. (2) Das unvorstellbare Leid aber, für das diese Branche verantwortlich ist, ist für Außenstehende nicht erkennbar. Da in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern spezifische gesetzliche Regelungen für den Zoohandel fehlen, befinden sich jährlich Millionen Lebewesen in einem quasi „rechtsfreien Raum“. Sie sind der Willkür und Profitmaximierung einiger Menschen unterworfen, die sie als „Stückware“ anpreisen.

Woher kommen die Tiere?
Zoohandlungen schaffen in der Regel keine Transparenz über die Herkunft ihrer Tiere. Vermutlich sollen Massenzuchtanlagen vor dem Käufer verheimlicht werden. Denn besonders das Geschäft mit Jungtieren von Großhändlern floriert. Mit ihnen lässt sich der dreifache Umsatz gegenüber ausgewachsenen Tieren generieren. Die Gewinnspanne macht dabei die Masse, das Individuum zählt nichts!

Mittlerweile ist bekannt, dass etwa Tropenfische teilweise mit äußerst rabiaten Methoden gefangen werden. Der Großteil der Wildfänge überlebt den Transport nicht. Laut dem ehemaligen Berliner Tierschutzbeauftragten sterben sogar 90 % der importierten Fische! (3) Vögel werden in enge Röhren, winzige Boxen, Käfige oder behelfsmäßige Transportbehälter gezwängt, in denen sie unter Hitze oder Krankheiten leiden.

Hochsensible exotische Wildtiere wie Präriehunde, Gürteltiere, Waschbären, Weißbüscheläffchen oder Faultiere, die durchaus in deutschen Zoohandlungen zu finden sind, werden ihrer vertrauten Umgebung rücksichtslos entrissen, um getrennt von ihrer Familie ein Leben in Gefangenschaft zu fristen. Angesichts der hohen Anforderungen an ihre Haltung ist eine artgerechte Unterbringung in Privathaushalten oder Zoohandlungen nicht realisierbar – für die Tiere bedeutet das Krankheit, Siechtum und Tod.

Die Situation für die Tiere
Nicht nur Zucht, Transport oder das Einfangen von Wildfängen bedeuten für die Tiere großes Leid: Auch ihre Unterbringung in den Zoohandlungen ist nicht tiergerecht. In vielen Geschäften sind die Behältnisse, in denen die Tiere unterbracht sind, zu klein. Teilweise sind sie überbesetzt, oder soziale Tiere sind ohne Artgenossen untergebracht. In Vogelkäfigen findet man außer Sitzstangen häufig weder Sand noch Nester. Die Lebensbedingungen der rund 100 Millionen Fische, die in etwa 2 Millionen Aquarien in Deutschland gehalten werden, sind auch nicht besser. Fische sind Wirbeltiere und haben gleichfalls ein Schmerzempfinden. Allzu oft sind Aquarien aber leider mangelhaft ausgestaltet, viel zu klein oder bieten den Tieren keine Versteckmöglichkeiten. Es kommt zwangsläufig zu Stress und nicht selten zum Tod der Fische.

In Zootierhandlungen mangelt es oft nicht nur an angemessener tierärztlicher Versorgung, sondern auch an der fachgerechten Beratung von Käufern, da bisher keine qualifizierte Berufsausbildung für den Zoofachhandel angeboten wird. Erschreckenderweise fehlen zudem rechtsverbindliche Mindestvorgaben für Käfiggröße oder -ausstattung in Zoohandlungen. Um diese Lücke zu füllen, hat die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) Merkblätter herausgegeben, unter anderem auch bezüglich Mindestvorgaben im Zoohandel. (4) Diese Richtlinien dienen jedoch lediglich als Auslegungshilfe des Tierschutzgesetzes, sie sind nicht rechtsverbindlich – ebenso wenig wie die Leitlinien zu Mindestvorgaben an die Tierhaltung, die vom BMELV nur für einige wenige Tiere wie Reptilien und Papageien erarbeitet wurden; auch diese dürfen die Händler „vorübergehend“ unterschreiten.

Im Handel wird Tieren die Individualität aberkannt, ihre Bedürfnisse werden ignoriert und oft auch ihr Schmerzempfinden – nur die „Ware Tier“ zählt. Daher werden zum Teil auch kranke und verletzte Tiere verkauft. Manche Tiere verlassen die Tierhandlung nicht lebendig.

Tiere, die kein neues Zuhause finden, werden teilweise rücksichtslos erschlagen und sogar als Frostfutter an Lieferanten verkauft, die sie im Internet für unter 5 Euro „das Stück“ anbieten. Mäuse werden bei lebendigem Leib eingefroren, ebenso Reptilien, wenn sie nicht zuvor durch Genickbruch getötet wurden. Die große Menge der Nagetiere wird heutzutage nur noch gezüchtet, um als „Futtertiere“ für exotische Wildtiere herzuhalten.

Mittlerweile finden sich außerdem in fast jeder Zoohandlung Reptilien, wie Schlangen und Echsen. Diese exotischen Wildtiere mit ihren hohen Ansprüchen an Temperatur, Feuchtigkeit, Bodengrund usw. werden an jeden Interessenten verkauft. Doch eine artgerechte Haltung ist bei nicht domestizierten Tieren niemals möglich! Die Konsequenz bedeutet für viele Reptilien eine völlig unzureichende Versorgung, was oft zu Krankheit und Tod führt. Näheres über Reptilien erfahren Sie unter: PETA.de/Reptilien.


Was Sie tun können

Zoohandlungen können nur solange ihren schmutzigen Handel auf Kosten der Tiere betreiben, wie es die Kunden zulassen. Deshalb:
  • Kaufen Sie niemals ein Tier in einer Zoohandlung – auch nicht aus Mitleid. Wenn Sie nach reiflicher Überlegung zum Schluss kommen, einem Tier langfristig ein gutes Zuhause bieten zu können, besuchen Sie bitte ein Tierheim und geben Sie einem heimatlos gewordenen Tier eine neue Chance.
  • Kaufen Sie nur in Zoohandlungen ein, die keine Lebendtiere anbieten, denn auch wenn sie ‚nur’ Zubehör oder Futter dort kaufen, unterstützen Sie die Ausbeutung der Tiere.
  • Melden Sie Missstände beim zuständigen Veterinäramt. Am besten gelingt das mit einer präzisen, schriftlichen Aussage und datierten Fotos.
  • Unterstützen Sie unsere Forderungen, den Verkauf von Wildtieren in Zoohandlungen umgehend zu verbieten, ein Heimtierschutzgesetz zu verabschieden und gesetzliche Regelungen für den Verkauf von Tieren über Zoofachhandlungen zu erlassen, bis das Verkaufsverbot erreicht ist.

(1) Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland e.V.: Der deutsche Heimtiermarkt 2011/2012.
(2) Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland e.V.: Der deutsche Heimtiermarkt. Umsatz- und Strukturdaten 2010.
(3) Klaus Lüdcke, Berliner Tierschutzbeauftragter, Berliner Morgenpost, 15. Mai 2007.
(4) http://www.tierschutz-tvt.de/merkblaetter.html#c9