Der Zoo „Arche Noah“ in Grömitz ist mit seiner Lage an der deutschen Ostseeküste ein beliebtes Ziel für Familienausflüge. Doch in den Jahren 2024 und 2025 erreichten uns mehrere besorgniserregende Meldungen von Besucher:innen – insbesondere über die Schimpansenhaltung. Wir von PETA Deutschland haben den Zoo Arche Noah daraufhin im März 2025 selbst besucht und die beobachteten Missstände (im Juni 2025) bei der zuständigen Veterinärbehörde des Landkreises Ostholstein angezeigt.
Erfahren Sie hier, wie es den Tieren im Zoo Arche Noah in Grömitz wirklich geht.
Schockierende Zustände im Schimpansengehege
Der Zoo Arche Noah ist einer von 34 deutschen Zoos und Tierparks, die noch immer Menschenaffen einsperren. Dort werden sieben Schimpansen gehalten, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs in drei Gruppen aufgeteilt waren: Je ein Paar (offenbar jeweils Mann und Frau), eins davon mit Jungtier. Es ist nur ein Schimpansen-Außengehege vorhanden und die Tiere hatten augenscheinlich nicht die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob und wann sie rausgehen.
Während unseres etwa siebenstündigen Aufenthalts war eine der drei Schimpansengruppen, das Paar mit dem Jungtier, durchgehend im Außengehege. Die anderen beiden Zweiergruppen waren in verschiedenen Bereichen des Innengeheges eingesperrt, deren Scheiben teils mit Kot beschmiert und gesprungen waren. Das eine Innengehege bietet den Schimpansen keinen Rückzugsort, an dem sie nicht den Blicken der Besucher:innen ausgesetzt sind, und der obere Bereich des Affenhauses roch nach Urin. Das andere Innengehege ist für Besuchende kaum einsehbar, wirkt jedoch dunkel und umfasst nur schätzungsweise 20 Quadratmeter für zwei Tiere.
Wir beobachteten mehrfach, wie der Schimpansenmann im Außengehege seinen Körper hin und her schaukelte, Laute von sich gab, Anlauf nahm und sich gegen das Tor zum Innengehege warf. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass ihm kalt war, denn die Gruppe war bei ca. 10 °C mindestens sieben Stunden lang durchgehend im Außenbereich ohne ersichtlichen Zugang zum Innengehege.
Whistleblower-Meldung: Stereotypes Verhalten und kotverschmierte Gehege
Einer Whistleblower-Meldung vom Februar 2025 zufolge befinde sich im Zoo Arche Noah ein Schimpanse allein in einem kleinen dunklen Nebenraum und habe dort Kot an die Fensterscheibe geschmiert sowie stereotyp hin und her gewippt. Zwei weitere anonyme Meldungen aus dem Jahr 2024 hatten uns bereits von Schimpansen mit kahlen Stellen im Fell berichtet. Zum Zeitpunkt des Besuchs der PETA-Mitarbeiterin im März 2025 konnte die Einzelhaltung nicht beobachtet werden. Dennoch waren die Schimpansen in drei Paaren bzw. Kleingruppen voneinander getrennt. Auch die Berichte zu kotverschmierten Scheiben und Schimpansen mit kahlen Stellen fanden wir bestätigt.
Auf unsere Rückfrage teilte die Veterinärbehörde am 20. Februar 2025 mit, dass die Schimpansen zeitweise separiert würden, da es nach einer Hormonbehandlung zu einer „Unverträglichkeit“ zwischen den männlichen Tieren gekommen sei. Daher sei zumeist der rangniedere Schimpanse bei akuter Verletzungsgefahr entweder allein oder mit einem weiblichen Tier untergebracht worden. Betreute Versuche, die beiden Tiere wieder zu vergesellschaften, seien bisher erfolglos geblieben. Daher plane der Zoo die Kastration der beiden Schimpansen, um eine Zusammenführung zu erreichen.
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Ein Artgemäßes Sozialleben ist Menschenaffen in Gefangenschaft unmöglich
Diese Praxis offenbart die Grundproblematik der Haltung von hochsozialen Primaten in viel zu kleinen, unnatürlichen Gruppenstrukturen: Verletzungen, erzwungene Separierung oder Vergesellschaftung und Eingriffe wie Hormonbehandlungen oder Kastrationen zeigen, wie ungeeignet die Lebensumstände sind. In der Natur ist das komplexe Sozialleben von Schimpansen durch Interaktionen mit wechselnden Individuen in Großgruppen von bis zu 150 Mitgliedern geprägt. Derartige Bedingungen lassen sich in dem begrenzten Lebensumfeld eines Zoos niemals abbilden.
Anstatt auf die Bedürfnisse der Tiere einzugehen, werden sie an die krankmachende Haltung angepasst. Wir fordern daher ein generelles Zucht- und Importverbot für Menschenaffen, um die Haltung der Tiere in Zoos und Tierparks mittelfristig auslaufen zu lassen.
Stachelschweine beißen verzweifelt in Gitterstäbe
Auch für die Stachelschweine ist nur ein Außengehege vorhanden, zu dem die Tiere am Tag unseres Besuchs in zwei Gruppen unterteilt abwechselnd ca. im Drei-Stunden-Takt Zugang bekamen. Innerhalb der jeweils im Innengehege (ca. 4-6 Quadratmeter) eingesperrten Gruppe zeigten einige Stachelschweine starke Verhaltensauffälligkeiten: Sie bissen in Gitterstäbe, schwenkten die Köpfe, kratzten an den Türen zum Außengehege und gingen vor dem Gitter auf und ab – dies kann auf Frustration, Unwohlsein und psychisches Leid hindeuten.

Leopard läuft im Gehege stereotyp auf und ab
Eine weitere Verhaltensauffälligkeit beobachteten wir bei einem der zwei schwarzen Leoparden: Dieser lief im Außengehege mehrere Minuten lang denselben Weg entlang des Zaunes auf und ab. Das nennt sich „Pacing“ und ist eine Bewegungsstereotypie, die bei zahlreichen Großkatzen in Gefangenschaft auftritt. Schätzungsweise zeigen 82 Prozent aller von Menschen gehaltenen Großkatzen solche stereotypen Verhaltensweisen. [1] Verhaltensstörungen sind bei Tieren in Gefangenschaft ein Symptom für schlechtes Wohlbefinden und weisen darauf hin, dass die Tiere psychisch leiden.

Verstümmelte Weißstörche: Flugunfähige Vögel
Ein weiteres trauriges Bild bot sich uns auf der Storchen-Anlage: Ein Weißstorch mit beschnittenen Flügeln, unfähig, einem seiner wichtigsten natürlichen Instinkte – dem Fliegen – nachzugehen. Noch immer ist das Flugunfähigmachen einiger Vogelarten in Zoos gängige Praxis: Den Vögeln werden entweder regelmäßig die Flugfedern gestutzt oder es wird durch verschiedene dauerhafte Methoden verhindert, dass die Schwungfedern nachwachsen. Diese Maßnahmen sind ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wie die Bundesregierung bereits 2015 bestätigte. [2] Das „Flugunfähigmachen“ ist grausam und in etwa so, als würde man einem gesunden Menschen die Gliedmaßen amputieren, um ihn am Laufen zu hindern.

Fehlende Distanz zu den Tieren
Weiterhin fiel uns auf, dass die Zäune (z. B. beim Waschbär-, Nasenbär- und Stachelschweingehege) teils so niedrig sind, dass Besuchende mühelos darüber greifen und die Tiere anfassen könnten. Dies haben wir zwar nicht beobachtet, es kann jedoch insbesondere bei unbeaufsichtigten neugierigen Kindern schnell passieren und dann nicht nur für sie gefährlich werden, sondern auch enormen Stress für die Tiere bedeuten.
Im Streichelzoo direkt am Eingang wurden auf ca. 800 Quadratmetern etwa 40 Ziegen und sieben Alpakas gehalten und während der Öffnungszeiten konstant dem Kontakt mit Besuchenden ausgesetzt. Wir entdeckten keinen Rückzugsort.
PETA erstattet Anzeige beim Veterinäramt
Da wir dringend Handlungsbedarf sehen, haben wir gegen den Zoo Arche Noah Anzeige beim zuständigen Veterinäramt erstattet. Die Veterinärbehörde teilte uns daraufhin mit, dass Ende März eine Kontrolle im Zoo erfolgt sei und diese noch nachbereitet werde. Wir hoffen, dass hier bald Konsequenzen folgen.
Was Sie tun können
- Helfen Sie, das Leid der Tiere im Zoo zu beenden, indem Sie niemals eine zoologische Einrichtung besuchen.
- Sprechen Sie auch mit Familie, Freund:innen und Bekannten und fordern Sie sie auf, ebenfalls keine Zoos zu besuchen. Es gibt zahlreiche tierfreundliche Alternativen.
- Unterschreiben Sie unsere Petition, um die Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft zu beenden.
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Quellen
[1] Mason, G. & Latham, N.R. (2004): Can’t stop, won’t stop: Is stereotypy a reliable animal welfare indicator?, Animal Welfare, 13. 57-69
[2] Deutscher Bundestag (29.01.2015): Flugunfähigmachen von Vögeln in Zoos, https://www.bundestag.de/presse/hib/2015_01/-/358620 (eingesehen am 07.07.2025)