Skip to Content

Aujeszkysche Krankheit: Infos & Tipps zum Schutz von Hunden und Katzen vor der Pseudowut

Teilen:

Die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut) ist eine der gefährlichsten, aber gleichzeitig am meisten unterschätzten Tierseuchen in Deutschland: Während Wildschweine das Virus meist lebenslang in sich tragen, ohne zu erkranken, endet eine Infektion für Hunde und Freigänger‑Katzen immer tödlich – es gibt weder eine Impfung noch eine Behandlungsmöglichkeit.

Erfahren Sie hier, warum Hunde, die zur Jagd ausgebeutet werden, besonders davon betroffen sind, wie Sie Ihren tierischen Begleiter vor dem Virus schützen können – und warum die immer intensivere Jagd auf Wildschweine das Problem verschärft, statt es zu lösen.

Inhalte im Überblick

Bei der Jagd missbrauchte Hunde sind am gefährdetsten

Allein im Herbst und Winter 2025 mussten mehrere Hunde nach Kontakt mit infizierten Wildschweinen eingeschläfert werden. In Mecklenburg‑Vorpommern starben mindestens vier sogenannte „Jagdhunde“, weitere Fälle wurden aus angrenzenden Regionen gemeldet – obwohl Deutschland offiziell als frei von der Aujeszkyschen Krankheit gilt. [1] Auch im Landkreis Wittenberg bestätigt ein aktueller Fall die Risiken: Ein Hund infizierte sich Ende November 2025 während einer gemeinschaftlichen Jagd und verstarb kurze Zeit später. [2]

Was ist die Aujeszkysche Krankheit?

Die Aujeszkysche Krankheit – auch Pseudowut genannt – ist eine durch das Suid Herpesvirus 1 ausgelöste Infektion:

  • Wildschweine sind die natürlichen Wirte und tragen das Virus oft lebenslang in sich, ohne selbst zu erkranken.
  • Für Hunde und Katzen dagegen ist die Krankheit immer tödlich, da das Virus das zentrale Nervensystem angreift und innerhalb weniger Tage schwere Symptome verursacht.

Da es weder Impfung noch Therapie gibt, kann bereits ein kurzer Kontakt mit kontaminierten Körperflüssigkeiten eine Infektion auslösen. Die Symptome ähneln teilweise der Tollwut, daher der Name Pseudowut. [3]

Wie wird die Aujeszkysche Krankheit übertragen?

Hunde und Katzen infizieren sich ausschließlich über direkten oder indirekten Kontakt zu Wildschweinen oder deren Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen.

Das erklärt, warumvor allem „Jagdhunde“ betroffen sind – sie werden bei Jagden gezielt auf flüchtende oder verletzte Wildschweine gehetzt und geraten dadurch in besonders riskante Situationen. Sie werden somit zu unfreiwilligen Opfern der Krankheit.

Typische Übertragungswege:

  • Schnuppern an Blut, Urin, Kot, Speichel oder Kadavern infizierter Wildschweine [3]
  • Bisskontakt durch Wildschweine
  • Schweine- oder Wildschweinfleisch (roh oder unzureichend erhitzt) als Nahrung für Hunde und Katzen [2]
  • Kontakt zu frisch getöteten oder verletzten Wildschweinen bei Jagden

Eine Ansteckung von Hund zu Hund wurde weltweit noch nicht beobachtet – der einzige gefährliche Infektionsweg ist der Kontakt zu Wildschweinen, ihrem Fleisch oder deren Ausscheidungen. [3]

Für Menschen besteht keinerlei Gefahr:

  • Menschen sind für das Virus nicht empfänglich [2]
  • Die Krankheit ist keine Zoonose
  • Menschen können das Virus nicht weitergeben [2]

Ist die Aujeszkysche Krankheit für Wildschweine gefährlich?

Für Wildschweine selbst ist die Krankheit meist harmlos: Sie tragen das Virus lebenslang in sich und dienen als Reservoir – Infektionen bei tierischen Mitbewohnern stammen fast ausschließlich aus Wildtierkontakt.

  • Mecklenburg‑Vorpommern: 11,3 Prozent Antikörper‑Nachweise (2025) [4]
  • Landkreis Wittenberg: 30 bis 38 Prozent zwischen 2023 und 2025 [2]

Für Menschen sind Wildschweine ungefährlich – für jagdlich missbrauchte Hunde hingegen ein dauerhaftes Risiko. Bei Freigängerkatzen treten Infektionen eher selten auf, aber sie sind möglich.

Tipps zum Schutz von Hunden und Katzen

Nach § 2 des deutschen Tierschutzgesetzes müssen Tierhaltende ihre Tiere so schützen, dass ihnen keine vermeidbaren Schäden entstehen.

Das bedeutet konkret:

  • Hunde in Gebieten mit Wildschweinen unbedingt anleinen.
  • Kein Fleisch von Schweinen oder Wildschweinen als Tiernahrung; vegane Tiernahrung ist risikofrei.
  • Auch wenn eine Infektion bei Katzen nur selten auftritt, sollte Freigänger‑Katzen nur gesicherter Freigang ermöglicht werden – vor allem in Waldrandgebieten. Jäger:innen, Straßenverkehr und weitere Krankheiten stellen eine ernste Bedrohung für Freigänger dar.  

Da die Krankheit für Hunde und Katzen immer tödlich endet, wird das Nichteinhalten dieser Vorsichtsmaßnahmen schnell zu einem tierschutzrelevanten Risiko.

Was ist die Aujeszkysche Krankheit beim Hund?

Die Aujeszkysche Krankheit ist eine bei Hunden tödliche Virusinfektion; das Virus kommt natürlicherweise in Wild- und Hausschweinen vor. Hunde zählen – wie Katzen – zu den sogenannten Fehlwirten, bei denen das Virus nicht nur schwere Schäden verursacht, sondern immer tödlich endet, weil es schnell das zentrale Nervensystem befällt.

Warum ist die Krankheit so gefährlich für Hunde?

Bei Hunden verläuft die Krankheit besonders aggressiv:

  • Extrem starker Juckreiz, häufig am Kopf [3]
  • Neurologische Ausfälle wie Krämpfe oder Lähmungen [1]
  • Verhaltensänderungen, Angst, Aggression
  • Erbrechen, Fieber, rascher körperlicher Verfall [1]

Können Katzen die Aujeszkysche Krankheit bekommen?

Ja, Katzen können sich – genau wie Hunde – mit der Aujeszkyschen Krankheit infizieren. Auch sie gehören zu den sogenannten Fehlwirten, bei denen die Infektion immer tödlich verläuft. [2]

Welche Symptome zeigen Katzen?

Typische Symptome bei Katzen:

  • Starker Juckreiz, oft am Kopf/Hals
  • Neurologische Störungen
  • Speichelfluss
  • Atemprobleme, Schwäche, Fieber
  • Appetitlosigkeit, Erbrechen [3]

Wie verläuft die Krankheit bei Hunden und Katzen?

Der Verlauf ist rasant:

  • Inkubationszeit: meist 4 bis 7 Tage nach Infektion [3]
  • Schneller neurologischer Verfall
  • Tod meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach ersten schweren Symptomen

Es gibt keine Behandlung, keine Impfung – jede Infektion endet tödlich.

Warum die Jagd auf Wildschweine das Problem nicht löst

Obwohl Wildschweine immer intensiver bejagt werden, bleiben die Virusnachweise konstant – teils seit über einem Jahrzehnt. Der hohe Jagddruck ist sogar kontraproduktiv, da stabile und ortstreue Verbände durch den Abschuss einzelner Tiere auseinanderbrechen können und die Wildschweine in neuen Gebieten Schutz suchen. Dadurch kann eine Ausbreitung des Virus gefördert werden. 

Wildschweine stecken sich hauptsächlich untereinander an:

  • Über Paarung [5]
  • Über Körperflüssigkeiten
  • Übertragung vor der Geburt [5]

Wichtig: Was bedeutet das bei erhöhtem Jagddruck?

Wildschweine reagieren auf eine intensivere Bejagung mit mehr Nachwuchs – somit führt ein erhöhter Jagddruck zu mehr potenziellen Virusträgern.

Mehrere Monitoringdaten belegen, dass sich das Virus über viele Jahre stabil in Wildschweinpopulationen hält, unabhängig davon, wie intensiv gejagt wird:

  • Mecklenburg-Vorpommern: stabile 9 bis 12 Prozent seit 2007 trotz intensiver Jagd [4]
  • Landkreis Wittenberg: konstant hohe 30 bis 38 Prozent trotz Jagddruck [2]

Die Krankheit bleibt – egal, wie intensiv gejagt wird. Die Bejagung löst das Problem nicht, sondern destabilisiert Sozialstrukturen und fördert die Ausbreitung.

Durch die Jagd flüchten Wildschweine und tragen das Virus in neue Gebiete.

Fachleute bestätigen: Nur Schutzmaßnahmen für Hunde und Katzen verhindern Infektionen – nicht die Jagd.

So schützen Sie Ihre tierischen Begleiter

Die Verantwortung für die Prävention liegt sowohl bei Hunde- und Katzenhalter:innen als auch bei Jagdausübenden. Nur durch umsichtiges Verhalten lassen sich tödliche Infektionen zuverlässig vermeiden.

  • Schutzmaßnahmen für Katzen: Kein ungesicherter Freigang in Waldnähe.
  • Schutzmaßnahmen für Hunde: Hunde in gefährdeten Gebieten immer anleinen. Schon das Schnuppern an einer Wildschweinspur kann genügen, wenn Körperflüssigkeiten im Spiel sind. Kein Spielen oder Trinken in Pfützen, Tümpeln oder Senken: In wildschweinreichen Wäldern können dort virushaltige Flüssigkeiten vorhanden sein. Hunde nicht an toten Wildschweinen schnuppern lassen.
  • „Jagdhunde“ sind besonders gefährdet. Wir von PETA Deutschland sprechen uns aus einer Vielzahl von tierschutzrechtlichen Gründen gegen den Einsatz von „Jagdhunden“ aus – die Infektionsgefahr ist nur einer davon.

Wenn Ihr Hund gewohnt ist, bei den täglichen Spaziergängen frei zu laufen, können Sie Ihren tierischen Begleiter auch mit weniger Bewegung zusätzlich mental auslasten: