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Greifvögel in der Falknerei

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Gefesselt, eingesperrt und als Waffe missbraucht

Stand November 2016
Falkner bilden eine Gruppe unter den Hobbyjägern, die Greifvögel einsperren, sie an Fußfesseln festbinden, hungern lassen und bei der Beizjagd auf andere Wildtiere hetzen. Auch auf Mittelaltermärkten oder in Freizeitparks werden die Greifvögel bei Flugvorführungen zur Schau gestellt und zu Unterhaltungszwecken missbraucht. 
Falknerei bedeutet Folter für die Tiere.
Ein Leben voller Leid und Entbehrung
Eine gängige Haltungsform von Greifvögeln in der Falknerei ist die sogenannte Anbindehaltung. Dabei verbringen die Tiere nahezu ihr ganzes Leben mit Fußfesseln angebunden an einem Holzpflock. Versuchen sie, zu fliegen, werden sie von der ein bis zwei Meter langen Lederschnur zurückgerissen. Gemäß der aktuell geltenden Richtlinien zur Haltung von Greifvögeln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist es sogar zulässig, ihnen lediglich jeden zweiten Tag Freiflug zu gewähren [1]. Auch in Volieren sind die Tiere massiv in ihrem natürlichen Flugverhalten eingeschränkt. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) führen zudem Panikreaktionen insbesondere bei sehr großen Volieren, in denen die Vögel hohe Geschwindigkeiten erreichen, zu Verletzungen bis hin zu Todesfällen [2]. Um die Greifvögel ruhigzustellen, nehmen die Falkner ihnen oftmals zeitweilig sämtliche visuelle Reize und verdecken ihre Augen mit einer Haube.

Die Beizjagd hat nichts mit Natur zu tun
In Freiheit jagen Greifvögel, um zu überleben – in der Falknerei werden sie zu Waffen degradiert und zum Töten missbraucht. Die Greifvögel werden von klein auf meist auf den Menschen fehlgeprägt und von den Falknern abgerichtet. Somit werden die Wildtiere abhängig und gefügig gemacht, sodass sie immer wieder zu ihren Peinigern zurückkehren. Um die Beutefangbereitschaft zu erhalten und die Heimkehr der Vögel zu gewährleisten, wird ihnen zudem Nahrung vorenthalten. Bei der Jagd hetzt der Jäger die Greifvögel dann auf Tiere wie Hasen, Kaninchen, Tauben oder Füchse. Viele der Beutetiere sterben dabei einen langsamen und schmerzhaften Tod, wenn sie durch die Vögel ergriffen und verwundet werden. Durch die unnatürlichen Haltungsbedingungen in Gefangenschaft und den Nahrungsentzug können die körperliche Fitness, die Schärfe der Krallen und Schnäbel bei Beizvögeln von dem natürlichen Zustand ihrer Artgenossen in Freiheit abweichen. Greifvögel werden teilweise auch auf Beutetiere abgerichtet, die nicht zu ihrem gängigen Beutespektrum zählen, so beispielsweise auf Füchse. Sind die Beutetiere zu groß, erschwert dies die Jagd und verlängert den Tötungsprozess.

Für die Jagd – ob mit Greifvögeln oder Gewehr – besteht ohnehin keine Notwendigkeit: Tierpopulationen regulieren sich aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit, Sozialgefüge und Krankheiten selbst. Die Jagd hingegen zerstört dieses natürliche Gleichgewicht und bedingt ein Anwachsen der Tierpopulationen. [3] [4] [5] [6]

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz
Laut § 3 Nr. 8 Tierschutzgesetz ist es verboten, ein Tier auf ein anderes zu hetzen, soweit die Grundsätze weidgerechter Jagdausübung dies nicht erfordern. Die Beizjagd ist weder notwendig noch weidgerecht. Im Gegenteil: Sie geht mit vermeidbarem erheblichem Leid für die Tiere einher – sowohl für die Greifvögel selbst als auch für die Beutetiere, auf die sie von den Jägern gehetzt werden. Nach § 2 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes muss ein Tier zudem seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden. In der Falknerei sind Greifvögel dauerhaft in ihrem natürlichen Flugverhalten eingeschränkt oder es wird ihnen gänzlich verwehrt; ihnen wird Nahrung vorenthalten und ihr Körpergewicht erheblich reduziert. Eine artgerechte Unterbringung von Vögeln in Gefangenschaft ist schlichtweg nicht möglich. Die Falknerei ist nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar – die „Herrscher der Lüfte“ gehören ausschließlich in die Freiheit!

„Tradition“ darf niemals Folter rechtfertigen
Im Jahr 2014 wurde die Falknerei in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, denn sie geht bis ins Mittelalter zurück und hat sich im Wesentlichen bis heute nicht verändert. Wir leben jedoch in einer Zeit, in der die Menschheit erkannt hat, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die Schmerz und Leid empfinden und u. a. durch das Tierschutzgesetz geschützt sind. Die Falknerei ist in einer modernen Gesellschaft mit moralischen Grundsätzen und in einem Land, in dem der Tierschutz Verfassungsrang hat, weder zu rechtfertigen noch zu verantworten und muss endlich verboten werden.
 

Was Sie tun können

Wenden Sie sich an die Deutsche UNESCO-Kommission und bitten Sie sie höflich, die Falknerei aus dem Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes zu streichen.



Quellen:
[1] BMEL (1995): Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln und Eulen. Gutachten der Sachverständigengruppe über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln.
[2] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2006): Hinweise für die Überwachung von Greifvögeln. Merkblatt Nr. 107.
[3] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd - Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW. (abgerufen am 15.05.2014).
[4] Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York.
[5] Baker, P. & Harris, S. (2005): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK? Springer-Verlag: 2005.
[6] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of animal ecology 78.6 1278-1290.