Petition: Kein neues Affen-Gefängnis im Krefelder Zoo!

Affenhaus Zoo KrefeldKaan Bekan

In der Silvesternacht sind im Krefelder Zoo über 30 Tiere bei einem Brand ums Leben gekommen. Für einen Schimpansen, fünf Orang-Utans und zwei Gorillas, etliche kleinere Affen, Flughunde und Vögel kam jede Hilfe zu spät. Nur zwei Schimpansen konnten sich vor den Flammen retten. Der Krefelder Zoo hatte außerdem weder ausreichende Brandschutzmaßnahmen getroffen, noch waren in der Silvesternacht Aufsichtspersonen vor Ort. Das Einsperren von teils aus der Natur gefangenen Affen hat mit Artenschutz nichts zu tun. Nach einem Leben in einem Betongehege können Menschenaffen aufgrund ihrer Verhaltensstörungen nicht ausgewildert werden.  

Bitte helfen Sie uns, den Bau eines neuen Affenhauses im Krefelder Zoo zu verhindern!

Bereits kurz nach dem verheerenden Brand kündigten die Zoo-Verantwortlichen an, dass sie den Bau eines neuen Affenhauses beabsichtigen und dabei auch an der Haltung von Menschenaffen festhalten wollen.

Bitte appellieren Sie an den Oberbürgermeister, die Mitglieder des Stadtrates und den Zoo, von einem Neubau des Affenhauses abzusehen und die Spenden stattdessen an Artenschutzprojekte zu überweisen, die mit dem Geld große Gebiete der natürlichen Lebensräume von Menschenaffen in Afrika und Asien langfristig schützen und somit ihre Zukunft sichern können.

Online Petition

Kein Neubau des Krefelder Affenhauses – bitte beenden Sie das sinnlose Einsperren von Tieren!

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie unzählige Menschen in ganz Deutschland bin auch ich zutiefst erschüttert über den Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos und den qualvollen Tod von über 30 Tieren. Umso mehr entsetzt es mich, dass kurze Zeit später bereits ein Neubau des Affenhauses im Gespräch ist.
Die Investition einer Summe im „zweistelligen Millionenbereich“, die voraussichtlich auch aus öffentlichen Mitteln bezuschusst würde, ist inakzeptabel angesichts der Tatsache, dass die meisten Tierarten, darunter auch in deutschen Zoos geborene Menschenaffen, verhaltensbedingt niemals ausgewildert werden können. Für die alleinige Unterhaltung von Zoobesuchern sollen also weiterhin Tiere eingesperrt werden, während Artenschutzprojekte zum Schutz der natürlichen Lebensräume um finanzielle Mittel kämpfen.
Entgegen der weitläufigen Meinung tragen Zoos nicht zu Artenschutz und Bildung bei. Zoos sind daher ein Auslaufmodell. Hinzu kommt, dass die Gefangenschaft von Wildtieren in Zoos immer mit drastischen Einschränkungen und Verlust an Lebensqualität einhergeht.
Ich bitte Sie eindringlich, dieses neue Jahrzehnt nicht mit der Errichtung eines neuen Tiergefängnisses zu beginnen, sondern ein Auslaufen der Tierhaltung zu Unterhaltungszwecken einzuläuten. Bitte sprechen Sie sich gegen einen Neubau im Krefelder Zoo aus. Die bisherigen Spendeneinnahmen könnten weit sinnvoller verschiedenen in-situ-Artenschutzprojekten für bedrohte Tierarten zugutekommen. Anstatt für mehrere Millionen Euro ein neues Gefängnis für ein paar bedauernswerte Insassen zu bauen, könnten mit dem Geld große Gebiete ihrer natürlichen Lebensräume in Afrika und Asien über viele Jahre geschützt und somit die Zukunft von zahlreichen Menschenaffen und anderer Tierarten langfristig gesichert werden. Dort, wo die Tiere für ein paar hundert Dollar getötet werden, weil es an Wildhütern und Ausrüstung fehlt, wäre das Geld wesentlich sinnvoller investiert.

Mit freundlichen Grüßen

 

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Menschenaffen jahrzehntelang in veraltetem Affenhaus eingekerkert

Das Affenhaus im Krefelder Zoo wurde 1975 gebaut und galt damals als „modern“. Die Menschenaffen waren nur durch einen Graben von den Zoobesuchern getrennt. [1] Doch die Haltung – insbesondere der Menschenaffen – war katastrophal. Ein Außengehege gab es nicht. Für die Tiere bedeutete dies, tagein, tagaus in engen, kargen Betonbunkern zu sitzen, ohne jemals nach draußen zu können oder frisches Gras unter den Füßen zu spüren. Einige Tiere mussten jahrzehntelang so ausharren, wie etwa der Gorilla Massa.
 
Affe Zoo Krefeld
Die Schimpansen im Krefelder Affenhaus lebten in einem Betonbunker ohne Außengehege.
© by Kaan Bekan

Massa – entführt, eingesperrt, verbrannt, erschossen

Der Gorilla-Mann Massa wurde in den 1970ern im Alter von etwa vier bis fünf Jahren aus seiner Heimat in Afrika entführt. Um Gorillakinder einzufangen, löschte man dort üblicherweise ihre gesamte Familie brutal aus. Seitdem fristete der etwa 48-jährige „Wildfang“ Massa ein trauriges Dasein im Krefelder Zoo, bis er bei dem verheerenden Brand ums Leben kam. Wie erst zwei Wochen später durch einen Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums bekannt wurde, standen während der Löscharbeiten mit Maschinengewehren bewaffnete Polizeikräfte bereit, um eventuell fliehende oder in Panik geratene Tiere zu töten. Erst nach Beenden der Löscharbeiten wurden morgens im abgebrannten Affenhaus zwei schwer verletzte Menschenaffen entdeckt. Die Orang-Utan-Dame wurde von einer Tierärztin mit einer Überdosis Beruhigungsmittel erlöst. Bei Gorilla-Mann Massa wirkte das Beruhigungsmittel nicht. Er wurde letztlich von einem Polizeibeamten mit mehreren Schüssen aus einem Maschinengewehr getötet. [2] Für Massa das Ende eines langen Leidenswegs.
 
Besonders Menschenaffen leiden sehr stark in Gefangenschaft und entwickeln aufgrund der Beschäftigungslosigkeit häufig Verhaltensstörungen. Sie als „Botschafter ihrer Art“ zu bezeichnen, ist purer Zynismus. Was lernen Zoobesucher, die Orang-Utans oder Schimpansen auf einem Klettergerüst zwischen Betonwänden und Betonboden betrachten? Erfahren sie, dass Orang-Utans hervorragende Kletterer sind, die in ihrem natürlichen Lebensraum die meiste Zeit in den Dächern des Regenwaldes verbringen und in schwindelerregender Höhe Nacht für Nacht ihre Schlafnester bauen? Oder dass die Reviere von Gorillas bis zu mehrere Dutzend Quadratkilometer groß sein können, während sie eingesperrte Tiere in einem wenige Quadratmeter kleinen Gehege betrachten?
 
Orang-Utan Affenhaus Zoo Krefeld
Orang-Utan im Affenhaus des Krefelder Zoos.
© by Kaan Bekan

Tiere einsperren ist kein Artenschutz

Zoos leisten keinen Beitrag zum Artenschutz. Sie können kaum langfristig erfolgreiche Auswilderungen vorweisen, insbesondere bei Primaten. Zudem können Tiere Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen.

Dabei ist der von zoologischen Einrichtungen betriebene Aufwand, um einige wenige Tiere in Gefangenschaft zu halten und für zahlendes Publikum auszustellen, auch finanziell extrem ineffizient: Während meist Millionen Steuergelder in Zuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte der Zoos fließen, sind die Spenden an Partnerorganisationen, die Artenschutz in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten betreiben (in-situ-Artenschutz), verschwindend gering.

Zoogehege sind reine Geldverschwendung

Ein schätzungsweise zweistelliger Millionenbetrag wäre nötig, allein um ein neues Gebäude im Krefelder Zoo zu errichten. [3] Auch das 2012 gebaute Gorillagehege, das von dem Brand verschont blieb, kostete den Zoo Krefeld bereits 2,3 Millionen Euro. Als eine „Rekordsumme“ vermeldete der Zoo dagegen 2017 seine Spenden an Artenschutzpartner – in Höhe von insgesamt 21.200 Euro. [4]

Viele Natur- und Artenschützer sind empört angesichts dieser Geldverschwendung. Sie müssen mit knappen Mitteln darum kämpfen, die wildlebenden Populationen bedrohter Arten und ihren Lebensraum zu erhalten. So kommentierte bereits 2007 der Chefberater für Menschenaffen für die Vereinten Nationen, Ian Redmond, in einem Interview das neue Gorillagehege im Londoner Zoo (2) [5]:

„Fünf Millionen Pfund für drei Gorillas, wo in Nationalparks die gleiche Anzahl an Tieren jeden Tag getötet wird, nur weil es an einigen Land Rover, ausgebildeten Männern und Wilderei-Patrouillen mangelt – so etwas zu hören, muss für einen Parkaufseher schon sehr frustrierend sein.“

Affen und andere Tiere gehören nicht in Gefangenschaft

Auch ein neueres, „moderneres“ Zoogebäude in Krefeld bliebe letztlich ein Gefängnis für die Tiere, in dem sie ihren wahren Bedürfnissen niemals nachkommen können. Im Jahr 2020 ist es an der Zeit, nicht länger am sinnlosen Einsperren von Tieren zu unserer Unterhaltung festzuhalten.

Was Sie tun können

  • Klären Sie Familie, Freunde und Bekannte über das Tierleid in Zoos auf und bitten Sie sie, diese nicht mehr zu besuchen.
  • Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition an den Zoo sowie den Oberbürgermeister und die Stadtratsmitglieder der Stadt Krefeld.


[1] Westdeutsche  Zeitung (2020): „Die Arbeit im Affenhaus war wegweisend“. 02.02.2020. Online unter: https://www.wz.de/nrw/krefeld/im-rueckblick-arbeit-im-krefelder-affentropenhaus-war-wegweisend_aid-48087739 zuletzt eingesehen am 14.01.2020
[2] Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen (2020): Schriftlicher Bericht des Ministers des Innern für die Sitzung des Innenausschusses am 16.01.2020 zum Tagesordnungspunkt „Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo“. 14.01.2020. Online unter: https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-2931.pdf zuletzt eingesehen am 17.01.2020
[3] Mitteldeutscher Rundfunk (2020): Nach Brand in Affenhaus: So können Sie helfen! 03.02.2020. Online unter: https://www.mdr.de/brisant/krefeld-zoo-affenhaus-helfen-100.html zuletzt eingesehen am 14.01.2020
[4] RP Online (2018): Rekord-Spenden aus dem Zoo in alle Welt. 30.01.2018. Online unter: https://rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/zoo/zoo-krefeld-rekord-spendengelder-gehen-in-alle-welt_aid-18863221 zuletzt eingesehen am 14.01.2020
[5] Sunday Times (2007): City gorillas live it up as their jungle cousins face oblivion. 01.04.2007. Online unter: https://www.thetimes.co.uk/article/city-gorillas-live-it-up-as-their-jungle-cousins-face-oblivion-l0ghzgqb0mf zuletzt eingesehen am 14.01.2020