Wie der Fleischkonsum den Sojaanbau fördert und den Regenwald zerstört

Vielen Menschen ist der Zusammenhang zwischen der Regenwaldabholzung und dem Sojaanbau bekannt. Was jedoch oftmals fehlt, ist die Information, wofür genau diese Sojabohnen angebaut werden. Die weit verbreitete Annahme, dass auf den gerodeten Regenwaldflächen Soja für die Tofuprodukte der veganen Ernährung angebaut würden, ist aus mehreren Gründen falsch. Wir erklären Ihnen die Zusammenhänge.

Soja aus Südamerika für deutsches Fleisch

Über 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden für den Anbau von Futtermitteln und als Weideflächen für die Tierhaltung beansprucht. Weltweit landen über 98 Prozent des angebauten Sojas und 50 Prozent aller Ernten in den Futtertrögen. Allein im Jahr 2015 importierte Deutschland 3,7 Millionen Tonnen Sojabohnen und 2,9 Millionen Tonnen Sojamehl. Deutschland ist damit nicht nur Export-Weltmeister für Schweinefleisch, sondern auch Import-Weltmeister für Soja aus Südamerika. [1,2,3]

In der Tierhaltung werden verschiedene Mengen an Soja eingesetzt. Den höchsten Anteil nehmen die Futtermittel für „Geflügel“ ein: Um ein Kilogramm Hühnerfleisch zu erzeugen, wird fast ein Kilogramm Soja verfüttert, gefolgt von 650 Gramm für Schweine und 230 Gramm für Rinder. [4] Hinzu kommen weitere Futtermittel, deren Anbau ebenfalls landwirtschaftliche Flächen benötigt.

In den letzten 50 Jahren hat sich die Sojaproduktion von 27 Millionen Tonnen pro Jahr auf das Zehnfache erhöht (2013: 269 Millionen Tonnen!). Die FAO erwartet bis 2050 einen Anstieg auf 515 Millionen Tonnen. Diese massive Produktionssteigerung ist durch den Fleischkonsum bedingt – je mehr Fleisch gegessen wird, desto mehr Anbaufläche muss für Soja geschaffen und umso mehr Regenwald muss gerodet werden. [5,6]

Sojaernte: Riesige Flächen werden abgeholzt

Weidehaltung in Südamerika

Aber nicht nur für den Sojaanbau wird der Regenwald abgeholzt, sondern auch für Weideflächen. Die Rinder, die auf den Weideflächen stehen, werden nicht ausschließlich ihres Fleisches wegen gehalten, sondern auch für die Herstellung von Leder getötet. Das Fleisch ist oftmals für den südamerikanischen Markt bestimmt, die Haut der Tiere wird in die ganze Welt geliefert, um Luxusartikel wie Autositze, Polstermöbel und Accessoires zu produzieren. Somit ist Leder kein „Abfallprodukt“ der Fleischindustrie, sondern ein wirtschaftlich eigenständiges Produkt. [7]

Verkleinerung des Lebensraums von Wildtieren

Die Fleischindustrie ist weltweit für 60 Prozent des Artenverlustes verantwortlich. Ersichtlich wird das im Regenwald durch die Rodung der Flächen und die Legung von Zufahrtstraßen zu Weiden, Anbaugebieten oder Abholzungsgebieten. Ganze Waldstücke werden so zerteilt. Dadurch werden die Lebensräume der einheimischen Tierarten verkleinert. Einer der Leidtragenden ist der Jaguar. Durch die Abholzung, Weiden und Straßen wird sein Lebensraum immer weiter eingeschränkt und zerstört. Mittlerweile gilt der Jaguar als gefährdet. [8+9]

Der Jaguar: Gefährdet durch die Gier auf Fleisch

Fleischalternativen und Sojamilch

Die Sojabohnen zur Herstellung von Tofuprodukten kommen vorwiegend aus Europa oder Kanada. Vegane Fleischalternativen benötigen im Vergleich zu Futtermitteln für Tiere weitaus weniger Soja pro Kilogramm. Aus einem Kilogramm Sojabohnen kann beispielsweise knapp 1,8 Kilogramm Tofu hergestellt werden. Für einen Liter Sojamilch benötigt es noch weniger Sojabohnen. Zur Herstellung tierischer Produkte werden neben Sojabohnen auch weitere Futtermittel verwendet, die wiederum landwirtschaftliche Flächen benötigen. Für ein Kilogramm Fleisch können sich die benötigten Tierfuttermittel auf bis zu 16 Kilogramm summieren, wovon 3 Kilogramm für den menschlichen Konsum geeignet sind. Unter folgendem Link finden Sie weitere gute Gründe für vegane Alternativen. [10,11,12]

Zusätzlich ist das für Tierfutter eingesetzte Soja häufig gentechnisch verändert. Auf vegane Sojaprodukte trifft dies dank der Bio-Zertifizierung in der Regel nicht zu.

Tofu: Lecker in verschiedenen Variationen

Was Sie tun können

Sie möchten dazu beitragen, den Regenwald zu retten? Dann melden Sie sich einfach zum kostenlosen Veganstart-Programm von PETA an und testen Sie 30 Tage lang die vegane Ernährung und die Vielfalt der leckeren veganen Alternativen. Auf unserer Seite „PETA-Approved Vegan“ Logo erhalten Sie zudem viele nützliche Informationen zu Kleidung frei von Leid und Leder.



Quellen:
1) Steinfeld, Henning/Gerber, Pierre/Wassenaar, Tom/Castel, Vincent/Rosales, Mauricio/de Haan, Cees (2006): “Livestock's Long Shadow. Environmental Issues and Options”. Rom: UN Food and Agriculture Organisation (FAO).
2) Hartmann, Glen L.; West, Ellen D.; Hermann, Theresa K. (2011): “Crops that feed the World 2. Soybean – worldwide production, use, and constraints caused by pathogens and pests“. National Soybean Research Center, Department of Crop Sciences, University of Illinois.
3) Mighty Investigations (Hrsg.) (2016): “Germany’s Mystery Meat”. Mighty Earth, Washington D.C.
4) Von Witzke, Harald, Noleppa, Steffen, Zhirkova, Inga (2014): „Fleisch frisst Land“. WWF Deutschland, Berlin.
5) Bruinsma, J. (2009): “The resource outlook to 2050: by how much do land, water and crop yields need to increase by 2050?” Paper presented at the FAO Expert Meeting, 24-26 June 2009, Rome. Food and Agriculture Organization of the United Nations, Economic and Social Development Department, Rome, Italy.
6) WWF (2014): The Growth of Soy: Impacts and Solutions. WWF International, Gland, Switzerland
7) Pegurier, Eduardo: Study links most Amazon deforestation to 128 slaughterhouses. Artikel 27. Juli 2017 (letzter Abruf 04.04.2018)
8) WWF (2017): Appetite for Destruction
9) Moraes Jr, Edsel Amorin (2012): The status of the jaguar in the Cerrado. Institut Biotrópicos, Minas Gerais
10) Interview mit Wolfgang Heck von Taifun Tofu in der Zeit „Tofu – Fast wie Fleisch“ Artikel 28. Juli 2011 (letzter Abruf 04.04.2018)
11) Gold, Mark (2004): “The Global Benefits of Eating Less Meat”. Hampshire: Compassion in World Farming Trust (CWF Trust)
12) Food and Agriculture Organization of the United Nations/Mottet, Anne e al. (2017): “Livestock: On our plates or eating at our table? A new analyses of the feed/food debate In: Global Food Security, Volume 14, September 2017.