Update: Zoo Krefeld plant Neubau, um mehr Affen zu halten

Update November 2021

Petition beendet: Stadt Krefeld finanziert neues Affengefängnis im Zoo

Leider hat der Krefelder Stadtrat am 10. November zugestimmt, den Bau mehrerer Menschenaffen-Gehege im Zoo Krefeld mit über 17 Millionen Euro zu bezuschussen. Wir von PETA Deutschland haben seit dem Brand des Affenhauses die Neubaupläne kritisiert und gemeinsam mit unseren Unterstützer:innen Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt, um das Einsperren weiterer Menschenaffen zu verhindern. Im März 2021 haben wir gemeinsam mit 10 Tier- und Naturschutzverbänden in einer Stellungnahme darauf aufmerksam gemacht, dass ein Neubau eine gravierende Fehlentscheidung für den Tier- und Artenschutz wäre. Unsere Petition an Oberbürgermeister Frank Meyer und die Fraktionen im Stadtrat wurde von 32.874 Unterzeichner:innen unterstützt. Diese haben wir den Verantwortlichen vor der Stadtratssitzung im November nochmals zukommen lassen – leider ohne Erfolg. Die Stadt Krefeld hat sich für das Tierleid entschieden. 

Wir bedanken uns bei allen Unterstützer:innen. Wir hören nicht auf, uns weiter dafür einzusetzen, dass die Gefangenschaft von Menschenaffen in Zoos beendet wird. Bitte unterzeichnen Sie deshalb auch unsere Petition an das Bundeslandwirtschaftsministerium und fordern Sie mit uns ein grundsätzliches Verbot von Zucht und Import von Menschenaffen, damit die Zoo-Haltungen in Deutschland mittelfristig auslaufen:

Nach verheerendem Silvester-Brand: Zoo Krefeld will Millionen verschleudern und noch mehr Affen einsperren

Anfang November 2021 hatte der Krefelder Zoo die Neubaupläne für die Menschenaffenhaltung vorgestellt. Das Bauprojekt wird voraussichtlich etwa 28 Millionen Euro kosten, davon über 17 Millionen Euro aus städtischen Finanzmitteln. Mit dem Um- und Ausbau soll auch die Zucht der Menschenaffen wieder aufgenommen und so das Tierleid in Gefangenschaft weiter angekurbelt werden. Neben Gorillas und Schimpansen sollen dann auch wieder Orang-Utans in dem Zoo gehalten und gezüchtet werden. [1, 2] Für viele Millionen Euro ein neues Tiergefängnis zu bauen und dieses auch noch als „Artenschutzzentrum Affenpark“ betiteln zu wollen, ist blanker Hohn für die Bemühungen von Artenschützer:innen weltweit, die das Geld vor Ort weitaus besser einsetzen könnten.

Die beiden überlebenden Menschenaffen, die Schimpansen Bally und Limbo, müssen derweil weiterhin im abgeschotteten Innengehege ohne Auslauf bleiben, bis ein provisorisches Außengehege fertiggestellt wird. [2] Selbst dieses wird aber nicht den geltenden Mindestanforderungen entsprechen und auch nur bei geeigneten Außentemperaturen zu betreten sein. Seit nun fast zwei Jahren fristen die beiden ein Dasein auf engstem Raum.

Hintergrund

In der Silvesternacht 2019/2020 waren im Krefelder Zoo über 50 Tiere bei einem Brand ums Leben gekommen. Für einen Schimpansen, fünf Orang-Utans und zwei Gorillas, etliche kleinere Affen, Flughunde und Vögel kam jede Hilfe zu spät. Nur zwei Schimpansen konnten sich vor den Flammen retten. Bereits kurz nach dem verheerenden Brand (Titel: Silvester-Brand im Krefelder Zoo: Trauer um die Opfer des Feuers) kündigten die Zoo-Verantwortlichen an, dass sie den Bau eines neuen Affenhauses beabsichtigen und dabei auch an der Haltung von Menschenaffen festhalten wollen. Das Einsperren von teils aus der Natur gefangenen Affen hat allerdings mit Artenschutz nichts zu tun. Nach einem Leben in einem Betongehege können Menschenaffen aufgrund ihrer Verhaltensstörungen nicht ausgewildert werden.

Originalartikel

Menschenaffen jahrzehntelang in veraltetem Affenhaus eingekerkert

Das Affenhaus im Krefelder Zoo wurde 1975 gebaut und galt damals als „modern“. Die Menschenaffen waren nur durch einen Graben von den Zoobesuchern getrennt. [3] Doch die Haltung – insbesondere der Menschenaffen – war katastrophal. Ein Außengehege gab es nicht. Für die Tiere bedeutete dies, tagein, tagaus in engen, kargen Betonbunkern zu sitzen, ohne jemals nach draußen zu können oder frisches Gras unter den Füßen zu spüren. Einige Tiere mussten jahrzehntelang so ausharren, wie etwa der Gorilla Massa. 

Die Schimpansen im Krefelder Affenhaus lebten in einem Betonbunker ohne Außengehege.
Kaan Bekan

Massa – entführt, eingesperrt, verbrannt, erschossen

Der Gorilla-Mann Massa wurde in den 1970ern im Alter von etwa vier bis fünf Jahren aus seiner Heimat in Afrika entführt. Um Gorillakinder einzufangen, löschte man dort üblicherweise ihre gesamte Familie brutal aus. Seitdem fristete der etwa 48-jährige „Wildfang“ Massa ein trauriges Dasein im Krefelder Zoo, bis er bei dem verheerenden Brand ums Leben kam. Wie erst zwei Wochen später durch einen Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums bekannt wurde, standen während der Löscharbeiten mit Maschinengewehren bewaffnete Polizeikräfte bereit, um eventuell fliehende oder in Panik geratene Tiere zu töten. Erst nach Beenden der Löscharbeiten wurden morgens im abgebrannten Affenhaus zwei schwer verletzte Menschenaffen entdeckt. Die Orang-Utan-Dame wurde von einer Tierärztin mit einer Überdosis Beruhigungsmittel erlöst. Bei Gorilla-Mann Massa wirkte das Beruhigungsmittel nicht. Er wurde letztlich von einem Polizeibeamten mit mehreren Schüssen aus einem Maschinengewehr getötet. [4] Für Massa das Ende eines langen Leidenswegs.

Besonders Menschenaffen leiden sehr stark in Gefangenschaft und entwickeln aufgrund der Beschäftigungslosigkeit häufig Verhaltensstörungen. Sie als „Botschafter ihrer Art“ zu bezeichnen, ist purer Zynismus. Was lernen Zoobesucher, die Orang-Utans oder Schimpansen auf einem Klettergerüst zwischen Betonwänden und Betonboden betrachten? Erfahren sie, dass Orang-Utans hervorragende Kletterer sind, die in ihrem natürlichen Lebensraum die meiste Zeit in den Dächern des Regenwaldes verbringen und in schwindelerregender Höhe Nacht für Nacht ihre Schlafnester bauen? Oder dass die Reviere von Gorillas bis zu mehrere Dutzend Quadratkilometer groß sein können, während sie eingesperrte Tiere in einem wenige Quadratmeter kleinen Gehege betrachten?

Orang-Utan im Affenhaus des Krefelder Zoos.
Kaan Bekan

Tiere einsperren ist kein Artenschutz

Zoos leisten keinen Beitrag zum Artenschutz. Sie können kaum langfristig erfolgreiche Auswilderungen vorweisen, insbesondere bei Primaten. Zudem können Tiere Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen.

Dabei ist der von zoologischen Einrichtungen betriebene Aufwand, um einige wenige Tiere in Gefangenschaft zu halten und für zahlendes Publikum auszustellen, auch finanziell extrem ineffizient: Während meist Millionen Steuergelder in Zuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte der Zoos fließen, sind die Spenden an Partnerorganisationen, die Artenschutz in den natürlichen Lebensräumen bedrohter Tierarten betreiben (in-situ-Artenschutz), verschwindend gering.

Zoogehege sind reine Geldverschwendung

Ein schätzungsweise zweistelliger Millionenbetrag wäre nötig, allein um ein neues Gebäude im Krefelder Zoo zu errichten. [5] Auch das 2012 gebaute Gorillagehege, das von dem Brand verschont blieb, kostete den Zoo Krefeld bereits 2,3 Millionen Euro. Als eine „Rekordsumme“ vermeldete der Zoo dagegen 2017 seine Spenden an Artenschutzpartner – in Höhe von insgesamt 21.200 Euro. [6]

Viele Natur- und Artenschützer sind empört angesichts dieser Geldverschwendung. Sie müssen mit knappen Mitteln darum kämpfen, die wildlebenden Populationen bedrohter Arten und ihren Lebensraum zu erhalten. So kommentierte bereits 2007 der Chefberater für Menschenaffen für die Vereinten Nationen, Ian Redmond, in einem Interview das neue Gorillagehege im Londoner Zoo (2) [7]:

„Fünf Millionen Pfund für drei Gorillas, wo in Nationalparks die gleiche Anzahl an Tieren jeden Tag getötet wird, nur weil es an einigen Land Rover, ausgebildeten Männern und Wilderei-Patrouillen mangelt – so etwas zu hören, muss für einen Parkaufseher schon sehr frustrierend sein.“

Petition: Menschenaffen raus aus Zoos!

Unterzeichnen Sie zudem unsere Petition für ein Ende der Menschenaffenhaltung in Zoos.