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Leather Working Group: Tierleid hinter zertifiziertem Leder

Um Lederprodukte wie Handtaschen oder Schuhe herzustellen, werden Tiere gezüchtet, getötet und ihrer Haut beraubt. Dieser industrialisierte Prozess ist nicht nur mit immensem Tierleid verbunden, sondern führt auch zu massiven Umweltschäden, wodurch die Klimakatastrophe und das weltweite Artensterben weiter befeuert werden.

Die Textil- und Modeindustrie hat erkannt, dass immer mehr Menschen mit ihrem Konsum einen positiveren Beitrag zum Umwelt- oder Tierschutz leisten möchten. Doch anstatt tierische Materialien konsequent zu ersetzen, halten einige Unternehmen verzweifelt an Produkten aus Leder, Wolle oder Daunen fest und haben stattdessen zahlreiche Label und Zertifizierungen eingeführt, die Verbraucher:innen beim Kauf der Tierqualprodukte ein besseres Gewissen suggerieren. Eines davon ist die Leather Working Group (LWG).

Im Folgenden zeigen wir, weshalb die Leather Working Group im Hinblick auf Tierschutz völlig versagt und auch den ökologischen Auswirkungen der Lederproduktion kaum entgegensteuern kann.

Leather Working Group hält an Tierqual-Praktiken fest

In der Leather Working Group (LWG) haben sich zahlreiche Akteure wie Interessenverbände der Lederindustrie, Gerbereien, Chemieunternehmen oder Hersteller von Lederbekleidung, -schuhen und -möbeln zusammengeschlossen. [1] Anstatt ihre gemeinsamen finanziellen und technischen Möglichkeiten zu nutzen, um innovative, tierfreie Lederalternativen zu entwickeln und überall verfügbar zu machen, hält die Gruppe an einem Geschäftsmodell fest, das auf der Misshandlung und Tötung von Abermillionen Tieren basiert und durch die ressourcenintensive Tierzucht erheblich zu der Zerstörung von Natur und Klima beiträgt: die Verwendung von Tierhäuten.

Krokodilen wird die Haut abgezogen
Leder ist die Haut fühlender Lebewesen.

Was ist LWG-zertifiziertes Leder?

Die Zertifizierung der Leather Working Group findet sich entsprechend als Label an Lederprodukten wie Handtaschen oder Schuhen. Die LWG überprüft insbesondere Gerbereien und den Handel mit fertigem und halbfertigem Leder. Im Fokus stehen ökologische Kriterien, wie der Einsatz und verantwortungsvolle Umgang mit Chemikalien. [2] Verbraucher:innen, die Wert auf höhere Tierschutzstandards legen, werden enttäuscht. Landwirtschaftliche Betriebe, die Haltung der Tiere, ihr Transport und wie sie getötet werden, spielen bei der Leather-Working-Group-Zertifizierung keine Rolle.

Weltweit werden an Rindern qualvolle Standardpraktiken durchgeführt. Sie werden ohne Betäubung kastriert, und einigen Kälbern werden die Gesichter mit heißen Brenneisen markiert. In vielen Regionen der Welt werden Tiere im Schlachthof nicht einmal betäubt, bevor man ihre Kehlen durchtrennt. Auch in Ländern wie Deutschland sind Fehlbetäubungen und Misshandlungen im Schlachthof weit verbreitet, und ein Schlachthof-Skandal folgt dem nächsten.

Ein Großteil der weltweit verarbeiteten Tierhäute stammt von Kühen, Büffeln und Kälbern. Leder wird aber auch aus der Haut von Pferden, Schafen, Lämmern, Ziegen und Schweinen hergestellt.

Derart grausame Misshandlungen können auch bei LWG-zertifizierten Produkten stattfinden. Dennoch wird die LWG-Zertifizierung von Modeunternehmen häufig im Zusammenhang mit Begriffen wie „Tierschutz“ oder „Ethik“ benannt. [3,4] Diese gezielte Täuschung von Verbraucher:innen im Hinblick auf ethische und tierschutzrelevante Unternehmensziele wird auch als „Humane Washing“ bezeichnet; denn mit dem Thema Tierschutz befasst sich beim LWG lediglich eine untergelagerte Arbeitsgruppe, die sich „Animal Welfare Group“ nennt. Diese ist rein freiwillig und nicht Teil des offiziellen Zertifizierungsprozesses. Sie dient ausschließlich dem Zweck des Informationsaustausches und nimmt keine konkreten Änderungen an den leidvollen Lebensbedingungen von Tieren in der Agrarindustrie vor. [5]

Die gewaltsame Tötung eines fühlenden Lebewesens wird immer fester Bestandteil der Lederindustrie sein, und kein Modeunternehmen der Welt sollte Verbraucher:innen durch die Einführung von Labeln und Zertifizierungen darüber hinwegtäuschen. Stattdessen sollten die Unternehmen ihren Einfluss nutzen, um tierfreie und klimafreundlichere Alternativen voranzutreiben.“

Johanna Fuoss, Fachreferentin für Bekleidung und Textil bei PETA Deutschland

Lederproduktion: Katastrophal für Umwelt und Gesundheit

Ob ein Leder im Sinne der LWG als „umweltfreundlich“ deklariert wird, hängt primär davon ab, wie der Herstellungsprozess in den Gerbereien abläuft und welche Materialien dabei eingesetzt werden. Gerbereien arbeiten meist mit umweltschädlichen und giftigen Chemikalien, und in Hauptproduktionsländern wie Indien oder Bangladesch gibt es immer wieder Berichte, die aufzeigen, wie Chemikalien nicht sachgerecht entsorgt und ungeklärt in die Umwelt entlassen werden [6,7].

Obwohl wir die Bemühungen der LWG begrüßen, für Gerbereien höhere Umweltstandards zu schaffen, dürfen Konsument:innen nicht vergessen, dass die Produktion von Leder – egal wo und wie sie stattfindet – immer eine große Menge an festen Abfällen wie Fleischreste, Haare und Verschnitt, giftige Abwässer mit Schwermetallen, Farbstoffen oder Lösungsmitteln verursacht, und sie trägt durch den hohen Energiebedarf für Arbeitsschritte wie das Enthaaren oder das Finishing erheblich zur Luftverschmutzung bei. [8] Das Leid der Tiere und die mit ihrer Zucht verbundene verheerende Umwelt- und Klimazerstörung werden von der LWG noch nicht einmal berücksichtigt.

Leather-Working-Group-Zertifizierung ignoriert Umweltprobleme bei der Tierzucht

Viele Umweltkatastrophen werden durch die Tierhaltung verursacht, die global betrachtet bis zu 20 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortet. [9] Dennoch spielen sie bei der LWG kaum eine Rolle. Indem die Lederindustrie die Häute von Tieren wie Rindern, Schafen oder Ziegen verarbeitet, die als Wiederkäuer das extrem klimawirksame Gas Methan ausstoßen, hat die Lederproduktion daran jedoch einen bedeutenden Anteil. Denn die Haut der Tiere ist das wichtigste Co-Produkt der Fleischindustrie, und der Wert der globalen Lederindustrie wurde 2021 auf etwa 400 Milliarden Dollar geschätzt. [10]

Ein weiterer Grund für die hohen Umweltkosten der Tierhaltung ist ihr enormer Flächenbedarf, wodurch weltweit wertvolle Ackerflächen verschwendet und Lebensräume von Tieren zerstört werden. Das wohl prominenteste Beispiel ist hierfür die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldgebietes, die primär auf den Futtermittelanbau oder die Schaffung von Weideflächen für Rindfleisch und Leder zurückzuführen ist. [11]

Regenwaldzerstörung für Leder kann niemals ausgeschlossen werden

Bisher ist die LWG nicht dazu in der Lage, konsequent auszuschließen, dass für die Aufzucht von Tieren Regenwald gerodet wurde; so sind alle JBS-Gerbereien in Brasilien, der größte Fleisch- und Lederproduzent des südamerikanischen Landes, LWG-zertifiziert. Und das, obwohl JBS bereits mehrmals nachweislich mit der massiven, überwiegend illegalen Rodung von Amazonas-Regenwald in Verbindung gebracht wurde. (12,13)

Zwar versucht die LWG durch die Rückverfolgung der Tierhäute bis zum Schlachthof die Abholzung für Leder zu reduzieren, doch die Lieferketten sind so intransparent, dass dies kaum möglich ist. Selbst Schlachthofzulieferer wissen oft nicht, woher die Rinder stammen, die sie töten. Ähnlich wie bei der „Geldwäsche“ werden auch Rinder „gewaschen“, um die tatsächliche Herkunft der Tiere zu verschleiern. In Brasilien schieben beispielswiese Lieferanten ihre Rinder von Ranch zu Ranch, wodurch ihre ursprüngliche Herkunft irgendwann nicht mehr nachvollziehbar ist. Die zunehmende Anzahl qualvoller Langstreckentransporte, bei denen lebende Rinder zur Tötung in weit entfernte Länder transportiert werden, erschwert die Rückverfolgbarkeit weiter. So hat die Abholzung im Amazonasgebiet im Jahr 2021 einen 15-Jahres-Höchststand erreicht. [14]

Rind haengt an einem Lastkran
Dieses brasilianische Rind wurde im Libanon mit einem Kran von einem Transportschiff gehievt.

Auch für Leder von Rindern in Deutschland werden Wälder abgeholzt

Auch die Rinderhaltung in Europa trägt oftmals zur Abholzung des Regenwaldes bei, da auch für importierte Futtermittel Waldflächen gerodet werden. Weltweit ist die Zucht und Haltung von Rindern an etwa 36 Prozent des gesamten weltweiten Waldverlustes schuld – nicht nur in Regenwaldgebieten. [15] Zudem leiden Rinder auch dann, wenn für ihre Zucht kein Regenwald abgeholzt wurde. So werden in Deutschland noch immer viele Kühe in der qualvollen Anbindehaltung gehalten, und die meisten Rinder verbringen einen Großteil ihres Lebens auf harten Spaltenböden, eingesperrt in dunklen Ställen. Lassen Sie sich nicht beirren – die Produktion von Leder schadet dem Leben auf unserem Planeten immer – egal ob ein Zertifikat auf einem Produkt klebt oder nicht. Wer den Regenwald wirklich schützen möchte, sollte daher grundsätzlich nicht zu tierischen Produkten wie Leder greifen.

Entdecken Sie tierfreundliche Lederalternativen

Tierisches Leder ist auch mit LWG-Zertifizierung ein Produkt, das für schreckliche Tierquälerei verantwortlich ist, das Artensterben vorantreibt, zur Klimakatastrophe beiträgt und die Rechte sowie die Gesundheit vieler Arbeitnehmer:innen mit Füßen tritt.

Unternehmen, die Themen wie Tier- und Umweltschutz wirklich ernst nehmen, meiden Tierleder komplett. Gerbereien sollten zukünftig nur noch zum Gerben von tierfreien Materialien wie Leder aus Pilzen und auf der Basis von Hefezellen genutzt werden.

Verantwortungsbewusste Verbraucher:innen, können glücklicherweise schon jetzt aus einer Fülle veganer Lederalternativen wählen: Korkleder-Geldbeutel, Pilzleder-Schuhe oder Kaktusleder-Handtaschen. Selbst viele Autohersteller bieten mittlerweile vegane Optionen im Interieur-Bereich an.