Schweine retten & richtig halten: 5 Tipps für die Schweinehaltung

Viele Menschen entscheiden sich dazu, aus Tierversuchslaboren, Schlachtöfen und aus der Intensivtierhaltung gerettete Schweine bei sich aufzunehmen. Doch schnell merken die meisten Tierfreunde, dass die richtige Haltung von Schweinen im eigenen Garten schwieriger ist als zunächst angenommen. Immer mehr Tiere werden dann bei Tierschutzvereinen, Auffangstationen oder Lebenshöfen abgegeben. Doch auch dort sind die Kapazitäten begrenzt. Wenn Sie geretteten Schweinen ein liebevolles Zuhause schenken möchten, erfahren Sie hier, was Sie beachten müssen.

Gerettete Schweine halten: 5 Tipps über ihre Bedürfnisse und Anforderungen

1. Das müssen Sie im Voraus wissen und beachten – gesetzliche Anforderungen

Das Gesetz unterscheidet zwischen sogenannten Nutz- und Haustieren. Entsprechend dieser – willkürlichen – Einteilung sind Schweine „Nutztiere“, die nicht in Wohngebieten gehalten werden dürfen. Die Schweinehaltung – egal, ob privat oder industriell – ist nur in Misch-, Industrie- und ländlichen Gebieten erlaubt. Bevor die Tiere in ihr neues Zuhause ziehen dürfen, muss das zuständige Veterinäramt die Haltung erlauben. Jedes Schwein muss außerdem bei der Seuchenkasse angemeldet werden und leider eine Ohrmarke zur Kennzeichnung tragen. Auch für die private Haltung ohne kommerzielle Interessen gelten verschiedene behördliche Anforderungen, über die Sie sich in jedem Fall gründlich informieren sollten. [1]

2. Die richtige Ernährung

Schweine sind Omnivore. Das heißt aber nicht, dass sie alles essen dürfen und sollen. Für eine Versorgung mit allen Nährstoffen ist es wichtig, dass ihre Nahrung abwechslungsreich und den Bedürfnissen der Schweine entsprechend zusammengestellt ist. Die Grundlage der täglichen Ernährung bilden Stroh und Heu, Gerste, Hafer und Maisflocken. Schweine knabbern gerne an Ästen mit Blättern, einzelnen Blättern, Baumrinde und Tannenbäumen. Einen Salz- und Mineralstein sollten Sie den Tieren ebenfalls zur Verfügung stellen.

Geben Sie den Schweinen bitte keine spezielle Schweinenahrung, die für Tiere in der Intensivhaltung bestimmt ist. Diese zielt darauf, dass die Schweine möglichst schnell viel an Gewicht zulegen. Obst und Gemüse gehören in portionierten Mengen zum täglichen Speiseplan – Obst sollten Sie in sehr geringen Mengen geben, weil die Schweine sonst zu dick werden. Zur Abwechslung können Sie verschiedenes Obst und Gemüse in portionierten Mengen geben, zum Beispiel Äpfel, Auberginen, Bananen, Birnen, Fenchel, Gurken, Möhren, rohe und gekochte Kartoffeln, Kohl, Kürbis, Spargel, Wassermelone und Zucchini. Dabei ist wichtig, dass Sie den Tieren Rohkost nur ab und zu geben. Mit ungekochten Nudeln können Sie den Tieren gelegentlich ebenfalls Abwechslung bieten. Energiereiche und fetthaltige Haselnüsse, Erdnüsse, Walnüsse und Eicheln sollten Sie nur selten und in geringen Mengen geben. [2] Zu Trinkwasser müssen Schweine jederzeit Zugang haben.

Wichtig: Geben Sie Schweinen keine Speisereste oder Küchenabfälle als Nahrung. Um weiteres Tierleid zu vermeiden, sollten Schweinen keine Eier oder Milchprodukte wie beispielsweise Quark gegeben werden. Dafür leiden sonst die Tiere in der Milch- und Eierindustrie. Geben Sie den Schweinen aus Seuchenschutzgründen auf keinen Fall Fleisch oder Fisch, denn davon können die Tiere sehr krank werden. [1]

3. So sieht das perfekte Zuhause für Schweine aus

Generell gilt: Je mehr Platz, desto besser. Pro Schwein sollten aber mindestens 100 Quadratmeter einberechnet werden. Schweine sollten tagsüber frei entscheiden können, ob sie an der frischen Luft in der Erde wühlen oder in ihrer vor Wind und Wetter schützenden Unterkunft entspannen möchten. Der Auslauf sollte also an den Stall angegliedert sein und die Ein- und Ausgänge zum Schutz gegen Wind und Kälte mit einer Kunststoffabdeckung verhängt werden. Der Ausgang sollte so groß sein, dass zwei erwachsene Schweine nebeneinander hinein- und herausspazieren können.

Den Auslauf sollten Sie teilweise mit Stroh einstreuen, damit die Schweine dort ruhen und die Sonne genießen können. Bedenken Sie aber, dass Schweine leicht einen Sonnenbrand bekommen können. Sorgen Sie daher dafür, dass die Tiere sich selbstständig im Schatten vor der Sonne schützen können. Schweine können nicht schwitzen und überhitzen schnell. Schweine freuen sich daher, wenn sie eine Suhle haben, in der sie im Schlamm wühlen und baden können; die dicke Schlammschicht wirkt kühlend und hält Insekten fern. Damit die Schweine den getrockneten Schlamm selbstständig wieder loswerden können, sollten Sie fest verankerte Scheuervorrichtungen installieren. [3] In fest installierten, mit Wasser gefüllten Metall- und Betonwannen können Schweine sich im Sommer nach Bedarf abkühlen. Sinnvoll sind auch elektronisch gesteuerte Duschen, die bei hohen Temperaturen ebenfalls Abkühlung verschaffen. Auf einer Wiese bzw. auf Erde wühlen Schweine gerne herum. Auch im Außenbereich sollten die Schweine Zugang zu Tränkvorrichtungen haben, denn so werden die Tiere zum Kot- und Harnabsatz im Freien angeregt. In jedem Fall müssen Sie die Schweine mit einem Zaun mit Unterbuddelschutz absichern – die Anforderungen variieren je nach Bundesland. Informationen dazu finden Sie in der entsprechenden Verordnung des zuständigen Veterinäramts. Mit einem solchen Schutz stellen Sie sicher, dass die Schweine nicht von Dritten Nahrung erhalten und verhindern, dass die Tiere Ihr Grundstück verlassen. Außerdem sind Zäune als Schutzmaßnahme aus Seuchenschutzgründen Pflicht.

Innerhalb des Stalls brauchen Schweine getrennte Funktionsbereiche: Der Liegebereich hat einen wärmegedämmten Untergrund, der mit Stroh ausgelegt ist, damit die Schweine Nester bauen können. Im Essbereich benötigt jedes der Tiere einen eigenen Platz mit Sichtblenden, die das Risiko für Neidverhalten verringern. Schweine sind sehr reinlich und nutzen immer dieselbe Stelle als Toilette. Diese kann sich auch im Außenbereich befinden. Dafür eignet sich ein Platz mit leichtem Gefälle vom Stall weg oder ein planbefestigter Boden.

Darüber hinaus brauchen die intelligenten Tiere ständig Beschäftigung: Zum Wühlen und Zerkauen eignet sich Einstreu mit Langstroh. Interessant finden Schweine auch Strohballen, Hölzer, Säcke und Bälle – teilweise eignen sich auch Hundespielzeuge wie Schnüffelteppiche für Hunde. Schweine brauchen Abwechslung – testen Sie gemeinsam verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten und finden Sie heraus, was den Tieren gefällt.

Generell sind Schweine sehr aktive Tiere, die es lieben, zu wühlen und ihre Umgebung zu verändern – dementsprechend sollte ihr Zuhause ausgestattet sein. An fest verankerten Scheuerbalken können die Tiere ihrem Komfort- und Körperpflegeverhalten nachgehen. [3] Entsprechend der Schweinehaltungshygieneverordnung ist für den Auslauf eine doppelte Einfriedung erforderlich, um Kontakt zu Wildschweinen und eine mögliche Übertragung der Schweinepest zu verhindern. [1]

Achten Sie darauf, den Stall und den Auslauf ausreichend zu sichern: Schweine sind sehr intelligent und haben Spaß daran, Tore und Türen zu öffnen – und nutzen entsprechend jede Möglichkeit dazu. Informieren Sie sich über Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Schweine vor anderen Tieren, aber auch damit die intelligenten Schweine nicht ausbrechen.

Sorgen Sie außerdem dafür, dass im Eingangs- und Ausgangsbereich Möglichkeiten zur Schuhdesinfektion bereitstehen und Sie die Exkremente der Tiere hygienisch unbedenklich entsorgen. [1]

4. Schweine brauchen Artgenossen

Schweine sind soziale Tiere, die niemals alleine leben sollten. In Einzelhaltung können Schweine verhaltensauffällig und sogar krank werden. Auch das Zusammenleben mit anderen Tieren reicht nicht – als Herdentiere müssen Schweine unbedingt in Gruppen von mindestens drei Artgenossen zusammen gehalten werden. Die Vergesellschaftung von Schweinen ist sehr schwierig und zeitintensiv – stellen Sie sich darauf ein, dass Sie dabei Geduld brauchen werden.

5. Der richtige Umgang

Ziehen Schweine in ihr neues Zuhause, kann sich die Anfangszeit schwierig gestalten: Sie müssen untereinander die Hierarchien klären und sich sozialisieren. Die Tiere müssen sich teilweise auch an Berührungen von Menschen gewöhnen und ihren Haltern vertrauen – je nach Herkunft der Schweine kann das viel Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem Ohren, Klauen und Augen müssen Halter im Blick halten; bei der Pflege oder Versorgung von Verletzungen sind die Tiere dann an die Berührungen gewöhnt. Mit Gewalt können Halter die Beziehung zu den sensiblen Tieren nachhaltig beeinträchtigen – zumal Gewalt keinem Tier gegenüber gerechtfertigt werden kann. Sie können Schweine zu nichts zwingen – bei schweren, ausgewachsenen Tieren sind jegliche Versuche ohnehin zwecklos.

Wichtig: Regelmäßige Blutkontrollen und Klauenpflege sollten selbstverständlich sein!

Was Sie vor der Adoption bedenken sollten

In der Fleischindustrie werden Schweine mit nur wenigen Monaten getötet – lange bevor sie ihre natürliche Lebenserwartung von 10 bis 15 Jahren erreichen. Wenn Sie sich dazu entscheiden, Schweine vor dem Schlachthaus, aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung oder aus Versuchslaboren zu retten und ihnen ein liebevolles Zuhause zu schenken, sollten Sie wissen, dass Sie in den nächsten Jahren für die Pflege und Versorgung der Tiere verantwortlich sind. Die Haltung von Schweinen ist zeit- und kostenaufwendig – überlegen Sie sich daher bitte gründlich, ob Sie den intelligenten Tieren ein dauerhaftes Zuhause bieten können.

Wie Sie Schweinen darüber hinaus helfen können

  • Jedes Jahr werden Millionen Schweine im Alter von wenigen Monaten getötet, um zu Fleisch verarbeitet zu werden. Wenn Sie dazu beitragen möchten, das Leid dieser intelligenten und sensiblen Tiere nachhaltig zu beenden, sollten Sie Fleisch aus Ihrer Ernährung streichen und sich für die vegane Lebensweise entscheiden.
  • Unser Veganstart-Programm hilft Ihnen 30 Tage lang kostenlos und unverbindlich mit hilfreichen Tipps und leckeren Rezepten beim Umstieg auf ein tierfreundliches Leben.