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Tierversuche und Ethik: Tiermissbrauch ist moralisch nie vertretbar

Maus Tierversuch und Maus im Garten

Ein Aspekt, vor dem die Tierversuchslobby nahezu starrköpfig die Augen verschließt, ist die Ethik. Egal, welche Gründe für die Durchführung von Tierversuchen genannt werden: Es sprechen immer ethische Argumente dagegen.

Tierethik: Tiere sind leidensfähig und haben einen moralischen Wert

Ist es moralisch vertretbar, Tiere einem Leben in einem Versuchslabor auszusetzen und für Versuche zu missbrauchen – egal ob Hund, Maus, Affe, Katze oder Ratte? Mit dieser Frage sind wir bereits mitten in der tierethischen Debatte über den moralischen Wert von Tieren. Dabei geht es nicht darum, die Spezies Mensch mit anderen Lebewesen zu vergleichen, sondern vielmehr darum, sich mit Verstand und Mitgefühl in deren Lage versetzen zu können.

Tiere sind denkende, fühlende und leidensfähige Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen. Aus diesen Gründen haben sie, so wie wir, einen moralischen Wert. Kein Mensch würde sich oder seinen Kindern ein Leben in sterilen, engen Käfigen wünschen – in ständiger Angst, dass uns giftige Substanzen verabreicht werden oder wieder ein Loch in unser Schienbein gebohrt wird, um Medikamente gegen Osteoporose zu testen. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, unseren Lebensstandard auf dem Leben und Sterben diverser Tierarten aufzubauen und grausame Experimente an ihnen durchzuführen, die Tierleid über Generationen hinweg verursachen.

Ratten und Mäuse leiden genauso wie Affen, Hunde und Menschen

Alle Tiere sind gleich wertvoll und verdienen es, mit Respekt und Umsicht behandelt zu werden. Viele Menschen bringen gegenüber Affen oder Hunden jedoch mehr Mitleid auf als gegenüber Mäusen oder Ratten. Dabei machen die sensiblen Nager rund 80 Prozent der in Tierversuchen verwendeten Tiere aus [1]. Eine Studie zeigt, dass bereits das Hochheben von Mäusen in Versuchslaboren den Puls der Tiere rasen lässt und die Ausschüttung von Stresshormonen bewirkt. Routinebehandlungen wie Blutabnahmen oder die künstliche Ernährung per Magensonde führen zu Panik – von den eigentlichen Experimenten ist hier noch nicht einmal die Rede [2]. Die Schlussfolgerung sollte eigentlich trivial sein: Es gibt keine humanen Experimente.

Grundlagenforschung: Tiere leiden unnötig für unseren Wissensdurst

Tierleid darf nicht mit Forschungsfreiheit und Erkenntnisgewinn aufgewogen werden. Das betrifft besonders die Grundlagenforschung – der Bereich, in dem mit über 44 Prozent im Jahr 2018 [3] der größte Anteil aller Tierversuche stattfand. Die Grundlagenforschung dient der Befriedigung von wissenschaftlicher Neugierde und Forscherdrang. Darum wird sie häufig auch als reine Neugierforschung bezeichnet. Viele Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sind irrelevant und kommen niemals dem Menschen zugute, obwohl diese Argumente oft zur Rechtfertigung von Tierversuchen herangezogen werden. [4]

Ein Beispiel für die absurden und grausamen Experimente in der Grundlagenforschung: Experimentatoren in Tübingen öffneten die Schädel von Ratten und saugten Teile der linken Gehirnhälfte ab. Anschließend setzten sie Elektroden ein, um elektrische Impulse messen zu können. Die Forscher wollten herausfinden, welche Nerven bei den empfindlichen Tieren aktiviert werden, wenn Druck auf ihre abgeschnittenen Schnurrhaare ausgeübt wird. [5]

Die Relevanz solcher Erkenntnisse steht in keinerlei Verhältnis zu dem immensen Tierleid, auf dem sie beruhen und ist niemals ethisch vertretbar.

Ethisch vertretbare tierfreie Methoden müssen stärker gefördert werden

Ein anderes Argument, das zur Rechtfertigung von Tierversuchen oft herangezogen wird, ist der Mangel an Alternativen. Tatsächlich gibt es (noch) nicht für jede Art von Versuchen tierfreie Methoden, auch wenn bereits zahlreiche  Innovationen vorhanden sind. Das liegt jedoch zu einem großen Teil an der massiven Ungleichverteilung finanzieller Mittel, denn der Erforschung von tierfreien Methoden steht lediglich ein minimaler Bruchteil der Milliarden Euro an Steuergeldern zur Verfügung, die in Tierversuche fließen. [6] Es wird Zeit, dass diese Gelder endlich angemessen verteilt werden.

Was Sie tun können

Es ist an der Zeit, tierfreie Forschungs- und Testmethoden stärker zu fördern und sich vom gescheiterten System der Tierversuche abzuwenden: Sprechen Sie sich gegen Tierversuche aus, indem Sie PETAs Research Modernisation Deal für Deutschland unterstützen.

 

[1] BMEL (2019): Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2018. https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tierschutz/versuchstierzahlen2018.html, (eingesehen am 14.09.2020)
[2] Balcombe, J. et al. (2004): Laboratory Routines Cause Animal Stress. Contemporary Topics in Laboratory Animal Science, vol. 43, pp. 42-51.
[3] Contopoulos-Ioannidis, D.G. et al (2003): Translation of highly promising basic science research into clinical applications. The American Journal of Medicine. vol. 114, no. 6, pp. 477-484.
[4] Stüttgen, M.C. et al. (2008): Responses of rat trigeminal ganglion neurons to longitudinal whisker stimulation. Journal of Neurophysiology, vol. 100, pp. 1879-1884.
[5] Ärzte gegen Tierversuche e.V. Zusammenfassung Forschungsförderung. https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/images/pdf/forschungsfoerderung.pdf. (eingesehen am 14.09.2020)

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Unsere Blogbeiträge zu den Themenbereichen Tierrechte und Veganes Leben werden von Mitarbeitern von PETA Deutschland und externen Co-Autoren verfasst.