Zootierhandlungen: Tierqual zu Dumpingpreisen

Zoohandlungen nutzen die niedliche Wirkung, die von jungen Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde- und Katzenwelpen sowie vielen anderen Tieren ausgeht – ebenso wie die exotische Faszination von Reptilien und Amphibien. Mit diesen Tieren ist ein lukratives Geschäft zu machen, denn der Handel mit sogenannten Heimtieren wächst seit Jahren. 31,6 Millionen Tiere leben derzeit in deutschen Haushalten – jene in Terrarien oder Aquarien nicht mitgezählt. Der Gesamtumsatz der Heimtierbranche lag im Jahr 2016 bei 4,657 Milliarden Euro. (1) Das unvorstellbare Leid aber, für das diese Branche verantwortlich ist, ist für Außenstehende nicht erkennbar. Da in Deutschland spezifische gesetzliche Regelungen für den Zoohandel fehlen, befinden sich jährlich Millionen Lebewesen in einem quasi „rechtsfreien Raum“. Sie sind der Willkür und Profitmaximierung einiger Menschen unterworfen, die sie als „Stückware“ ansehen.

Woher kommen die Tiere für den Zoohandel?

Zoohandlungen schaffen in der Regel keine Transparenz über die Herkunft ihrer Tiere. Denn besonders das Geschäft mit Jungtieren von Großhändlern floriert. Die Gewinnspanne macht dabei die Masse, das Individuum zählt in dem Gewerbe nichts.

Eine im Jahr 2015 veröffentlichte Recherche im Heimtierhandel konnte jedoch die grauenvollen Zustände der Zuchtindustrie für den deutschen „Heimtiermarkt“ aufzeigen. Tausende Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Ratten und Mäuse vegetierten in Zuchtanlagen großer und kleiner Züchter inmitten ihrer eigenen Ausscheidungen. Die Tiere wurden derart vernachlässigt, dass ein großer Teil von ihnen Verletzungen und Erkrankungen aufwies. Der massive Stress führte unter den Tieren teilweise zu Kannibalismus. Kunden wird hingegen suggeriert, die Tiere würden von lokalen Züchtern oder aus „guten Verhältnissen“ stammen.
 

Meerwasserfische im Zoohandel

Die im Zoohandel angebotenen Meerwasserfische werden meist mit äußerst rabiaten Methoden gefangen. Da sich nur die wenigsten von ihnen in Aquarien vermehren lassen, werden laut dem Spiegel, der sich auf einen Report des Washingtoner Worldwatch Institute bezieht, jährlich 500 bis 600 Millionen Fische aus dem Meer gefangen. (2) Der Fang, der Transport und auch die Haltung beim Großhändler sind mit sehr hohen Verlustraten verbunden. Nur ein kleiner Teil der gefangenen Tiere erreicht den Endabnehmer.

Exotische Wildtiere wie Reptilien, Schlangen und Echsen

In vielen Zoohandlungen finden sich auch exotische Wildtiere wie Reptilien, Schlangen und Echsen. Diese sensiblen Exoten mit ihren hohen Ansprüchen an Temperatur, Feuchtigkeit und Substrat werden an jeden Interessenten verkauft. In einer international übergreifenden Recherche konnte PETA das skrupellose Geschäft mit diesen Tieren aufdecken. Rund 600.000 Reptilien werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Viele von ihnen sterben schon auf den langen Transportwegen oder bereits auf den Zuchtfarmen. Sterberaten von bis zu 70 % sind im Handel bereits einkalkuliert. Bei deutschen Großhändlern werden die überlebenden Reptilien oft in winzige Plastikboxen eingepfercht und darin teilweise mehrere Jahre vorrätig gehalten. Für diese sensiblen Tiere gibt es keine artgerechte Haltung in Privathand. Die Konsequenz bedeutet für viele Reptilien eine völlig unzureichende Versorgung, was oft zu Krankheit und Tod führt.

Vögel im Zoohandel

Auch Vögel werden für den Transport in enge Röhren, winzige Boxen, Käfige oder behelfsmäßige Transportbehälter gezwängt. Hier leiden die sensiblen Tiere unter den Temperaturunterschieden. Die langen Transportwege setzen die Vögel zusätzlich unter enormen Stress.
  

Exotische Wildtiere

Hochsensible exotische Wildtiere wie Präriehunde, Gürteltiere, Weißbüscheläffchen oder Faultiere, die ebenfalls in deutschen Zoohandlungen zu finden sind, werden häufig rücksichtslos der Wildnis entrissen, um getrennt von ihren Familien ein Leben in Gefangenschaft zu fristen. Angesichts der hohen Anforderungen an ihre Haltung ist eine artgerechte Unterbringung in Privathaushalten oder Zoohandlungen nicht realisierbar – für viele Tiere bedeutet dies lebenslanges Leiden und einen frühzeitigen Tod.

Die Situation für die Tiere

Nicht nur die Zucht, der Transport und das Einfangen von Wildtieren bedeuten großes Leid: Auch ihre Unterbringung in den Zoohandlungen ist nicht tiergerecht. In vielen Geschäften sind die die Tiere in winzigen Behältnissen untergebracht. Teilweise sind sie überbesetzt, oder soziale Tiere sind ohne Artgenossen untergebracht. In Vogelkäfigen findet man außer Sitzstangen häufig weder Sand noch Nester.

Mangel an angemessener tierärztlicher Versorgung

In Zootierhandlungen mangelt es häufig nicht nur an angemessener tierärztlicher Versorgung, sondern auch an der fachgerechten Beratung von Käufern. Zudem bestehen keine rechtsverbindlichen Mindestvorgaben für Käfiggrößen oder -ausstattung in Zoohandlungen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) hat Merkblätter für den Zoohandel herausgegeben. Diese Richtlinien dienen jedoch lediglich als Auslegungshilfe des Tierschutzgesetzes und sind nicht rechtsverbindlich – ebenso wenig wie die Leitlinien zu den Mindestvorgaben an die Tierhaltung, die vom BMELV nur für einige Tierarten wie Reptilien und Papageien erarbeitet wurden. Diese dürfen die Händler sogar „vorübergehend“ unterschreiten.

Im Handel wird Tieren die Individualität aberkannt, ihre Bedürfnisse werden ignoriert und oft auch ihr Schmerzempfinden – was zählt, ist nur die „Ware Tier“. Daher werden zum Teil auch kranke und verletzte Tiere verkauft. Viele Tiere verlassen die Tierhandlungen nicht lebendig.
  

Was Sie tun können

  • Kaufen Sie niemals ein Tier in einer Zoohandlung – auch nicht aus Mitleid. Wenn Sie nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommen, einem Tier langfristig ein gutes Zuhause bieten zu können, besuchen Sie bitte ein Tierheim und adoptieren Sie einen tierischen Mitbewohner.
  • Kaufen Sie Zubehör nur in Zoohandlungen ein, die keine Tiere verkaufen.
  • Melden Sie Missstände beim zuständigen Veterinäramt. Am besten gelingt das mit einer präzisen, schriftlichen Aussage und datierten Fotos.
  • Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift unsere Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz und gesetzlichen Regelungen für den Verkauf von Tieren in Zoofachhandlungen.
Quellen:
(1) Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland e.V.: Der deutsche Heimtiermarkt 2016, letzter Zugriff: Februar 2018, https://www.zzf.de/presse/meldungen/meldungen/article/deutscher-heimtiermarkt-2016-mit-umsatzplus.html.
(2) Philip Bethge (2000): Giftattacke im Korallenriff. Der Spiegel. 10/2000.
(3) Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V., Merkblatt, letzter Zugriff: Februar 2018, http://www.tierschutz-tvt.de/index.php?id=50#c283