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Der „Hundeführerschein“ – ein Sachkundenachweis für Hundehalter

Mehr Verständnis zwischen Mensch und Hund führt zu weniger Beißunfällen und einem glücklicheren Hundeleben

Stand Oktober 2016
Immer wieder berichten Zeitungen und Nachrichtensendungen über Beißunfälle, die verletzte Menschen aber auch verletzte Vierbeiner zur Folge haben. Aus diesem Grund haben viele Menschen Angst vor Hunden, denen sie auf der Straße begegnen. Doch was in der Regel unerwähnt bleibt, ist die Tatsache, dass Hunde nicht von Natur aus aggressiv sind. Übergriffe ereignen sich in vielen Fällen durch eine Fehlinterpretation des Verhaltens des Vierbeiners, aber auch eine falsche Haltung oder gewaltsame Erziehung können Ursachen sein.
Was genau ist ein „Hundeführerschein“?
Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor der Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren. Ziel ist es, das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden zu erwerben. Auf den theoretischen Kurs folgt ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar für Hund und Halter in einer Hundeschule.

Warum fordert PETA die Sachkunde?
Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Das Training vermittelt dem potenziellen Hundehalter Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind. Der Halter lernt, seinen vierbeinigen Freund besser einzuschätzen und erfährt, was in kritischen Situationen zu tun ist. Gefährliche Zwischenfälle – zum Beispiel Beißunfälle – können auf diese Weise vermieden werden. Dies verhilft dem Hund zu einem besseren Leben und einem entspannten Verhältnis zu „seinem Menschen“.
Der Sachkundenachweis kann zudem Spontankäufe verhindern – denn gerade Hunde werden später häufig ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben, weil sich die Halter im Vorfeld nicht ausreichend informieren. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen. Darüber hinaus erleichtert die verpflichtende Registrierung auch die Suche nach dem Besitzer eines weggelaufenen Tieres und macht zudem ein Aussetzen des Tieres unmöglich.

Insgesamt ermöglicht diese Regelung also ein reibungsloseres Zusammenleben von Mensch und Tier und hilft dabei, Hunden ein Schicksal im Tierheim zu ersparen.

Gibt es den „Hundeführerschein“ bereits?
2011 hat Niedersachsen als erstes Bundesland die Einführung eines Sachkundenachweises beschlossen – seit Juli 2013 müssen zukünftige Hundehalter in Theorie und Praxis belegen, dass die Kommunikation mit ihrem tierischen Begleiter funktioniert. Mit dem Niedersächsischen Gesetz über das Halten von Hunden hat Niedersachsen auch die „Rasseliste“ wieder abgeschafft – ein wichtiges Zeichen gegen die Stigmatisierung einzelner „Rassen“.
Wer in Berlin ab dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufnimmt, ist dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben.
TV-Hundeprofi Martin Rütter spricht sich ebenfalls für den Hundeführerschein aus. Foto: M. Grande

Das sagen die Experten

Auch Hundeprofi Martin Rütter befürwortet das Konzept. In einem Interview antwortete er auf die Frage, ob Hundeführerscheine eine Lösung, seien: „Die Lösung schlechthin. Jeder darf einen Hund besitzen, ja sogar züchten oder eine Hundeschule aufmachen. Unfälle passieren, weil die Besitzer keine Ahnung von den Tieren haben. Da ließe sich mit einer relativ kurzen Schulung der Grundkenntnisse viel verbessern.“

Die Diplompsychologin Dr. Silke Wechsung äußerte sich zu der Frage, ob sich Gesetze an der Größe des Hundes orientieren sollten, wie folgt: „Der Fokus muss auf den Halter fallen statt auf Größe, Gewicht oder Rasse eines Hundes. Ich würde das Ganze viel präventiver angehen: Bevor sich jemand einen Hund anschaffen darf, muss ein Sachkundenachweis stattfinden. Zum Angeln brauche ich einen Angelschein, aber einen Hund kann ich mir einfach im nächsten Hinterhof kaufen, ohne mir jemals über Verhalten, Verantwortung oder Erziehung Gedanken gemacht haben zu müssen.“

Tipps zu einer gewaltfreien Hundeerziehung finden Sie unter anderem unter: www.animal-learn.de.

WAS SIE TUN KÖNNEN

Bitte unterstützen Sie unsere Forderung nach einem bundesweiten Hundeführerschein und fordern Sie gemeinsam mit uns ein Heimtierschutzgesetz.