Spenden
 » Tierversuche für die Tabakindustrie

Tierversuche für die Tabakindustrie

Stand Juli 2013
Die Gesundheitsbehörden wissen seit Jahrzehnten, dass das Rauchen von Zigaretten gesundheitliche Schäden in fast jedem Organ des menschlichen Körpers hervorrufen kann und dass Tierversuche keine brauchbaren Ergebnisse bezüglich der gesundheitsschädlichen Effekte des Rauchens liefern. Dennoch führen Zigarettenhersteller und die von ihnen beauftragten Vertragslabore nach wie vor grausame und unnötige Tierversuche für neue als auch bereits vorhandene Tabakerzeugnisse durch.

Qualvolle Experimente
Viele Menschen wissen nicht, dass auch heute noch Tierversuche für die Tabakindustrie durchgeführt werden. In diesen Experimenten werden Tiere gezwungen, über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren täglich bis zu sechs Stunden am Stück Zigarettenrauch zu inhalieren. Da Tiere das Einatmen von Zigarettenrauch naturgemäß vermeiden, werden Ratten in Laboren in winzige Behälter gesteckt, in denen ihnen der Zigarettenrauch direkt in die Nase gepumpt wird.
In früheren Experimenten wurde der Rauch Hunden und Affen über Schläuche verabreicht, die in Öffnungen im Hals der Tiere angebracht wurden. Alternativ wurden ihnen Masken aufgesetzt, die sie zur Inhalation des Rauchs zwangen. In anderen gängigen Tests wurde das Rauchkondensat direkt auf der Haut von Mäusen und Ratten aufgetragen, um Tumore zu erzeugen.

Zu Tierversuchen im Zusammenhang mit dem Rauchen gehören folgende Experimente:
Zur Untersuchung der Auswirkungen, die der Zusatz von Inhaltsstoffen wie Honig, Zucker, Melasse, Pflaumensaft, Limettenöl, Schokolade, Kakao und Kaffeeextrakt in Zigaretten verursacht, stopften Experimentatoren von Philip Morris Tausende von Ratten in winzige Behälter, in denen über einen Zeitraum von 90 Tagen täglich bis zu sechs Stunden Zigarettenrauch direkt in die Nase der Tiere gepumpt wurde. Anschließend wurden die Tiere getötet und seziert, um die schädlichen Auswirkungen des Zigarettenrauchs zu untersuchen.(1)
  • Um die Auswirkungen von Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt zur Aromatisierung von Zigaretten zu untersuchen, trugen Experimentatoren von R.J. Reynolds Rauchkondensat auf die Haut von mehr als 1.000 Mäusen und Ratten auf und zwangen die Tiere anschließend, Zigarettenrauch zu inhalieren. Viele der Mäuse, auf deren Haut Teerpartikel aufgetragen worden waren, starben während des Experiments. Bei anderen Mäusen löste sich die Haut und es bildeten sich Hauttumore. Alle überlebenden Tiere wurden getötet und seziert.(2)
  • Experimentatoren von Philip Morris zwangen 1.000 Ratten zum Passivrauchen bzw. zur Inhalation von Dieselabgasen – sechs Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dieses Tests sollten die unterschiedlichen Auswirkungen der Schadstoffe auf die Lunge der Tiere vergleichen.(3)
  • Im Auftrag von Lorillard Tobacco (dem Hersteller von Newport und anderer Zigarettenmarken) zwangen Experimentatoren Ratten, fünf Tage lang je drei Stunden am Tag Zigarettenrauch zu inhalieren. Danach töteten sie die Tiere, schnitten sie auf und untersuchten, ob ihre Lungen geschädigt waren.(4)
  • Darüber hinaus führen Unternehmen auch Tierversuche zur Untersuchung von neuen Zigarettenpapieren, neuen Tabakmischungen und Zigaretten durch, die angeblich „sicherer“ sein sollen. Wie PETA-Ermittler herausfanden, verkaufte das US-amerikanische Krebsforschungszentrum National Cancer Institute (NCI), das eigentlich den Zigarettenkonsum bekämpfen sollte, noch bis vor Kurzem Mäuse an Tabakkonzerne, die dort in Tierversuchen zur Entwicklung neuer Produkte eingesetzt wurden.(5)
    Unter dem Deckmantel der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden zur „Unterstützung“ von Rauchern foltern Experimentatoren Tiere in Versuchen, die mit Steuergeldern finanziert werden. Am US-amerikanischen Oregon National Primate Research Center beispielsweise wurden Dutzenden schwangerer Rhesus-Affen operativ Schläuche eingesetzt, über die ihnen in den letzten vier Schwangerschaftsmonaten kontinuierlich Nikotin verabreicht wurde. Einige Tage vor dem Geburtstermin schnitten die Experimentatoren die Föten aus dem Bauch ihrer Mütter. Sie töteten und sezierten die Frühgeborenen, um die Auswirkungen des Nikotins auf ihren Körper zu untersuchen.(6)

    Veraltete Forschungsmethoden
    Tabakerzeugnisse und ihre Inhaltsstoffe dürfen in Deutschland nicht im Tierversuch getestet werden(7) – und das hat einen guten Grund. Heutzutage stehen Herstellern von Tabakerzeugnissen nämlich wirksame In-vitro-Technologien (d. h. tierfreie Forschungsmethoden) und menschliche Gewebe- und Zellkulturen zur Verfügung. Zudem können sie auf das gesammelte Wissen aus epidemiologischen und klinischen Studien am Menschen zur Gesundheitsgefährdung durch das Rauchen zurückgreifen.
    Die deutschen Labore von Philip Morris haben zur Prüfung der Produkte des Konzerns sogar In-vitro-Methoden entwickelt, in denen menschliches Lungengewebe zum Einsatz kommt. Die US-Sparte des Unternehmens hält jedoch weiter an grausamen und weniger verlässlichen Tierversuchen fest.
    In Kanada werden alle für Tabakerzeugnisse erforderlichen Untersuchungen als tierfreie In-vitro-Tests durchgeführt.(8) Wissenschaftler der Tabakindustrie sind zu dem Schluss gekommen, dass „In-vitro-Tests zur Toxizitätsbestimmung für ein besseres Verständnis der biologischen Wirkung von Zigarettenrauch … und zur Entwicklung von Zigaretten mit verringerter Toxizität erfolgreich eingesetzt werden können“.(9)
    In Belgien, Estland, der Slowakei und in Großbritannien wäre im Übrigen keiner der obengenannten grausamen Tierversuche legal, denn in diesen Ländern ist die Durchführung von Tierversuchen für Tabakerzeugnisse und ihre Inhaltsstoffe verboten.(10-13)

    Grundlegende Unterschiede
    Tierversuche sind nicht nur grausam, sondern im Hinblick auf die Gesundheit des Menschen zudem irrelevant. Verschiedene Tierarten weisen unterschiedliche Reaktionen auf Giftstoffe auf. Zudem sind Tiere in Labors dem Zigarettenrauch nicht auf die gleiche Weise oder im gleichen Zeitrahmen ausgesetzt als menschliche Raucher.
    Der Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und Lungenkrebs beim Menschen wurde viele Jahre lang nicht erkannt, da die Ergebnisse der Tierversuche ihn nicht aufzeigten. In einem vor Kurzem veröffentlichten Artikel berichtete ein Berater der Tabakindustrie, dass die Ergebnisse jahrelanger Inhalationsstudien mit Zigarettenrauch an Ratten, Mäusen, Hamstern, Hunden und nichtmenschlichen Primaten keine deutliche Erhöhung bei der Entwicklung von Krebstumoren aufzeigten. Zudem standen sie „eindeutig im Widerspruch zu den epidemiologischen Erkenntnissen bei Rauchern. Die Beobachtungsstudien am Menschen weisen gegenüber den kontrollierten Laborversuchen mit fünf verschiedenen Tierarten gravierende Unterschiede auf und lassen sich damit nicht in Einklang bringen“.(14)

    Was Sie tun können
    Wie das das US-amerikanische Krebsforschungszentrum bestätigt, „gibt es keine risikofreien Tabakerzeugnisse“.(15) Anhand von Ergebnissen aus der klinischen Forschung und dank unseres gesunden Menschenverstandes wissen wir, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Wer dennoch nicht auf Tabakerzeugnisse verzichten möchte, sollte sich für Produkte von Tabakunternehmen wie Imperial Tobacco oder Santa Fe Natural Tobacco entscheiden, die offizielle Richtlinien gegen die Durchführung von Tierversuchen an ihren Produkten eingeführt haben.


    Quellenangaben
    1) Charles L. Gaworski et al., „An Evaluation of the Toxicity of 95 Ingredients Added Individually to Experimental Cigarettes: Approach and Methods“, Inhalation Toxicology 23 (2011): 1-12.
    2) Mari S. Stavanja et al., „Safety Assessment of High Fructose Corn Syrup (HFCS) as an Ingredient Added to Cigarette Tobacco“, Experimental and Toxicologic Pathology 57 (2006): 267-81.
    3) Walter Stinn et al., „Chronic Nose-Only Inhalation Study in Rats, Comparing Room-Aged Sidestream Cigarette Smoke and Diesel Engine Exhaust“, Inhalation Toxicology 17 (2005): 549-76.
    4) Charleata A. Carter and Manoj Misra, „Effects of Short-Term Cigarette Smoke Exposure on Fischer 344 Rats and on Selected Lung Proteins“, Toxicologic Pathology 38 (2010): 402-15.
    5) Department of Health and Human Services, Schreiben an PETA USA, 22. Dez. 2010.
    6) Theodore A. Slotkin et al., „Prenatal Nicotine Exposure in Rhesus Monkeys Compromises Development of Brainstem and Cardiac Monoamine Pathways Involved in Perinatal Adaptation and Sudden Infant Death Syndrome: Amelioration by Vitamin C“, Neurotoxicology and Teratology 33 (2011): 431-4.
    7) Das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG), BGBl I 1998.
    8) Health Canada, „Toxicity Test Methods“, Zugriff am 15. Sept. 2011.
    9) Cristina Andreoli et al., „A Review of in Vitro Methods to Assess the Biological Activity of Tobacco Smoke With the Aim of Reducing the Toxicity of Smoke“, Toxicology in Vitro 17 (2003): 587-94.
    10) Frieda Brepoels, „Parliamentary Questions“, Europäisches Parlament, 16. März 2009.
    11) Prof. Parve, National Regulations on Ethics and Research in Estonia, Europäische Kommission, 2003.
    12) Jozef Glasa, „Slovak Republic – Regulations on Ethics and Research“, First Clinical Research, Zugriff am 19. Apr. 2012.
    13) Home Office, Guidance on the Operation of the Animals (Scientific Procedures) Act 1986, Kap. 5, Abschn. 5.23, Zugriff am 15. Sept. 2011.
    14) C.R.E. Coggins, „A Minireview of Chronic Animal Inhalation Studies With Mainstream Cigarette Smoke“, Inhalation Toxicology 14 (2002): 991-1002.
    15) National Cancer Institute, „Harms of Smoking and Health Benefits of Quitting“, Zugriff am 15. Sept. 2011.