Im Juni 2025 wurde bekannt, dass bei umstrittenen Experimenten fortpflanzungsfähige Mäuse mit zwei biologischen Vätern erzeugt wurden. Was teils als bahnbrechender Fortschritt gefeiert wird, ist in der Realität mit immensem Leid und dem Tod unzähliger Tiere verbunden. Da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind, ist die öffentlich gefeierte Hoffnung, dass das Experiment bald neue Fortpflanzungsmöglichkeiten für gleichgeschlechtliche Paare eröffnet, irreführend.
In einem Gastbeitrag der britischen PinkNews erklärt Jeffrey Brown, wissenschaftlicher Berater bei PETA UK, wie es den Mäusen in den Tierversuchen ergeht, warum das Ergebnis keinesfalls ein Erfolg ist und wieso auch Pferde dafür ausgebeutet werden. [1, 2] Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung des Artikels.
Wenn Mäuse mit zwei Vätern Kinder bekommen, ist das kein Erfolg – es ist inszenierte Wissenschaft und Tiermissbrauch
Als Wissenschaftler und schwuler Vater sollte ich wohl die Nachricht feiern, dass der Nachwuchs von zwei männlichen Mäusen ihre eigenen Kinder bekommen hat. Stattdessen bin ich angewidert. Natürlich nicht von der Vorstellung, dass gleichgeschlechtliche Paare Familien gründen. Sondern von der invasiven Pseudowissenschaft und dem Rainbow Washing, das dahintersteckt: dem scheinbaren LGBTQIA+-Engagement aus Imagegründen, mit dem suggeriert werden soll, dass Tierquälerei ein Gewinn für Gleichstellung sei. Um zu verstehen, warum all das kein Grund zum Jubeln ist, muss man wissen, was in den Laboren vor sich geht. Tiere werden dort wie Reagenzgläser mit Fell behandelt, anstatt wie die sensiblen Individuen, die sie sind. Jedes Jahr werden in Großbritannien etwa 2,6 Millionen Tiere in Laboren missbraucht: sie werden mit Chemikalien zwangsernährt, bekommen Elektroden ins Gehirn gesteckt, werden aufgeschnitten oder mit Krankheiten infiziert, bevor sie getötet, seziert und wie ein Einweghandschuh weggeworfen werden.
Empfindungsfähige Lebewesen werden gezüchtet, missbraucht und entsorgt
In diesem Experiment wurde Mäusen ein Hormon injiziert, das in der Plazenta schwangerer Pferde produziert und ihnen grausam entnommen wird, um einen Überschuss an Eizellen zu erzeugen. Diese Praxis, einen Überschuss an Eizellen, Embryonen oder voll ausgewachsenen Tierbabys zu erzeugen, ist in Tierversuchen üblich. Tiere werden als „Verbrauchsmaterial“ betrachtet und „Verluste“ sind ein ganz normaler Bestandteil dieses Geschäfts: Empfindungsfähige Lebewesen werden geschaffen, benutzt und entsorgt.
Die Eizellen wurden dann chirurgisch entfernt. In der Studie wird nicht näher erläutert, wie die Samenzellen aus den männlichen Mäusen entnommen wurden, aber dies geschieht in der Regel chirurgisch oder nachdem die Tiere getötet wurden. Die Leihmütter wurden zur Paarung mit männlichen Mäusen gebracht, um eine Scheinschwangerschaft auszulösen, und die Embryonen wurden chirurgisch implantiert. Die lebenden Jungtiere wurden den getöteten schwangeren Mäusen anschließend entnommen.
Ergebnisse werden irreführend als „Durchbruch“ verkauft
Die Vorstellung, dass Mäuse in kahlen Käfigen dahinvegetieren, ihre Fortpflanzungsorgane manipuliert werden, sie sterben und ihren Leichen Babys entnommen werden, klingt wie ein Horrorfilm. Doch wie so viele irreführend als „Durchbruch“ bezeichnete Ergebnisse aus Tierversuchen wurde auch diese Studie als „Good News“ verkauft. Ich arbeite seit den 90er-Jahren in der Forschung und ich kann Ihnen versichern, dass das alles andere als gute Nachrichten sind. Tatsächlich habe ich durch meine Arbeit keinerlei Vertrauen in den Missbrauch von Tieren in Experimenten, die der menschlichen Gesundheit dienen sollen.
Tierversuche sind kaum übertragbar auf Menschen
Nehmen Sie zum Beispiel Krebs: Es ist fast 30 Jahre her, dass Richard Klausner, damaliger Direktor des Nationalen Krebsinstituts in den USA, zugab, dass wir seit Jahrzehnten Krebs bei Mäusen heilen – aber beim Menschen noch immer nicht. Noch heute liegt die Misserfolgsquote potenzieller neuer Krebstherapien bei über 96 Prozent. Das derzeitige Paradigma für die Entwicklung, Erprobung und Markteinführung von Medikamenten hat gravierende Schwächen.
Bei anderen Erkrankungen verhält es sich ähnlich, Beispiel Schlaganfall: Keiner der Wirkstoffe, die in klinischen Versuchen getestet wurden – mehr als tausend wurden an Nagetieren getestet –, verbesserte tatsächlich die Schlaganfallergebnisse beim Menschen. Und das, obwohl einige der Wirkstoffe den Tieren, deren Gehirne zu Testzwecken absichtlich geschädigt wurden, durchaus geholfen haben.
Gleichberechtigung für alle
Die LGBTQIA+-Bewegung muss die Gleichberechtigung in den Mittelpunkt stellen. Mir kocht das Blut in den Adern, wenn ich höre, wie sogenannte Wissenschaftler:innen Tierquälerei rechtfertigen, indem sie sie in eine Prideflagge hüllen. Nur wenn wir Ressourcen auf tierversuchsfreie, humanrelevante Methoden umlenken – wie sie in PETAs „Research Modernisation Deal“ vorgesehen sind –, werden wir echte Fortschritte erzielen.
Eines Tages werden tierfreie Methoden Menschen besser helfen, Eltern zu werden. In der Zwischenzeit gibt es bereits viele Kinder, die eine liebevolle Familie brauchen. Lassen wir uns nicht von der als „Pride“ getarnten Grausamkeit täuschen, sondern räumen wir allen Spezies dieselbe Gleichheit und dasselbe Mitgefühl ein, welche wir für uns selbst fordern. [1]
Helfen Sie, Tierversuche abzuschaffen
Tierversuche sind unnötig und grausam – sie müssen beendet werden! PETAs Research Modernisation Deal beschreibt Strategien und Empfehlungen, wie der Ausstieg aus Tierversuchen und der Weg zu modernen Methoden gelingen kann. Unterstützen Sie jetzt unsere Petition und fordern Sie die verantwortlichen Personen dazu auf, Tierversuche abzuschaffen!
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Quellen
[1] Brown J. Mice with two dads having babies isn’t a gay victory – it’s performative science and animal abuse. The Pink News. 30.06.2025. Zugriff am 04.07.2025. https://www.thepinknews.com/2025/06/30/animal-testing-peta-mice/
[2] Animal Welfare Foundation. Pferdequal für Schweinefleisch: Neue Recherche enthüllt systematische Pferdequälereien in isländischer PMSG-Produktion. 30.04.2025. Zugriff am 15.07.2025. https://www.animal-welfare-foundation.org/blog/pferdequal-fuer-parmaschinken-neue-recherche-enthuellt-systematische-pferdequaelereien-in-islaendischer-pmsg-produktion-1
