Birkel und 3 Glocken: So sehr leiden Hühner für Eiernudeln

Die folgenden Bilder sind schwer anzusehen. Aber sie sind Alltag für Hennen in der Eierindustrie. PETA wurde Bildmaterial aus mehreren Anlagen in Polen und den Niederlanden zugespielt. Die Recherche der Lieferketten zeigt, dass die Eier aus diesen Betrieben vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln landen, die in Deutschland verkauft werden. Dazu gehören auch Nudeln der Marken Birkel und 3 Glocken – und das sind sicher nicht alle.

Die Global Food Group und die Newlat GmbH

Transparenz schreiben sich fast alle großen Nudelmarken auf die Fahne – beziehungsweise auf die Homepage. Möchte man aber mehr über Zulieferer, Abnehmer und Einzelheiten der Lieferketten erfahren, dann merkt man schnell, wie verworren die Lieferbeziehungen in der Eierindustrie sind.

Die Global Food Group (GFG) ist ein Flüssigei-Produzent, der laut eigenen Angaben ca. 20 Millionen Eier in der Woche vertreibt. Vom Hauptsitz in den Niederlanden aus leitet dieses Unternehmen die gesamte Produktionskette vom Küken bis zum Produkt Flüssigei. PETA liegen Aufnahmen aus verschiedenen Zulieferbetrieben der Global Food Group vor, die zeigen, dass Eier aus jeder Haltungsform mit Tierleid verbunden sind. Diese Betriebe befinden sich sowohl in Polen als auch in den Niederlanden. Die GFG wiederum beliefert unter anderem die Newlat GmbH. Dieses Unternehmen mit Sitz in Mannheim vertreibt die bekannten Nudelmarken Birkel und 3 Glocken.

In allen sieben Betrieben, aus denen PETA Aufnahmen vorliegen, wurden augenscheinlich rechtswidrige Zustände dokumentiert, die mit großem Leid für die Hennen verbunden sind. Drei dieser Betriebe liefern nach unseren Recherchen über die GFG an die Newlat GmbH und somit unter anderem in die Produktion von Birkel und 3 Glocken.

Angebliche Freilandhaltung in Ysselsteyn (Niederlande)

Dieser Betrieb in den Niederlanden produziert für die GFG, welche wiederum die Newlat GmbH mit den Marken Birkel und 3 Glocken sowie andere Hersteller mit Flüssigei beliefert. Die Hennen werden in getrennten Stallgebäuden sowohl in der Käfighaltung als auch in der Freilandhaltung gehalten. Allerdings sprechen drei Indizien dafür, dass die Hennen hier nie ins Freie gelangen und die Verbraucher somit getäuscht werden: Die Außenklappen der angeblichen Freilandhaltung waren immer geschlossen, wenn die Ermittler diese Haltung überprüften – zudem war die Auslauffläche kaum beansprucht. Eindeutig gegen einen Auslauf spricht auch die Tatsache, dass die Fläche zum Zeitpunkt der Aufnahmen nicht voll umzäunt war.

Wie die Tiere im Stall leiden, zeigen die unschönen Bilder: Einige Tiere weisen verschiedene Verletzungen auf. Offensichtlich gebrochene Beine, Anzeichen für schmerzhaftes Federpicken und entzündete Fußballen, so dass jeder Schritt Schmerzen bereiten muss. Ein Huhn war kopfüber in einem Stallgitter hängen geblieben und konnte sich nur mit Hilfe der Ermittler befreien.
 
Hilflos hängt diese Henne im Stallgitter fest – ob sie Verletzungen davongetragen hat, bleibt fraglich.
  
Feuchte Einstreu und harte Gitterböden können zu solch schmerzhaften Entzündungen am Fußballen führen.
  
Das Bein dieser Henne scheint gebrochen zu sein – diese Henne wird entweder aussortiert und getötet oder sie verweilt mit schmerzhafter Verletzung im Stall.
 

Kükenaufzucht in Nederweert (Niederlande)

In diesem Betrieb werden Junghennen für die Anlagen der GFG aufgezogen. Die Aufnahmen zeigen, wie die Hühnerkinder auf schmutzigen Gitterböden in maroden und kargen Stalleinrichtungen gehalten werden. Immer wieder werden tote Küken entdeckt, die von den anderen Tieren stark bepickt werden. Die intelligenten Tierkinder wachsen ohne ihre Mütter auf und müssen in einer tristen und reizarmen Umgebung leben. Zustände, die bei dem Newlat-Zulieferer GFG offensichtlich akzeptiert und unterstützt werden.
 
Diese Hühnerkinder sehen nichts als Gitter und Dreck – und die toten Körper einiger Artgenossen.

Bodenhaltung von Fermy Drobiu Woźniak in Bielany (Polen)

Bei der Lieferkettenrecherche konnte auch einer der größten Eierproduzenten Europas, Fermy Drobiu Woźniak, als Zulieferer der GFG identifiziert werden. Dieses Unternehmen lässt „seine“ Hühner bis zu 8 Millionen Eier täglich produzieren. Die meisten Hennen müssen in Käfigen leben. PETA liegt Material aus drei Betrieben der Firma vor, davon zwei mit Käfighaltung und einer mit Bodenhaltung. In der Bodenhaltung fehlte die gesetzlich vorgeschriebene Einstreu, die Tiere leben also auf blankem Beton. Ihr starkes Bedürfnis nach Scharren und Picken können sie somit nicht ausleben, was eine starke psychische Belastung darstellen muss.

Weitere Betriebe, die in Verbindung mit der Global Food Group stehen

PETA liegt Videomaterial aus vier weiteren Betrieben in Polen und den Niederlanden vor, die nachweislich mit der Global Food Group in Verbindung stehen. 
Hierzu gehören zwei Käfighaltungen in Barłożnia und Wioska (Polen), die, wie die Bodenhaltung, zu Fermy Drobiu Woźniak gehören. In beiden Betrieben wurden Tierschutz- und Hygieneprobleme aufgezeigt. Dazu gehören Federpicken, entzündete Kloaken, tote Tiere in den Käfigen, defekte Kotbänder sowie Schubkarren voller alter und zerbrochener Eier. Auch Rechtsbrüche gegen die minimalen Haltungsvorschriften der EU wurden dokumentiert. Es fehlte an Nestern, Scharrbereichen und Sandbademöglichkeiten in den kargen Käfigen. Zudem wird vermutet, dass die Besatzdichte zu hoch war – die Tiere haben also noch weniger Platz als von der GFG (890 cm² pro Henne) oder dem Gesetz (750 cm² pro Henne) gefordert.

Aufgrund der Enge und der kargen Käfige kann es zum Federpicken kommen – dieser Henne wurde fast das gesamte Federkleid herausgerissen.


Käfighaltung in Ysselsteyn (NL): Eier aus dieser Käfighaltung werden ebenfalls an die GFG geliefert, die Bilder sprechen eine ähnliche Sprache. Es wurden Hennen mit schmerzhaften Entzündungen der Kloake, einem Gefiederkleid in teilweise schlimmem Zustand sowie viel zu lange und abgebrochene Krallen dokumentiert. Auch hier sterben scheinbar täglich Tiere aufgrund der leidvollen Haltungsbedingungen. Allgemein war auch diese Anlage sehr schmutzig, und offenbar wurden EU-Richtlinien nicht eingehalten, denn Nester oder die Möglichkeit zum Sandbaden und Picken wurden auf dem Videomaterial nicht gesehen.

Durch die Zucht auf unnatürlich viele Eier entzünden sich oftmals die Kloake sowie der gesamte Legeapparat. Diese Henne muss unfassbare Schmerzen beim Eierlegen haben.
 
Eine tote Henne liegt eingeklemmt und blutend auf den Förderbändern der Eier.
 
Die Hennen haben in diesen Käfigen keine Möglichkeit, ihre Krallen abzunutzen – sie behindern die Tiere und brechen sicher unter Schmerzen ab.


Ein weiterer Betrieb in den Niederlanden (Heythuysen), der von der GFG-Aufzucht in Nederweert mit Junghennen beliefert wird, zeigt eine Bodenhaltung, in der scheinbar ebenfalls zu viele Hennen untergebracht sind und die gesetzlich vorgeschriebene Einstreu fehlt. In einem anderen Stallabteil des Betriebs sind die Käfiggitter des Bodenhaltungssystems heruntergeklappt, sodass die Tiere den Bodenbereich nicht nutzen können und faktisch in einer Käfighaltung leben. Die Hennen sind dicht an dicht in Käfige gesperrt, das Federkleid zeigt kahlgepickte Stellen, die Krallen sind viel zu lang und tote Tiere liegen in den Käfigen – neben den noch lebenden Tieren.

Zudem sind einige Tiere ausgesperrt und haben somit keinen Zugang zu Wasser oder Futter. Dass dem Betreiber diese einzelnen Tiere offensichtlich völlig egal sind, zeigen die vielen toten Hennen, die über oder neben den zugeklappten Käfigen liegen. Sie scheinen qualvoll verdurstet zu sein; ihre toten Körper verrotten über den Köpfen der eingesperrten Hennen.

Vom Leid der Tiere abgesehen, zeigen die Aufnahmen, dass die Eier des Betriebs in der eigenen Packstation weiterhin mit der Zahl „2“ für Bodenhaltung gestempelt werden. Hier werden also nicht nur Tiere gequält, sondern auch Verbraucher getäuscht.

Mit verletztem Bein muss sich diese Henne zwischen hunderten von Artgenossen durchschlagen.
 
Apathisch liegt diese Henne in den zugeklappten Käfigen. Die Qualen, die sie augenscheinlich in den letzten Monaten ertragen musste, sind unvorstellbar.
  

Konsequenzen für Birkel, 3 Glocken und andere Marken

Über die Global Food Group bezieht unter anderem die Newlat GmbH Flüssigei für ihre Nudeln der Marken Birkel und 3 Glocken – Flüssigei, das offensichtlich unter katastrophalen und teilweise illegalen Bedingungen produziert worden ist. Durch diese Aufnahmen wird einmal mehr bestätigt, dass das Tierwohl in der Eierindustrie an letzter Stelle steht und vermutlich auch eine Verbrauchertäuschung vorliegen kann. Rechtliche Normen sowie betriebsinterne Vorgaben werden bei vielen Zulieferbetrieben der GFG scheinbar missachtet. Für die Flüssigei-Produktion werden unnötige Transportwege (Holland/Polen) in Kauf genommen, obwohl sich Birkel laut eigener Aussage der Nachhaltigkeit besonders verpflichtet sieht.

Diese Aufnahmen – und die Skandale der Vergangenheit – zeigen, dass sich die schlechten Verhältnisse in der Eierproduktion nicht ausschließlich auf die Global Food Group beschränken, sondern systemimmanent sind. Auch Falschdeklarationen bei der Haltungsform von Eiern scheinen keine Einzelfälle zu sein. Gerade für Firmen wie die Newlat GmbH (mit den Marken Birkel und 3 Glocken), die angibt, keine Eier aus der Käfighaltung zu verwenden, sind solche Fälle kritisch. Denn wenn schon die Kontrollen bei den eigenen Zulieferern versagen oder die oben beschriebenen Zustände geduldet werden, dann kann oder will man sich vor falschen Deklarationen vielleicht nicht schützen.

PETA erstattet Anzeige

Aufgrund von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und die EU-Richtlinien zur Haltung von sogenannten Legehennen haben wir bei der jeweils zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die polnischen und niederländischen Betriebe erstattet.

Was Sie tun können

Sie wollen sich nicht weiter auf die – oftmals leeren – Versprechen der Hersteller verlassen? Sie möchten nicht mehr für Tierquälerei bezahlen und somit mitverantwortlich für das millionenfache Leiden der Hennen in der Eierindustrie sein? Dann machen Sie sich eifrei! Mit unserer Kampagne „Mach dich eifrei“ klären wir über die wahren Zustände in Eierbetrieben auf und zeigen Ihnen gesunde und schmackhafte Alternativen zu Eiern in verarbeiteten Lebensmitteln, beim Kochen und beim Backen. 

Gerne können Sie sich auch direkt an Hersteller von beispielsweise Eiernudeln wenden und diese freundlich auffordern, zukünftig eifreie und somit leidfreie Nudeln zu produzieren.