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4 Fakten, die gegen die Jagd auf Waschbären sprechen

Jagd Waschbären
Der Waschbär wurde in den 1920/30er-Jahren vom Menschen aus Nordamerika nach Deutschland gebracht und bewusst ausgesetzt, denn er sollte für die hiesige Pelzindustrie angesiedelt werden. [1] Heute gilt der Waschbär als gebietsfremde invasive Art, wird erbarmungslos verfolgt und auf grausamste Weise getötet. In der Jagdsaison 2018/2019 starben rund 150.000 Waschbären nach Angaben des deutschen Jagdverbandes, darunter auch Fallwild, also Tiere, die durch Krankheiten, Hunger oder Kälte zu Tode gekommen sind [2].

Jäger versuchen gerne, die massenhaften Tötungen mit Stammtischparolen und Jägerlatein zu rechtfertigen – doch die Fakten sprechen eine völlig andere Sprache.

1. Die Jagd auf Waschbären ist kontraproduktiv

Im Rahmen einer langjährigen Forschungsarbeit fanden Experten heraus, dass Waschbären mit erhöhter Fortpflanzung auf die Jagd reagieren. In bejagten Populationen ist der Anteil der sich fortpflanzenden weiblichen Tiere höher als in nicht bejagten Populationen. Je mehr Waschbären getötet werden, desto mehr Jungtiere werden daher geboren. Auf diese Weise gleichen die Tiere die Verluste durch die Jagd aus und kompensieren diese sogar über. Die Folge ist ein Anstieg der Population. [3]

„Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass der Waschbär sich bei uns wohl fühlt und wir ihn nicht regulieren können. Insofern müssen wir uns mit ihm arrangieren.“
Dr. Ulf Hohmann, Wildbiologe und Waschbär-Experte [4]

2. Waschbären sind keine Bedrohung für die heimische Artenvielfalt

In keiner wissenschaftlichen Untersuchung wurde bislang nachgewiesen, dass von einer grundsätzlichen ökologischen Gefahr durch den Waschbären in Deutschland auszugehen ist. Im Gegenteil: Langjährige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass der Waschbär keine wesentliche Gefahr für die Natur und Artenvielfalt darstellt. Die Tiere ernähren sich in der Regel vornehmlich von leichter Beute wie Regenwürmer, Insekten oder Obst. [5, 6, 7]

Es wird gerne behauptet, der Waschbär würde eine Gefahr für populationsrückläufige Arten wie beispielsweise die Sumpfschildkröte darstellen. Dafür ist jedoch in erster Linie der Mensch verantwortlich. Der Verlust von Lebensraum durch die Begradigung von Flüssen und die tödliche Gefahr durch den Straßenverkehr haben die Reptilien an den Rand des Aussterbens getrieben. [8]

3. Eine Krankheitsübertragung durch Waschbären ist nahezu auszuschließen

Deutschland ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut [9], und das Risiko einer Übertragung des Waschbärenspulwurms ist nahezu auszuschließen. Eine Ansteckung des Menschen als Fehlwirt ist extrem selten und findet ausschließlich durch den Kontakt mit infektiösen Eiern über den Mund statt – diese können sich im Kot infizierter Tiere befinden. Selbst in Gebieten, in denen ein hoher Anteil der Waschbären Träger des Parasiten sind, tritt eine Erkrankung an einer Waschbären-Spulwurminfektion beim Menschen nur äußerst selten auf.

4. Die Fallenjagd verursacht furchtbare Tierqual

Bei der Fallenjagd werden Waschbären zunächst mithilfe von Lebendfallen eingefangen. Anschließend töten die Jäger die Tiere per Kopfschuss. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz verursacht das lebendige Fangen von Wildtieren hohen Stress und erhebliches Leiden. Wildtiere geraten in höchste Panik, wenn sich die Falle schließt und ziehen sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schwere Verletzungen zu – bis hin zum Tod durch Kreislaufversagen [10, 11].
 
Auch Totschlagfallen kommen bei der Jagd auf Beutegreifer in vielen Bundesländern noch immer zum Einsatz. Die Tiere werden dabei regelrecht zerquetscht oder sterben aufgrund von Trümmerbrüchen oder abgetrennten Gliedmaßen einen langsamen und schmerzhaften Tod. Bei Waschbären ist die Wahrscheinlichkeit einer nicht sofortigen Tötung besonders hoch, da die Tiere bei der Nahrungsaufnahme ihre Pfoten nutzen. Greifen Waschbären mit der Pfote nach dem Köder in der Falle, schnappt diese zu. Lediglich in einigen wenigen Bundesländern wurden die Totschlagfallen bereits verboten bzw. unter Genehmigungsvorbehalt gestellt. [12]
 
Ein Waschbär versucht verzweifelt aus einer Lebendfalle zu entkommen.

Was Sie tun können

  • Wenden Sie sich an den Landtagsabgeordneten Ihres Wahlkreises und bitten Sie ihn/sie höflich, sich für den Schutz der Waschbären auf Landesebene einzusetzen.
  • Stoppen Sie die Zwangsbejagung auf Ihrem Grundstück und machen Sie dieses zu einem sicheren Rückzugsort für die Tiere.
  • Geben Sie den Tieren Ihre Stimme, indem Sie unsere Petition unterschreiben und dabei helfen, dass grausame Totschlagfallen endlich verboten werden.

[1] Stadt Kassel (2014): Waschbär – Die Tiere mit der Zorromaske. Stadt Kassel – Ordnungsamt mit Unterstützung von Roland Ruhnau, Naturkundemuseum Kassel und Dr. Ulf Hohmann, Landesforsten Rheinland-Pfalz.
[2] Deutscher Jagdverband e.V.: Jagdstatistik für einzelne Wildarten, https://www.jagdverband.de/zahlen-fakten/jagd-und-wildunfallstatistik/jagdstatistik-fuer-einzelne-wildarten, (eingesehen am 07.10.2020)
[3] Frankfurter Allgemeine Gesellschaft (2013): Waschbären „Die Rasselbande zerstört alles“, http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/umwelt/waschbaeren-die-rasselbande-zerstoert-alles-12173341.html, (eingesehen am 07.10.2020)
[4] Badische Zeitung (2017): Invasive Art Jetzt streunen die Waschbären durch unsere Wälder, http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/jetzt-streunen-die-waschbaeren-durch-unsere-waelder--135843094.html, (eingesehen am 07.10.2020)
[5] Michler B. (2015): Unsuspicious immigrant or ecological threat: A long-term fieldwork study on the introduced raccoon in Germany ECM Stockholm 2015.
[6] Michler, B.A.; Michler, F.-U.; Rieger, S. & Roth, M. (2014): Effects of raccoon settlement in Germany - a closer look at the ecology of an unfamiliar invasive species. - In: Ulbrych, L.; Jankow, W.; Zalewski, A.; Wypychowski, K. (eds.): Ekologia i wplyw na srodowisko gatunków inwazyjnych. - Park Narodowy "Ujscie Warty", pp. 69-71. Abstract.
[7] Badische Zeitung (2017): Invasive Art Jetzt streunen die Waschbären durch unsere Wälder, http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/jetzt-streunen-die-waschbaeren-durch-unsere-waelder--135843094.html, (eingesehen am 07.10.2020)
[8] Das Erste (2012): Video: Sumpfschildkröte - willkommen zurück!, http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/sumpfschildkroete-willkommen-zurueck-100.html, (eingesehen am 07.10.2020)
[9] Robert Koch Institut: Tollwutratgeber, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tollwut.html, (eingesehen am 08.10.2020)
[10] Michler, F.-U.F. & Michler, B.A. (2012): Ökologische, ökonomische und epidemiologische Bedeutung des Waschbären (Procyon lotor) in Deutschland - eine aktuelle Übersicht, - Beitr. Jagd- u. Wildforsch. 37: 389-397.
[11] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010): Tierschutz für Jäger. Merkblatt Nr. 123.
[12] TAZ (07.12.2019): Falle zu, Fuchs in Not, https://taz.de/Online-Petition-gegen-Totschlagfallen/!5629960, (eingesehen am 07.10.2020)