Feminismus: Eier, Milch und Käse sind Produkte des Sexismus

Der Feminismus kämpft für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen. Während dies selbstverständlich wichtig und richtig ist, sollten wir beim Thema Frauenrechte jedoch nicht nur an Menschen denken, denn das entspräche einer speziesistischen Denkweise.

Leider erfahren nicht nur weibliche Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit Diskriminierung – auch unzählige weibliche Tiere werden tagtäglich aufgrund ihrer weiblichen Körperfunktionen ausgebeutet und getötet, darunter etwa Kühe und Hennen.

Worum geht es beim Feminismus?

Feminismus setzt sich gegen die Art und Weise ein, mit der die Interessen und Subjektivität bestimmter Lebewesen innerhalb des gesellschaftlichen Systems zugunsten einer willkürlich benannten „Überlegenheit“ abgelehnt werden. Die amerikanische Feministin Andrée Collar sagte hierzu:

„In einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung werden Natur, Tiere und Frauen zu Objekten degradiert, zu Eigentum gemacht und mit Blick auf ihr Fortpflanzungssystem der männlichen Kontrolle unterworfen.“ [1]

Feministin Andrée Collar

Historisch gesehen werden Frauen von Männern als verletzlich erachtet. Sie gelten als unfähig, sich zu wehren, ihre Zustimmung zu geben oder effektiv zu kommunizieren. Daher werden Frauen teilweise als Eigentum von Männern angesehen, das im Namen von Profit und Konsum ausgebeutet werden kann. [2]

Diese Einstellung trifft auch auf nicht-menschliche Tiere zu, die regelrecht auf Körperteile wie Brüste, Beine, Po und Oberschenkel reduziert werden. Auch Frauen werden oft anhand der gleichen Merkmale herabgesetzt und „wie ein Stück Fleisch“ behandelt. Auf diese Weise wird ihre Unterdrückung gerechtfertigt.

Sexismus und Speziesismus sind verbundene Unterdrückungsformen

Die Tierindustrie baut auf der systematischen Ausbeutung des Reproduktionssystems weiblicher nicht-menschlicher Tiere auf – zu Profitzwecken und für den Konsum des Menschen. Die betroffenen Tiere selbst haben keinerlei Einfluss auf diese Nutzung ihrer Geschlechts- und Fortpflanzungsorgane und keine Möglichkeit, sich zu widersetzen.

Die Ausbeutung weiblicher Tiere wie Kühe und Hennen zur Produktion tierischer Nahrungsmittel wie Milch und Eier vereint gleich mehrere Formen der Diskriminierung – zum einen Sexismus, zum anderen Speziesismus.

Infolge dieser Diskriminierung werden Tiere objektifiziert, unterdrückt und ausgebeutet. Als Teil des feministischen Konzepts erkennt die intersektionale Perspektive an, dass Sexismus, Rassismus, Klassizismus und andere Formen der Unterdrückung miteinander verbunden sind und sich überschneiden. Dabei ist es unserer Ansicht nach jedoch zwingend erforderlich, dass Intersektionalität alle unterdrückten Gruppen einschließt – also auch die ausgebeuteten Tiere und den damit einhergehenden Speziesismus. [3]

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Unterdrückung verstehen und solidarisch auflösen

Um die gegenwärtigen Machtstrukturen zu durchbrechen, ist es von größter Bedeutung, Solidarität mit nicht-menschlichen Tieren zu zeigen und zu erkennen, dass alle Unterdrückten dem gleichen System der Ungleichheit unterworfen werden. Dr. Corey Lee Wrenn, Gründerin des Vegan Feminist Network, erklärt es so: „Es ist unmöglich, das Phänomen der Unterdrückung wirklich zu verstehen, solange wir die am stärksten unterdrückten Lebewesen in unserer Gesellschaft ausklammern.“ [4]

Um die Ausbeutung, die Ungleichheit der Geschlechter und die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, muss auch die Unterdrückung weiblicher Tiere adressiert werden. Daher ist es insgesamt dringend erforderlich, dass neben uns Menschen auch andere Tiere endlich Rechte erhalten.

Banner Speziesismus stoppen

Milch und Eier sind sexistische Produkte

Sogenannte Milchkühe und Legehennen werden diskriminiert – und zwar genau auf die Art und Weise, gegen die der Feminismus ankämpft. Sie werden in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ausgebeutet, weil sie weiblich sind, schwanger werden, Muttermilch produzieren und im Fall von Hennen Eier legen können. Die Tierwirtschaft betreibt systematische Manipulation der Reproduktionssysteme weiblicher Tiere.

Kühe werden künstlich besamt

Kühe werden etwa einmal im Jahr künstlich besamt. In der Regel stecken Landwirt:innen oder Tierärzt:innen hierzu einen Arm tief in das Rektum des Tieres und führen mit der anderen Hand eine Kanüle mit Sperma in deren Scheide ein. Damit der Mensch die von der Natur für das Kuhkind vorgesehene Milch konsumieren kann, werden Kuhmütter meist direkt nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt. Sie können ihre Kinder nicht einmal einen Tag lang versorgen, während ihre Muttermilch für den menschlichen Konsum abgepumpt und verkauft wird.

Aufgrund dauerhafter Stallhaltung und gezielter Überzüchtung zugunsten eines unnatürlich hohen Milchertrags sind viele Kühe ausgemergelt und erkranken. Nach durchschnittlich vier bis fünf Jahren sind die ausgebeuteten Tiere für die Betriebe nicht mehr rentabel und werden im Schlachthaus getötet.

Auch weibliche Ziegen und Schafe erleiden das gleiche Schicksal wie Kühe, damit der Mensch Ziegenmilch und Schafsmilch konsumieren kann.

Kuehe in der Molkerei
Die Milchindustrie degradiert Kühe zu reinen Milchmaschinen.

Hennen als „Eierproduktionsmaschinen“ missbraucht

Sogenannten „Legehennen“ in der Eierindustrie geht es leider in keiner Weise besser. Die Tiere stammen vom Urhuhn ab, das, wie jeder andere Vogel, zur Fortpflanzung ca. 20 Eier im Jahr legt, seine Küken fürsorglich ausbrütet und liebevoll versorgt.

In starkem Gegensatz dazu haben „Legehennen“ in der heutigen Eierindustrie keine Möglichkeit, ihrem natürlichen Verhalten nachzugehen. Sie wurden gezielt so stark überzüchtet, dass sie bis zu 300 Eier im Jahr legen. Diese Eier werden direkt nach dem Legen eingesammelt, sodass die Küken nicht unter der liebevollen Betreuung ihrer Mütter, sondern anonym in Brutschränken schlüpfen. Hennen sind für Legebetriebe nach ca. 1,5 Jahren nicht mehr rentabel und erfahren einen gewaltsamen Tod im Schlachthaus.

Milch und Eier sind nicht nur Tierqualprodukte, sondern unterstützen auch sexistische Ausbeutung und Unterdrückung.

Unzaehlige Legehennen in einem Stall
Millionen Hennen fristen in der deutschen Eierindustrie ein elendes Dasein in verschiedenen Haltungsformen.

Feminist:innen sollten Solidarität zeigen

In Zeiten, in denen Feminismus eine wichtige Rolle spielt, sollte die Solidarität mit weiblichen Lebewesen auch für andere Tierarten gelten. Kühe und Hennen kommunizieren auf andere Weise als wir Menschen und werden von uns oft nicht verstanden. Daher ist es unsere Pflicht, sich für ihre Rechte einzusetzen und sich gegen den Missbrauch, dem sie täglich unterworfen werden, einzusetzen.

In der landwirtschaftlichen Tierhaltung werden jedoch nicht nur weibliche Tiere ausgebeutet – auch männliche Tiere erfahren aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit großes Leid. So werden die meisten männlichen Kälber, Böcke und Lämmer nur wenige Wochen bis Monate nach ihrer Geburt getötet, weil sie für die Milch- oder Eierindustrie unrentabel sind. Für die Befruchtung der weiblichen Tiere wird „Zuchtbullen“ und Hähnen regelmäßig und gewaltsam Samen entnommen.

Ihr persönlicher Beitrag zu mehr Gleichberechtigung

Setzen Sie ein Zeichen im Namen des Feminismus und konsumieren Sie keine tierischen Produkte. Greifen Sie stattdessen zu rein pflanzlichen Produkten wie PflanzenmilchKäse-  oder Ei-Alternativen.

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